Wenn´s im Kino mal wieder länger dauert….

Wahre Geschichten aus dem Großraumkino aus erster Hand.

(anno ca 2002)

1)
In einem Großraum-Kino irgendwo in Deutschland:
Eine Gruppe von 12 Studenten erreicht mitten im Samstagabend zum Haupteinlass den Kassenschalter des Kinos. (Man muss dazu sagen, dass sich zu dieser Zeit, etwa zwischen 19 Uhr und 20 Uhr 30, eine riesen Menschenmenge im Foyer einfindet und sich an 8 Kassen endlose Schlangen von ungeduldigen Kinogängern sammeln.)
Zurück zur Gruppe. Ein auserkorener Sprecher gibt die Großbestellung auf. Alle eigentlich unnötigen Details werden mir auf einmal an den Kopf geknallt, dass mir nicht noch die Geschichte erzählt wird, wie sich die Gruppe kennen gelernt hat, ist alles. Allerdings fehlt eine wichtige Information, so frage ich:
“Welcher Film darf es denn sein?“
Meine Frage führt zu Verwirrungen, denn was wollte man noch gleich sehen? Bei einem Angebot von 9 verschiedenen Filmen fällt es verständlicher Weise schwer sich als Gruppe zu einigen. Allerdings hat man doch bevor man ins Kino geht schon eine Idee. Und dann hat man während einer 30 minütigen Wartezeit an der Kasse im Haupteinlass noch Zeit sich final zu entscheiden. Nö. Is nicht. Bis man sich dann über den Titel einig ist, vergehen weitere endlose Minuten. Dass die Wartenden dahinter natürlich übellaunig werden ist klar. Nachdem ich alle nötigen Informationen geordnet und ausgedünnt und sogar die Plätze zur Zufriedenheit aller verteilt habe, habe ich plötzlich einen Berg Geldscheine auf dem Tresen liegen und kann nicht mehr zuordnen, wem welche Geldmenge gehört. Denn: Es zahlt jeder getrennt! 
Ich ignoriere genervte Seitenzurufe von wartenden Kunden hinter der Gruppe und kassiere so geordnet es irgendwie geht die Gruppe ab. Während die Letzten der Gruppe noch zahlen, beklagen sich die, die schon gezahlt haben, dass sie noch keine Karten bekommen haben. Die drucke ich aber aus Erfahrung nur aus, wenn ALLE bezahlt haben. Erschwerend beim geordneten und ausdrücklich von dieser Gruppe verlangten Einzelkassieren ist die Tatsache, dass die fehlende Glasscheibe am Tresen den Kunden ermöglicht über den Tresen zu greifen. Dann wird in dem von mir bereits angenommenen Geld rumgefuhrwerkt, so dass man am Ende gar nicht mehr durchblickt. Sowas hält unnötig auf!


2)
Zwei junge Männer kaufen zwei Karten für einen Film mit Altersbegrenzung. Einer hat seinen Ausweis dabei, der andere nicht. Aber er beteuert im richtigen Alter zu sein, mit dem Zusatz. „ Sieht man das nischt? Wir sind siamesische Zwillinge!“ Fragt der Kollege: „Und was hat man bei euch getrennt? Das Gehirn?“


