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...und was es sonst noch gibt Mama Error

Schau mir in die Augen, Kleines!

Oder: Ich werde alt.

Unlängst ereignete es sich, dass ich von meiner Augenärztin eine Notfall-Überweisung zur Augenklinik ausgestellt bekam. „Na, bravo. Wahrscheinlich noch so eine perimenopausale „Ausfallerscheinung!“, sagte ich. „Haha“, lachte die Ärztin: „Warten Sie mal ab, das wird noch schlimmer!“ „Was jetzt? Das mit den Augen oder die anderen Zipperlein?“, wollte ich fragen, ließ es aber dann. So oder so nicht sehr ermutigend. Reichte ja schon, dass ich jetzt schon als Notfall galt. Ausgerechnet an einem Tag, der logistisch ohnehin einiges zu bieten hatte. Ich habe keine Zeit für sowas! Noch dazu, da sich ohnehin schon am Vortag Dinge ereigneten, die diesen Tag überflüssigerweise verkomplizierten.

Bei der Augenärztin war ich wegen einer akuten Sehstörung vorstellig geworden. Nicht nur, dass ich seit einer Weile schon die typische Kopfhaltung älterer Menschen einnehme, die angestrengt durch den unteren Teil der Gleitsichtbrille versuchen Schrift zu entschlüsseln, nein neuerdings kann ich mit einem Auge nicht mehr so gut scharf stellen, bzw es erscheint mir, als hätte ich ständig einen Blendfleck im Sichtfeld. Letztes Wochenende sehr bewusst wahrgenommen, fragte ich also Dr. Google (ich weiß, das sollte man nie tun, aber ich tat es) und ich bekam spontan Herzstolpern und Bluthochdruck. Hello, neue Gefühlswelt. Ich beschrieb es ja schon mal, ich kenne seit einiger Zeit irrationale Ängste und kenne mich speziell in diesem Bereich kaum wieder. Ich musste meine Sorge vor kompletter Erblindung und dem finalen Ableben abschütteln und befand dann, es sei klug einen Augenarzttermin zu vereinbaren. 

Da saß ich dann also. Mit Notfall-Überweisung. Mit Textmarker extra markiert. Ich sollte gleich am selben Tag versuchen oder am nächsten, spätestens aber nach Pfingsten in der Augenklinik untersucht zu werden.

Wissend, dass die Uniklinik Köln üblicherweise sehr lange Wartezeiten in sämtlichen Disziplinen aufweist, radelte ich, diesmal voller Selbstmitleid den Tränen nah, zur Augenklinik. Als ich dort eintraf, schwante mir bereits nichts Gutes. Der Wartesaal der Augenklinik war voll. Umständlich entleerte ich zunächst meinen halben Tascheninhalt auf dem Anmeldetresen, da ich bei der Augenärztin etwas wirr einfach alles in meinen Rucksack gestopft hatte, und kramte die Überweisung und die Versichertenkarte hervor. Vorsichtig hoffte ich, das extra markierte Notfallfeld würde meine Wartezeit vielleicht verkürzen, da ich aber weder einen Gegenstand im Auge stecken oder andere akute Verletzungen hatte, beteuerte die Dame am Tresen ich müsste 5-6 Stunden warten! Meinem Gesichtsausdruck entnahm sie sodann, was die Logistik des Tages mir im Kopf entgegen brüllte: Das haut im Leben nicht hin! Das wäre ein enormer Orgaaufwand mit ungewissem Erfolg! Außerdem hatte ich Kopfschmerzen und Hunger und Durst und überhaupt. Mir war wieder zum Weinen zumute. Ich fragte, wann am nächsten Tag die Klinik wieder öffnen würde und sagte, ich käme dann wieder. Das leise aufkommende schlechte Gewissen, dann nicht in der Schule erscheinen zu können, schob ich beiseite. Gesundheit first! Und den kurzen Gedanken: Was wenn jetzt doch was ganz Schlimmes mit dem Auge wäre und ich plötzlich nichts mehr sehen könne, schmetterte ich mich einem: Dann ruft man nen Krankenwagen und kommt sofort dran- Gedanken nieder.

Am nächsten Morgen um 6:40 sammelte mich dann, tausend Dank nochmal! eine Freundin mit dem Auto ein und brachte mich zur Augenklinik. Ich war ausgerüstet mit Geduld, Essen, Getränken, einer Powerbank fürs Handy und der Tag war so geplant, dass ich bis zum Abend nicht vermisst würde.

Ich war 10 vor 7 in der Klinik, aber andere waren schon vor mir dort und bildeten bereits eine Schlange. Alle schienen erfahrene Augenklinikbesucher:innen zu sein. Ein Mann erklärte mir, dass die Reihenfolge beim Anmelden nebensächlich sei. Man würde nach Thema und Dringlichkeit sortiert. Die Dame an der Anmeldung erinnerte sich sogar an mich und freute sich, dass ich es so früh geschafft hatte.  Ich kam dann auch wirklich sehr schnell dran und fand mich zwecks „Weiterverarbeitung“ in einem noch leeren Flur wieder, der sich jedoch schnell füllte. Alle wurden immer wieder aufgerufen und mussten die unterschiedlich nummerierten Untersuchungsräume aufsuchen. Herr Papenburg, Frau Schmitz, Frau Wiesner, Herr Mannfeld….wir kannten nachher alle unseren Namen. In einem Raum gab es Tröpfchen, Augendruckmessung und Sehtest, in einem anderen wird das Auge gescannt und dann gibt es noch die Zimmer mit den Augenarzt:innen drin.  Nach zwei Runden Augentropfen, nahm ich auf dem Untersuchungsstuhl bei einem  Augenarzt platz. Er wollte mir noch eine dritte Tropfrunde in die Augen verpassen. Als er mit den Tropfen näher kam, sagte er: „Äh, nein. Zweimal reicht bei Ihnen!“ Ich hatte Pupillen, groß wie Pfannkuchen. 

Fazit:

Im Moment besteht lediglich Beobachtungsbedarf. Die Sehstörung sollte sich mit der Zeit von selbst auflösen. Bei Verschlimmerung müsste ich direkt zum Augenarzt. Dann müsste man  ggf sogar operieren. In 4 Wochen soll ich zur Kontrolle. Na gut.

Ich war aus zwei Gründen erleichtert. Zum einen, dass ich nicht um mein Augenlicht bangen musste, sterben würde ich also auch nicht und zum anderen, dass ich recht zügig fertig war in der Augenklinik und nicht etwa ein unerbauliches Pfingswochenende irgendwo auf Station hocken musste. Ich war nahezu beflügelt.

Da ich, auch altersbedingt, schon an sich sehr blendempfindlich bin in letzter Zeit, war ich mit den riesen Pupillen und dem zusätzlichen Blendpfleck noch empfindlicher und insgesamt fühlte ich mich sehr blind. Mit Sonnenbrille konnte ich im Schatten halbwegs sehen ohne ständig die Augen zukneifen zu müssen. Ich steuerte recht zielstrebig das Kölner Grün an und arbeitete mich auf schattigen Wegen Richtung zu Hause. Dummerweise hatte ich meine Gleitsichtbrille, um die Sonnenbrille bequemer tragen zu können, an mein T-Shirt geklemmt und finde sie jetzt nicht mehr. Ich befürchte ein bisschen, dass ich sie auf meinem sehr geblendeten Weg nach Hause irgendwo verloren habe. Gut, dass ich noch meine alte Gleitsichtbrille habe. 

 

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