Vom Mond und schwierigen Ferien

Ein Leben mit Kindern ist abwechslungsreich, sehr schön, voller Liebe, aber auch sehr sehr anstrengend und manchmal ist man als Eltern auch sehr wütend. 

All das wusste ich, denn ich wuchs mit Geschwistern auf und ich arbeitete viele Jahre mit Kindern in unterschiedlichen Altersstufen. Was mich dennoch überraschte war, wie unfassbar groß die Liebe zu den eigenen Kindern sein würde und noch viel mehr, wie groß die Wut manchmal sein kann.

Ich bin weit davon entfernt meine Mutterschaft zu bereuen. Tatschlich wollte ich ab einem gewissen Altern gerne Mutter mehrerer Kinder werden und würde das jeder Zeit wieder so machen. Sie sind mein ganzer Stolz. Und das nicht, weil sie überragende Leistungen in irgendeinem Bereich erbringen, sondern weil sie einfach 4 besondere Persönlichkeiten mit spannenden Ecken, interessanten Kannten und tollen Stärken sind. Sie dürfen sein, wer sie sind. Und ich staune. Und lerne. Und liebe. Aber manchmal möchte ich weglaufen. Denn manchmal, da habe ich Wut. OAAAARRRRRR, da könnte ich.… Manchmal bin ich einfach nur meeeega genervt. 

So zum Beispiel in den letzten Tagen. 

Es sind Ferien. Der Mann hat ein paar Tage Urlaub einrichten können. Wir wollten mit den Kindern Zeit verbringen, etwas unternehmen.

Wir planten und machten Ausflüge. In Absprache mit den Kindern. 

Ein Ausflug zu einem interessanten Spielplatz, endete mit einem wilden Kreischen, weil ein Missgeschick mit einem Sandbauwerk passiert war und wir keine weitere Stunden bleiben konnten, um das Bauwerk neu anzulegen. Das Geschrei war Ohren betäubend. Gleichzeitig waren alle hungrig, aber genau deswegen mussten wir aufbrechen. Aber irgendwie war dann alles falsch. Beim Abendessen, (es gab Braten mit Klößen!), war dann auch was nicht richtig und das köstliche Essen mussten wir unter Getöse und Gemotze verspeisen. Wie ich das hasse. Zum krönenden Abschluss maulten 3 von 4, sie wollten gefälligst noch was gucken. Dem konnten wir unter den gegebenen Umständen nicht mehr zustimmen und verbrachten die Kinder angestrengt in die Betten.

Ein Kind hatte für einen anderen Tag inständig nach einem Zoobesuch gebeten, was dann alle gerne wollten. Stand ohnehin auf unseren Ferienvorschlägeliste, auch damit die Hummel mal in das Vergnügen käme. Wir buchten Tickets für den nächsten Tag.  Continue reading…

Flucht nach vorn? Von Selbstschutz und Alltag

Die Schule ist angelaufen. Anderthalb Wochen (neue) Normalität und eine Idee davon, wie es nun weiter laufen könnte. Wäre da nicht die Toitoitoi-Regel an den Schulen. Selbst wenn man einfach mal annimmt, dass Kinder nicht so schlimm an Corona erkranken und es oft sogar gar nicht bemerken (mögliche Spätfolgen wird man erst später bemerken), selbst wenn es völlig unkompliziert für viele Kinder verläuft….ALLES andere, was damit zu tun hat, läuft nicht unkompliziert.

Es werden wieder Freizeitangebote am Nachmittag ausfallen, Quarantäne für einzelne Kinder, Familien oder ganze Schulklassen UND für Eltern ist das ein enormer Aufwand. Man ist ja dann nicht nur mit Kinderbespaßung oder Gesundpflegen oder beidem beschäftigt, im Worst Case sogar selbst mit Gesundwerden beschäftigt, sondern darf sich auch noch mit der Bürokratie rund um die Pandemie beschäftigen. Ärzte, Tests, Gesundheitsamt, viele Telefonate, Bescheinigungen, Fragen…

Sind dann eigentlich alle in einer Familie in Quarantäne, wenn es ein Kind hat? Für mich wäre das logisch. 

Das Einzige, was mich wirklich entspannt….ALLE wichtigen Bezugspersonen sind vollständig geimpft und dürften damit vor schweren Verläufen geschützt sein. Es kann also immer jemand Vertrautes die Kinder hüten. 

