Kindergeburtstag

…und Freundschaften

Es wird der erste Kindergeburtstag sein, den ich ausrichte. Letztes Jahr waren wir mitten in den Umzugswirren. Da verzichteten wir auf einen Kindergeburtstag. Stattdessen war der Cousin zu Besuch und die Kinder turnten durch ein Umzugkartonlabyrinth. Das war vollkommen ok. Und davor die Jahre fand ich die Kinder noch zu klein, um einen Kindergeburtstag auszurichten. Mit Omas und Opas wurde aber natürlich gefeiert.

Eine Herausforderung ist: Der Sohn wünscht sich einen Geburtstagskuchen mit Drachen drauf. Einerseits hätte ich ja Lust einen Drachenkuchen zu gestalten. Ich hab im Netz was einfaches gefunden. Es mangelt mir nicht an handwerklichem Geschick, wenn es um Formen und Gestalten geht. Der Knackpunkt ist das Backen und eigentlich denke ich, ein einfacher Kuchen mit „Martins“ (so nennt diese bunten Schokolinsen der Sohn) und Kerzen tut es doch auch. Das ist sogar meine Überzeugung.

Die Auswahl der Gäste ist nun auch eine spezielle Sache. Der Sohn ist mit Freundschaften sehr statisch und wählerisch. Erstens ist für ihn nicht jeder ein Freund, selbst wenn er mit demjenigen gerne spielt. Wenn er sich dann einen Freund ausgesucht hat, dann ist das ziemlich fix. Sein gleichaltriger Cousin ist sein aller aller bester Freund. Von Anfang an. Da stimmte die Chemie. Dann gibt es eine handvoll Kindergartenfreunde und es gibt Susanna (Name geändert). Susanna lernte er im Sommer auf einem Bauernhof kennen, den wir übers Wochenende mit 4 anderen Familien besuchten. Susanna war mit ihren Großeltern ebenfalls dort. Obwohl mit unserer Gruppe 12 Kinder im Alter von 1,5 bis 4,5 angereist waren, war Susanna beinahe die einzige Spielgefährtin, die er für das ganze Wochenende akzeptierte. Die beiden waren unzertrennlich. Ich möchte fast sagen, verliebt. Susanna war ein knappes Jährchen älter und die beiden waren wirklich süß zusammen. Susanna wohnt zufällig in der gleichen Stadt, aber am komplett entgegengesetzten Ende. Ich beschloss mit den Großeltern die Adressen zu tauschen, so dass Susanna und der Sohn vielleicht Kontakt halten konnten, wenn sie es denn dringlich wünschten. Wir reisten ab und Susanna bzw die Großeltern schickten noch eine Postkarte vom Bauernhof. Der Sohn und ich schrieben zusammen einen Brief an Susanna und deren Eltern. Wir legten ein Foto von den beiden bei, gestalteten einen Steckbrief über den Sohn und machten noch einen Steckbrief für Susanna, den sie vielleicht ausfüllen und anmalen und ebenfalls zurück schicken könnte. Ich schrieb an die Eltern, dass wir uns gern bei schönem Wetter auch mal auf einem Spielplatz in der Mitte treffen könnten.

Leider kam keine Post zurück. Keine mail, kein Anruf, kein Steckbrief. Das muss man akzeptieren. Als Erwachsener weiß man das. Als Kind aber nicht. Es ist jetzt ein viertel Jahr her und der Sohn spricht immer noch von Susanna. Wann sie denn wohl schreibt? Und dass er sie ja auch zum Geburtstag einladen wird!
Wie immer, in berührenden oder auch empfindlichen Momenten, versuche ich der Sache sachlich zu begegnen. Ich erklärte dem kleinen Mann, dass Susanna bestimmt auch an ihn denkt, aber sie natürlich auch noch nicht lesen und schreiben kann und auf die Hilfe der Eltern angewiesen ist. Und nicht alle Eltern haben Zeit genug, sich darum zu kümmern. Manche haben auch keine Lust dazu. Das ist doof. Aber leider manchmal die Realität. Ich brachte es nicht übers Herz ihm zu sagen, dass unter Umständen Susanna ihn vielleicht nett fand, aber dann doch andere Freunde lieber hat.

Susanna steht nun fest auf seiner Liste der geladenen Personen.
Ich fragte, wen er denn als „Ersatz“ einladen wolle, wenn Susanna keine Zeit hätte. Aber der Posten blieb unbesetzt. Er lädt nun 4 Kinder ein. Was ja auch reicht. Hier gibt es ja noch die zwei Schwestern und dann sind es zusammen 7 Kinder, die ich hier bespaßen werde. Ich habe schon Ideen. An Unterhaltung soll es nicht mangeln.

Aber dieses Susanna-Thema bricht mir ein bisschen das Herz. Ich werde wohl von meinem einfachen Smartieskuchen Abstand nehmen und einen besonders schönen Drachen-Kuchen backen, weil ich es wahrscheinlich schwerer ertrage, dass Susanna nicht zum Geburtstag kommt, als der Sohn.

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