Vom Turnkurs und den Schwierigkeiten

Das Sirenchen ist eine Sportskanone. Muss man sagen. Die kann einfach alles, was mit Bewegung zu tun hat, ohne sich zu überschätzen. Und weil sie ohnehin Energie hat und überhaupt… da bot es sich an mal zum Kinderturnen zu gehen. Und das ohne den großen Bruder! Der geht in dieser Zeit eigene Wege. Es gibt tatsächlich einen schönen Kurs, in den sogar der halbe Kindergarten pilgert. Also eine überwiegend vertraute Runde.

Die erste Turnstunde war auch ein voller Erfolg. Das Sirenchen ging mit den anderen Kindern ohne mich in die große Dreifach-Turnhalle runter. Ich konnte sie von oben durch das Glasgeländer beobachten. Wir winkten uns immer zu. Es klappte alles super. Sie war aufmerksam und begeistert bei der Sache. Danach war sie aufgekratzt glücklich und ich war es auch. Hach, da hatte ich was gefunden, was ihr gefällt, dachte ich und wähnte mich in Sicherheit.

Da der Kurs eigentlich voll war, sah ich mir an einem anderen Tag in einer anderen Halle noch einen anderen Kurs mit ihr und dem Knöpfchen an. Eine gemütliche Halle, eine nette Gruppe…..das Knöpfchen sprang übermütig durch die Gegend, voller Vorfreude und wollte auch. Aber das Sirenchen heulte laut los, als alle Kinder nochmal einen Schluck trinken sollten und sie bemerkte, dass sie ihre Trinkflasche nicht mit in die Halle genommen hatte. Ich eilte herbei und reichte sie an. Aber es war nichts mehr zu retten. Das Kind klang wie Hui Buh das Schlossgespenst und es regnete dicke Kullertränen. Mit panischem Blick sagte sie, sie wolle auf keinen Fall wieder in die Halle. Und in dieser Halle war es nicht erlaubt als Mama drinnen auf der Bank zu warten. Was ich schade fand.
Ich beruhigte sie erstmal und lugte vorsichtig durch die Glastür in die Halle, ob jetzt das Knöpfchen auch herbei gesprungen käme. In dieser Halle konnte man nur eine Stunde turnen. Da musste das Knöpfchen sofort mit machen und nicht eine Stunde später erst.  Das Knöpfchen flitzte aber auf Anweisung der Turnlehrerin mit den anderen Kindern umher und hatte einen riiiesen Spaß. Als ich das Sirenchen nach einer Weile fragte, ob sie nochmal rein gehen wollte, war ihre Reaktion eindeutig. Also blieb sie die ganze Stunde auf meinen Schoß gekuschelt sitzen. Das war einerseits auch sehr schön. Denn so viel exclusive Mamazeit hat sie als Sandwichkind selten. Sie erklärte mir auch, dass sie die Haare der Lehrerin nicht möge. Aha? Ich halte das für eine „Ausrede“ weil ihr die Worte fehlten, ihr Unbehagen auszudrücken.

Zwei Tage später sollte wieder der Kurs in der großen Dreifach-Halle stattfinden.
Der Tag war ein bisschen vermurkst. Auf dem Parkplatz der Schule war wegen Elternsprechtag alles zu geparkt. Viele kamen etwas zu spät. Es herrschte dezente Unruhe. Das machte das Sirenchen unsicher. Sie ging zwar mit einer Kindergartenfreundin und deren uns gut bekannten Mama in die Halle hinunter, jedoch fing sie dann bald  an zu weinen. Als es mit der Stunde los gehen sollte, weigerte sie sich von der Bank aufzustehen. Ich eilte dann nach unten (das Knöpfchen ließ ich zurück ungeachtet, wie sie das fände), konnte aber keine Begründung bei Sirenchen heraus finden. Ich sprach ihr gut zu und bestand darauf, dass sie erstmal dort sitzen bliebe. Wir könnten uns ja sehen. Ich würde ja da sein und ihr winken. Ich war unsicher, was das Knöpfchen oben machte. Und wahrscheinlich hätte das Sirenchen gleich doch Lust mit zu machen. Es waren wieder tolle Sachen aufgebaut.
Tatsächlich blieb sie aber, trotz mehrere Aufmunterungen durch die Turnlehrerin und auch ihre Kindergartenfreunde, die ganze Stunde dort sitzen. Egal wie oft ich winkte und ihr zunickte.

