Was ich aus der Mutter-Kind-Kur mitnehme

Trotz oder obwohl es mit den Kindern öfter mal recht schwierig war und ich auch fern des Alltags dort oben im Norden nicht immer wie im Bilderbuch reagiert habe, hat sich etwas geändert. Die Veränderungen finden sogar vermehrt als positive Nachwirkungen statt.
Mein Körper reagiert nicht mehr mit Stresssymptomen und ich stehe wieder mit beiden Beinen auf dem Boden.

Denn:

Ich fühle mich erfrischt und aufgetankt!
Potz-Blitz, jetzt wird wieder aktiv gehandelt und nicht mehr ermattet nur reagiert! Die kleinen Auftankmomente in den letzten Jahren reichten einfach nicht mehr aus, um mein marodes Akku wieder leistungsfähig zu machen. Ist die Batterie zu alt, muss eine neue her. Da is nix mehr mit Laden. Die letzten Jahre hingen mir zu sehr in den Knochen. Nun habe ich sozusagen eine neue Batterie eingesetzt bekommen. Die gilt es nun zu pflegen.

Eine weitere Wirkung ist, dank der Kur sehe ich einige Dinge nicht nur ganz klar, sondern kann sie auch gezielt angehen. Momente, in denen ich dachte: „So, jetzt muss aber mal wieder ein bisschen Zug in diesen Familienzirkus und dann klappt das auch alles wieder.“, hatte ich immer mal. Aber diese „Selbsterneuerungfähigkeit“ war mir im letzten Jahr komplett abhanden gekommen.

Und jetzt geht es los:

Die Schweine müssen weg.

In einem Seminar zum Thema Stress erwähnte ich als einen großen Alltagsstressfaktor für mich, die ganzen abgestochenen Schweine im Haus. (Kennt ihr das Sprichwort: „Das Messer im Schwein stecken lassen“, für nur halb erledigte Aufgaben?)
Das ist nämlich mein inneres Bild von dem Chaos zu Hause. Ich tue zwar immer etwas, aber ich sehe das Ergebnis nicht. Ich sehe immer nur, was alles unfertig liegen bleibt. Und das ist eine Menge. Überall diese Schweine mit den Messern im Leib….
Diese ganzen „abgestochenen Schweine“ entstehen einerseits durch mein eigenes inneres Chaos, welches durch den unberechenbaren Kinderalltag verschärft wird.
Als Beispiel: Ich räume die Küche auf und möchte noch putzen. Ein Kind ruft von oben es bräuchte Hilfe. Dann laufe ich, helfe dem Kind, sehe die fertige Waschmaschine, will die Wäsche aufhängen, aber das Wäschereck ist noch voller Wäsche und der Wäschekorb voller sauberer Wäsche, die noch weg geräumt werden muss. Also räume ich die Wäsche in die Schränke, dabei fällt mir auf, dass im Kleiderschrank der Kinder die nächsten Größen mal einsortiert und die zu kleinen Sachen aussortiert werden könnten. Und dann ruft wieder ein Kind wegen irgendwas oder ich muss einen Streit schlichten oder der Postbote klingelt. Schwups ist Essenzeit und ich muss erstmal Essen servieren. Und dann sind da ja noch so Dinge, wie einer ist krank und wir müssen zum Kinderarzt fahren und das kranke Kind bleibt zu Hause.

Was bleibt übrig? Richtig: „Schweine mit Messern“.

In der Kur merkte ich durch den getakteten Tagesplan, wie ruhig es mich innerlich machte, dass alles seine festen Zeiten hatte. Das Zeitfenster für eine sportliche Aktivität, lässt sich ja auch auf Haushaltsdinge übertragen. Das diszipliniert eingehalten, schafft man sicherlich mehr und hinterlässt auch weniger Kadaver. Ist nicht neu das Modell, ich weiß. Hab ich in der Theorie schon drüber gelesen.  😉

Ich glaube nun aber tatsächlich, dass ein Wochenplan für mich persönlich hilfreich ist, mich zu strukturieren und den Faden nicht so schnell zu verlieren. Ich habe schon eine Idee für ein flexibles Modell. Denn zu starre Pläne, die dann vom unberechenbaren Familienalltag zerschnitten werden, führen zu Frust und ich kloppe das Ding dann doch in die Tonne. Ich zeige euch den flexiblen Plan, wenn er fertig ist!

