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...und was es sonst noch gibt Mama Error

Von „perimenopausalen“ Macken und familiären Terminen

Ich behaupte mal, ich war immer recht unaufgeregt und aufgeschlossen spontanen Unternehmungen gegenüber. Wenngleich ich auch schon immer bevorzugt eine große Tasche mitführte, um auf alle Eventualitäten spontan reagieren zu können. Ich war oft und sogar gern auf unbekannten Pfaden unterwegs. Die kleinen Abenteuer gefielen mir. 

4 Kinder später und mit der eingesetzten Perimenopause bin ich zu einem nervösen und ängstlichen Gemüt mutiert. Ich weiß am liebsten was mich erwartet. Ich mag es, wenn ich die Örtlichkeiten wenigstens auf Bildern schon mal gesehen habe. Während ich mich mit 19 Jahren mit dem Schlachtschiff von einem Familienauto meiner Eltern beherzt in jede Lücke in der Kölner Innenstadt quetschte, bricht mir mittlerweile der Schweiß aus, wenn ich nur dran denke ein Auto in der Innenstadt zu parken. Möglicherweise bin ich auch einfach aus der Übung gekommen und allein durch die 4 Kinder wurde ich gezwungen etwas mehr im Voraus zu planen und zu bedenken und habe so manche Situation auch gemieden.

Nun sind die großen Kinder soweit, dass sie zwar viele Wege selbstständig unternehmen können, aber gerade die sportlichen Ambitionen erfordern ein Elterntaxi, welches über die üblichen Pfade hinaus benötigt wird. Ich fuhr also in den letzten zwei Wochen gleich zweimal nach Duisburg. Dort fanden die „Tanztage“ statt und K2 hatte sich bei der ersten Veranstaltung mit ihrer Truppe für das Finale qualifiziert. Beim ersten Mal war  es eine Veranstaltungshalle mit viel Parkraum drum herum. Und zum Finale war es das Theater in der Innenstadt. Das war für mich ein stressiges Gefühl. Aber vielleicht war es auch nur doppelt stressig, weil an dem Samstag einfach sehr viele Gefühle stressig waren.

Es fing damit an, dass es hier zu Hause Diskussionen bezüglich der neusten prominenten Veröffentlichungen über unangebrachte Tathergänge seitens der Männerwelt gab (ich nenne bewusst keine Schlagworte in diesem Text). Ich regte mich wirklich auf, denn die Geschehnisse der letzten Jahre in Kombination mit einer Fortbildung und dem ausarbeiten eines Schutzkonzeptes an der Schule wird mir doch zunehmend schwummerig und ich fühle mich gerade im Zusammenhang mit den neuen Medien und drei Mädchen, die wir großziehen, wirklich fast schon hilflos. Die Dunkelziffer an wirklich schlimmen Situationen für weibliche Personen und Kindern ist hoch. 

Kaum wieder sortiert, war ein Kind sehr aufgeregt, wegen eines aufregenden Comebackkonzertes, einer beliebten Band, welches live übertragen wurde und die Stimmung im Haus wurde fiebrig, gepart mit der Aufregung vor dem abendlichen Auftritt beim Finale. K4 würde zudem zum ersten Mal ohne Geschwister bei Oma und Opa übernachten, war aber noch dezent wankelmütig ob des Gelingens. Da brauchten wir auch ein bisschen Fingerspitzengefühl. Dazu gesellten sich ein paar unbekannte Parameter für mich.

Zwar hat unser aktuelles Auto einigen Komfort, der mir persönlich sehr angenehm ist, es „denk“ wunderbar mit und entlastet mein konfuses Gehirn. Gleichzeitig ist es aber auch recht groß, was die Parkplatzsuche in Innenstädten nicht gerade erleichtert. 

