Das Knöpfchen wickelt alle ein.

Der Mann sagt: „Das Kind ist Sternzeichen Fisch. Wir werden sie nie verstehen. Die sind so…..anders.“

Ich finde das Quatsch und doch denke ich manchmal, das Kind ist oft nicht richtig zu greifen. Sie flutscht einem immer wieder durch die Finger.

Also das Knöpfchen….ich schrieb ja bereits, dass sie beim Abholen im Kindergarten eine starke Performance hinlegt und ja selbst schon sagte: „Ein bisschen Theata muss sain!“ Hoppla, kleines Frollaiiiin….., wie meinen?

Man lacht. Es lachen alle, weil das Knöpfchen ziemlich niedlich ist. Das finden nicht nur wir Verwandten, sondern „leider“ auch alle anderen. Und DAS, ja ehrlich, hat das Kind schon geblickt.
Wenn sie also auch mal eine kesse Lippe riskiert, ruft so manche Mutter verzückt aus: „Ooooooch, die ist soooo süüüüüß!“ (Ich übertreibe nicht!) Man nimmt das Knöpfchen sozusagen gar nicht ernst, in ihrem denkwürdigen Betragen.
Also die anderen nicht. bzw manchmal wird sie auch ZU ernst genommen. Manchmal drängt sich mir der Verdacht auch auf, dass das alles wirklich nur Theater ist. Man bedenke ihren eigenen Ausspruch!
Ich denke das Knöpfchen testet hier und da auch, wie weit sie gehen kann. Und vielleicht ist sie auch genervt, weil ihr ihre kunstvoll inszenierten Dramen lächelnd nachgesehen werden.

Neuerdings hat sie beim Abholen im Kindergarten weitestgehend passable Laune und es kommt nicht mehr zu generellen Wutausbrüchen. Ein prima Fortschritt, der sicherlich auch etwas mit dem Ankommen im Kindergartenalltag zu tun hat.
Etwas knurrig ist sie dennoch hier und da. Mal mehr mal weniger. Und sie bummelt uuuuuunendlich lange rum, bis sie angezogen ist. Ich habe sie sogar, trotz eisiger Temperaturen, schon ohne Jacke und Schuhe ins Lastenrad gestopft, weil es einfach nicht sein kann, dass ich 30 Minuten auf EIN Kind beim Abholen warten muss. Da sind ja auch noch zwei andere Kinder, die vielleicht eine Verabredung haben oder so.

In diesem generell langatmigen Abholprozess, kam es zu ein paar Situationen, die ich sehr unangenehm finde. Ja, das habe ich sogar dem Knöpfchen höchst persönlich schon mitgeteilt.
Wenn das knurrige Knöpfchen nämlich so über den Gang huscht und andere Eltern sie kurz freundlich ansprechen, schleudert sie mit unfreundlichem Geplapper und Gezeter ihre Jacke, ihren Rucksack oder die Mütze gegen die Beine der wohlwollenden anderen Eltern. Das wurde ihr zwar immer sofort verziehen, bzw es wurde nicht ernst genommen, aber ich finde das dennoch nicht gut. Schlechte Laune hin oder her….man greift keine freundlich gesinnten Menschen an! Die Wut muss anders raus. Meinetwegen soll sie sich an mir abarbeiten.

Das Knöpfchen und ich haben darüber gesprochen. Es war dann erstmal ok.

An einem Nachmittag bekam sie kurz bevor wir den Kindergarten verlassen wollten einen kleinen Wutanfall. Wirklich was Kleines. Wegen der Jacke oder dem Stiefel. Keine Ahnung. Ich wusste, warte 5 Minuten und lass sie, dann ist es wieder gut.
Ein sehr netter und ruhiger Papa war gerade direkt neben ihr und sie fauchte ihn an. Sie faucht dann wirklich wie ein Raubkätzen. Der Papa, nicht unerfahren mit lebhaften Temperamenten, nahm sie sanft in den Arm und sprach mit ruhiger Stimme ein paar beschwichtigende Worte. Aber….da musste ich innerlich lachen, das funktioniert beim wütenden Knöpfchen nicht. Sie boxte sich auch prompt aus der Umarmung heraus und motze, sie wolle das nicht.
Ich fand das ok und auch stark, dass sie das so klar zeigte.