3)
Sonntagnachmittag, der erste Besucheransturm ist abgefertigt worden. Ruhe kehrt an der Kinokasse ein, man lehnt sich als Kassierer kurz zurück, trinkt ein paar Schlucke und nimmt Anrufe für Reservierungen entgegen. Plötzlich bietet sich folgendes Bild, welches sich übrigens immer und immer so ähnlich wiederholt! Ein Mann rast in großen Schritten durch den Haupteingang, prallt ungebremst gegen den Kassentresen, was durch ein Plock unterstrichen wird und knallt die Parkhauskarte auf den Tresen. Er schnauft mir ungerührt mitten ins Gesicht, ich rieche seinen Knoblauchatem von gestern abend. In diesem Moment bereue ich, dass wir nicht hinter einer Glasscheibe sitzen. Noch außer Atem vom schnellen Gang höre ich ihn sagen, ohne vorher „Hallo“ oder „Guten Tag“ zu wünschen und bevor ich es tun kann: „Was kostet das Parkhaus wenn man hier ins Kino geht?“ und ohne meine Antwort abzuwarten verlangt er, ich solle ihm die Karte doch schleunigst abstempeln.
Während ich ihm erkläre, dass das Parkhaus den ganzen Tag 2,50 Euro kostet, starrt er auf die Anzeigetafel des Kinos und studiert das Filmangebot. Als ich sage, dass ich weder Vergünstigungen noch einen Stempel verteilen könne, da das Parkhaus der Stadt gehöre, sieht er mich endlich an und bemängelt, es stünde ja nun mal Kino Parkhaus dran. Geduldig lächle ich ihn an, entschuldige mich vielmals, dass ich daran nichts ändern könne und dass das Schild irreführend sei und bringe ihn so dazu, wenigstens nicht weiter zu diskutieren. Im günstigsten Fall ist das Gespräch so beendet, sonst muss man noch eine halbe Stunde lang mitbedauern, dass es eine Unverschämtheit seitens der Stadt sei. Besonders nervig, wenn sowas zu Stoßzeiten passiert.


4)
Die Kinokasse, an irgend einem Wochentag. Wiedereinmal, wie jeden Tag mindestens 4mal, kommt ein Kunde und will die Parkhauskarte an der Kinokasse abgestempelt bekommen. Statt zu erklären, dass das Kino nichts mit dem Parkhaus zu tun hat, nimmt der wehrte Kollege kurz entschlossen (weil langsam genervt) den Kino- Stempel, macht einen Stempel auf die Karte und verlangt einen Euro, den er bereitwillig ausgehändigt bekommt. 😀
(Der Kollege hat das natürlich sofort wieder aufgeklärt.)


5)
Sonntagnachmittag an der Kinokasse. Sonntag ist Storno-Tag heißt es auch, denn an diesem Nachmittag kommen alle Familien aus dem nächsten Umkreis ins Kino, um ihren Kindern mal was zu bieten. Man weiß genau, dass man einen Platz in der Mitte und natürlich beste Plätze in der Loge will. Schön, wenn die Bestellung überhaupt soweit von alleine kommt und man nicht nachfragen muss. Da die Loge sehr teuer ist und man sehr gute und etwas günstigere Plätze im Parkett anzubieten hat, schlägt man als geneigter Kassierer vor, lieber dort zu sitzen. Großspurig wird abgewiesen und auf Loge bestanden. Gut, der Kassiere gibt ein, mit den Ermäßigungen für die Kinder, und nennt den Preis von stolzen 29 Euro. Ein entsetzter Aufschrei geht durch die ganze Familie, man fragt, ob der Kassierer sich nicht vertan hätte. Aber der Kassierer kann nur sagen, dass man ja nun mal Loge bestellt hätte. Das Preisschild, welches deutlich beschriftet und groß an jedem Schalter aufgebaut steht, wird noch mal entsetzt studiert. Der Kassierer fragt, ob es doch lieber das Parkett sein solle, aber man beharrt weiter auf Loge. Man zahlt die Karten eilt von dannen und kommt schließlich eine halbe Stunde später wieder und will doch Parkett-Karten. Sonntag= Stornotag.


6)
Ein neuer Aktionsstreifen ist angelaufen und Sohnemann, noch keine 12 Jahre kommt mit seinem Papa zur Kasse. Papa bestellt zweimal. Da der Film ab 16 Jahren erst frei gegeben ist, verweist die Kollegin die beiden auf einen geeigneteren Film. Der Vater ist entsetzt, denn schließlich sei er ja dabei und dann dürfe sein Sohn den Film sehen. Die Kollegin bleibt mit Recht eisern, da die Auflagen mit der Alterskontrolle ihre Gründe haben. Der Vater zieht seinen Sohn zeternd mit nach draußen. 10 Minuten später kommen beide wieder und stellen sich an einer anderen Kasse an. Aber auch dort die Kollegin verweigert den Zutritt zu dem besagten Film und der Vater beginnt eine Diskussion. Die Kollegin erklärt mehrfach geduldig und bittet um Verständnis, doch Papa lässt nicht locker. Es scheint sich doch hinsichtlich des Personals um eine böse Absprache und einen persönlichen Unwillen Geld zu verdienen zu handeln. Seine Autorität wird untergraben. Schließlich droht er: „Sie werden schon sehen, dann holen wir uns den Film auf DVD, dann kann mein Sohn ihn zu Hause ansehen!!!! Außerdem kenne ich den Chef des Kinos.“ Die Kollegin kann nun nur noch schwer an sich halten, kennt sie DEN CHEF doch auch recht gut, und kontert: „ Ich glaube nicht, dass der Chef ihnen die Karten verkaufen würde und außerdem haben sie scheinbar NICHTS verstanden! Dann gehen sie doch los, stecken ihrem Sohn eine Zigarette an, geben ihm Schnaps zu trinken und kaufen ihm eine Prostituierte!“


