Blogparade: Schmerzfreier Stillstart

Tabea vom Blog mama-baby-vision hat eine Blogparade gestartet zum Thema: Schmerzfreier Stillstart.
Bei dieser Parade bin ich gern mal wieder dabei, zumal ich über´s Stillen noch garnichts geschrieben habe.

Ich hatte vor allem beim ersten Kind einen furchtbaren Stillstart.
Ich war vom Geburtsvorbereitungskurs und auch von Erzählungen andere Mütter darauf vorbereitet, dass es unangenehm werden könnte. Das schreckte mich nicht. Ich war gewappnet.

ABER:
Die Milch bahnte sich in den frühen Morgenstunden ihren Weg und Mittags fühlte ich mich schon unfassbar schlecht. Meine Körbchengröße hatte sich verdreifacht. Ach..vervierfacht. Kein Scherz. Ich sah aus wie Dolly Buster frisch nach der OP. Riesen Hupen und dermaßen prall.… gerötet, glühend heiß…..Horror. Ich dachte, das sei nun mal so. Das würde ja vorbei gehen. Ich müsse nur immer schön kühlen. Wir hatten Quark auf Vorrat, den packte ich mir nach jedem Stillen auf die Brust. Selbst die groß eingekauften Still BHs waren zu eng. Ich konnte eigentlich keinen Stoff auf der Haut ertragen. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass das Kind wirklich trank. Es war auch mühsam und sehr unangenehm den eingetrockneten Quark wieder abzuwaschen. Es war schlimm. Schließlich waren meine Nippel nicht mehr greifbar und das Kind konnte die Brustwarzen nicht mehr packen. Es lief aber auch keine Milch raus. Es war ein meeeeega Stau.
Am späten Nachmittag kam meine Hebamme. Das erste was sie mit entsetzem Blick sagte war: „Warum hast du mich denn nicht angerufen?“
Ich hatte daran überhaupt nicht gedacht und zuckte nur mit den Schultern. Da rannen mir schon die Tränen über´s Gesicht. Diese Hormongebeutelte erste Zeit mit dem ersten Kind. Unerfahren, müde und irgendwie überfordert, ist wirklich eine Berg- und Talbahn der Gefühle.
Meine Hebamme tastete mich vorsichtig ab und zeigte, wie ich die Brust massieren könne, um den Milchfluss etwas anzuregen. Sie gab den Tipp vor dem Stillen die Brust zu wärmen und nach dem Stillen wieder zu kühlen und guckte ziemlich besorgt. Sie ließ mir schließlich eine halbe Abstilltablette da, die ich nehmen sollte, wenn es sich nicht besserte. Die nahm ich tatsächlich am Abend. Die Nacht war schlimm. Ich wusste nicht wie ich liegen sollte. Der Sohn trank, aber im Vergleich zur Menge wenig und es tropfte auch keine Milch einfach heraus. Ich blieb aufgeblasen und verstopft. Aber der Umfang wurde immerhin nicht mehr.
Am nächsten Tag bekamen wir Besuch. Das förderte meinen ohnehin stockenden Milchfluss auch nicht. Es war einfach alles zu neu für mich. Am Nachmittag kam meine Hebamme wieder und rettet mich.
Sie packte beherzt ein paar Akkupunkturnadeln aus.

Mein erster Gedanke war: „Oh nein! Die platzen doch, wenn eine Nadel daran kommt!“

Rund um die Brust bekam ich Nadeln gesetzt.
Nachdem die Nadeln eine Weile steckten, begann alles angenehm zu kribbeln und endlich tropfte zaghaft die Milch.
Die Akupunktur bekam ich noch an zwei weiteren Tagen und ab dann lief die Milch. Es spielte sich ein. Ich kann nicht sagen, was für ein unglaubliches erleichterndes Wohlgefühl das war.

