Ich schlafe gegen 22 Uhr wie erschossen ein, um dann um 2:55 plötzlich aufzuschrecken. In meinem Kopf rattert es. Den Termin beim Bürgeramt mit den Kindern für die neuen Reisepässe……aaaaaargh, eines der Kinder ist kurzfristig an dem Tag nicht pünktlich wieder da, fällt mir ein. Es steht ein sportlicher Ausflug seitens der Schule an. Ich muss den Termin mit den Ausweisen verschieben. Apropo, die Katzen müssen auch noch geimpft werden. Seit Ostern will ich den Termin dazu vereinbaren. Heute mache ich das. Ganz bestimmt. Habe ich den Kindergeburtstag eigentlich in den Kalender getragen? Habe ich bei der Terminabfrage für ein Treffen mit Freunden nicht übersehen, dass an einem Tag meine Mutter Geburtstag feiert? Ich habe außerdem am letzten Sonntag eine Freundin vergessen. Fck. Wo habe ich in der Schule eigentlich die wichtigen Zettel hingelegt? Um kleine Abschiedsgeschenke für die Kinder, die im nächsten Schuljahr eine neue Lehrerin bekommen, muss ich mir auch noch überlegen! Wo ist eigentlich meine Jeansjacke? Sind meine Eltern schon aus dem Urlaub zurück?
Entspannte Gedanke wollen sich nicht einstellen und so versuche ich die To Do Liste im Geiste zu sortieren und hoffe auf erneutes Einschlafen. Draußen beginnen irgendwann schon die Vögel zu zwitschern und ich überlege, ob ich dann einfach gleich wach bleiben soll, döse dann aber doch nochmal ein, um wirres Zeug zu träumen und wie gerädert vom Wecker wieder geweckt zu werden. Erstmal noch eine Mail an die Lehrkräfte von einem der Kinder schreiben. Da stehen gleich zwei Termine an, die in die Schulzeit fallen. Und K1 muss an einen Zettel erinnern! Und K2 auch! Zum wiederholten Male.
Aufstehen. Im Bad finde ich weder eine meiner 3 Haarklammern, noch meine Bürste. Ich habe K2 in Verdacht und würde am liebsten sofort in ihr Zimmer stürmen und nach den Sachen suchen. Mache ich dann aber doch nicht Das würde so früh am Morgen eine unnötige Explosion der Emotionen hervorrufen.
Die Küche ist eine Schlachtfeld, weil abends alle einfach zu platt sind, um noch irgendwo Hand anzulegen. Ohnehin sind wir abends alle am Limit. Die Kinder kommen nach langen Schultagen und ihren diversen Sporttrainigs abwechselnd erst etwas spät nach Hause, so dass das Abendbrot für K4 definitiv viel zu spät stattfindet. Gleichzeitig möchte K4 aber partout mit allen zusammen Abendessen und ist vorher nicht ins Bett zu bewegen. Am Abendbrottisch sitzt sie dann und singt und plappert pausenlos (wie den gazen Tag übrigens!), so dass die großen Kinder und wir Eltern kaum drei Sätze geradeaus sprechen können. Dabei gibt es derzeit so viel abzusprechen und und zu planen, damit alle immer pünktlich da sein können, wo sie hin müssen. Die Termine nehmen kein Ende. Zusätzlich ist hier und da Gefühlsarbeit und mentale Unterstützung nötig. Es ist nicht einfach und nicht selten endet der Abend in etwas gereizter Stimmung.
Ich krame also am Morgen das Nötigste zusammen und räume die, im Idealfall am Vorbend schon gelaufene, Spülmaschine aus und ein, so dass alle Platz genug haben, um sich ihre Frühstücke zu richten. Ich lege dann außerdem noch alle wichtigen Dinge (unterschriebene Ausflugszettel, Geld für eine Lektüre und Erinnerungen auf den Tisch. (Oft genug fallen Dinge aber auch vom Tisch. Im wahrsten und im buchstäblichen Sinne.)
