Eine Woche zu fünft unterwegs mit dem Wohnwagen. Teil 2

Zweite Etappe

Wir brachen an einem sonnigen Mittag in Detmold auf Richtung Ostsee. Dem Herrn Papa ging es nicht gut. Wir mussten auf halber Strecke einen Fahrerwechsel machen. Kurz vor dem Ziel sorgte sich der Mann allerdings, ob ich das Gespann gut durch die Ortschaften navigieren würde. Somit gab ich ihm das Steuer zurück. Wer´s besser weiß, kann dann auch selbst weiter fahren. Ich dränge mich nicht auf.

 

Ankunft in Scharbeuz und ein Campingplatz mit Vor- und Nachteilen

In Timmendorf gerieten wir dann in Verantwortungskommpetenzgerangel. Er meinte beim Losfahren in Detmold eine Ahnung von der Lage des Campingplatzes in Timmendorf zu haben. Ich wollte vor Ort nochmal nachsehen, aber mein Smartphone war lahm und der Empfang, wie schon die ganze Reise etwas, sagen wir , lückenhaft. Ich sag nur: O2 can´t do. Naja. Also wurde ich angeraunzt, dass ich nicht schnell genug eine Richtung ansagte und ich raunzte, dass der Mann gesagt hatte, er wisse was und dann doch nichts wusste.
Die Stimmung war etwas gereizt. Wer kennt das nicht. Wir gurkten durch Timmendorf durch und landeten an einem Campingplatz in Scharbeuz. Direkt gegenüber vom Strand. Neptun-Familien-Camping. Unwissen, ob und wo in der Nähe noch andere Plätze seien und auch froh irgendwo in Strandnähe angekommen zu sein, nahmen wir diesen Platz.
Wir wurden vom ´Chef von et Janze´, (wir nannten ihn auch Sheriff, denn er fuhr einen kleinen Jeep mit Blaulicht :-D) auf unsere angedachten Parzelle geleitet. Der Mann war friesisch trocken und kommentierte unsere Aussage beim ungelenken Einparken des Hängers „Wir sind Anfänger“ mit „Man merkt´s.“ 😀 Tatsächlich hampelten wir etwas rum, weil die Parzelle so groß war, dass wir dachten es wäre eine für zwei Wohnwagen. Aber es war alles für uns! Wirklich geräumgig. Das war toll. Mehr wurde uns aber nicht erklärt und der Sheriff brauste von dannen.
Neptun-Camping in Scharbeuz ist ein schmaler langgezogener Platz. In der Mitte führt ein Kiesweg zwischen den Parzellen hindurch. Wir standen in der Nähe des Waschhauses, was sich bei genauer Inspektion eher als etwas eklig entpuppte. Bei den Damen ging es wohl etwas besser, als bei den Herrn, hab ich mir sagen lassen. Spülen musste man draußen und es gab nur kaltes Wasser. Die Spülbecken waren auch ziemlich ungepflegt. Keine Ahnung was so der Standard auf Campingplätzen ist. Man konnte es aushalten, aber die Hygiene auf dem Detmolder Campingplatz war mir deutlich angenehmer gewesen. Zudem gab es beim Sheriff keine Waschmaschine und keinen Trockner. Letzteres war ein großes Manko, wie sich später herausstellte.
Es war später nachmittag, als wir unseren ersten Gang zum Strand antraten. Ein herrlicher Abend. Die Kinder stoben über den Strand. Ich genoss jede Sekunde. Die salzige Luft, die ausgelassenen Kinder. Das Meer. Die Weite.

Ostsee Familienblog beatrice-confuss

Der Strand fiel zudem sehr flach ab, so dass die Kinder recht weit ins Wasser hineingehen konnten, ohne dass es zu tief wurde. Wir kamen mit nassen Hosen wieder zurück zum Caravan. Ich spannte eine Wäscheleine draußen unter unserem Sonnensegel auf.
Abendbrot gab´s endlich auch mal draußen. Wie man sich das beim Campen so vorstellt.
Es wurde wieder sehr spät und ich legte mich schließlich mit den Kindern hin. Eigentlich hatte ich mich ja mit einem Buch sitzen sehen. Aber ich war zu müde.

 

