Ein Wochenende im Ausnahmezustand

Wenn man drei kleine Kinder hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwas ist und man nicht nach Lust und Laune Karneval feiern kann, sehr warscheinlich.

Die letzten 6 Jahre war ich zudem entweder sowas von frisch im Wochenbett oder voll stillend mit Baby und 2 Jährigem (da gibt die Energie es nicht her feiern zu gehen), oder mitten im Umzug oder die Kinder waren krank und Oma und Opa verreist.
Dieses Jahr ging aber mal wieder was. Wenn auch nicht so wild, wie man sich das so vorstellt.
Das Sirenchen hatten Ohrenweh und war nicht in gewohnter Form. Kurz hatte ich Sorge, Weiberfastnacht im Kindergarten absagen zu müssen.
Aber es ging dann doch. Sie wollte dringlichst in ihrem Prinzesssinenkostüm in den Kindergarten.

Die Eltern waren ab 11 Uhr dazu geladen. Als ich mit dem Knöpfchen ankam, stürzte sie sich sofort in die Kinderschar, aber der Sohn und das Sirenchen signalisierten sofort, dass sie mit Karneval an diesem Tag fertig waren nach 2 Stündchen. Sie klammerten sich an mich und waren ermattet von dem ganze Trubel und wollten sofort mit mir nach Hause fahren. Wir blieben aber und als sich alles etwas verteilte zwischen Küche, Buffet und der kleinen Turnhalle tauten sie wieder auf. Um 13 Uhr war dann aber Schluss.

Die Kinder und ich im improvisierten „Anna“-Kostüm von der Eiskönigin. Die weiße Strähne war aus weißer Wolle.

Das Sirenchen baute komplett ab und litt an Karnevalsfreitag so richtig unter Ohrenschmerzen. Diesmal das andere Ohr. 🙁 Ich verbrachte den Tag mit Krankenpflege und Einkäufeerledigen für das lange Wochenende.

Samstags brachte ich die Kinder Mittgas zu meinen Eltern, räumte dann zu Hause ein wenig auf, kostümierte mich und machte was ganz Verrücktes. Ich setzte mich mit etwas zu Essen vor die Glotze und sah mir Sendungen über den Kölner Karneval an. Am Nachmittag kam der Mann von der Arbeit und wir machten uns auf den Weg nach Köln-Mülheim.
Mit der vollbesetzten Straßenbahn fuhren wir durch die Innenstadt. Es war schon richtig was los und auf der weiteren Fahrt wurde es immer ruhiger. In Mülheim liefen wir schließlich in der Dämmerung und milden Temperaturen die Mülheimer Freiheit entlang. Es war ruhig auf der Straße und man hörte wunderschön eine Amsel singen. Ein besinnlicher und schöner Moment bevor wir ins lustige und laute Leben eintauchten. Ich tauchte zudem etwas tiefer ins Glas als sonst und war wunderbar angeheitert. So schunkelt und singt es sich noch besser!

Gut, wenn man einen starken Mann hat, bei dem man sich angedüselt einhaken kann.

Ein toller Abend. Ich hab´s genossen.

Gegen halb 3 waren wir wieder zu Hause. Allerdings konnte ich am nächsten Tag nicht ausschlafen und war schon um 8 Uhr wieder wach. Das liegt am Kölsch. Es macht mich unruhig und lässt mich trotz bleierner Müdigkeit nicht schlafen. Ich nutze meine Unruhe und backte einen Kuchen für das Geburtstagskind und bereitete 2 riesen Schüsseln Nudelsalat vor. Ein paar Ballons hängte ich auch vor´s Haus.

Die Sonne schien, wir erwarteten Freunde und Familie zum Karnevalszug, der hier vorm Haus entlang lief.
Gegen 14 Uhr kamen meine Eltern und Geschwister mit den Kindern und Freunde mit und ohne Kinder. (siehe Titelbild)

Wir sahen einen tollen Karnevalszug…

Der Mann und ich.

.wobei….es wurden so viele Kamelle geworfen, dass man eigentlich immer nur auf dem Boden rum kroch, um alles einzusammeln. Der Sohn hatte schon nach der Hälfte des Zuges keine Lust mehr und wollte rein gehen und spielen. 😀

Abends blieb der Cousin dann noch zum Übernachten bei uns. Allerdings war das kein Aufwand. Die Kinder fielen ziemlich früh ins Bett. Einzig der Sohn hatte einen Nachtschreck. Seit langer Zeit mal wieder. Die anderen Kinder bekamen das Geschrei aber zum Glück nicht mit. Die schliefen wie Steine.

Am Rosenmontag hatte das Knöpfchen Geburtstag. Die Kinder spielten am Vormittag und ich backte noch einen zweiten Kuchen und baute den vom Knöpfchen gewünschten Einsenbahnkuchen zusammen.

