Acetonämisches Erbrechen (eine Kinderkrankheit)

Als Mama ist man ja auch Krankenschwester und macht unfreiwillig einen Crash-Kurs in Sachen Medizin, irgendwie.

Mit Acetonämischem Erbrechen machten wir letzten Frühling Bekanntschaft. Mir kommt das Thema gerade, weil das Sirenchen, weiß der Kuckuck wieso, gestern davon lebhaft erzählte. (Vielleicht war ihr nicht ganz wohl?) Sie konnte sich jedenfalls an alle Einzelheiten erinnern. Ich aber auch.

Das Acetonämische Erbrechen tauchte plötzlich auf. Es gab keinen Infekt im Vorfeld. Das Sirenchen hatte nichtmal über Bauchweh geklagt.
Ich erwachte gegen Mitternacht weil sie laut weinte. Ich eilte hinzu und roch schon was los war bevor ich sah was Sache war. Noch bevor ich Hand an Bettzeug und Kind legen konnte, kam nochmal was. Das Sirenchen zitterte und war ganz verdattert. Ich sammelte Kind und Bettzeug zusammen und brachte alles ins Bad. Das Sirenchen parkte ich dort auf einem Handtuch und warf das Bettzeug schnell in die Maschine. (Die steht bei uns im Bad.) Dann hielt ich ihr einen Eimer hin. Sie spuckte hinein, zitterte und weinte. Ich wusch sie, zog sie um und tröstete. Ich machte das Bett wieder frisch und mir ein Lager neben ihrem Bett. Sie hatte großen Durst und trank gierig einen halben Becher Wasser. Der kam postwendend wieder raus. Dann schlug sie mir den Eimer immer aus der Hand. Sie schien zu glauben, dass sie nur spucken müsse, wenn ich ihr den Eimer hinhielt. Ich versuchte es zu erklären, aber musste dann auf einen Stapel Handtücher ausweichen. Die ließ sie sich immerhin auf ihren Schoß legen und spukte dort hinein. Die halbe Nacht war ich damit beschäftigt Getränke anzureichen und sie sofort wieder in „Empfang“ zu nehmen. Man kann sagen, nach dem ersten kompletten Entleeren des Magens kam halb stündlich immer wieder Flüssigkeit und Galle.
Zunächst hatte ich noch Hoffnung, der Magen würde sich beruhigen. Ich kochte Kamillentee und drängte darauf immer nur kleine Schlucke zu nehmen. Es half nicht.
Ich machte mir Sorgen. Denn wenn nicht mal kleine Schlucke Flüssigkeit drin bleiben….Ich entschied einfach Flüssigkeit mit einem Teelöffel anzubieten und dann immer abzuwarten. Diese kleinen Gaben blieben überwiegend drin. Als es dämmerte holte ich mir dann mal wieder Rat in meinem liebsten Buch über Kinderkrankheiten: Die Kindersprechstunde. Unaufgeregter und klarere kann man Kinderkrankheiten kaum präsentieren.

Kindersprechsntunde
Dort stand eine Abhandlung über Acetonämisches Erbrechen. Es passte alles und ich hatte mit dem Teelöffel genau das Richtige gemacht. Ich rief zwar später noch unseren Kinderarzt an, der sagte mir ein paar Tröpfchen, die die Sache zusätzlich beruhigen sollten. Geum Urbanum. Ich stellte übrigens fest, dass dieses Kraut in unserem Garten wächst. 🙂
Des weiteren verabreichte ich in Wasser gelösten Traubenzucker, auch Teelöffelweise, alle 10 Minuten. Ein kleiner Appetit auf einen Zwieback wurde auch sofort wieder mit Spucken quittiert. Also blieb es bei Flüssigkeit in kleinen Dosen.
Ich holte die besagten Tröpfchen in der Apotheke. Und gegen Mittag beruhigte sich das Szenario. Aber den ganzen Tag über übergab sich das Sirenchen immer mal wieder. In Handtücher wohl bemerkt. Der Eimer wurde einfach nicht ihr Freund. 😀

Sie entwickelte aber Lust auf Orangensaft. Den durfte sie dann auch alle 10 Minuten einen Teelöffel „trinken“.

Das mit dem Orangensaft ist so eine Sache. Man sagt ja normalerweise, dass die Säure nicht gut ist für den gereizten Magen. Aber tatsächlich vertrug sie den Saft super. Und ich selbst mag bei Übelkeit auch immer als aller Erstes Orangensaft oder gar frische Apfelsinen.

Zum Acetonämischen Erbrechen:

-Die Bauchdecke ist weich beim Betasten!
-Manche Kinder haben vorher Bauchweh.
-Es ist nicht ansteckend.
-Es ist eine harmlose und vorübergehende Störung des Fettabbaus und die Kinder riechen dann leicht nach Aceton aus dem Mund. Irgendwie so säuerlich. Das war allerdings nur dezent beim Sirenchen.
-Zucker und Flüssigkeit helfen den Stoffwechsel zu beruhigen.
(daher auch Traubenzucker in Tee oder Wasser) alle 10 Minuten verabreicht. Da war der Orangensaft auch nicht ganz verkehrt.
– Ruhe bewahren ist immer wichtig.
-Wenn sich das Erbrechen beruhigt hat, sollte die ersten zwei Tage Schonkost angeboten werden.

Zum Arzt geht man, wenn der Zustand einige Stunden anhält und/oder wenn das Kind dunkle Ringe unter den Augen und eine trockene Zunge hat.
Also ohnehin Dinge, die einer Mama schon von ganz alleine unheimlich sind.

Ich selbst bin auch erst wieder beruhigter gewesen, als der Orangensaft wirklich drin blieb.

  1 Comment

  1. Madeleine   •  

    Tja, wenn die Kleinen kränkeln, ist das für uns Erwachsene fast schlimmer als wie für die Knirpse selber. Sehr gerne würde man Ihnen die altbekannten Leiden doch abnehmen. Liebe Grüße und weiter so. Für wertvolle Tipps bin ich immer dankbar.

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