Von Nikolaus, Knecht Ruprecht und Reinkarnation

Der Nikolaus kommt bald.

Und wir haben angefangen hier und da eine Geschichte passend zur Vorweihnachtszeit zu lesen. Nun tauchte in einer Geschichte auch der Nikolaus, nebst Knecht Ruprecht auf.

Wer das denn nun genau sei, der Knecht Ruprecht, wollten die Kinder wissen. Und da erklärte ich, dass dieser dunkle Geselle der Helfer vom Nikolaus sei und hier im Rheinland auch Hans Muff genannt wird.

Als Kind hatte ich immer ein wenig Respekt vorm Hans Muff.
Mein Opa konnte allerlei Schabernack und wilde Geschichten. Ich habe diesen Opa sehr geliebt. Und obgleich er in der Vorweihnachtszeit gerne mal vom Hans Muff sprach, dass der gleich käme und so, wenn ich frech sei, wusste ich genau: Bevor der Hans Muff mich in einen Sack steckt, verkloppt der Opa diesen höchst persönlich. Mein Opa war super und ein bisschen verrückt und wild.

An einem Nikolausabend nun hatten meine Eltern und befreundete Eltern aus dem Nachbarhaus den Nikolaus zu uns nach Hause bestellt.

Wir Kinder hatten damals schon eine wage Ahnung wer da als Nikolaus verkleidet kommen würde. Da gab es so einen dorfbekannten Mann, der das wohl professionell machte. Wobei die Verkleidung so perfekt war, dass man gleichzeitig doch nicht sicher war, ob es nicht tatsächlich der Echte war. Vielleicht arbeitete der Nikolaus übers Jahr ja was ganz Normales? Es blieb mysteriös. Vor allem brachte dieser Nikolaus auch immer einen Hans Muff mit. Mit Sack. Und wenn ich sage, dass meine Schwester, das Nachbarsmädchen und ich eine dezente Aufregung verspürten vor dem nahenden Abend, so ist das fast untertrieben. Wir übten irgendwas ein. Ein Lied? Ein Gedicht oder beides? Keine Ahnung. Ich hab´s verdrängt.
Schon nachmittags kauerten wir uns hinter das Bett unserer Nachbarin, in der Hoffnung, der Hans Muff möge uns nicht finden und der Nikolaus uns wohlgesinnt sein. Es war ein Thriller.  😀 Zwischen hysterischem Lachen, gegenseitigem Gutzureden und dem Eingeständnis, dass man ja doch nicht immer so brav gewesen war, war alles dabei. 😀

Am Abend erschienen dann die „gefüchteten“ Gäste. Das große goldene Buch in den weiß behandschuhten Händen, des wirklich stattlichen Nikolauses fest im Visier, versuchte ich nicht den Hans Muff und den Sack genau anzusehen. So nach dem Motto: Ich gucke nicht hin. Dann sieht der mich auch nicht.

Wir boten unsere Sprüchlein und unser Liedchen dar und empfingen die, zugebener Maßen harmlosen Vergehen, aber auch lobenswerten Eigenarten streng aus dem Buche vorgetragen.
Keiner musste in den Sack. Eher wäre noch mein Opa aus einem Versteck hervorgesprungen, um den Hans Muff mit dem Bischofsstab zu vermöbeln. 😀 Alle bekamen von dem bekannten Unbekannten eine Tüte mit den üblichen Dingen und waren ganz beseelt.

Es war ein aufregender und schöner Tag zugleich. Vor allem ist er bis heute zu unvergessen.

Ich kann nicht behaupten, dass mich Hans Muff traumarisiert hätte. Es war eher ein Nervenkitzel der lustigen Art. ABER: ein Nervenkitzel.

Jetzt bin ich platt, was nun unsere Kinder daraus machen. Vor allem das noch nicht ganz 3 jährige Knöpfchen.

Da sprachen wir also über den Nikolaus. Und die Kinder fragten, wie nochmal der Mann mit dem Sack hieße. Da antwortete das Knöpfchen: „Das is de Hans Muff! Kommt mit dem Ni-ko-laus! Hatte eine Sack dabei! Is geh da hein und guck mal was drin is!“
Ich guckte erstaunt und fragte nach. Sagte sie weiter: „Ja, is geh zuäst (zuerst) in die Sack, dann die anderen! Gucken wia mal!“ Und dabei lachte sie laut und machte eine große auslandende Handbewegung.
Ich lachte nun auch und hörte wie sie weiter sprach: „Bin is fech (frech)! Is heisse (reiße) den Sack mit meine Hände ka-putt! Is heisse (reiße) den Hans Muff kaputt! Bin is so staak (stark) wie Pipi Lammstumpf!“

Alles klar. Hans Muff und wer da noch so kommt. Dem Knöpfchen macht ihr nix mehr vor. Vor lauter Größenwahnsinn macht sie euch am Ende wirklich fertig.

Und ich überlege ernsthaft, ob an der Reinkarnationstheorie was dran sein könnte. Ich frag das Knöpfchen gleich mal: „Opa, bist du es?“

  3Comments

  1. Paula Deme   •  

    Oh, so süss! Tolle Geschichte, danke für den Beitrag. Wusste das mit dem Muff bis heute noch nicht…

    Ganz liebe Grüsse aus Zürich

    Paula

  2. Silvia Rabensteiner   •  

    Oh tolle Geschichte aus deiner Kindheit. Ich erinnere mich noch genau, wie ich jedes Jahr im Kindergarten Angst vor dem großen, alten Nikolaus hatte und mich nie recht getraut habe, das Säckchen entgegen zu nehmen. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.