Von Wutanfällen und ausgleichendem Hobby

Gerade kommt es wieder dicke mit dem wilden Mädchen und mir. 

Sie hat sich zwar richtig toll entwickelt hinsichtlich ihrer unkontrollierten Wutausbrüche und kommuniziert zunehmend genauer, was zur schnelleren Beruhigung führt, dennoch bleibt es nicht unanstrengend für mich. Die Pandemie hat wieder alles tüchtig durcheinander gewürfelt und zeigt einmal mehr, wie empfindsam das wilde Mädchen auf jede Schwingung und Veränderung reagiert.

Also halte ich ihre Ausbrüche so gut es geht aus und begleite diese. Wir reden drüber. 

Dennoch geht mir manchmal einfach die gute Grille flöten, um es mal salopp auszudrücken.

Ich führe Diskussionen über Haare und Frisuren, flechte, kämme, frisiere nach Wunsch und muss mich dann anschnauzen lassen, weil der Zopf ziept oder „puffert“. (Eine Wortschöpfung vom wilden Mädchen.) Oder der Zopf ist zu stramm, so dass sie ihre Augenbrauen nicht mehr „runter machen kann“. Angeblich. Das ist Quatsch, aber so fühlt sie es. Dann empfehle ich ihr, den Zopf zu lockern, aber dann „puffert“ er ( sagt sie) oder eben einfach wieder zu öffnen, wenn es ihr unangenehm ist. Aber dann brüllt sie durchs ganze Haus: „NEEEEIIIIN!“ und „DAS TUT MIR WEEEEH, WAS DU GEMACHT HAST!“

Wenn das auf der Straße einer hört, ruft der das Jugendamt. Kann ja keiner wissen, dass ich den Zopf „falsch frisiert“ habe.  Continue reading…

Emotionale Verdichtung

Es ist 21.25 Uhr. Ich sitze neben dem unruhig schlafenden Baby. Oben höre ich, wie das wilde Mädchen für das Fuschulkind noch ganz engagiert und auf genaue Anweisung einige Felder in einem Freundebuch ausfüllt. Denn das Fuschulkind kann noch nicht schreiben und lesen. Muss sie ja auch nicht können. Wird sie in kürze lernen. Warscheinlich. Wie genau das aussehen wird, weiß noch niemand. Einschulung 2020- Corona-Edition. Oder auch: Wie wir lernen uns ständig neuen Bedingungen anzupassen. Letzteres ist ein Stichwort, welches speziell beim wilden Mädchen zu beachten ist. Sie hatte schon immer große Schwierigkeiten mit Unregelmäßigkeiten und sogenannten Übergängen. Wenn sich eine Sachlage ändert, so braucht sie Zeit um in der neuen Situation anzukommen und ist dann erstmal un-aus-stehlich. bzw kämpft mit heftigen Emotionen und leitet diese ungefiltert vornehmlich an mir ab. Das ist ein großes Kompliment, aber auch eine noch größere Aufgabe.

Und so begleiten mich ihre Ausbrüche seit März wieder regelmäßig und bekannt heftig und ich schramme ganz hart an meiner absoluten Geduldsgrenze entlang.

Abends wäre eigentlich eine gute Zeit, um mit dem wilden Mädchen entspannt ein bisschen zu plaudern und den Tag nochmal revue passieren zu lassen, aber das Baby lässt mich meistens nicht. Continue reading…

Manchmal kann ich es nicht besser

Nicht genug, dass diese Pandemie einem als Familie aus diversen Gründen ganz schön zusetzte, nun reiht sich nahtlos in diesen Ausnahmezustand noch eine Tripple-Wackelzahnpubertät ein.

Die großen Kinder sind nun 6,5 Jahre, 8 Jahre und 9,5 Jahre. Alle in der klassischen diskutierfreudigen Altersrange.

Ich finde das grundsätzlich ok und bin völlig einverstanden damit, dass die Kinder ihre eigenen Köpfe mitteilen und mit uns Eltern Freiheiten aushandeln. Das ist ja wichtig fürs Leben. Ein Übungsfeld für später im gesicherten Rahmen. Und obwohl meiner positiven Grundeinstellung zum Thema Eigensinn und Diskussionen, bin ich gerade ziemlich genervt. 

