Meine Katzen, mein plötzlicher Spleen und wie sich alles fügte.

Meine Katzen und ich, wir waren immer eine Einheit. Ich liebte es abends eine schnurrende Katzen auf dem Schoß zu haben. Ich habe meine Mittagsschläfchen mit Katzen gemacht. In Winternächten wärmten sie mir die Füße. In der ersten Schwangerschaft schmiegte sich meine Kater schnurrend an den dicken Bauch. Herrrrrrlich!

Und dann kamen die Hormone.

Ungeachtet meines sonstigen Empfindens und meiner eigentlichen Überzeugung, bekamen die Katzen einen schweren Stand. Das erste Kind wurde geboren und ich mutierte zur hysterischen Putzfee. Ich sah plötzlich überall Katzenhaare! Überall! Ich wollte 4mal täglich alles staubsaugen und die Katzen am liebsten in einen Latexanzug stecken, damit sie nicht überall ihren „schlimmen“ Dreck verteilen konnten. Der Teufelskreis bei der Sache war, dass die Katzen natürlich auch gestresst waren. Staubsauger und Katzen…. Und dann war da plötzlich ein schreiendes Bündel, dass jetzt an ihrer statt auf meinem Schoß und in meinem Bett kuscheln konnte. Es machte Lärm und roch anders.
Die Katzen warfen tatsächlich, und nicht nur in meiner Wahnvorstellung, büschelweise Haare ab. Dass sie noch Fell hatten, wunderte mich.

Haarige Katze
Die Katzendame verkroch sich die meiste Zeit unterm Bett oder in dem am wenigsten frequentierten Raum und kam fast nur noch zum Fressen raus. Der Kater tat es ihr nach, versuchte aber immer wieder altes Terrain zurück zu erobern. Wir hatten ein angespanntes Verhältnis. Ich wollte keine Katze mehr auf meinem Schoß, geschweige denn in meinem oder gar dem Kinderbett.

Schnell war allerdings und zum Glück klar, dass die Katzen beide keine Aggressionen gegen den Nachwuchs entwickelten. Obwohl ich so unterkühlt mit ihnen war. Als der Sohn gerade stehen konnte, klopfte er dem Kater gerne mit den Patschehändchen auf den Bauch, wenn dieser irgendwo gemütlich lag und wieder Haare verteilte. Dem Kater wurde das einmal, zu recht, zu blöd und verteilte eine Backpfeife an den unerfahrenen Angreifer. Da der stolze Vater gerade dabei war zu filmen, konnten wir in Zeitlupe sehen, wie der Kater zwar mit Schmackes die Wange vom Sohn erwichte, aber die Krallen drin blieben. Gut, dass hätte man auch ohne Zeitlupenvideo sehen können, denn der Sohn hatte keinen einzigen Kratzer. Aber er hatte gelernt: Auf Katzen klopfen is doof. Die klopfen nämlich zurück.

Als die beiden sich zaghaft annäherten, kam das Sirenchen zur Welt. Das war eine harte Zeit. Es wurde wieder vermehrt Fell abgeworfen und die Katzendame und der Kater kloppten sich gegenseitig, weil sie das regelmäßige und extrem laute Geschrei der Sirene nur schwer ertragen konnten. Es gab definitiv einen Zusammenhang. Schreiendes Kind = streitende Katzen. Da sie beide Wohnungskatzen waren und wir mitten in der Stadt wohnten, gab es leider auch keine Alternative. Es war eine schwere Zeit für die Katzen. Unterm Bett in einer Kiste voll Wollsocken, war es wohl am angenehmsten.

Dann kam auch noch das Knöpfchen und plötzlich stapelten sich Umzugskartons, weil der Platz nicht mehr reichte und wir umziehen mussten. Ich bin nicht sicher, ob die Katzen verstanden was nun passieren würde, oder ob sie einfach resignierten, oder ob die gefüllten Umzugskartons genug Versteck boten und den Schall schluckten. Sie schlawenzelten ohne Fell abzuwerfen zwischen den Kartons herum und die Kinder krabbelten hinterher. Aus Umzugskartons, wenn es denn genug sind, kann man übrigens prima Krabbeltunnellabyrinthe bauen!

Mittlerweile sind wir umgezogen, haben mehr Platz und einen Garten. Das ist für alle Beteiligten eine Erleichterung. Ich machte mir Sorgen wegen des Umzugs, hatten beide Katzen doch schon 8 Jahre auf dem Buckel und kannten nichts anderes. Aber das war alles nicht nötig. Von der ersten Nacht an fanden die Katzen ihre neue Katzentoilette, liefen durchs Haus, als sei es schon immer ihr zu Hause gewesen und der Kater ging nach 8 Wochen sogar hinaus in die „Wildnis“. Die erste Zeit nicht ohne nach Hause zu kommen, wenn er auf Toilette musste. 😀

Die Katzendame hütet das Haus und fängt brav alles, was hier so an Krabbeltieren von draußen rein kommt. Dafür liebe ich sie.

Insgesamt haben sich die Katzen so an die Kinder gewöhnt, dass man (also die Kinder) vor allem dem Kater mittlerweile beim Fressen Dinge auf den Rücken legen kann. Er frisst und trinkt unbeirrt weiter, auch wenn ich dabei vielleicht noch geräuschvoll die Spülmaschine direkt neben ihm aus- und einräume. Wenn´s ihm zu bunt wird, geht er raus oder legt sich in den Kleiderschrank. Die Katzendame pflegt auf einem alten Sessel auf dem Dachboden zu ruhen.

Wie alle menschlichen Familienmitglieder, müssen sich auch die Haustiere mit der Geburt eines Kindes neu positionieren. Das Beziehungsgefüge erleidet Krisen, gewinnt aber auch neue Möglichkeiten. Mittlerweile habe ich mich logischerweise auch wieder entspannt. Sollen die Katzen doch liegen wo sie wollen. Auch in den Betten der Kinder.

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