Umbruchstimmung

Hier ist weiterhin was los. Neben der hartnäckig anhaltenden Erkältung bei den großen Kindern (und auch bei mir) und damit verbunden nun schon nervig langen Ohrenentzündung bei beiden (aber das wird eine extra Beitrag), herrscht hier gerade emotionale Umbruchstimmung.

 

Die Geschwister sortieren sich derzeit neu. Der Sohn hat das Bedürfnis seinen Weg zu gehen und löst sich ein Stück weit von seinen Schwestern. Er hat sein Playmobilreich in das die Mädchen nur mit seiner Erlaubnis eintreten dürfen. Er zeigt deutlich, dass er der Große ist. Die Mädchen finden sich neu. Das Knöpfchen ist nun endgültig eine vollwertige Spielpartnerin. Die Mädchen versinken im Rollenspiel. Der Sohn bleibt auf eigenen Wunsch außen vor. Manchmal macht er aber auch noch mit. Die Verbundenheit der drei bleibt aber. Das merkt man. Das Band ist stark. Die drei sind zusammen stark. Beim Sohn findet aber gerade von ganz alleine eine Lösung aus der totalen Geschwistersymbiose statt. Was auf jeden Fall gesund und wichtig ist.

 

Parallel dazu kommen die anstehenden Veränderungen des zukünftigen Alltags für die nächsten Jahre hinzu.

Bald ist der letzte Kitatag vom Sohn. Die Schule naht. Das Knöpfchen kommt in den Kindergarten und das Sirenchen, unsere Mitte, wird das erste Mal alleine in einer Kindergartengruppe sein. Mit alleine meine ich ohne ein Geschwisterkind. Bisher war überall immer der große Bruder dabei. Und das Knöpfchen wird in die andere Kindergartengruppe gehen. Der Kindergarten ist zwar klein, dennoch….

In so einer kleinen Kinderwelt ist dann ALLES neu. Wirklich ALLES. Und in meiner irgendwie ja auch.

Der morgendliche Ablauf wird auf den Kopf gestellt.
Die Kinder und ich müssen eine Stunde früher aufstehen, als bisher.
Den Sohn werde ich mit den Mädchen zur Schule begleiten. Die ersten Wochen jedenfalls, bis er sich sicher fühlt. Und dann bringe ich die Mädchen auf einem Weg zum Kindergarten.

Hier sind alle etwas aufgeregt. Die letzten Wochen waren ohnehin im Alltag durcheinander geworfen und auch noch immer nicht wieder im Fluss. Das wird auch erstmal so bleiben, fürchte ich.

 

Den Kindern merke ich deutlich die Umbruchstimmung an.

Der Sohn ist sehr unruhig, diskutiert viel, sehr viel, nervig viel und hat zeitweise ein paar Stinkstiefel am Fuß. Mann, kann der zänkisch sein. Und ALLES wird hinterfragt. Gefühlt 100fach. Gleichzeitig ist er aber wieder herzzereissend süß und verkuschelt. Er fragt viel zum Thema Schule. Am liebsten würde er ein Video von seiner zukünftigen Klasse sehen. Er ist aufgeregt und etwas ängstlich zugleich. Der Nachtschreck ist wieder zu Besuch. Der Sohn liegt auch öfter mal wach und wälzt sich unruhig. Hinzu gesellt sich das plötzliche Bewusstsein, was Tod bedeutet. Bisher war es ein Zustand, den er versuchte zu verstehen. Wie sieht das aus? Wie geht das? Gibt es ein Video davon? Eine zentrale Frage für alles, was er verstehen will. Nun hat er plötzlich die Endgültigkeit (auch ohne Video) verstanden und plagt sich mit der Angst, Mama und Papa könnten sterben. Da sprechen wir also auch gerade öfter drüber.
Und dann ist er auch irgendwie flügge. Zu Freunden geht er sehr gerne und besonders gern zu einem Freund um die Ecke. Da darf er nämlich auch alleine hinlaufen und alleine zurück kommen. Jedoch muss ich ihm bei Einladungen zu Kindergeburtstagen, die nicht zu hause stattfinden Bilder und wenn möglich Videos von den Örtlichkeiten zeigen. Dann fühlt er sich sicher und vorbereitet. Ansonsten geht er NICHT auf den Kindergeburtstag! Ernsthaft.
Die Kindergartenübernachtung musste ich ihm auch schmackhaft reden. Sie steht jedoch noch bevor. Ich bin gespannt.

Was die Schule angeht: Ich weiß, es wir ganz schell gut werden. Er wird sich schnell einfinden. Aber es wird ein paar sensible Tage am Anfang geben.

 

 

Das Sirenchen kann sich gerade nur schwer von meiner Seite lösen und klebt an meinen Versen, wie Kaugummi. Ich habe buchstäblich einen Schatten. Vor allem in ungewohntem Terrain.
Das zeigt sich beim Turnen jedes Mal. Ich darf die Halle nicht verlassen.
Und obwohl sie sonst auch sehr selbstbewusst, laut und kess unterwegs ist und fremde Leute anquatscht und lauter Unfug macht, so reagiert sie mega schüchtern, wenn sie angesprochen wird.
Und nach ein paar Tagen ohne Kindergarten, hat sie jedes Mal einen schwierigen Start am Morgen. Sie weint dann und möchte nicht ohne mich sein. Das finde ich rührend und nervig zugleich. Ansonsten ist sie derzeit aber am unkompliziertesten von allen Dreien. Abgesehen von dem riesigen Nähebedürfnis, haben wir gerade eine gute Zeit. Sie kooperiert gerade gern. Fast bin ich irritiert.