Wobei mich die Diskussionen an sich nicht nerven. Jedenfalls nicht, wenn sie Sinn und Verstand haben. Mich nervt mehr das diffuse Ich-weiß-auch-nicht-so-richtig-ich finde-alles-doof-gerade-und-da-kriegt-jetzt-einfach-Mama-mal-die-ganze-Laune-ab. Mal drei.

Uff. Und Puh. Und kacke,kacke,kacke. Ich brauche Schokolade. Continue reading…

Da sitze ich- am Samstag

Da sitze ich und fühle mich wie die einzelne Seerosenblüte ohne Seerosenblätter zwischen den Wasserlinsen. Im natürlichen Element, aber doch nicht so ganz richtig platziert.

Ich sitze an einen Bettpfosten des schon länger ungenutzten Hochbettes gelehnt, weil jeder andere Platz nicht geht. Das Baby schläft weiterhin ohne meine Anwesenheit nicht. Das Ladekabel vom leeren Laptop reicht nicht in jede Ecke. Und der Schrank, gegen den ich mich sonst lehnen könnte, ist mit Legoduplo verbarrikadiert. Die Geschwister waren eben noch am Werk, bevor sie sich in ihre eigene Zimmer trollten. Ich werde mich hüten die Steine zur Seite zu schieben. Das Kind könnte wieder aufwachen.

Lieber würde ich jetzt noch etwas nähen. Aber im aktuellen Arbeitsschritt bräuchte ich die Nähmaschine. Geht also nicht.

Und so schnappe ich mir den Rechner und schreibe mal diesen Samstag auf. Denn schlafen kann und will ich noch nicht. Es ist erst 21 Uhr.

Über Samstage habe ich schon öfter geschrieben. Die haben grundsätzlich Potential bei uns.Über Samstage habe ich schon öfter geschrieben. Die haben grundsätzlich Potential bei uns. Denn Samstags bin ich immer Strohwitwe. Seit wir zwei Autos haben, verloren Samstage ein wenig ihren Schrecken, weil ich dann mit den Kindern einfach mal zu meinen Eltern gefahren bin. Aber das geht dank Corona ja derzeit auch nicht so richtig. (Ich komme später darauf zurück.) Continue reading…

Gedanken über Anstrengung und Liebe

Die Kinder rauben mir derzeit den letzten Nerv und lassen gleichzeitig mein Herz überlaufen vor Liebe.

Die Vorweihnachtszeit nimmt hier nämlich tüchtig Fahrt auf. Die Kinder sind überdreht bis zum Dorthinaus. Sie springen wie drei polternde (Flummies) Basketbälle durch das Haus. Es ist ja schon zauberhaft, aber es strengt mich auch an und bisweilen werde ich dadurch auch nervös. Das Baby-Mädchen ist ebenfalls ganz aufgeregt und wir spielen PingPong mit der Unruhe.

Es ist eine krasse Aufgabe. 

Neben der vorweihnachtlichen Nervosität machen die alltäglichen Anforderungen ja nun auch genug Arbeit.

Der Sohn muss sich nun im dritten Schuljahr neu finden und hat hier und da Schwierigkeiten mit dem rauen und teilweise vorpubertären Umgangsformen nur wenig älterer Mitschüler (Viertklässler). Auch wird mehr Leistung erwartet. Der Sohn hat zwar die beste Lehrerin, die ihn in allen Belangen super unterstützt und seine Stärken und auch Macken richtig wahrnimmt. Dennoch muss ich hier zu Hause auch für ihn da sein. Der Sohn hat viele Stärken, die ihm jedoch noch nicht bewusst sind. Er sucht auch verstärkt Gespräche mit dem Mann. So echte Gespräche unter Männern. 🙂 Ich weiß nicht, was die beiden da im Detail so bequatschen. Denn der Sohn erzählt nicht viel davon und den Mann sehe ich gerade immer nur zwischen Tür und Angel oder in Gesellschaft der Kinder. 

 

Das Sirenchen hat ihre unkontrollierten Wutausbrüche gerade ganz gut „im Griff“, obgleich immer wieder mal in ihr brodelt. Allerdings schäumt sie nur so vor Energie, Bewegungs- und Tatendrang. Und ALLES macht sie mit geräuschvoller Untermalung. Leise geht nicht. Meine Ohren….

Wirklich toll ist allerdings, dass sie derzeit abends gern mal eine Weihnachtsgeschichte im Bett für alle vorliest! Das ist so toll! 

Continue reading…