Wie gehen wir also jetzt mit der Situation um? Continue reading…

Gedanken beim Autofahren-Juli 2021

Von zu viel Wasser und Corona und Befindlichkeiten

Da sitz ich also und fühle mich nur mäßig beschwingt, obwohl ich mit den Kindern einen spontanen Ausflug mache. 

Ist es überhaupt ok meinen Familienferienalltag ganz normal zu führen, obwohl nicht weit weg von uns Leute ihre Existenzen und ihr zu Hause verloren haben? 

….

Ja, es ist trotzdem ok „normal“ weiter zu leben. Denn im Grunde gibt es ständig irgendwo auf diesem Planeten Katatstrophen. Und es ist niemandem damit geholfen, wenn ich mich nun im Dauerzustand deprimiert in eine Ecke setze und durch meine Gedanken selbst auslauge. Dann bin ich sozusagen Grundlos auch nicht mehr einsatzfähig.

Es wäre allerdings jemandem damit geholfen, packte ich mit an beim Aufräumen. Aber wer soll dann meine Kinder beaufsichtigen? Ich könnte die Kinder von Betroffenen der Wassermassen mit beaufsichtigen. Aber die anderen Kinder kennen mich nicht und sind vielleicht lieber bei Freunden untergebracht, weil ja ohnehin gerade alles ganz ungewiss für sie ist. Wenn das Vertraute schon so zerrüttet ist, ist ein möglichst vertrautes Umfeld sehr wahrscheinlich das Beste. Mal davon abgesehen…..meinen Energie reicht gerade für unsere 4 Kinder so aus. Das letzte Jahr hat geschlaucht. Und ein paar Entwicklungen hier schlauchen auch. 

Aber ich müsste….ach verdammt, jetzt fangen die da hinten an zu streiten. Muss das immer so laut sein? Die Hummel wäre fast eingeschlafen. Oh, nein, jetzt wird es immer wilder….ich kann nirgendwo anhalten. Kack Stau. Wo wollen die Leute alle hin? 

Ich will ja aber auch irgendwo hin. Mit dem Auto. Ok, wir sind 5 Leute im Auto und die Strecke hätten wir mit dem Fahrrad nicht geschafft. Also, ich alleine schon…, aber die Kinder nicht. Und in den anderen Autos sitzt immer nur EINER. 

Aaaaaaahhh! Hört auf zu schreien und euch zu kloppen dahinten! Wir machen doch einen AUSFLUG!!!! Scheiße, wieso kommt hier nicht mal ein Randstreifen??? Kack Individualverkehr.

Ist es überhaupt nötig, dass ich meine Kinder mit dem Auto irgendwo hinkarre? Früher musste man auch in seiner näheren Umgebung unterwegs sein. Da hatte keiner ein Auto. Aber ich will doch auch mal was anderes sehen. Nicht immer den selben Trott. Die Kinder müssen doch auch mal raus. Müssen sie das wirklich? Oder muss ICH das nur, damit ich das Gezanke mal ein Weilchen nicht erleben muss?

Wie haben das die Menschen früher nur ausgehalten immer am selben Fleck? Oder sind wir heute einfach nur verwöhnt? Vielleicht war es früher auch idyllischer? Ne. Nicht überall. Eher sogar nicht. Das sind ja romantisch verklärte Geschichten, die ich da in meinem Kopf abrufe. Das Leben war kurz und hart. Die meisten hatten gar keine Zeit über Ausflüge auch nur nachzudenken. Geschweige denn über Reisen. Denk mal an die Oma und ihre Kindheit…

Aber Reisen bildet. Ausflüge manchmal auch. 

ICH DREH GLEICH WIEDER UM, KINDER!

Ne, kacke. Scheiß Idee. Zu Hause streiten sie weiter. Auswärts besteht die Chance, dass es ganz gut wird. 

Mist, jetzt ist die Kack Ampel auch schon wieder rot. WO wollen die alle hin? Und ihr da hinten gebt endlich RUHE, sonst habt ihr Fernsehverbot!

Also, wie soll das gehen mit der Umwelt und dem Klimawandel? Was kommt da noch alles auf uns, bzw unsere Kinder zu? Wir müssen uns so oder so vorbereiten und was tun.

Ach, das Lied ist so schön. Würde ich gerne in Ruhe hören.

Ruhe dahinten!

