Man muss Abstriche machen- im Haushalt, beim Beitragsbild und beim Gedächnis

oder: Wie ich mich erstmal in den neuen Terminstress rein arbeiten muss

Ich konnte ihn lange „klein“ halten unseren Nachmittagsterminekalender. Zum einen weil ich davon überzeugt bin, dass weniger mehr ist und das Leben ohnehin schon durchgetaktet genug ist und zum anderen, weil ich es aufwendig finde, 3 Kinder (und seit neustem ein Baby) nachmittags hin und her zu kutschieren.

Lange waren die Kinder auch zu klein und/oder wollten gar keine Kurse am Nachmittag machen. So war einige Zeit nur das Turnen für alle drei an einem Nachmittag in der gleiche Halle zur gleichen Zeit ein willkommenes Program. 

Mittlerweile sieht es anders aus.

Der Sohn macht begeistert Judo und möchte zweimal die Woche trainieren. Das ermögliche ich ihm gerne, denn ausdauerndes Interesse aus eigener Motivation unterstütze ich, so gut ich kann immer.

Das Knöpfchen macht auch Judo, aber in der KiTa integriert einmal die Woche. Da hole ich sie dann etwas später ab, als sonst. Und ganz frisch geht sie, weil der Freitagsturnkurs aufgelöst wurde, stattdessen mit dem Sirenchen zum Kindertanzen.

Außerdem konnten wir für das Knöpfchen auch noch einen Schwimmkurs ergattern. Das war gar nicht so einfach und da muss ich auch in das Nachbarstädtchen fahren.

Zeitlich fallen alle Kurse (auf drei Tage in der Woche) zeitlich so passend, dass ich das für alle Kinder möglich machen kann. Allerdings derzeit auch nur, weil wir seit neuestem ein Auto zur Verfügung haben. 

Ein bisschen Logistik ist dennoch gefragt und so spreche ich mich für die ein oder andere Strecke mit anderen Mamas ab. 

Eigentlich mache ich ja viel lieber alles mit den Fahrrädern. Jedoch kommen das Wetter (vornehmlich die Kälte) und das Baby da ungünstig ins Spiel. 

Die Hummel ist mittlerweile 9,5 Kilo schwer und in der Trage erstens nicht mehr Stundenlang zufrieden, weil sie sich bewegen möchte. (Sie macht kräftig Fortbewegungstraining, bislang allerdings nur rückwärts. ) und mir ist sie beim Einkaufen in der Trage auch zu schwer. Zumal es draußen kalt ist, man muss sich und das Kind warm genug anziehen und in den Geschäften bekomme ich Hitzeanfälle, wenn ich dann auch noch das Baby vor mir her trage UND Einkäufe schleppe. Das Lastenfahrrad kommt für derlei Kutschiererei erst wieder zum Einsatz, wenn es milder wird. Dann können wir die Wartezeit auch auf einem nahegelegenen Spielplatz verbringen.

An einem Tag muss ich nämlich zwei Stunden Wartezeit überbrücken. Wovon eine Stunde durch die Gesellschaft von zwei lieben Mitstreiterinnen versüßt wird. Hätte ich nicht immer mindestens ein Kind/Baby bei mir, würde ich ja einfach die restliche Zeit in einer stillen warmen Ecke ein Buch lesen während des Wartens.

Den aufwendigsten Part in der ganzen Termintriologie jeder Woche ist aber der Schwimmkurs. Continue reading…

Ein Scheiß-Tag

Der Tag begann eigentlich gut. Alle waren pünktlich wach, gut beisammen, an alles wichtige hatten wir gedacht. Das Knöpfchen war etwas knapp, aber pünktlich in der Kita und ich drehte mit dem Baby noch eine Rund um den Weiher. Allet schick.

Dann nahm das Schicksal seinen Lauf.

Auf meiner morgendlichen to do Liste standen ein paar Dinge am Computer. Ein bisschen digitaler Papierkram. Abends komme ich ja nicht dazu, weil ich mit dem Baby schlafen gehen muss. Und am Tag ist es schwierig mit den Kindern einen aufgeräumten Kopf zu haben.

