Hast du Langeweile, geh mit Kindern schwimmen.

VOR dem Schwimmen:
Die Kinder trampelten mir furchtbar auf den Nerven herum, weil sie es nicht abwarten konnten. Beim Einpacken der Schwimmtasche musste ich immer wieder sagen: „Bitte steh mir nicht im Weg rum und geh so lange ins Kinderzimmer, damit ich die Tasche fertig packen kann. Ich vergesse sonst alles.“ oder: „Such doch schon mal deine Badelatschen!“ Und „Zieht eure Badesachen ruhig schon an.“

Der Sohn sprach so dann: „Ich brauche ja über meine Badehose keine andere Hose mehr anziehen. Dann brauche ich im Schwimmbad nur das T-Shirt ausziehen und bin schon fertig.“ Und er warf seine Wechselhosen in die Tasche.
Das war gut mitgedacht.

Wir saßen gerade noch rechtzeitig im Auto, bevor ich einen nervous breakdown bekommen konnte. Das Wort schwimmen konnte ich schon nicht mehr hören. Der direkte Weg zum Schwimmbad war uns dann noch durch einen „Tag der Bundeswehr“ versperrt (Ich verkneife mir an dieser Stelle einen Kommentar) und wir gurkten einen umständlichen Umweg.
Auf dem Parkplatz vom Schwimmbad sprang der Sohn barfuß aus dem Auto. Ich fragte: „Wo sind denn deine Schuhe?“
„Na, die sind zu Hause. Die habe ich nicht mitgenommen.“
Ah, die Aussage: „Dann muss ich nur das T-Shirt ausziehen“, war sehr wörtlich gemeint.
Homo Ökonomikus.
😀

Im Schwimmbad sprangen fast alle vergnügt ins Wasser. Ich muss nämlich sagen, wenn es nicht mindestens 32 Grad im Schatten ist, habe ich kein erhöhtes Bedürfnis mich zu Wasser zu lassen. Ich tue es ausschließlich für die Kinder, weil ich es wichtig finde. Die sollen mal schön schwimmen lernen. Wir befinden uns in der fortgeschrittenen Wassergewöhnung und können bereits Erfolge vermelden. Mal sehen ob der Sohn es noch in diesem Sommer richtig lernt. Zu diesem Zweck fröstel ich auch tapfer vor mich hin. Es sind ja nur selten 32 Grad im Schatten.

Recht bald wollten die Kinder auf die Wasserutsche. Aber NUR mit Mama und Papa gemeinsam. Der Mann schlug vor, er rutsche als erstes und finge dann jedes Kind einzeln unten auf. Ich käme dann als Letzte mit dem Knöpfchen zusammen. Gesagt und fast getan. Kaum war der Mann unten angelangt, wollte ich den Sohn los schicken. Der rutschte zauderhaft los und bremste, so dass er noch vor der ersten Kurve stecken blieb. Er stand auf und kam die Rutsche wieder hoch gelaufen. Die Wasserrutsche….ich fürchtete, er würde noch ausrutschen und dann erst recht mit Karacho rückwärts unten ankommen. Aber er schaffte es extrem behänd wieder hoch. Ich untersuchte darauf hin seine Hände und Füße erstmal auf Saugnäpfe. Aber was soll ich sagen. Alles ganz normal. Vielleicht kann er die Oberflächenhaftung bei Angst verändern. 😀
Nach kurzem Diskutieren musste ich dann mit allen drei Kindern gleichzeitig rutschen. Der Mann staunte nicht schlecht als unser 4rer Bob unten ankam und konnte auf Grund der Bugwelle auch niemanden auffangen. Er wurde förmlich von uns weg gespült. Alle drei Kinder tauchten kurz unter, wurden aber von den Schwimmflügeln erfolgreich wieder nach oben getragen. Der Sohn war dennoch bedient für den Rest des Tages und wollte nicht mehr rutschen. Mit Wasser hatte er es schon als Baby seine Schwierigkeiten.
Er schwamm dann auf eigene Wunsch mit dem Mann in einem anderen Becken weiter, während die Mädchen und ich noch viele Male immer im Dreier-Bob rutschten. Wir gingen jedes Mal unter. Aber das machte uns nichts.