Es gab folgende Punkte, die in meinem Kopf Karussell fuhren:

  1. Das Auto war aus diversen Gründen nicht voll geladen und ich war nicht ganz sicher, ob ich für die Rückfahrt nochmal eine Ladestation anfahren müsste. (Ich hab es noch nie selbst an eine Ladesäule angeschlossen, was wäre, wenn ich was falsch  machte?)
  2. Würde ich einen Parkplatz finden, der kein Vermögen kostet und in den ich reinpasse und aus dem ich auch wieder raus komme? 
  3. Vielleicht ist eine Ladestation in Zielnähe frei und ich könnte dort parken und laden?
  4. Ich hatte aus einer unerfreulichen Mangelwirtschaft mit dem Kartenverkauf über eine mir (noch) unbekannte Person eine Eintrittskarte ergattert, die mir dann vor dem Theater übergeben würde. Würde ich die Person finden? 

Wenn ich es so aufschreibe, völlig alberne Sorgen.

Wir kamen sodann pünktlich am Theater an. Ich ließ die Mädels schon raus und suchte einen Parkplatz, entschied schließlich ein Parkhaus zu nehmen. Das erste war zu niedrig für mich, also ein anderes ansteuern, nochmal wenden, das „passende“ Parkhaus war…verwirrend. Und eng.

Ich stellte fest, dass ein SUV vor mir nur sehr schwer um eine Kurve zwischen Betonpfeiler und Wand passte. Der Pfeiler hatte außerdem schon einige sehr verdächtige Abschürfungen. Ich bekam sofort schwitzige Hände. Dann fuhr glücklicherweise aus der Lücke direkt an der Kurve ein Auto raus, so dann ich da rückwärts einparken konnte, um später ohne die schlimme Kurve nehmen zu müssen, vorwärts rausfahren könnte. Ob es weitere solcher unangenehmer Kurven in der Tiefgarage gäbe, fand ich durch Abschreiten des Terrains raus. Ich fragte mich, was wohl der Wachmann denken würde, der die Kameraaufzeichnungen überwacht. Denn überall hingen Kameras. Und ich lief kreuz und quer herum, auch um einen Ausgang zu finden. Ich fand ein Treppenhaus, das nicht nach offiziellem Treppenhaus aussah. Es hatte keine Türen. Es war kein Mensch zu sehen und zu hören und ich stellte mir vor, wie ich in diesem leeren Treppenhaus nun eingeschlossen wäre, weil ich übersehen hätte, dass es von innen keine Klinken gäbe. Kopfkino. Nach drei Etagen gab es endlich eine Tür und ich kam auf der obersten, aber unbelebten Etage eines Einkaufszentrums heraus und ich blickte durch gläserne Geländer in die Tiefe. Blöderweise habe ich Höhenangst. Mir wurde sofort schwindelig und ich hätte mich am liebsten sitzend an die Wand gedrückt. Wieder Kopfkino, wie ich einen Schritt zu weit gehe  und da gar kein Glas ist und ich unten auf die Leute stürze. Ich riss mich zusammen und konzentrierte mich darauf nicht nach unten zu blicken, während ich die mit Glasgeländer gesäumte Treppe herunter ging. Lacht nicht! Ich habe sogar Geräusche des Unbehagens gemacht. Echt jetzt. Ich bin ein Freak.  Ich fragte mich dann, wie lange die Tiefgarage wohl geöffnet haben würde, denn die Mädels und ich würden erst spät wieder aus dem Theater raus kommen. Ich fragte einen Sicherheitsmann, der mich dann auch fragte, ob ich mir meinen Stellplatz gemerkt hätte. Offenbar verirren sich dort öfter Leute. (Ich hatte mir ein Foto vom Stellplatz gemacht!)

Am Theater selbst versuchte ich bekannte Gesichter zu orten, ich kannte aber niemanden und ich wurde dann aber schon von anderen Eltern der Tanztruppe gefunden und wir wickelten den „Kartendeal“ ab. Nun blieb noch eine knappe Stunde Zeit. Ich musste mal Pipi und ich wollte schauen, ob ich den Kassenautomat für die Tiefgarage fand, um mal die Preise zu checken und das Auto ggf noch umzuparken. Zunächst schaute ich, ob eine der Ladestationen in der Nähe frei wäre. Leider nein, es sei denn ich hätte das Auto vorher halbiert. Da hatten zwei eine Lücke sehr raumgreifend mitbeparkt.

