Weihnachten 2015

Da schlenderte ich eben durch den frischen Frühling. Die Vögel zwitscherten munter….ich dachte, wir könnten vielleicht auch einfach Ostern feiern und das mit Weihnachten nochmal verschieben.

Ich betrat einen großen Lebensmittelmarkt. Ich war amüsiert. Ehrlich. Tulpen und Krokusse gab es zum Fest angeboten. Gleich im Eingangsbereich. Ein zankendes Rentnerehepaar kam mir entgegen. Es ging darum, dass die Frau an der Kasse nicht schnell genug die kürzere Schlange angesteuert hatte und man deshalb 10 Minuten länger hatte warten müssen. Die waren echt gnatzig miteinander. Ich hätte fast gesagt: „Nicht zanken! Das Christkind bringt sonst nix!“

An den Kassen waren endlos lange Schlangen. Während ich durch die Gänge schlenderte, nicht ohne dabei immer schön am Rand zu bleiben mit dem Kinderwagen, um niemandem im Weg zu stehen, beobachtete ich die Leute. Mann, da war KEINER, der auch nur im Ansatz ein freundliches Gesicht machte. Die waren ALLE mega gestresst! Als Kontrast trällerte aus dem Radio „eine spanische Weihnachts-Hit“. Feliz Navidad . Der Refrain war schmissig fröhlich. Ich hatte die spontane Idee mitten im Gang stehen zu bleiben und im Takt hin und her zu tänzeln und den Refrain laut mit zu singen. Die Leute hätten vor Stress nen Ausraster bekommen. Ich beließ es bei der Vorstellung und musste laut lachen. Das war allerdings auch nicht beliebt. Ich reihte mich schließlich in eine endlose Schlange an der Kasse ein und hörte die Rentnerinnen um mich herum stöhnen und schimpfen. Die haben alle keine Zeit! Der Frisör wartet und überhaupt.

Da denke ich mir: Was soll das eigentlich alles? Dann ist halt die Dauerwelle nicht richtig frisch gelegt. Dann fehlt an der Suppe der Koriander. Man hat keine Ersatzkerzen mehr in der richtigen Farbe für den Adventskranz. Oder das Geschenkpapier reicht nicht mehr für das XXL Geschenk vom Peter. Ist doch alles komplett egal! Wieso kann man an Weihnachten nicht einfach entspannt zusammen kommen und Spaß haben? Nein, da muss die Festtafel perfekt sein. Das Dinner gelungen und vorher das ganze Haus auf Hochglanz poliert sein. Oh Mann!

Ich finde in Zeiten wie diesen sollte der Perfektionismus ganz hinten anstehen. Es geht uns gut! Wir haben ein Dach über dem Kopf, mehr zu Essen als uns lieb ist und es ist FRIEDLICH bei uns!!!! Die armen Menschen, die nichts mehr haben und den langen Weg zu uns gefunden haben, die verzweifeln doch, wenn sie sehen, dass sich die Wohlstandsgesellschaft Stress macht, wegen einem Fest, bei dem man sich eigentlich auf das Wesentliche besinnen sollte.
Ich finde schon im Advent muss man nicht wie angestochen herum rennen und dem Konsum die Diktatur überlassen. Ich konsumiere auch gerne. Ich lasse es mir auch gerne gut gehen. Aber manchmal ist es entspannter, einfach mal was weg zu lassen.

Der Sohn sagte noch gestern, dass die „Früchtlinge“ (immerhin ist aus Frischlinge mittlerweile Früchtlinge geworden) aber ganz bestimmt was vom Christkind bekommen! Ich finde auch die sollten was vom Christkind bekommen. Und zwar Frieden und eine freundliche und möglichst praktische Begrüßung. Dass da eine große Aufgabe vor uns allen liegt ist klar. Aber die Gesellschaft ist ohnehin im Wandel. Man sollte mal überlegen, ob alte Traditionen und der derzeitige „Schneller-Weiter-Besser“-Modus noch wirklich Gültigkeit haben, oder ob man sich mal locker macht und was Neues überlegt, was für alle passt. Egal ob alteingesessene Mitbürger oder neue.

In diesem Sinne

„Feliz Navidad“, tolle Feiertage und vor allem nicht stressen lassen!

(Ich fand das Lied irgendwie bescheuert, ich hab aber nen Ohrwurm und bin nachhaltig amüsiert.)

  2Comments

  1. Nätty   •  

    Wunderschönes Beitragsbild 🙂

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Vielen Dank!:-)

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