Backen mit Kindern

Meine Großtante war eine große Backfee, die mit Geduld und Hingabe mit mir zusammen backte. Die wunderbarsten Sachen hat sie mit mir gezaubert. Himbeerbisquitrolle mit frischem Himbeermus aus dem Garten, die besten Windbeutel der Welt mit Sahne und Sauerkirschen gefüllt, Apfelkuchen vom Blech, Hefebrötchen, Plätzchen aller Art und Marmorkuchen. Toll! Lecker! Super schöne Nachmittage! Ich durfte alles mitmachen und es gelang IMMER! Es war wie in einem Werbespot. Ein großes Vorbild.

Jetzt bin ich so romantisch und naiv verklärt, dass ich bevor ich Kinder hatte, immer dachte: „Ach, wenn ich mal Kinder habe, dann backen wir auch tolle Sachen zusammen. Und in der Adventszeit werden Plätzchen gebacken! Dazu Kerzenschein und lustige Weihnachtlieder. Das wird sooooooo toll!!!!“

Kommen wir zur Realität: Die Romantik des Backens mit Kindern erlitt einen üblen Dämpfer. So sehr ich es mir auch wünsche und so sehr ich auch den Putzaufwand hinterher unberücksichtigt lasse…buhuuhuuuhuuu…Ich kann es einfach nicht! Ich kann nicht alleine backen…naja, einen Marmorkuchen vielleicht, oder mal einen Blechkuchen…. Und selbst das kann ich nur, wenn mich keiner stört! Und Kinder stören mich beim Backen! Sie bringen alles durcheinander. Sie wollen alles gleichzeitig irgendwo rein schütten. Sie streiten darum wer was machen darf, auch wenn man vorher schon abgesprochen hat, wie es laufen soll. Es ist schräääääcklich!!!! Egal wie viel ich schon idiotensicher vorbereitet habe!
Ich verliere grundsätzlich den Überblick darüber, was wieviel und wann zusammengemischt werden muss…Plätzchen zum Beispiel, die zerlaufen bei mir oder sind nach dem Backen steinhart, OBWOHL ich mich bemüht habe, alles nach Rezeptvorgabe zu machen.
Kinder, Küche, Mutter und sogar die Katzen sehen nach einer Backaktion jedenfalls renovierungsbedürftig aus. Die Kinder streiten sich oder sind klebrig und bemehlt auf einem Polstermöbel abgetaucht, während Mama versucht noch ein halbwegs genießbares Ergebnis zu „zaubern“.

Ich sehe mit versteinertem Blick zu, wie Werbespots, das von mir gedachte Ideal derzeit wieder inszenieren und denke mir meinen Teil.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Ich werde zwar nie eine so tolle Backfee wie meine Großtante, aber hoffe, dass es vielleicht doch mal halbwegs nett wird, wenn die Drei älter sind. Wenn nicht, dann beschränke ich mich auf das was ich kann. Backwaren essen. Das klappt auch mit Kindern. 😀

  9Comments

  1. Mann White   •  

    Och man! Du hast gerade meine ebenfalls völlig werbegeprägt-romantisierte Vorstellung zerstört. Ich selbst habe schon ein paar mal mit Kindern gebacken. Es war dann aber immer nur EINS! Ich denke dann hat man noch die Kontrolle 🙂 Gerade so! Also … genieß die Dominosteine von RWE. Echt lecker 🙂

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      😀 Das tut mir aufrichtig leid! 😀 Mit einem Kind geht´s aber tatsächlich ganz gut. Ich denke auch, dass es mit zunehmendem Alter der Kinder besser wird. Und die eigenen Eltern bekommen von den Kindern natürlich immer die volle Breitseite. 🙂

  2. Oliver Lucas   •  

    ..,und am Schluss entsteht eine schöne Hecktoplasmamasse mit Bröckchen in mittelschlatziger Konsistenz, die man dann unter ständigem Rühren in den Mülleimer entsorgen kann.

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Ich sehe, du kennst dich aus! 😀

  3. Sora   •  

    Hallo Beatrice,
    so wahr und so witzig! Ich kenne das. ALLES.
    Glg von Großfamilien-Mami zu Großfamilien-Mami

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      GlG zurück! Auf dass wir noch viel über alles Mögliche lachen können! 🙂

  4. Julia   •  

    Hallo Beatrice,
    wie Du weißt: Mein Blick ist auch romantisch verklärt, was das Backen angeht. Bei meiner Oma und meiner Mutter gelangen nämlich ebenso die monumentalsten Frankfurter-Kranz-Torten, während wir Kinder mitrührten. Gefühlt ging auch wenig daneben. Oder haben wir das damals einfach nicht gesehen?! 🙂
    Liebe Grüße,
    Julia

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      😀 Ich habe in Erinnerung, dass ALLES IMMER gelungen ist. Aber das ist wahrscheinlich nicht wahr. Wobei meine Großtante so versiert im Backen war, dass sie auch kein Rezept dazu brauchte. Und sie hatte eine unglaubliche Ruhe. Beides hat wahrscheinlich sehr zum Guten Gelingen beigetragen. Ich dagegen habe beides nicht. Da kann das ja nix werden. Hingegen: Eierkuchen KANN ICH. Das gelingt auch mit Kindern.

  5. Anke   •  

    Ich erinnere mich nur an einen FAST nicht gelungenen Backversuch, als ich noch Kind war. Ich habe einen Teig gerührt, den ich mit meiner älteren Schwester gefühlt 100mal gemacht hatte, aber noch nie allein. Und der wurde irgendwie nicht richtig. Mein Bruder, der in meinen Erinnerungen nie mit gebacken hat, hat sich das Rezept dann angesehen und abgefragt, ob ich alles drin habe. Puderzucker? Nein, natürlich nicht, der ist doch für obendrauf auf die fertigen Kekse! … Aber nicht 250 g … 😀
    Danach ging alles wie geschmiert!

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