Irgendwann hatte ich dann überhaupt keine Lust mehr auf Rutschen und auf Schwimmbad auch nicht. Ständig musste eines der Kinder zur Toilette. Und wie „liebe“ ich Schwimmbadtoiletten. Alles ist nass, die Schwimmkluft klebt wie Hulle und findet danach nur schwer wieder seinen eigentlichen Sitz zurück und man zuppelt ewig an sich herum. Und wenn mir jetzt einer sagen will, es gäbe da so Tricks, wobei man sich nicht aus seinen nassen Badekleider pellen muss…. Danke, ja, ich kenne alle und alle funktionieren bei uns nicht. Mehrfach erprobt. Wir müssen uns aus dem nassen Zeug schälen.

…und was noch viel schlimmer ist: Mich friert es da wieder besonders. Allein diese weiß gekachelte Umgebung….. Die Raumtemperatur reicht für mich in nassem Zustand auch nicht zum Wohlfühlen.
Und da gibt es auch noch Spiegel und ich denke jede Mal: „Hach, was ein liebreizender Anblick da im Spiegel. Bin diese bleiche Kalkleiche mit der komplett gewässerten und zermatschen Frisur, die fest um den Kopf pappt etwa ich?“

Bei diesem Schwimmbadbesuch entschied ich mich dann dazu, mal auf einem Liegestuhl in einem Handtuch eingewickelt zu pausieren, bis mir wieder warm wäre. Während der Mann die Kinder im Nichtschwimmerbecken bespaßte, saß ich da mit einem viel zu kleinen Handtuch, denn mein großes Badehandtuch hatte ich tatsächlich zu Hause vergessen.

 

Schließlich bekamen alle Hunger und die Kinder hatten auch zart blaue Lippen. Wir brachen endlich auf. Vater und Sohn zusammen und die Mädchen und ich. In der Damendusche startete ich einen Versuch alle zu duschen. Aber das Wasser wurde nicht warm und uns allen war kalt (vornehmlich mir), also machten wir uns schnurstracks auf den Weg zur Umkleide. Duschen würden wir dann zu Hause.
In der Umkleide pfefferte das Sirenchen ihr Handtuch auf den nassen Boden, um sich kurz darauf damit das Gesicht abtrocknen zu wollen. Das finde ICH persönlich super ekelhaft. Da bin ich mega pingelig. Ich schimpfte und reichte ein neues Handtuch an. Die nassen Badesachen ließen sich auch nicht gut ausziehen und die Schwimmflügel auch nicht. Alle froren. Ich zeterte vor mich hin.
Aus der anderen Kabinenreihe hörte ich Vater und Sohn.
Ich rief: „Die trockenen Hosen vom Sohn sind hier! Ich leg sie oben auf meine Kabinentür!“
„Wir haben ein ganz anders Problem!“ erklang es genervt.
Als wir fertig angezogen auf den Gang traten, sahen wir Vater und Sohn immer noch in Badesachen vor den Umkleidekabinen stehen. Der Sohn hatte es irgendwie geschafft die Umkleidekabine von außen zu verriegeln und sie ging nicht mehr auf. Aber die Sachen waren darin. 😀

Mit Hilfe eines engagierten anderen Vaters konnte die Umkleidenkabinentür aber wieder geöffnet werden. Ein heldenhafter Einsatz.

Was ein Gehampel. 😀

Schließlich war ich dankbar, dass sich keines der Kinder beim Verlassen des Bades im Drehkreuz des Ausgangs verheddert hatte. Das hätte an diesem Tag noch gefehlt.