Allerdings wollte das Baby an diesem Tag am vormittag nicht, wie sonst in den letzten Wochen, zwei Stündchen im Kinderwagen schlafen. Nicht mal ein Stündchen. Es quakte und meckerte. Auf dem Schoß blieb sie nicht. Unterm Babyfit nicht. Alles war blöd. Und ich ich KANN mit so einem Geräusch nicht denken. Gar nicht. Macht mich nervös.

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Das Kind im Paralleluniversum

Das Knöpfchen ist toll. Vor allem ist sie eine spannende Zeitgenossin. Sehr, sehr, seeehr kreativ im Spiel. Fantasievoll. Liebenswert. Charmant. Selbstbewusst. Und immer für eine Überraschung gut

Aber sie ist auch bekloppt. Voll. Ich meine das lieb!

Denn, ich liebe „Bekloppte“. Elegant ausgedrückt würde man wohl ohnehin sagen: Wir sind in dieser Familie alle etwas unkonventionell.

 

Im Streit mit anderen

Zurück zum Knöpfchen. Es beschlich mich schon länger der Verdacht, dass sich in ihren Erzählungen allzuoft Fantasie und Realität vermischen. Das ist ok, wenn es sich nicht um zu klärende Sachverhalte handelt.  

Im Sommer bekam ich einen handfesten Beweis dafür, die Geschichten vom Knöpfchen in der ersten von ihr erzählten Version erstmal so stehen zu lassen, alle Kerninvormationen zu filtern und dann mindestens einen Tag abzuwarten, bevor ich reagiere.

In der KiTa hatte es einen harmlosen kleinen Streit gegeben, in dem das Knöpfchen maßgeblich beteiligt war.  (Eine Erzieherin erzählte mir beim Abholen davon, in Abwesenheit des Knöpfchens. ) 

Das Knöpfchen wurde in der Streitsituaton gebeten mit dem Ärgern aufzuhören, was sie nicht tat und nach mehrmaligem Ansprechen ohne Einsicht, musste sie mal ihr „Spiel“ für einen Moment unterbrechen. Daraufhin war das Knöpfchen sehr sauer auf ihre Erzieherin.

Zu Haus erzählte mir das Knöpfchen auch von dem Vorfall und tischte mir die Geschichte in einer ausgeschmückten etwas anderen Version auf, in der sie völlig unschuldig war. Blumige Worte. Völlige Überzeugung und Empörung über das Unrecht, welches ihr angetan worden war. Sie war drin in ihrer Version. Gefühlt mit Haut und Haaren.

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Nicht immer läuft es rund und am Abend ist es immer am schwersten

Paradoxer Weise bekomme ich immer wieder gesagt, ich sei ja so entspannt. So kürzlich noch von Nachbarn. Da frage ich mich aber, ob die einfach immer nur zu Hause sind, wenn die Kinder in Schule und Kita sind und eben Nachts wenn alle schlafen, oder ob ich mich selbst völlig falsch wahr nehme. Ich selbst habe nämlich sogar aufgegeben auf der Straße eine Bella Figura zu machen. Ich blöke auch ganz ungeniert in der Öffentlichkeit meinen Kindern hinterher. So nach dem Motto- Ist der Ruf erst ruiniert…

Kommen wir nun zu drei Augenblicken in den letzten 12 Wochen mit 4 Kindern, die mich allein tatsächlich heillos überforderten und bei denen ich auch ziemlich laut und vor allem unentspannt war.

Das erste Szenario war ein Tag, der zunächst ganz ok lief, sich aber ab dem Nachmittag immer mehr zum Wahnsinn hin verschob. Beim Abendessen saß ich da mit einem überdrehten Baby, das schrie wie verrückt, so dass ich die anderen Kinder nicht mehr verstehen konnte. Was nicht weiter schlimm war, denn sie hatten nichts besseres zu tun als laut zu streiten, dabei über all Krümel zu verteilen und die Möbel zu demolieren. Ich sprach sodann sehr laut und sehr bestimmt, es mögen ALLE OHNE DISKUSSION und SOFORT mit mir nach oben ins Bad kommen. AB INS BETT! 