 

Sport

In diesen Wochenplan gehört auch sportliche Betätigung! Ganz wichtig!
Schon vor der Kur war mir klar, dass dieser Teil in meinem aktuellen Leben fehlt. Früher war ich immer viel in Bewegung. Zu Fuß, mit dem Rad zur Arbeit, zweimal die Woche Tanzen. Das alles fiel nach und nach mit wachsender Kinderzahl und zuletzt mit dem Umzug vor 2 Jahren weg. Ich versuchte es nochmal mit einem Zumbakurs, der mir auch viel Spaß machte, aber dann waren wieder Kinder krank, oder ich und zu letzt änderten sich die Arbeitszeiten vom Mann ungünstig. Also war damit auch wieder Schluss. Meine täglichen Fahrradstrecken bewegen sich im 5 bis 10 Minuten Radius, es sei denn ich mache Ausflüge oder muss zum Kinderarzt. Und das ist nicht regelmäßig genug. Das hat keinen Effekt.
Vor der Kur war ich so schlapp, müde und ständig irgendwie angeschlagen, dass mir der Antrieb fehlte etwas zu ändern.

In der Kur merkte ich, wie sich in 3 Wochen schnell die Kondition und Kraft wieder aufbaut. Rückenschmerzen verschwinden auch. Und der Stressabbau ist nicht zu unterschätzen!

Also sportliche Betätigung MUSS ich beibehalten.
Selbst wenn dadurch auf den ersten Blick etwas anderes liegen bleibt. Mit diesem Schwung gehen mir auch lästige Aufgaben leichter von der Hand. Ich kann mich nämlich auch wieder besser konzentrieren! Is wahr!

Denn bei allem was ich in dem letzten Jahr tat, fühlte ich mich immer gejagt. Schnell, schnell, damit ich die nächste Aufgabe noch weiter oder zu ende machen kann. Ich muss, ich muss, ich muss. Ein stressiges Gefühl, was mein Arbeitstempo nicht verschnellerte, mich im Gegenzug aber schluderiger, unkonzentrierter und gereizter machte, war mein täglicher Begleiter.
Das ist auf Dauer nicht gesund.

 

PMS

Und vor kurzem habe ich noch über das Prämenstruelle Syndrom geschrieben. HIER, nach zu lesen.(Übrigens eine Blogparade!)  Mir war dieses Auf und Ab in meinem Zyklus zwar lange bekannt, aber es blieb doch irgendwie ein Feind. In der letzten Kurwoche kam dieser „Feind“ und drosselte wie gewohnt meine Leistungsfähigkeit. Ich wurde lahm. Der Sport tat dennoch gut, aber ich war lahm, lahm und nochmal lahm. Mir war auch nach mehr Ruhe.
Ich habe mir vorgenommen dieses Phänomen einfach mal anzunehmen. Und wenn es mir gelingt einen guten Wochenplan für mich zu erstellen, dann kann ich vielleicht in der ersten Zyklushälfte meinen Schwung nutzen und ein bisschen vorarbeiten und wenn mich dann die paar Tage PMS lahm legen mir die Langsamkeit „gönnen“.  Dann muss ich nicht mehr wie ein angeschossenes Tier darüber grollen, was ich alles nicht erledigt kriege. Denn schneller werde ich eh nicht wenn ich dagegen kämpfe, nur schlechter gelaunt.

 

Die Kinder und ich

Als letzten Punkt muss ich ganz klar sagen, nehme ich die Kinder mehr in die Pflicht. Die Dienstbotin Mama, welche im letzten Jahr gründlich Einzug hielt, hat gekündigt.
Ich mache gerne Dinge für die Kinder, helfe und beachte die Wünsche, allerdings können diese sonst so selbstständigen Kinder auch viel mehr von ihrem Kram selbst in Ordnung halten und mal an ein paar Dinge denken.
In der Kur rannte ich die ersten drei Tagen ständig den Kindern hinterher und trug ihnen ihre „Outdoorausrüstung“ nach. Dreimal Mützen, Handschuhe, Schals, Matschhosen, Winterjacken und Schuhe und dann die ganzen schweren Zwischentüren…ständig fiel mir etwas aus der Hand. Szenen, die komprimiert eingerissene Alltagsabläufe von zu Hause zeigten.
An Tag Drei sortierte ich mich und hielt den Kindern einen Vortrag über Verantwortung und angenehmes Zusammenleben und wie das nun weiter ginge. Fortan klappte das mit den Sachen bis auf wenige Kleinigkeiten tadellos. Die Kinder schleppten ihr Zeug selbst.
Ich habe sozusagen wieder die „Führung“ übernommen.