 

 

 

 

 

 

 

  7Comments

  1. Roksana   •  

    Lol, deinen Artikel zeige ich später Lotte als Erklärung dafür warum wir nie schwimmen gehen 😂😂

  2. Bepunkt Lampenhügel   •  

    Beste Frau Confuß, hach wie schön zu lesen! WIR sind nach einem Schwimmbadbesuch meistens erkältet – (also die Kinder), das ist nur ein Grund, weshalb ich solche Besuche eher meide. Aber die Muckligen haben einfach so viel Spaß beim Plantschen… man muss es ihnen gönnen; ab und an! Ich friere mir auch jedes Mal den Arsch ab und dann dieser Chlorgeruch – in den Haaren und auf der Haut – davon hat man die nächsten Tage noch etwas – so gar nicht meins! Und wenn ich mir vorstelle, WIEviele Kinder alle in die Pleurre gepinkelt haben, WEIL sie den nassen Kram nicht heruntergezogen bekommen hätten… fies. Na gut. Trotzdem. Schwimmen ist ja für soo vieles gut….! Neulich sind wir sehr mutig eine Dunkel-Rutsche im Nachbarschwimmörtchen heruntergerutscht – da sah man die Hand vor Augen nicht! Die reinste Mutprobe auch für Erwachsene. Vielleicht ist das ja auch etwas für Euch 😉

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Dunkelrutsche? 😀 Haha, da weiß ich schon, da stoppen meine Kinder schon am Eingang. Die sind ja so kritisch, wenn es unbekannte Tunnel zu erproben gibt. Die rutschen ja nichtmal normale Rutschen, die rundherum zu sind runter. 😀

  3. Michaela von Reth   •  

    Ich hab mich wieder mal amüsiert und kopfnickend zugestimmt:
    Bei der Stelle, an der Du Dich im Spiegel erblickst. Ähnlich geht’s mir auch. Irgendwie hab ich das Spiegelbild von früher noch im Kopf. Nur im Spiegel, da ist das von heute :))

    Die Toilettenböden im Schwimmbad- bäh!

    Wir machen gerade Urlaub auf Malta und waren heute am Strand.
    Ich musste mal und die Jungs hoben gleich die Arme:“hier ich auch, ich komm mit…“
    Wir sind gedankenlos ohne Schuhe gegangen. Am Strand aufs Klo.
    War auch lecker auf Zehenspitzen angewiedert in der Pfütze der dixikloähnlichen Klokabine zu stehen, die Kinder dabei deutlichst aufzufordern NICHT schon die Tür zu entriegeln (hatte ich auch schon schön auf dem Präsentierteller…) und auch bitte NICHTS anzufassen!

    Pitsch-patsch… und zurück zum Strand.

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Ich wünsche euch eine wunderbare Zeit auf Malta!

      Und das mit den Strandtoiletten, da hatten wir auch schon Barfußerlebnisse….brrrrr 😀 Und Türen die schon aufgerissen werden, obwohl ich noch halbnackig da stand und so….:-D Man hat auf jeden Fall immer was zu lachen hinterher.

  4. Karin Futschik   •  

    Hallo Beatrice!

    Ich musste so lachen. Bei uns ist es so ganz anders. Wir haben eine Saisonkarte und die Badetasche steht von Mai bis September grundgepackt herum. Nur die Handtücher und Badeklamotten kommen zum Trocknen jeden Tag rein und raus.

    Der Ablauf im Bad ist so routiniert, dass es keine bessere Beschäftigung für den Sommernachmittag gibt. Rein, ausziehen, Planschbecken, Mama schnauft durch. Dann 20 Minuten Wellenbetrieb, danach einspringen. Danach Pommes, die Verkäuferin winkt dem kleinen Mann schon von weitem. Planschbecken. Mama schaut zu oder spielt mit. Gegen 19 Uhr Aufbruch nach Hause. Kind ist müde und schläft schnell ein. Ziel erreicht 😀

    Lg, Karin

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Hallo Karin, danke für deinen Kommentar. Es gibt sie also tatsächlich die routinierten Schwimmer…
      Ich werde wohl keiner mehr in diesem Leben. 😀 Aber ich gebe nicht auf. Ich glaube, wenn die Kinder älter sind und alle drei richtig schwimmen können wird das bei uns auch entspannter. Vor allem, weil ich sie dann immer alleine ins Wasser schicken kann. 😀

      LG Beatrice

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