7)
Drei Männer an der Kasse studieren ausgiebig die Preistafel, die unterschiedliche Preise in den Kategorien Parkett und Loge anzeigt. Fragt der eine: „ Wat is` denn Launsch? (meint Loge liest Lounge) » Antwortet der andere : » Launsch ? Ach, Launsch, da sind wa die Chefs !“


8)
Gutscheinverständnisschwierigkeiten

Das Kino verkauft Gutscheine im Wert von 6, 8 oder 10 Euro, von denen man beliebig viele kaufen und einsetzen kann. Der Wert steht auf dem Gutschein drauf. Die Gutscheine sind wie Bargeld zu verwenden und müssen logischerweise auch in eine jeweilige Leistung umgetauscht werden an den Kassen. Dies scheint jedoch nicht allen Menschen klar zu sein.
Das Problem fängt beim Kauf an:
Kundin: „Verkaufen sie hier auch Gutscheine?“ (legitime Frage, vollkommen ok.)
Ich:“ Ja, im Wert von 6, 8 oder 10 Euro! Der gängigste ist der für 8 Euro.“
Kundin:“ Dann hätte ich gerne zwei für 6, 50 Euro.“ (Kunde hat nicht zugehört)
Ich: „ Wir haben nur Gutscheine im Wert von 6,8 oder 10 Euro!“
Kundin: „ Ach, haben sie keine für 6,50 Euro?“
Ich: „Nein, tut mir leid, nur die bereist genannten Preiskategorien.“
Kundin:“ Kann ich denn 2 für 8 Euro bekommen?“
Ich (bin erleichtert, der Kauf scheint nun zu funktionieren): „Ja, gerne.“
Kundin (lässt nicht locker wartet mit einer weiteren Überraschung auf): „ Ach sagen sie, wie ist das eigentlich, kann man eigentlich auch ermäßigte Gutscheine kaufen?“ (um ehrlich zu sein verstehe ich  in diesem Augenblick nicht was gemeint ist. Und muss nachfragen.)
Ich: „Wie meinen sie das?“
Kundin ganz belehrend: „Naja, wenn man nun Student ist, dann muss es doch eine Ermäßigung geben!“
Ich (mir dämmert etwas und füge hinzu: „ Es gibt zwar generell Ermäßigungen, aber die Gutscheine sind jeweils im Wert von 6, 8 oder 10 Euro zu erwerben, wie und für was sie dies dann einsetzen ist egal. Sie werden verwendet wie Bargeld, das heißt, sie bekommen im Falle einer Ermäßigung Geld zurück bezahlt oder können auch drauf zahlen, wenn der Wert des Gutscheins nicht reicht.“
Kundin:“ Also gibt es keine ermäßigten Gutscheine?“
(Verzweiflung macht sich bei mir breit, wie kann man es noch umschreiben?) Ich erkläre erneut die Preise und den Einsatz der Karten, doch die Kundin scheint nicht verstehen zu wollen und beklagt sich schließlich, (als ich beim 5. Versuch es zu erklären etwas gereizt klinge), dass man das ja nun auch freundlich sagen könne. Dies sind Momente, an denen man seinen Kopf auf den Tresen fallen lassen und weinen möchte.
Vorallem, wenn diese Szenen mitten im 20Uhr Einlass stattfinden.