Hingegen ganz furchtbar fand ich gestern, dass sie aus dem Nichts heraus wieder einen anderen Papa auf dem Kindergartenflur unfreundlich anfauchte und ihm dann die Mütze vors Bein schleuderte. Zum Glück ist die ja weich, aber die Geste schon, fand ich unmöglich. Bevor ich aber was sagen konnte, boxte sie richtig auf eine andere Mama, die gerade vor ihrem Kind hockte, um ihm mit den Schuhen zu helfen.

Hallo? Geht´s noch, mein liebes Kind????? Du kannst doch nicht einfach um dich rum boxen? Das ohne Grund spare ich mir. Denn sie hatte einen Grund, den man aber nicht ahnte.
Ich wusste, richtig motzen bringt nix, da hört sie eh nicht hin. Ich blieb ruhig, aber beharrlich und wollte, dass das Kind sich entschuldigt. JA! Das finde ich wichtig!
Das Knöpfchen wollte aber nicht und als ich sie am Arm nahm, um von Angesicht zu Angesicht zu sprechen, versuchte sie sich wegzureißen. Die geboxte Mama kam ruhig dazu und wollte freundlich nachfragen, was denn das Problem gewesen sei. Sie sprach das Knöpfchen direkt an. Aber das Knöpfchen machte die Schotten dicht. Keine Ansprache möglich.
Draußen beruhigte sie sich dann recht flott (Szenenwechsel) und war wieder ansprechbar. Ich erklärte ihr,  sie könne meinetwegen wütend sein, aber ich wolle auf keinen Fall, dass andere Leute geboxt werden. Sie meinte dann, sie hätte die Mama nicht gesehen.
Mmmmmmh, ob das so stimmt, sei mal dahin gestellt.  Kinder, die imaginäre Freunde haben, kommen vielleicht auch auf clevere Ausreden. Aber selbst wenn es ein Versehen war, dann muss man sich entschuldigen. Das Boxen sei doll gewesen. Das geht nicht.
Das Knöpfchen war dann verlegen und verfiel in eine Babysprache und entschuldigte sich am Ende dann doch. Sie sprang der anderen Mama freundlich auf den Arm, als sei nichts gewesen.
Das macht sie dann auch wieder sehr charmant. Und man denkt: Oooooch, ist die süß!

Zu Hause suchte ich nochmal ein Gespräch mit dem Knöpfchen. So ganz in Ruhe.
Ich fragte, was sie denn immer so wütend mache. Warum sie die anderen Eltern so anfaucht und boxt.

„Weil die da lang kommen! Die sollen nicht in den Kindergarten kommen!“

Meine Vermutung ist, dass das Knöpfchen in ihrem etwas knurrigen halb verschlafenen Zustand nicht angesprochen werden möchte. Und wenn dann freundliche Eltern Hallo zu ihr sagen, nervt sie das. Versteh ich. Morgens, vor allem im Winter, habe ich ein ähnliches Lebensgefühl. Allerdings wird man nicht erleben, dass ich deswegen Leute boxe. Das Anfauchen kann ich gerade tolerieren.

„Aber die anderen Eltern holen doch auch ihre Kinder ab und freuen sich. Ich hole dich doch auch ab! Das geht ja nicht anders!“

Das Knöpfchen dachte sichtbar nach.

Und ich fügte hinzu: „Ich möchte, dass ab sofort das Abholen besser klappt! Wenn du schlechte Laune hast, ist das ok. Du darfst auch knurren und fauchen. ABER, du lässt die anderen Leute in Ruhe und boxt niemanden mehr! Und mal davon abgesehen, möchte ich auch, dass du deine Sachen etwas schneller anziehst. Es ist nicht nötig 30 Minuten im Kindergarten mit Schuheanziehen zu vertrödeln. Das nervt!“

Das Kind sah mich grinsend an, nickte und kam lachend auf meinen Schoß.
„Abgemacht?“
„Jaaa, meine liebe Mami!“ sprach´s mit hellem Stimmchen, nahm mein Gesicht in die kleinen Händchen und drückte mir einen Schmatzer auf die Wange.

Noch Fragen? Die hat den Dreh raus.

Ich bin gespannt, wie das Abholen die nächste Zeit klappt.

Ich bleib dran!