Ich machte mir Gedanken, wie ich die Situation mit zwei Kindern besser gestalten könnte. Denn das Knöpfchen sollte eigentlich erst in der zweiten Stunde mit den Kleinen mitmachen. Wenn ich nochmal hinunter ginge, käme das Knöpfchen diesmal sicherlich mit vor lautet Eifer und würde sich einfach als Jüngste in das Turngeschehen einreihen. Wäre das ok? Würde das nicht stören? Würde meine Anwesenheit nicht für Unruhe sorgen? Wäre das ein gutes Signal für´s Sirenchen? Oder muss sie das auch aushalten können, dass ich da bin, aber nicht neben ihr? Immerhin kannte sie die meisten Kinder ja und war nicht wirklich fremd.
Das Sirenchen und ich hielten die Stunde dann so aus. Ich oben. Sie unten. Ich immer in Lauerstellung. Irgendwie blöd. Ich wusste nicht so richtig was ich machen sollte.
In der zweiten Stunde können die Mamas mit den kleineren Kindern mit turnen. Ich kam mit dem Knöpfchen in die Halle. Das Knöpfchen beschäftigte sich wunderbar alleine auf all den Geräten, aber das Sirenchen blieb auch die zweite Stunde, etwas schmollend auf der Bank sitzen. mmmmh.
Sie wollte einfach nicht.

Die dritte Woche sagte das Sirenchen sofort, sie wolle aber nicht nochmal zu der Turnlehrerin mit den komischen Haaren und meinte die kleiner Halle, in der sie als Hui Buh aufgetreten war. Ich versicherte ihr, dass wir dort nicht normal hin gingen, sondern weiter die große Halle mit den Kindergartenfreunden besuchen würden. Jedoch mussten wir eine Woche pausieren, weil ich in Berlin war und die Kinder bei der Oma. Eigentlich ungünstig die Unterbrechung. Naja.

Letzte Woche war dann wieder Turnen. Ich kündigte es einige Tage vorher an. Ich zählte auf, wer alles aus dem Kindergarten da sein würde.
Schon beim Abholen im Kindergarten sagte das Sirenchen, sie wolle nicht zum Turnen. Fast war ich versucht einzuknicken. Aber ich zog das dann durch. Manches muss man auch einfach mal üben. Als Mama und als Kind.
An diesem Termin kamen dann leider gleich 3 Mädchen aus dem Kindergarten nicht und es kam auch noch eine Turnlehrerin in Vertretung. Uiuiuiui. Sag ich euch.

Ich entschied einfach, dass das Knöpfchen dann in der ersten Runde auch mit turnen dürfe und ging mit runter in die Halle. (Wusste die Vertretung ja wahrscheinlich nicht, wer alles dazu gehörte und wer nicht.) Dort half ich auch sofort beim Aufbauen. Ich wollte signalisieren, dass ich da bin und in das Geschehen involviert bin. So für´s Sirenchen als Sicherheit.
Sie lief weinend hinter mir her und hielt sich an meiner Heckhosentasche fest. „Ich wiiiihiiiillll nicht, Mamaaaaa!“
Ich erklärte, dass ich nicht weg gehen würde und in der Halle bei ihr bliebe. Ich würde ja sogar helfen aufzubauen. Sie weinte und ließ nicht locker. Sie wolle bei mir bleiben. Ich sagte, ich würde ja auch da bleiben und fragte sie sogar direkt: „Bin ich jemals einfach verschwunden?„Nein!“ antwortete sie prompt.
„Siehst te! Und jetzt verschwinde ich auch nicht! Ich bleibe sogar hier unten in der Halle. Bis zum Ende!

Aber sie weinte weiter, bis ich sie neben meinen Rucksack auf die Bank setzte. Dort blieb sie und wartete an meiner Tasche nestelnd. Die Turnlehrerin bemühte sich auch sehr lieb nochmal um das Sirenchen und bestätigte, dass ich sogar mit turnen dürfte, falls es das leichter mache. Aber das Sirenchen wollte einfach nur neben mir sitzen bleiben. Das Knöpfchen machte engagiert mit.
Zweimal konnte ich das Sirenchen überreden dann doch eine Balanceübung zu machen. Der Geräteaufbau war einfach zu spannend, um es nicht doch mal auszuprobieren. Aber das war´s dann auch.
Heute war wieder turnen. Ein heißer und noch dazu ein Brückentag. Ich war unsicher, ob es überhaupt stattfände und wusste schon von einigen, dass sie gar nicht kämen. Ich fuhr dennoch zur Halle und bin sehr froh.
Es war nur ein Mädchen aus dem Kindergarten nebst Mama und kleinem Bruder da. Und wir. Also das Sirenchen, das Knöpfchen und ich. Die Turnlehrerin kam und baute trotz der wenigen Kinder wieder tolle Sachen auf und wir Mamas turnten mit. Das Sirenchen war sofort zugänglich und machte mit Freude mit. Sie konnte sozusagen mit der Halle und der Turnlehrerin warm werden.

Das Knöpfchen machte alles auch so prima, dass sie bei den Großen in Zukunft mit turnen darf. Das finde ich zeitlich natürlich sehr angenehm und ermöglicht mir dann immer mit unten in der Halle zu sitzen.
Und da jetzt im Sommer sehr wahrscheinlich meistens eher in spärlicher Besetzung geturnt wird, kann sich das Sirenchen in Ruhe im kleineren Kreise gewöhnen und turnt dann vielleicht im Herbst schon ohne Mama in der Halle in großer Runde mit.

Mal sehen wie unsere Turneingewöhnung weiter funktioniert. Ich bleibe mal beharrlich dran. Für´s Kind.

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