 

Und das Knöpfchen rasselt das erste Mal in ihrem jungen Leben mit mir aneinander. Bisher war sie die meiste Zeit einfach nur „auch da“. pflegeleicht und flexibel im Familiengeschehen dabei. Es bricht nun aber eine neue Zeit an. Das liebe „Frollein“ ist derzeit ziemlich kess. Abgesehen davon, dass sie mit MIR gerade „was am ausfechten ist“, was ich Emanzipation (Abstand von der Mama-Symbiose) nennen möchte, briet sie neulich im Zorn einer Erzieherin ihren, zum Glück, Gummischlappen über den Kopf! Das war mir ein wenig unangenehm, aber ich musste auch lachen. Heimlich versteht sich. Zum Beispiel jetzt. Als ich das Knöpfchen nach ihrem Wutanfall zu der Sache befragte, wusste sie genau, dass man das nicht darf. Ich riet ihr, wie immer bei Entgleisungen, sie solle doch sagen, meinetwegen auch schreien und brüllen, dass sie sauer sei und ihre Ruhe haben wolle, anstatt (mit dem Schlappen) zu hauen. Sie sagte darauf hin: „Ja! Da kann die Er-siehe-hin mal was erleben, von mein Wort!“ (An dieser Stelle wünsche ich den Er-siehe-hinnen schon mal viel Spaß!)
Ich müsste das Knöpfchen mal auf Video aufnehmen, damit man versteht wie unfassbar witzig und niedlich dieses Kind dabei ist. Selbst beim Schlappenkloppen. Da sie zudem sonst überaus charmant ist, fällt es schwer ernsthaft böse zu sein.

 

Tja, und so fordern gerade alle drei auf ihre Weise wieder mal meine volle Aufmerksamkeit. Ich räume offen ein, dass ich manchmal ganz schön überfordert bin und derzeit wieder öfter eine ziemliche Schlappe mache, als Mama. Dieses penetrante mit Wiederworten und hartnäckige „Ich will aber…“Bombardement….
Ich komm mir vor wie bei Drei „gegen“ 1. Ich weiß, dass sie nicht gegen mich sind. Sie sind sogar sehr FÜR mich. Und sie brauchen mich gerade auch. Das ist mir trotz der ganzen endlosen Diskussionen und der 1000 Widerworte bewusst.

Aber in der Intensität die Ruhe zu bewahren….und meinen Tank kann ich kaum auffüllen gerade.
Abends kommt der Mann und möchte erzählen. Ich eigentlich auch. Und gleichzeitig auch nicht. Wo ist die Zeit für MICH? Alle Pausen sind derzeit Tropfen auf den heißen Stein.

Ich freue mich auf die Ferien, die im Kindergarten Ende Juli beginnen. Ja, man glaubt es kaum, aber dann ist hier alles gemütlicher. Abends muss man nicht auf die Schlafenszeit achten und morgens kann man trödeln. Das macht was!

 

 

 

 

  2Comments

  1. Frühlingskindermama   •  

    Das sind ja auch unglaublich viele Veränderungen, die bei euch anstehen! Da wird mir schon vom Lesen schwindlig und ich hätte große Angst, dass ich nicht jedes Kind so begleiten könnte, wie es das braucht. Dass das Sirenchen zur Zeit das pflegeleichteste Kind ist, finde ich echt lustig. Tja, so verändert sich das manchmal:-)
    Ich wünsche Dir viel Kraft und gute Nerven (!) für all das, was bald ansteht. Hoffentlich könnt ihr in den Ferien ein wenig auftanken! Bist Du morgens allein mit den Kindern, auch wenn es dann bald eine Stunde früher losgeht?
    Liebe Grüße!

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Ja, einige Veränderungen stehen an. Aber ich glaube, wir haben das gut „geplant“. Soweit das möglich ist. Ich bleibe noch mal zu Hause und kann den Sohn nach der Schule abholen und habe Zeit für ihn. Er geht dann nicht in die Nachmittagsbetreung und hat nach dem Unterricht wirklich frei. Ich kann mit ihm Hausaufgaben machen, ihm zuhören oder ihm einfach Zeit für sich oder mit mir geben. Ich denke, dass macht ihm auch den Abschied morgens leichter, wenn er weiß, dass wir uns schon bald wieder sehen. 😀 Wie das klingt. 😀 Aber er empfindet es als Trennung.

      Somit habe ich auch Zeit die Eingewöhnung im Kindergarten stressfrei zu begleiten. Ich glaube weniger, dass das Knöpfchen mich dann braucht, aber das Sirenchen. Vielleicht kann ich mit ihr auch mal ein paar Vormittage alleine etwas machen.

      Und morgens bin ich zwar nicht allein, aber es gibt Tage, da muss der Mann früher los, manchmal später. Und das ist unregelmäßig und nicht auf längerer Sicht planbar. So gibt es keine festen Tage, an denen es gleiche Zeiten gäbe. Ich glaube, es würde zu viel Unruhe hinein bringen wenn es einen Tag so und einen anderen so liefe. Und meine Erfahrung zeigt, manchmal ist es einfacher es gleich so zu planen, dass ich es alleine schaffe. Sonst kommt Frust und Durcheinander auf, bei allen Beteiligten.
      Liebe Grüße zurück! 🙂

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