Rippenblockaden

Jeder hat ja irgendeine Schwachstelle. Meine ist, wie bei vielen, der Rücken.
Verspannungen im Schulterbereich, Blockaden im Nacken. Ätzend. Nun weiß ich, wie ich da so mit umgehen kann, damit der Alltag funktioniert. Aber das Leben ist ja gemein und denkt sich sofort was Neues aus.

Und so mache ich seit wenigen Jahren regelmäßig Bekanntschaft mit Rippenblockaden. So auch wieder vor zwei Tagen.

Ich weiß nicht, wie es anderen mit Rippenblockaden so geht. Mich schaltet dieses Gebrechen völlig aus.

Das geht dann so.
Zunächst bemerke ich, dass ich eine blöde Bewegung gemacht habe. Dann denke ich jedes Mal: „Mist, aber das ignoriere ich jetzt, das renkt sich gleich wieder ein. Einfach nicht dran denken.“ Völlig naiv. Jedes Mal.

Ich mache dann so meinen Kram und irgendwann fällt mir auf, dass sich eine unsichtbare Schraubzwinge um meinen Brustkorb legt und langsam und unerbittlich fest gedreht wird. Das ist irre. Auch das ignoriere ich völlig naiv weiter. Denn: Ich hab keine Zeit, ich muss die Kinder abholen, mich kümmern. Irgendwann ist der Druck dann so stark, dumpf und in den ganzen Oberkörper strahlend, dass mir die Luft buchstäblich weg bleibt. Ich versuche dagegen zu steuern, mich zu bewegen, in den Schmerz hinein zu atmen, damit sich die Sache wieder auflöst. Aber es gelingt nicht. Dann bin ich schon so verkrampft, dass eigentlich nichts mehr geht. Die latenten Kopfschmerzen dazu merke ich gar nicht mehr, weil mir richtig doll übel wird vor Schmerzen. Ich weiß dann auch plötzlich nicht mehr, wie ich mich bewegen soll. Wie ich sitzen, stehen, liegen kann, ohne das Gefühl zu haben erdrückt zu werden. Der Puls wird schneller, ich schwitze, mein Herz fängt an zu klopfen. Wenn ich nicht wüsste, woran es liegt, würde ich glauben, ich würde in Bälde verenden. Kein Scherz. Man bekommt ein bisschen Angst.
Also laufe ich los und nehme immer noch völlig naiv nur EINE Schmerztablette. Die wirkt dann alleine leider nicht. Freiwillig werfe ich mir kurz darauf eine zweite ein. Auf dass es ENDLICH weniger schlimm werde. Dazu muss ich mich ganz warm einpacken und am besten irgendwie halbwegs bequem hinlegen und entspannen. Ich kann dann nichts mehr, außer mich in mir zurück zu ziehen. Rien ne va plus.
Erst wenn der schlimmste Druck weg ist und ich wieder besser atmen kann, dann kann ich mich einrenken.
Dazu lege ich mich mit dem Rücken auf den Boden, mit dem Po dicht an eine Wand, verschränke die Arme vor dem Oberkörper und laufe mit den Füßen die Wand hoch. So hoch, bis ich an die ausgerenkte Stelle im Rücken komme. ( Die Kinder finden das ganz prima und krabbeln kichern unter meinen Beinen hindurch.) Auf der versehrten Stelle bewege ich mich ein wenig hin und her, was sehr wohltuend ist und meistens auch recht flott Knack-knack macht. Es sind immer zwei Rippen. Der Druck lässt nach, ich kann wieder atmen, aber ich bin dann so unfassbar müde. Akute Schmerzen sind echt anstrengend. Und danach sind die Schmerzen auch noch nicht weg, weil alles noch verkrampft ist. Erst nach einer guten Nacht geht es wieder.

Vor zwei Tagen bat ich die Kinder abends, sich alleine für´s Bett fertig zu machen und legte mich hin. Irgendwie haben sie es geschafft. Für alles was dann noch los war, war der Mann nach der Arbeit zuständig. Ich schlief von 19.30 bis 7 Uhr wie erschossen.
Nach so einem „Anfall“ bleibt ein muskelkaterähnliches Gefühl an der Stelle zurück und der obere Rücken bleibt verspannt. Das macht es „gefährlich“, dann ist das System noch anfällig. Ich achte auf alle Bewegungen und bin tagelang damit beschäftig wieder locker zu werden.
Wenn ich am Morgen nach so einem „Anfall“ aufstehe, knackt es auch bis in alle anderen Gelenke hinein. Bis ins Ellenbogengelenk. Eine Kettenreaktion anscheinend auf das verrückte Skelett.

Ich weiß nicht, ob die Selbsttherapie so gut ist. Ich weiß nur eins, wenn ich das akut habe, dann MUSS ich mir schnell helfen, weil ich sonst nicht den Alltag mit den Kindern bewältigen kann. Und so was passiert auch immer am Abend oder am Wochenende, oder wenn man nicht mal eben los kann, weil sonst niemand die Kinder übernimmt.
Was macht man da? Und wie das dann außerdem endet, weiß ich noch vom ersten Mal. Und beim zweiten Mal habe ich versucht einen Arzt am Abend zu finden, der mich einrenkt. Hat das schon mal jemand versucht? 😂
Völlig naiv.
Seit dem löse ich das Problem selbst. Und es steht in keiner Krankenakte, mich schreibt niemand krank und mir verschreibt auch niemand Physiotherapie.
Das kann man eine kostengünstige Krankenversicherte oder blöd nennen. Ich fürchte, es läuft auf letzteres hinaus. Aber ich habe keine Zeit mich dem umständlichen Krankensythem anzupassen, dass eine einfache Sache nicht schnell lösen kann.

 

 

 

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