Blogparade: Als ich zehn war

Auf dem Blog zwetschgenmann.de läuft eine tolle Parade. Da musste ich einfach auch mit machen.
Als ich 10 war. 

Als ich 10 war, das ist ja fast 30 Jahre her. 😳
Da schrieben wir das Jahr 1987. Oh, Mann. 1987! Eine Zeit, deren Mode von zweifelhafter Vorteilhaftigkeit geprägt war. Schulterpolster und Karottenjeans, die jedem in Kombination den Look einer umgedrehten Pyramide verschafften. Sensationell.

Ich gehöre zu einer Generation, in der die Kinder teilweise auch „merkwürdig“ aussahen. Ich glaube es gibt keine andere Zeit, in der die Mode so komische Blüten trieb. Ich erinnere mich noch, wie ich schon vor 15 Jahren mit Altersgenossen über unsere Nerd-Looks in den 80er/90er Jahren lachte. Wirklich jetzt. Vieles war sehr unvorteilhaft.

1987 war auch das Erscheinungsjahr von Dirty Dancing. Wouuuw, wie geriet man ins Schwärmen, ohne wirklich eine Ahnung davon zu haben, was man da so beschwärmte. Mit 10. Mit glühenden Ohren saß man da im Kino in seinem Pyramiden-Outfit. In meinem Fall trug ich dazu eine pinke Brille mit Spiralbügeln. (Das sind so Bügel die gehen weiter ums Ohr rum, damit sie nicht fliegen geht bei sportlichen Aktivitäten. Und ich war stets wild unterwegs.) und einen Voku-Hila Haarschnitt und fühlte mich eigentlich mehr so wie ein Junge.

Thomas Gottschalk moderierte ab diesem Jahr Wetten Dass, welches wohl bei vielen als beliebtes Samstagabendfamilienprogramm der kommenden Jahre Einzug hielt.

Ganz ganz wichtig war noch: Michael Jacksons Album Bad erschien und infizierte mich mit einer viele Jahre anhaltenden Jacksonmania.

Ich ging noch zur Grundschule. Es war mein letztes Grundschuljahr. Da ich damals ganz legitim mit 7 erst eingeschult worden war. Das waren noch Zeiten. Da hatte man noch ZEIT!

In der Schule waren so Sachen wie Gummitwist und Seilchenspringen total in.
Nachmittags holte man sich zuckerhaltige Getränke in kleinen Plastiklaschen (die waren garantiert voller Weichmacher) und Esspapier oder Eis oder so komische Fritten, die aus der Mikrowelle kamen.

Nachmittags traf ich mich mit Freunden und Freundinnen. Ich spielte mit einem Nachbarjungen mit Playmobil-Indianern und Cowboys im Garten. Im Hochsommer plantschte ich mit meiner Schwester und einem Nachbarmädchen oder Freundinnen im Plantschbecken im Garten.
Im Herbst streiften wir über die Felder hinterm Haus und ließen Drachen steigen. Wenn Schnee lag, blockierten wir die Einbahnstraße vorm Haus mit dicken Schneekugeln.

Mit 10 feierte man damals noch ganz schnöde Kindergeburtstage mit Topfschlagen und Mord im Dunkeln oder Schnitzeljagd.

Einen Computer gab es auch im Haus. Ein grau-beiges Etwas. Eine dicke Tastatur, ähnlich einem etwas platten Laibbrot mit Knöpfchen und einen grau-beiger Kasten in den man große ganz flache schwarze und viereckige Scheiben reinschieben musste. Diese Scheiben bewahrte man in einem Kunststoffkasten schön nach irgendeinem System geordnet auf.
In meinem Fall: Ganz vorne alle Lieblingsspiele: (Gianas Sisters, ein Skifahrerspiel, Tennis und sowas mit nem Aufzug und Robotern, Summergames, Wintergames, Paperboy…) Da musste man dann auch, wenn man was spielen wollte einen Joystick anschließen.
Altersgenossen werden genau wissen, was ich meine. Es lebe der C64. Bei uns zu Hause schloss ich ihn bei Bedarf am Fernsehgerät an. Hach, ich hab ihn geliebt.

Ansonsten habe ich immer noch gerne mit Barbies gespielt, genoss einen staubtrockenen Klavierunterricht, der mich nicht wirklich weit gebracht hat, aber was ich von Kindesbeinen an regelmäßig und gerne machte, war malen. Das verlor sich auch als angehende Teenagerin nicht.

Hinzu kam eine Leidenschaft für Bücher, die sich langsam von der Pferdeliteratur zu Phantasie hin bewegten. Momo, Die unendliche Gesichte….ich habe die dicksten Wälzer verschlungen. Statt J.K. Rowling gab´s Wolfgang Holbein.

Ach ja, ich hatte ein Meerschweinchen. Ein lustiges Tierchen. Es bewohnte einen großen selbstgebauten Käfig in unserem Esszimmer mit Häuschen, Klettermöglichkeiten, Stroh und Streu. Und es hatte regelmäßig Auslauf im ganzen Haus und im Sommer im Garten. Es quietschte stets laut wie eine Alarmanlage und hüpfte regelrecht auf und ab, wenn meine Mutter vom Einkaufen kam. Es hörte das Auto, bevor man es sah. Das Meerschweinchen namens Tommy stand total auf frische Salatgurke und flippte deshalb komplett aus, wenn meine Mutter wieder kam. Es ließ sich aber auch wunderbar kuscheln und war vollwertiges Familienmitglied.

So ging das Jahr 1987 zu ende und das letzte Grundschuljahr wurde umweht von einer Brise naivem Kindheitsgefühl und den irritierenden Veränderungen der nahenden Pubertät.

  3Comments

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  2. Lutz Prauser   •  

    Herzlichen Dank für’s Mitmachen und für die vielen Erinnerungen an eine Zeit zwischen naivem Kindheitsgefühl und der herannahenden Pubertät. Genau das scheint sich als das zentrale Element der Blogparade herauszukristallisieren.
    Und zu „Dirty Dancing“ sag ich jetzt einfach mal nichts… 🙂

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