Prima. Da hinten qualmen die Schlote der RWE. Da muss ich gleich wieder an Laschet denken. Da krieg ich Puls. Haut ruhig raus die Kacke! Grabt noch größere Löcher. Verheizt den Planeten.

Und zündet doch auch ruhig weiter den Regenwald an.

Das hat doch alles keinen Sinn!

Und Ausflüge….RUHE DAHINTEN!…kann man wegen Corona nicht einfach so ungeniert machen. Jede Pups Unternehmung, jede Verabredung wälze ich gedanklich mehrfach durch.

KINDER BITTE! Und du da vorne fahr doch einfach. Fahr!

Werde ich eigentlich neurotisch? BIN ich schon neurotisch? Komm ich da wieder raus?

Wo muss ich nochmal abbiegen? Hier? Oder eins weiter? Der Mann sagt, ich hätte mich ökomäßig radikalisiert. Finde ich nicht. Und wenn, irgendwer muss doch die Klappe aufreißen für die Umwelt. Einfach Schulterzuckend stillschweigen kann nicht die Lösung sein. 

Und jetzt sind auch noch 3 andere Ausflugsziele nicht mehr gut zu erreichen, wegen dem scheiß Regen letzte Woche. Wie kommt man derzeit überhaupt in die Region jenseits der Erft?….Luxusprobleme. Luxusprobleme. Hör auf dich zu beschweren. Es gibt Schlimmeres, als drei nicht erreichbare Ausflugsziele. Es gibt Leute, die stehen buchstäblich Knietief in der Scheiße. Da ist gar nix mit Ausflügen und Ferien und so. Nicht mal mehr ein zu Hause haben die oder gar Klamotten. Naja, gibt auf diesem Planeten noch andere Menschen ohne nix. Und die werden dann sogar noch scheiße behandelt…Aber was weit weg ist, kann man gut ausblenden. Traurig.

Mist, jetzt bin ich an der Abzweigung vorbei gefahren. Wenden. Wo kann ich wenden?

FERNSEHVERBOT FÜR ALLE!

Ich dreh jetzt die Musik so laut auf, dass ich die Kinder nicht mehr höre. Vielleicht klappt es. „Das Viktoria Gymnasium in Aaaaaachen, schmückt sich auf Wikipedia mit meinem Namen…“

Jaaaa! Ich bin eins zu weit gefahren, ich muss WENDEN. Wir sind aber gleich da!

Dieses Corona Ding…..Ich wollte in diesen Ferien die Kinder und mich so gut es geht auftanken, damit wir den nächsten Corona Herbst nochmal einigermaßen durchhalten. Aber irgendwie….das Wetter ist so semi, die Ausflugsziele schwierig, die Stimmung auch schwierig. Meine Stimmung ist schwierig. 

Aber hej, komm, die Kinder hatten schon ne Woche Schwimmkurs, bald gehen sie klettern und auch sonst gibt es noch ein paar kleine schöne Unternehmungen. Wenn es nicht wieder Sturzbäche regnet. 

Wir sind da. Na mal schauen, wie der Tag so wird. Immerhin scheint es nicht voll zu sein. Wir parken da hinten im Schatten. Pinkeln muss ich auch mal. Dringend.

Kinder wartet mal.

Rückfahrt.

Der Tag war besser als gedacht. Gemütlich. Keine Streitereien mehr. Wunderbar. Kinder ausgepowert. Aber irgendwie bin ich auch platt. Vom auf der Bank rum sitzen und meinen Gedanken.

Ich glaub, ich fahr nochmal am Supermarkt vorbei und kaufe was Leckeres fürs Abendbrot. Da könnte ich auch gleich noch dies und jenes und welches einkaufen. Ach ja, Eier. Und Quark auch noch. Und…

Schon wieder so Autolawienen. Das war doch früher nicht so. Autofahren macht keinen Spaß, wenn die Straßen so verstopft sind. Das ist doch kacke. Aber klar, wegen Corona fahren alle lieber mit dem Auto. Ich ja auch. Aber eigentlich fahren in den letzten Jahren immer mehr Menschen Auto. Auch schon vor Corona. In meinem Heimatdorf, weiß man ja auch schon nicht mehr, wo man parken kann. Was ne Entwicklung. JEDER hat ne Karre.

Anstatt mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, fahren die Leute mit dem Auto dann auch noch ins Fitnessstudio. Ergibt doch irgendwie keinen Sinn. 