 

P.S. Mir ist jedoch auch klar, warum Kinder nach dem Kindergarten gern mal ausflippen. Den Beitrag gibt es HIER (klick) zu lesen.

  4Comments

  1. Bettina   •  

    Ich bin auch Sternzeichen Fisch. Wusste gar nicht, dass wir so mysteriöse Wesen sind 😉
    Kürzlich im Urlaub gab es so eine ähnliche Situation mit einem ca vierjährigen Mädchen, dass uns unmissverständlich zu verstehen gab, dass es von uns weder angeguckt, geschweige denn angesprochen zu werden wünschte. Wir sollten gefälligst einfach weiter gehen. Die Mutter entschuldigte sich bei uns, der war das total peinlich. Sie meinte, ihre Tochter sei oft so grob zu fremden Leuten, und ihr, also der Mutter, sei das immer total unangenehm. Aber mal ehrlich: Müssen die Mäuse in dem Alter wirklich schon „höflich“ sein? Das kommt noch früh genug, und sie lernen es auch. Nur hauen dürfen sie sich ruhig schon etwas früher abgewöhnen 🙂

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      😀 Ich weiß nicht, ob Fische mysteriös sind. Ich habe bisher keine komplizierten Fische kennen gelernt. Und selbst das verrückte Knöpfchen empfinde ich die meiste Zeit unkompliziert. Aber grundlos um sich boxen geht halt nicht. Und das ist mir echt unangenehm, wenn das passiert.

  2. Lydia   •  

    Es macht wirklich Spaß hier zu lesen… anschaulich die nackte Realität geschildert… und genau das macht mir Angst! Ich hab sieben Monate alte Zwillinge. Zwei Jungs ( A-HÖRNCHEN und B-HÖRNCHEN)
    Ich hab selbst eine etwas holprige Kindheit gehabt und auch jetzt kein besonders entspanntes Verhältnis zu meinen Eltern.
    Ich will mich unbedingt umorientieren was Kindererziehung betrifft…
    Ich hab aber ehrlich gesagt jetzt schon so oft das Gefühl
    vor lauter Reizüberflutung und ständiger Angst ich könnte versagen
    das ich explodiere… ich kann doch mein Baby nicht anschreien es soll ma bitte die Klappe halten es ist nicht allein in Mamas Bauch gewesen…
    Und dann lese ich den Blog und denke obwohl es positiv klingt und einerseits Hoffnung macht …. oh Gott bis ich die zwei im Kindergarten hab bin ich wahrscheinlich schon weggelaufen.

    Ich hoffe mein Kommentar war nicht unangebracht aber genau das und ein paar Tränen kamen mir beim Lesen.

    liebe Grüße Lydia

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Danke für deinen Kommentar! Er ist ganz und gar nicht unangebracht! Ich verstehe dich total. Zwillinge sind echt auch eine Aufgabe. Und wenn sie noch so klein sind, ist vieles noch schwierig. Die ersten Jahre mit den Kindern waren am schwierigsten, fand ich. Es wurde mit jedem Jahr einfacher. Anstrengend bleibt es natürlich, aber anders, als mit Babys. Gib nicht auf! Und wenn dir nach weinen ist, dann weine einfach. Habe ich die ersten jähre sehr oft gemacht. Es musste raus. Mach dir immer klar, dass du alles so gut machst, wie du kannst und das völlig ausreicht. Es gibt keine perfekten Mütter!

      Ein lustiges Beispiel von gestern Abend: Ich hatte drei überdrehte und müde Kinder, die dringend duschen mussten, aber nicht wollten und dann nur Unsinn machte. Ich hörte mich wieder nur zetern, meckern, schimpfen und auch laute Kommandos machen und fand es ganz furchtbar. Was sagte der Sohn plötzlich: „Mama, ich hoffe du wirst mal so alt wie die Ur-Oma, damit wir dich noch lange haben!“ Und die Geschwister stimmten zu.
      Also: Ich fand mich furchtbar in meiner Meckern-Mama-Rolle und die Kinder scheinbar überhaupt nicht. 😀

      Hör auf deinen Bauch, versuch viel Humor zu bewahren und lass Gefühle ruhig zu und raus. Sei authentisch! 🙂

      Vielleicht helfen dir auch die diversen Zwillingsblogs weiter. Google mal, es gibt einige davon! 🙂

      LG

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