Ich irrte zunächst wieder durch das Einkaufszentrum, suchte dort die Waschräume auf, suchte dann den Eingang zur Tiefgarage ohne wieder meine Höhenangst zu bedienen, fand zunächst zwar mein Auto, aber keinen Automaten, suchte dann den Automaten und fand ihn in einem offiziell aussehenden Aufgang, den ich vorher noch nicht gesehen hatte. Daneben stand eine junge Frau und wollte Kleingeld und redete die ganze Zeit auf mich ein, obwohl ich doch einfach erstmal nur da stehen und mich orientieren wollte. Die Preisliste sagte dann sehr deutlich für meinen Fall: UMPARKEN. 20 Euro würde mich der Spaß sonst kosten.

Anschließend beglückwünschte ich mich zu der Entscheidung, denn meine Parkkarte war defekt und wurde immer wieder ausgespuckt. Die junge Frau kommentierte alles. Ich war genervt. Ich drückte den Notknopf, bei dem ich um diese Uhrzeit zum Glück noch jemanden erwischte. Ich musste nicht die ergänzend angegebene Telefonnummer anrufen, um mein Problem zu lösen. Der Mann fragte, wann ich in das Parkhaus hinein gefahren wäre. Ich sagte, ich glaube um 17 Uhr. Und er sagte, das steht auf ihrer Karte. Ach ja, dachte ich. So war das. Hast dich mal wieder als Ungeübt geoutet. Tatsächlich stand auf der Parkkarte auch auf die Minute genau 17 Uhr. 😀 Ich bekam nach dem Zahlen eine neue Parkkarte, mit der ich die Tiefgarage verlassen konnte. Das Ausfahren aus der Tiefgarage war dann für mich auch nochmal aufregend, denn die Wegführung erschloss sich mir nicht und in Anbetracht der vielen Kurven und Betonpfeiler war das keine entspannte Angelegenheit. Ich war sehr sehr sehr froh, als ich wieder raus war und einen kostenfreien und bequem anzusteuernden Parkplatz unweit des Theaters fand.

Ab da entspannte ich mich und aß erstmal eine Banane, während ich den frühlingshaften Duisburger Abend genoss. Im Theater nahm ich dann Platz und wurde hier und da Dinge zur Veranstaltung gefragt, die ich alle nicht beantworten konnte. Trotz meines verwirrten Inneren, wirkte ich nach außen offenbar, als wüsste ich Bescheid. Die Darbietungen gefielen mir überwiegend sehr gut! Vor allem die Beiträge der Bühnentanzgruppen waren ganz zauberhaft und ich musste heimlich ein bisschen weinen vor Rührung. Drei Darbietungen (ich glaube es waren alles drei Showdance-Gruppen) fand ich schwierig bis gruselig. Da wurde für meinen Geschmack zu viel Requisite auf die Bühne geschleppt, was sehr vom Wesentlichen ablenkte, aber möglicherweise kenn ich mich im Showdance auch einfach zu wenig aus. Worin hingegen ich mich schon auskenne, ist orientalischer Tanz und wenn man orientalische Elemente in Tänze einbauen möchte, dann sollte man sich Hilfe von professionellen orientalischen Tänzer:innen holen und die gewünschten Bewegungen akkurat einstudieren und nicht irgendwas ähnliches dahinhuddeln. Das konnte ich nicht gut aushalten. K2 und ihre Truppe waren dann im Streetdance dran und hatten mit sehr sehr starken Konkurrent:innen zu tun. Das war schon alles auf sehr hohem Niveau. 

Den Rückweg bestritt ich dann mit energiesparendem Fahren, auch wenn ich gern schneller zu Hause gewesen wäre. Ich hatte keine Lust mehr noch irgendwo zum Laden zu halten. Und wenn man die Rakete wirklich als Rakete fährt, verbraucht sie schon ordentlich. 

Insgesamt ein kurzweiliger und toller Abend, der aber echt spät wurde. Ein insgesamt wirklich aufregender Tag!

 

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