Kinder, ich halte gleich noch am Supermarkt. Habt ihr Essenwünsche für heute Abend?

Hoffentlich schläft die Hummel jetzt nicht mehr ein. 

Ach, die beiden Karren gehören aber keinem Elter. Is klar, dass die trotzdem auf dem Elternparkplatz stehen. Ich parke ganz dahinten. Das ist eh entspannter zum einpacken gleich. Hab ich auch noch 15 Schritte meine Ruhe, bevor ich den Supermarkt betrete. Bestimmt finde ich wieder nicht alles. Der Supermarkt hier ist ja anders sortiert, als seine Artgenossen an anderen Standorten. Ich hasse Einkaufen.

Wo ist meine Maske?

Was ne wirre Woche

Die Woche begann mit meiner zweiten Impfung…Erleichterung…

Und der zufälligen Feststellung, dass eine Nachbarin und ich, beide unwissend, vor über 12 Jahren mal zusammen auf einer Bühne gestanden haben. Achtung: in Erfststadt! Kein Witz. (Kam durch einen Zufall raus, es gibt sogar ein Foto auf dem wir beide direkt nebeneinander drauf sind.)

Und die Woche begann auch mit der Aussicht auf Dauerregen. Sommer-Pause. möp

Ich stellte mich also auf Regen und auf Nebenwirkungen ein und erlaubte den Kindern mehr Medienzeit.

Tatsächlich blieb es am nächsten Tag draußen noch trocken und ich fühlte mich lediglich etwas matschig und dümpelte auf dem Sofa rum. Die Einstichstelle zwiebelte. Abends wurde ich wieder munter und fragte mich, ob ich vielleicht nur müde vom Rumliegen gewesen sei. 

Am nächsten Tag wollte ich wieder durchstarten. Das Wetter schlug mir aber aufs Gemüt. Es regnete ohne Unterlass. Der Mann meinte, bevor er zur Arbeit fuhr, ich solle zwischendurch mal einen Blick in den Keller werfen. Bei starkem Regen wird es manchmal in einer Ecke etwas feucht. Und für den aberwitzigen Fall eines stärkeren Wassereinfalls, kramte ich die kürzlich neu erworbenen Gartenpumpe aus dem Gartenhäuschen. Die sollte eigentlich zum Entleeren unseres Planschbeckens sein, damit ich nicht alle drei Tage mit den Gießkannen hantieren muss. 

Obwohl der Sohn schon ab vormittags einen Freund zum Spielen da hatte, erlaubte ich den Kindern nahezu ausufernde Medienzeit. Es war einfach zu deprimierend da draußen und ich hatte irgendwie keinen Nerv auf Diskussionen. 5 Kinder und ich starrten abwechselnd auf den Bildschirm oder aus dem Fenster. Im Garten bildeten sich Tümpel. Im Keller ein paar feuchte Flecken.

Ich machte mit K4 am späteren Nachmittag dann noch eine kleine Runde zum Briefkasten und wir beide bestaunten das weiterhin pausenlose Prasseln des Regens, die Rinnsale und kleinen Bäche, welche sich über Straßen und Gehwege bewegten und fröhlich plätschernd in die Kanalisation ergossen. Wir waren trotz Regenschirmen schnell nass.

Der Spielkamerad wurde alsbald abgeholt und ich sah nochmal im Keller nach. Da waren dann aber keine nassen Flecken mehr, sondern Pfützen. Etwas konfus kramte ich ein paar Dinge hin und her, in der Hoffnung, sie blieben trocken. Ich rief den Mann an. Aber das Mobilfunknetz sponn. Die Verbindung wurde unterbrochen. 

Die Kinder kamen auch in den Keller und waren erstaunt, aufgeregt aber auch ängstlich. Vor allem eines der Kinder bekam Angst, denn was wäre, wenn der Keller ganz voller Wasser liefe. (Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir nicht, was andernorts bereits für Dramen passierten.) 

Ich beruhigte, besprach aber auch, was im Falle einer richtigen Überflutung zu tun wäre. Ein bisschen aufgeregt war ich auch. Der Garten war nun zur Hälfte Knöcheltief unter Wasser.

Dem Wetterbericht entnahm ich dann, dass es gegen 21 Uhr aufhören würde zu regnen und bekam am Rande mit, das ein Autobahnkreuz, an dem der Mann definitiv auf seinem Heimweg vorbei müsste, halb gesperrt sei. 