Also wenn die Milch nicht fließt hat bei mir geholfen:
Akupunktur! Das war DIE Rettung! Danke an meine Hebamme!
Wärmen vor dem Stillen: Um den Milchfluss anzuregen.
Und kühlen nach dem Stillen, um die Produktion zu stoppen. Das mit dem Quark war mir spätestens mit dem 2. Kind zu umständlich. Also packte ich mir ziemlich nüchtern einfach ein Kühlpack in den BH, immer auf die Stellen, die drohten einen Stau zu entwickeln.
Wahlweise kann man auch immer nur eine Brust anlegen pro Stillmahlzeit, um die Menge etwas zu regulieren.
Das Regulieren der Milchmenge hat auch nochmal ein paar Wochen gedauert beim ersten Kind. Ich lief nach dem anfänglichen Stau ständig aus und hatte einfach viel zu viel Milch.

Nicht zuletzt sorgte ich bei den beiden anderen Kindern dafür, dass an den ersten Tagen des Milcheinschusses kein Besuch kam und ich viel Ruhe und Zeit zum Entspannen hatte.
Auch bekam ich sofort zum Milcheinschussbeginn die wohltuende Akkupunktur, damit sich nicht wieder ein solcher Stau aufbauen konnte.
Allerdings war die Sache damit noch nicht überstanden. Meine Brustwarzen wurden ganz schnell wund und rissig. Ich spare Details. Es tat sehr weh. Sehr sehr weh. Aber auch das bekamen wir in den Griff.
Ich schmierte nach jeder Stillmahlzeit Wollfett auf die wunden Stellen und nutzte in der akuten Phase konsequent Stillhütchen.
Das habe ich bei allen drei Kindern so gemacht und es hat geklappt. Sie haben sich von den Hütchen nicht irritieren lassen und haben, als sich das System aneinander gewöhnt hatte, problemlos ohne Hütchen weiter getrunken.
Wollfett hatte ich allerdings immer eine Tube in der Tasche, denn hin und wieder kam es nochmal zu Reizungen. Aber das war halb so wild. Nach dem jeweils holprigen Start habe ich die Stillzeit sehr genossen und auch sehr praktisch gefunden.

 

Und hier auf dem Blog herzbauchwerk gibt es noch eine Geschichte darüber, wie stressig es ist, wenn man, wie in der Schweiz, bald schon wieder arbeiten und die Milch ganz unromantisch abpumpen muss.

  4Comments

  1. Pingback: Einladung zur Blogparade: "Mein schmerzfreier Stillstart" - Mama-Baby-Vision

  2. Tabea   •  

    Liebe Beatrice,

    dein letzter Tipp gehört wohl zu den wichtigsten: Besuchfrei für die ersten Tage 😀

    Danke aber auch für deine mit gut bewerteten Erfahrungen, die du hier teilst! Vielleicht hilft das eine oder andere ja auch anderen Mamas da draußen.

    Was ich noch schreiben mag:

    Quarkauflagen lassen sich total prima vorbereiten und kleckerfrei nutzen, wenn man die großen 10×10-cm-Kompressen aus der Apotheke auflappt und messerrückendick mit Quark bestreicht. Das kann auch ein „Helferlein“ als Stapelarbeit machen und auf einem Teller verpackt mit Frischhaltefolie im Kühlschrank lagern … so sind immer frische Auflagen da, die zudem entzündungshemmend wirken.

    Manche Hebammen machen statt der Akkupunktur auch K-Taping … das durfte ich mal in einer Hebammenfortbildung lernen – und ist echt super, um den Abfluss der Lymphe zu fördern … denn das was du beschreibst war wirklich ein ordentlicher Lymphstau, bei dem deine Milch gar keine Chance mehr hatte zu fließen.

    Danke nochmal fürs mitmachen 😀

    Alles Liebe und bis bald,
    ~Tabea

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Oh, Mensch. Das mit den vorbereiteten Quark-Auflagen hätte ich gebrauchen können. Hätte ich auch da mal meine Hebamme gefragt…. Ich habe einfach alles Schicksalsergeben so hingenommen. 😀

  3. Pingback: Stillen darf auch weh tun!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.