Gesagt getan. Da lagen wir dann alle 5 schließlich auch. (Wir schlafen alle zusammen in einem Raum) Ich verordnete noch sofortige und absolute Ruhe. Die Kinder schliefen auch alle 4 sehr schnell ein (die waren einfach mega müde), nur ich lag wach und starrte in die beginnende Dämmerung und traute mich nicht wieder aufzustehen. Endlich Ruhe. Endlich Frieden. Endlich kein sich verselbstständigendes Chaos mehr. Das war in diesem Moment wichtiger als mein Hunger nach einem schönen Buch oder einem Film.

Ich hörte, wie im Dunkeln der Mann nach Hause kam.

Ich hörte, wie er irritiert nach uns rief, traute mich aber nicht zu antworten, damit ja keines der Kinder wieder erwachte. Das Baby lag fest umschlungen in meinen Armen und hielt mit der kleinen Hand meinen Daumen umklammert.

Für den Mann hatte sich kurz ein Horrorszenario aufgetan. Unsere Haustüre hatte nämlich offen gestanden (warum weiß ich auch nicht), alles war dunkel im Haus, der Abendbrottisch noch so wie wir ihn verlassen hatten und alles still. Der Mann dachte kurz es sei etwas Schlimmes passiert.

Er kam leise nach oben und fragte ob alles gut sei. Fast hätte er sich mit einem Nudelholz bewaffnet, für den Einbrecher, der uns in Schach hielt. „Der Einbrecher“ war aber tatsächlich nur meine Überforderung gewesen.

 

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Das frühe Wochenbett

Ich hasse es.  Ich kann das so behaupten, denn es war 4mal immer exakt das Gleiche. Als stellen sich alle Uhren auf Null.

Zuerst werde ich durchgerüttelt von unfassbarem Glück über die gelungene Geburt und das wahnsinnige Wunder des Lebens. 

Ich könnte 10 Kinder bekommen und es immer wieder faszinierend und unglaublich finden.

Selbst die heftigsten Nachwehen können mir (erstmal) nichts. Genauso wenig, wie das geschundene und wunde Gefühl am ganzen Körper. Dieses Gefühl von einem Loch im Bauch, als hinge meine Lunge in der Leere und als könne ich nicht richtig atmen, obwohl wieder richtig viel Platz ist. Ich eiere ein wenig zwischen Bett und Bad hin und her. Aber ich eiere immerhin schwebend. Die ersten 2 Tage nach der Geburt schlafe ich auch kaum bis gar nicht, weil ich so furchtbar glücklich und aufgeregt bin. Wie ein aufgedrehtes Kind, das nicht zur Ruhe findet. Ich starre auch ständig verliebt das Baby an.

Der Mann findet, dass es Frauen gut haben, denn sie sind mit dem Hormonkoktail der Glückseligkeit ausstaffiert, sobald ein Kind geboren wurde. Ja und nein, sag ich da nur. Da ich immer unkomplizierte Geburten hatte und recht flott recht fit wirke, denkt der Mann dann auch, ich „funktioniere“ wie gewohnt, schon allein wegen der Glückseligkeitswolke. Er selbst, und das gestehe ich ihm auch ein, muss ohne Hormonrausch in der neuen Verantwortungsrolle ankommen. Er befindet sich ebenfalls in einer Art Wochenbett, nur ohne körperliche Irritationen. 

Also surfe ich zunächst wattierte durch diese ersten zwei Tage. Ich fühle mich körperlich zwar sehr hohl, aber emotional sehr voll und bin recht entspannt.

Dann stürze ich ab. Der Vorschlaghammer trifft mich mitten auf den Kopf und hämmert mich in das tiefste Kellergeschoss. Jedes Mal. Continue reading…