Im Keller wurden die Pfützen größer. Ein paar noch verschlossene Pakete mit Regalen für den Keller standen (eigentlich trocken) nun im Wasser und waren schon so aufgeweicht, dass ich sie nicht anheben konnte, ohne dass unten der Inhalt herausfiel. Alles, was da im Keller so lagert, ist auch so schwer. 

Ich rief den Mann nochmal an, ob er nicht früher kommen könnte und informierte ihn über die Teilsperrung des Autobahnkreuzes. Die mobile Verbindung war eine Katastrophe und unsere Hummel motze und weinte pausenlos. Sie war müde, überdreht und spürte die Aufregung.

Der Mann fuhr dann zwar früher los, aber es dauerte. Ich ließ den Keller erstmal Keller sein und versuchte die Kinder mit Essen zu versorgen und Ruhe herzustellen. Weinende Kleinkinder und ängstliche größere Kinder und Ausnahmesituationen sind ganz ungünstig zusammen.

Im Keller wurden die Pfützen größer und tiefer und zwar in allen Räumen. Ich tauschte meine Latschen gegen Gummistiefel und vergewisserte mich, dass alle Stromleitungen und Steckdosen im Keller hoch genug lagen und ich nicht etwa in Kürze mit einem Stromschlag rechnen müsste. 

Der Garten stand mittlerweile komplett unter Wasser. Ein bisschen ratlos war ich. Ein Kind hatte weiter Angst. Ich erklärte wieder alles, was theoretisch passieren könnte und wie man dieses Problem dann löst. 

Ich beauftragte die Geschwister auf die Hummel aufzupassen  Auf der Straße vor dem Haus floss das Regenwasser weiter zuverlässig in den Kanal. Die Nachbarn von Gegenüber beklagten auch einen Wassereinbruch im Keller. 

Als der Mann nach gefühlten Ewigkeiten ankam, war er sehr aufgekratzt. Die Fahrt war das reinste Abenteuer gewesen, mehrfach hatte er befürchtet, er käme gar nicht mehr zu Hause an. Straßenunterführungen waren teilweise schon nicht mehr befahrbar. Straßen standen grenzwertig hoch unter Wasser. Überall sprudelte es. Am Anfang unserer Straße sprudelte wohl auch das Wasser schon aus den Gullies heraus. Unsere Smartphones bekamen gefühlt halbstündig Warnnachrichten.

Etwas hektisch räumten wir dann zusammen einige für uns wertvolle Dinge aus dem Keller nach oben. Denn, wenn der Kanal auch auf unserem Straßenabschnitt überliefe, dann würde der Keller schnell volllaufen. Es nässte schon am Kanalbfluss an der Wand.

Wir haben einen alten Keller und dort gibt es noch eine Sickergrube, welche sich als sehr nützlich erwies. Das Wasser der anderen Räume floss in kleinen Bächlein Richtung Sickergrube. Die alte Pumpe darin war länger nicht in Gebrauch gewesen, da die Sickergrube von uns nicht wirklich gebraucht wird. Also nahmen wir die neue Gartenpumpe dazu.

Den Gartenschlauch schlossen wir an die Pumpe an und legten ihn ganz hinten in unseren Garten, denn vorne der Kanal schien ja schon kurz vorm Kollaps. Als wir die Kellertür nach draußen öffneten, stand da auch das Wasser schon und lief gleich munter zur Tür herein. 

Die Gartenpumpe war super. Schneller als es in die Sickergrube nachfloss, leerte die Pumpe. Wir fegten und schoben zusammen nachlaufendes Wasser Richtung Sickergrube. 

Die Kinder übernahmen das Fegen. Der Mann delegierte und bewachte die Pumpen. Ich brachte die Hummel ins Bett. Der Regen hörte auf.

Das war der Moment, an dem die Kinder Spaß an der Arbeit im Keller fanden. Sie sahen es funktionierte das Wasser so auf niedrigem Niveaus zu halten. Sie konnten mithelfen den Keller unseres zu Hauses vor dem Ärgsten zu bewahren. Wenn es weiter geregnet hätte, hätte das alles sehr wahrscheinlich nicht mehr geholfen. 