9)
Eine Frau kommt an die Kasse, sagt nett guten Tag und legt keck zwei 8 Euro Gutscheine auf den Tresen: „ Daneben hätte ich gerne noch einen Platz!“
Als aufgeräumter und gutgläubiger Kassiererin nimmt man an, sie habe sich vergriffen in ihrer Tasche und die Gutscheine mit bereits zwei gekauften Karten vertauscht und weist die Kundin darauf hin. „ Nee,“ sagt die Kundin, „das sind doch meine Karten, daneben hätte ich gerne noch einen Platzt!“ Die Kassiererin weiß nun nicht ob sie vielleicht noch einen 8 Euro Gutschein ausdrucken und mal abwarten soll, was die Kundin dann macht, doch dann fragt sie:“ Wollen sie Platz 9 Euro oder Platz 7 Euro?“ Irritation bei der Kundin. Schweigen. Unterdrücktes Lachen bei der Kassiererin. Da die Kundin nicht reagiert und einfach abzuwarten scheint, dass Platz 9 oder 7 Euro ausgedruckt werden, nimmt die Kassiererin sich ein Herz und erklärt: „ Mit den Gutscheinen können sie nicht einfach ins Kino gehen. Dann müssen sie die Gutscheine hier erst in Karten umtauschen. Also brauchen sie jetzt insgesamt 3 Karten. Dann müsste ich nur noch den Film wissen.“
Die Kundin: „Wieso, ich dachte das wären schon Karten?“
Kassiererin: „Nein, da steht doch gar nicht drauf welche Vorstellung, welche Plätze und so. Außerdem sind die Gutscheine wie Bargeld und sie gehen ja auch nicht mit einem 10 Euro Geldschein ins Kino und setzten sich irgendwo, irgendwann einfach in irgendeine Vorstellung. Die 10 Euro tauschen sie ja auch vorher in eine Karte um.“
Man muss als Kassierer alle Nerven zusammen halten, um nicht in schallende Gelächter auszubrechen.


10)
Die Geschichte mit den Plätzen

Das Kino hat 9 Säle und 8 Kassen. Die Säle sind immer bespielt, die Kassen wenn nötig alle besetzt. Es ist Samstagabend und der große Ansturm auf einen Gassenfeger freigegeben. Die Leute haben schon Tage im voraus Karten im Vorverkauf erworben, so dass nur noch einige wenige unschöne Plätze frei sind am selben Abend. Ein Kunde kommt an die Kasse und muss sich leider sagen lassen, vom Kassierer an Kasse 4, dass es nur noch drei Einzelplätze für die gewünschte Vorstellung gibt. Am Rand, ganz außen und vorne. Nicht schön.
Nun dachte der Kunde anscheinend, dass er sich nicht lumpen ließe und fragt, ob denn die Kollegen an den andern Kassen auch nur noch so schlechte Plätze frei hätten, oder ob beispielsweise an Kasse 2 noch bessere Plätze für die selbe Vorstellung frei wären. Erklär mal, dass dem nicht so ist. Mitten im 20 Uhr Einlass.

 

Die Liste ist unendlich. Wer noch was weiß, der sei herzlich eingeladen die Gesichten zu erweitern. 😀

  2Comments

  1. Bepunkt Lampenhügel   •  

    Frau Confuß! Sie überraschen mich – Sie sind ja ein Tausendsasser! Kinokasse? Es hat ein Weilchen gedauert, bis es bei mir geklingelt hat, dass Sie HINTER der Glasscheibe sitzen und abkassieren! Machen Sie das (heimlich) immer noch? Ich hätte gerne süßes Popcorn und einmal Eiskonfekt dazu; das gibt’s bei Ihnen doch auch? Und: Ich komme mit dem Rad, da brauchen Sie mir auch kein Parkticket abzustempeln 🙂

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Haha, schön wär es gewesen, wenn es wenigstens eine Glasscheibe gegeben hätte. 😀 Aber ja, ich konnte mal ziemlich schnell ziemlich viele Leute abkassieren, vorausgesetzt es kamen nicht so Drömel dazwischen. 😀 Aber Süßwaren konnte ich nicht verkaufen. Nur Eintrittskarten und Gutscheine. Insgesamt ist so ein Kinojob garnicht schlecht, wenn man Filme mag. Ich hab damals alles geguckt, was das Programm so hergab. Ich mag Kino ziemlich gern, muss ich sagen. Das kommt auch viel zu kurz, seit die Kinder da sind.

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