In der Schule gibt es dann für mich auch immer genug zu tun. Ich mag das durchaus, denn die Zeit geht schnell rum und die Arbeit macht mir grundsätzlich Spaß. Allerdings befinden wir uns im obligatorischen Endspurt auf die Sommerferien. Die Zeugnisse sitzen schon latent im Nacken, ein paar Lernzielkontrollen wollen noch geschrieben und ein paar Themen müssen/sollen/ wollen noch behandelt werden. Die Planungen für den Infoabend der Schulneulinge, Materialbestellungen, Absprachen mit externen Unterstützer:innen….alles gespickt mit den Herausforderungen des ganz normalen Schulalltags. Kinder mit Sorgen. Kinder mit Streit. Kinder über die man sich Sorgen macht. Elterngespräche….
Nach meinem Schultag, der an diesem Tag erst um 15:20 endet, radle ich zur KiTa und sammle K4 ein. Zu Hause angekommen sacke ich zunächst zusammen, wie eine gegen eine Scheibe geflogene Taube. Ein Kaffee, 60 Minuten sitzen. ich kann vorher einfach nicht. Eine der beiden Katzen springt sofort auf meinen Schoß. Auf meinem Handy sammeln sich Nachrichten der diversen Kommunikationskanäle. Freund:innen mit Grüßen oder Terminvorschlägen, Elternchats der Kinder von Schule und Sport. Terminerinnerungen aus der KiTa. Mails aus der Schule der Kinder. Oh nein, ich habe eine wichtige Sache vergessen. Schnell noch erledigen! Ein Projekt im Garten wartet. Und der Haushalt. Der blöde Haushalt. Die Küche. Horror. Wäsche. Auch Horror. Aber die Sportsachen der Kinder müssen am nächsten Tag wieder parat sein. Also wasche ich noch eine Maschine, häufe saubere Wäsche vom Wäschereck auf einen bereits existierenden sauberen (hoffe ich) Wäscheberg und bemitleide mich selbst. Ein Kind kommt mit sehr schlechter Laune nach Hause und blökt genervt durchs Haus. Ein anderes muss los zum Sport. K4 plappert die ganze Zeit und versteht nix. Ein Schnupfen verstopft mal wieder die Ohren. Ein Nachbarskind kommt zum Spielen. Der Mann sagt ganz richtig, wir müssten noch einkaufen. Was soll es zum Abendbrot geben? Im Baumarkt müsste auch noch etwas besorgt werden. Der Tag ist zu kurz! Können wir ein Eis fragen die „Kleinen“ (K4 nebst Freundin). Ja.
Als wir schließlich wieder viel zu spät am Abendbrottisch sitzen, sind wieder alle völlig gerädert. Was steht morgen an? K2 muss auch wirklich immer noch was für die Post fertig machen. Und der Impftermin für die Katzen! Morgen. Morgen mach ich den, ganz bestimmt.
Als ich mit K4 ins Bad gehe, ist sie schon sehr müde und nur noch schwer zu motivieren sich umzuziehen. Ich versuche freundlich zu überzeugen die kritischen Zonen einmal zu waschen, nochmal Läusekontrolle zu machen und die Nägel zu schneiden. Die Ohren hätten es auch nochmal nötig. Es bleibt bei Läusekontrolle, kritische Zonen waschen und Zähneputzen. Mehr geht nicht. Nägel und Ohren müssen warten.
Ich selbst merke, wie alles in und an mir danach schreit sich auch einfach hinzulegen und da K4 nach wie vor nicht ohne mich einschläft, sinke ich dankbar in die Federn. Damit ich noch irgendeine Idee von Me-time an diesem Tag habe, mache ich mir auf dem Laptop mit Kopfhörern noch eine Serie an. K4 schnarcht schon. Eines der großen Kinder möchte das Handy nochmal entsperrt bekommen. Ein anderes sucht ein bestimmtes T-Shirt, wieder ein anderes kramt noch etwas umständlich frische Bettwäsche aus dem Schrank. Es ist doch schon so spät! Alles sollten längst in ihren Zimmern sein.
Von der Serie bekomme ich gerade mal 15 Minuten mit. Meine Beine zucken müde und meine Augen werden schwer. Ich klappe den Laptop zu und habe das Gefühl, dass ich diese Nacht durchschlafen werde. Dem wäre ziemlich sicher auch so gewesen, wenn mich nicht um 2:24 K4 aus dem Schlaf reißt: Mama? Maaamaaa? Ich habe Durst!