Als das Wasser nur noch langsam nachlief, schickten wir die Kinder auch ins Bett und machten selbst erstmal eine Pause. Dann kam die Warnung eines Gefahrenstoffaustritts im Ort, was uns wahrscheinlich aber nicht direkt betreffen würde. Der Wetterbericht meldete mögliche weitere heftige Regenfälle zwischen 12 Uhr und 2 Uhr nachts.

Wir blieben noch lange wach und bewachten das Geschehen im Keller. Die Nacht blieb dann aber ruhig. Es kam kein Regen und auch keine Warnung mehr.

Als ich am nächsten Tag die Nachrichten las, wurde mir ganz schwindelig. Während wir in unserem kleinen Heim ganz mit uns beschäftigt gewesen waren, war andernorts die Katastrophe hereingebrochen. Unfassbar. Da war unser Abend lediglich ein kleines nahezu vergnügliches Abenteuer gewesen. 

Ganz geheuer ist mir das seit dem nicht. Wir hören ständig Feuerwehrsirenen und Hubschrauber. Das sind Geräusche, die mich tendenziell nervös machen. Erftstadt ist nicht weit. Die Erft selbst ist „eine alte Bekannte“ von mir, in der ich unfreiwillig als 4 Jährige „ein Bad“ nahm und von der ich Jahre lang regelmäßig Alpträume hatte. Ein bisschen ist es so, als bekäme mein Unbehagen ob dieses an vielen Stellen immer noch begradigten Gewässers nun eine zusätzliche Berechtigung. 

Gefühlt ist um uns herum überall irgendwie gerade zu viel Wasser. Wir sind hier sicher. Aber die Bilder aus den Katastrophengebieten sind erschlagend. 

Ich war vorgestern auch nicht so entspannt, als der Mann zur Arbeit fuhr. Was weiß ich, wo noch alles im Nachgang ne Straße unterspült wird.

Mal davon abgesehen sind neben den ganz krassen Überschwemmungsgebieten auch viele Leute betroffen in Stadtteilen oder Orten, die in den Nachrichten gar nicht groß oder sogar überhaupt nicht erwähnt werden und deren Häuser ebenso für länger unbewohnbar geworden sind. Schlimm! 

Wir trocknen dann jetzt die feuchten Kellerwände und Böden und werden wohl auch noch das ein oder andere Teil dem Sperrmüll zuführen müssen. Aber das ist nahezu egal. Ich ärgere mich nicht. 

Ich hoffe sehr, es euch geht allen gut!

Ostern 2021- ein realistischer Großfamilien-Ostermorgen

Schon Tage vorher hatte ich verzückt hübsch gedeckte Osterfrühstücksvorschläge und verschiedene Speisen  in den  Sozialen Netzwerken betrachtet. Hachz. Jaaa, DAS ist schön. Will ich auuuuch!

Die ein oder andere kleine Speise fand ich ansprechend, aber die Kinder, als auch der Mann zeigten sich wenig entzückt. Also strich ich sie von meinem angedachten Frühstücksbuffet. Gut, dass ich vorher mal gefragt hatte.

Aber einen frischen Hefezopf sollte es geben. Diesmal wollte ich schlau und gut vorbereitet sein und bereitete den Teig am Vorabend vor und stellte ihn über Nacht in den Kühlschrank. Dann müsste ich ihn morgens nur eine Stunde vor dem Backen raus nehmen. Das geht ja dann schneller, als morgens den Teig frisch zu machen. Dachte ich. Das stand auch überall im Netz so geschrieben. Ganz easy.

Außerdem wollte ich um 6:45 aufstehen, um schon heimlich meinen Osterhasenjob zu erledigen. Am Abend hatte ich bereits alles zurecht gelegt. Allerdings war die Hummel vor mir wach und ausgerechnet an diesem Morgen ausgesprochen schlecht gelaunt. Leider war sie auch sehr laut dabei, so dass die anderen Kinder auch erwachten und recht schnell zu uns ins Kinderzimmer gelaufen kamen. Ich versuchte die Kinder irgendwie unauffällig abzuschütteln, was schließlich mit dem Argument gelang, ich müsse den Hefezopf mal vorbereiten. Sonst gäbe es kein Frühstück. Die Erstklässlerin stand aber schon angezogen und ganz aufgeregt wegen des Hasenbesuches neben mir und folgte mir auf Schritt und Tritt. Ich spielte die brummige Mutter, die noch ein bisschen ihre Ruhe in der Küche braucht, damit sie ging. Continue reading…