Am Nachmittag kamen meine Eltern, die Uroma und meine Schwester nebst Anhang. Die Kinder waren ziemlich drüber und aufgekratzt. Streckenweise waren sie sehr wild und natürlich tat sich immer mal einer weh beim Toben. Es war ein sehr unruhiger Nachmittag.

Das Knöpfchen schien aber dennoch zufrieden mit ihrem dritten Geburtstag. Sie freute sich über den Kuchen, über einen neuen Schlafanzug und ein paar Kleinigkeiten, die die Omas noch mitgebracht hatten.

Am Abend schliefen die Kinder wieder ziemlich früh.

Und heute, am Karnevalsdienstag stand noch der Kinderzug im Ort an. Die Schulen und Kindergärten zogen vormittags nochmal los.

Pünktlich um 9 kamen wir präpariert und vor allem mit geschminkten Kindern am Treffpunkt an.

Abfahrbereit mit 3 dicken Tüten Wurfmaterial, was wir ja tonnenweise hier zu Hause hatten vom Sonntagszug.

Die Kostüme wurden vor Ort verteilt und mein Plan war, die Kinder abzugeben, wie letztes Jahr und dann den Zug am Wegesrand zu verfolgen. Aber das Sirenchen als auch der Sohn klammerten sich an meinen Tüllrock. Am Ende bin ich sehr spontan in unpassendem Kostüm mitgelaufen. Das Knöpfchen folglich auch.

Und dann kam wieder einer dieser Dinge aus der Rubrik: Was man mit 3 kleinen Kindern alleine auch einfach mal aus lassen könnte.

Die Sonne schien. Die Stimmung war gut. Der Zug war gut besucht. Allet schick.
ABER: Das Knöpfchen verstand zunächst nicht, dass wir MIT liefen und sie reihte sich immer in die Zuschauer ein, um Kamelle zu fangen. 😀 Ich erklärte, dass WIR nun die Kamelle werfen würden und köderte sie zunächst mit einer Tüte Popkorn, die knusperte sie neben mir laufend auf und hatte dann verstanden. Sie warf schließlich Kamelle fast im Rausch und lief sehr selbstbewusst vorneweg. Manchmal auch etwas weiter als die Gruppe. Da sie aber in ihrem grünen Drachenkostüm aus den anderen Kostümen (Löwen und vor uns Marienkäfer.) herausstach, hatte ich sie gut im Auge. Wenn „Hütehundmama“ unterwegs ist, geht kein Kind verloren. Aber der Sohn merkte schon recht bald an, er hätte Angst, dass das Knöpfchen verloren ginge.
Ich beteuerte sie würde nicht verloren gehen. Er und das Sirenchen sollten einfach den Zug genießen, immer bei den Löwen bleiben und Kamelle werfen. Um den Rest würde ich mich schon kümmern.

Aber es gab Tränen beim Sohn. Er weinte. Er war total gestresst.

Das Knöpfe war zudem, wie sehr oft derzeit ganz auf ihre Eigenständigkeit bedacht. Es macht ihr gerade oft schlechte Laune, wenn sie sich „bevormundet“ fühlt und sei es noch so fürsorglich. Sie braucht gerade ihre Autonomie. Und sie lief lachen und Kamelle werfend voraus. Ich sah sie IMMER.
Der Sohn weinte und wollte nach Hause. Da ich aber mein Lastenrad am Treffpunkt stehen hatte, mussten wir ja ohnehin dorthin zurück. Also konnte wir auch weiter mit laufen. So lang und weitläufig ist so ein Kinderzug nicht. Hätten wir abgebrochen, wären wir nicht schneller am Fahrrad gewesen.

Das Sirenchen wollte dann keine Kamelle mehr werfen, nahm zudem die Löwenperücke ab und krallte sich wieder in meinem Rock fest. Zweimal musste ich dem Knöpfchen dann doch nachlaufen, weil sie etwas zu weit voraus gelaufen war.

Ich war also den ganzen Zug nicht nur damit beschäftigt das Knöpfchen im Auge zu behalten und hier und da nochmal einzusammeln und die Kamellbeutel immer wieder aufzufüllen. Ich musste am laufenden Band dem Sohn gut zureden und versichern, dass er sich keine Sorgen machen bräuchte, ich würde auf das Knöpfen aufpassen. Das Knöpfchen wiederum bekam dann Durst und wurde unleidig. Kurz vorm Ziel. Die letzten 15 Minuten musste ich das Bröckchen schleppen und die beiden Großen hatten sich mittlerweile beide in meinen Rock gekrallt.

Karneval müssen wir wohl noch ein bisschen üben. Entspannt und mit Spaß einen Zug mit gehen geht anders. 😀

Dennoch  habe ich den Kopf voller Lieder. Wahrscheinlich noch länger und freue mich schon auf das nächste Jahr.

Ich frage mich allerdings wer diese Unmengen Süßkram essen soll. In der Fastenzeit.

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