 

So, ich muss, nein, ich möchte jetzt gerne weiter an diesen vielen Punkten arbeiten und jage motiviert noch ein paar Schweine zur Tür heraus. 😉

 

Was sagen die Kur-Erfahrenen Mamas da draußen? Ging es euch ähnlich?

  4Comments

  1. Frühlingskindermama   •  

    Das klingt doch alles super! Toll, wenn die Kur Dir so viele Anregungen gegeben hat! Genau dafür ist sie ja da und genau dafür lohnt sie sich auch. Ich hoffe, dass Du ganz viel davon umsetzen kannst. Deine Situation nach den vielen Jahren mit immer mindestens 2 Kindern zuhause war ja auch extrem angespannt. Jetzt, wo alle in Betreuung sind, ist sicherlich endlich auch die Möglichkeit da, einiges zu verwirklichen.
    Bei uns ist ja der Alltag durch die Arbeit und die Betreuung sowieso durchstrukturiert und das tut allen gut. Das merke ich immer am Wochenende, wenn die Struktur fehlt, dann drehen einige Familienmitglieder (allen voran ich) frei;-)
    Was das Thema körperliche Betätigung/Körperfürsorge angeht: da hatte ich mir auch einiges vorgenommen, habe aber leider nicht viel durchgehalten. Aber kleine Dinge versuche ich immer wieder. Letztens habe ich mir vom Hausarzt 3 Osteopathie-Sitzungen verschreiben lassen (von TK bezuschusst). Obwohl das auch Terminstress bedeutet (weil der Mann dann extra früher von Arbeit kommen muss etc.), tut es mir unheimlich gut und jemand kümmert sich um meinen Körper. Und wenn die Kinder auf Spaziergängen zicken und nicht mehr weiter wollen, schicke ich jetzt immer den Mann mit ihnen zurück und gehe allein noch ein bisschen spazieren. Sonst ärgere ich mich zu Tode;-)

    Habt ihr euch auch ganz konkrete Dinge vorgenommen in den Gesprächskreisen? Das fand ich echt gut, weil man sich dann an ganz konkreten Vorhaben messen konnte. Ich hab ja tatsächlich eines meiner wichtigsten Vorhaben, die erste Reise allein, durchgeführt und das war wirklich ein direktes Ergebnis der Kur.

    Meine wichtigste Erkenntnis der Kur war tatsächlich, dass ich mich selbst um mich kümmern muss, weil es kein anderer tut. Und mir nehmen muss, was ich brauche, wenn es mir keiner gibt. Traurig aber wahr.
    Weiter so:-)
    Liebe Grüße!

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Tatsächlich bin ich dabei meine ganzen Anregungen umzusetzen und vorzubereiten. Wahnsinnig finde ich, dass sofort in der ersten Woche nach der Kur ständig irgend ein Kind etwas hat und nicht in den Kindergarten gehen kann. Heute ist die Jüngste mit Ohrenschmerzen zu Hause. seufz. Dennoch finde ich gerade im Kopf eine Struktur, um auch den sportlichen Aspekt wirklich in meinen Alltag einzubinden. Es wird noch fixiert, den Plan verblogge ich auch. Ich warte nur noch auf ein Paket mit Magnetstreifen. Erklärt sich dann, wenn es fertig ist.

      Gesprächskreise in dem Sinne hatten wir in der Kur leider nicht. Das fehlte uns allen dort. Warum das nicht angeboten wurde, weiß ich nicht. Es geht aber auch so. Zumal ich vor der Kur schon ausgelotet hatte, was mir fehlte, es aber aus Energiemangel einfach nicht umsetzen konnte.

      Und ja, die größte Erkenntnis ist einfach: Man muss sich um sich selbst kümmern und sich nehmen was man braucht. Sonst kann man lange warten. 🙂

  2. Claudia   •  

    Vielen Dank für den Artikel! Genau die abgestochenen Schweine liegen hier auch rum und mein Akku ist auch hinüber. 🙈 Aber an eine Kur ist (noch) nicht zu denken, die Kinder sind erst 5, 3 und drei Monate. Daher bin ich gespannt auf deinen flexiblen Plan. 👍

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Der Plan ist im Kopf fast fertig und muss noch visualisiert werden. Ist in Arbeit. 😉

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