Der erste richtige Urlaubstag…mit Hindernissen

Der nächste Tag begann tatsächlich sonnig und warm. Ziemlich warm sogar. Die Kinder forderten wie wild den Gang zum Strand. Ohnehin wurde viel gefordert. Das Sirenchen hat sich nun ziemlich unangenehm angewöhnt jeden Wunsch mit „Mama, du sollst….“ zu beginnen. Das gehört verändert. Auf „Du sollst…“ höre ich nicht mehr. Es ist allerdings fast nervenaufreibender das „Du sollst….“ zu ignorieren und immer wieder vorzumachen und zu erklären, es bitte anders zu formulieren. Gekreische ist vorprogrammiert.
Nachdem ich alle wirklich gründlich und mit Lichtschutzfaktor 50+ eingeschmiert hatte, wanderten wir zum Strand und mieteten uns sogar einen Strandkorb. Am und vor allem mit den Füßen im Wasser ließ sich die Hitze wunderbar aushalten. Die Kinder rannten über den Strand und durch das Wasser. Lebensfreude pur. Dann musste das Sirenchen mal ganz dringend groß.
Die Toiletten waren aber einen Strandabschnitt weiter. Ich lief mit ihr los. Das Knöpfchen hinter uns her. Blieb aber dann stehen und warf sich heulend in den Sand. Der Herr Papa war mit dem Sohn derweil ins Wasser gegangen und sah nicht zu uns rüber, weil er dachte, ich nähme das Knöpfchen mit. Das Sirenchen war schon einige Meter weiter und rief nach mir, es sei dringend. Ich konnte aber das Knöpfchen nicht unbeaufsichtigt zurück lassen und rannte zurück, schnappte sie unter den Arm und rannte zum Sirenchen und mit ihr weiter zu den Toiletten. Dort angekommen musste das Sirenchen plötzlich doch nicht mehr, hatte aber alles mal angefasst, was ich lieber nicht angefasst sehe. Kommando Händewaschen. Und wieder alle zurück marsch-marsch.
Keine 10 Minuten später das gleiche Spiel. Und wie hasse ich das ohne Schuhe in diese Toilettenhäuschen rein zu gehen. Aber der Weg war zu weit um noch die Schuhe am Strandkorb zu holen. Also schnell und Ekel überwinden. Allerdings war der Weg auch zu weit, als dass das Sirenchen ihr Bedürfnis aufrecht erhalten hätte. Also vergebens wieder zurück aber schön mit den nackten Füßen durchs Wasser. Kaum am Strandkorb angelangt, wollte das Sirenchen wieder los zum Klohäuschen. Ach, was ein entspannter Vormittag, dachte ich und sagte, sie solle einhalten in der Hoffnung, dass es einfach alles falscher Alarm sei.
Mittags wurde das Knöpfchen müde und maulig. Ich wollte eigentlich alle zu einer Mittagspause zum Wohnwagen lotsen. Die Sonne war stark. Aber die großen Kinder weigerten sich und der Herr Papa wollte auch nicht. Das Sirenchen meinte aber wieder sie müsse auf Toilette. Ich empfahl, mich einfach zum Wohnwagen zu begleiten, aber sie wollte nichts davon wissen. Ich schmiss etwas genervt die Sonnencreme und trockene Sachen zum Wechseln gut sichtbar in den Strandkorb und wünschte dem Mann einen entspannten Tag.
Ich packte das heulende Knöpfen und stapfte etwas genervt zum Wohnwagen zurück. Dort setze ich mich in den Schatten und kuschelte gute 45 Minuten mit dem Knöpfchen. Sie döste sogar 20 Minuten. Nachdem wir ganz gut aneinander fest geschwitzt waren, reichte ich einen Imbiss. Mann, war das heiß. Es war nicht auszuhalten. Wir liefen zurück zum Strand, wo eine frische Brise uns angenehm umwehte. Ich weiß nicht wieviel Zeit verging, ich sah dann auf einmal nur, dass die Kinder rote Waden hatten. Sofort trommelte ich alle raus aus dem Wasser. Das Sirenchen wollte sodann splitter faser nackt zum Wohnwagen laufen, was ich wiederum nicht wollte, weil wir über die Strandpromenade und eine Straße mussten. Ich bat sie einfach ihr Kleid überzuwerfen. Es gab eine Diskussion. Neben uns lag eine Frau, die sich amüsierte.

Endlich ging es dann zurück zum Campingplatz. Wir hatten einen  Sonnenbrand. Das ging gar nicht. Ich duldete auch keine weitere Diskussionen mehr.
Das Ausmaß zeigte ich sich im Laufe des frühen abends. Wir waren wirklich alle verbrannt. Meine Schienbeine, sogar ein schmaler Streifen quer über dem Rücken (als hätte mich einer mit ner Peitsche geprügelt), meine Arme, die Beine der Kinder, das Knöpfchen hatte ebenfalls einen geröteten Rücken und der Herr Papa ein verbranntes Gesicht. Sch….
Wir sahen wüst aus. Dennoch hatte ich es gerade noch so rechtzeitig entdeckt, dass niemand schlimmere Verbrennungen hatte. Einzig mir tat der Streifen am Rücken und die Schienbeine wirklich richtig weh. An diesem Abend stellten wir aber dann auch fest, dass alle Leute sich an diesem Tag einen Sonnenbrand zugezogen hatten. Egal wen man sah oder mit wem man sprach, alle fluchten, dass sie an irgendeiner Stelle versehrt warten. Mit dem Wind hatte man es einfach nicht gemerkt. Da hatte auch nachcremen und der Lichtschutzfaktor 50 + nichts mehr geholfen.
Ich wusch die Kinder vorsichtig mit kaltem Wasser ab und cremte sie gut ein. Hatte damit auch ein Paradebeispiel, warum man auf mich hören sollte hinsichtlich Sonnenschutz und Mittags lieber im Schatten bleiben  etc pp.

Später zogen noch Wolken auf und es wurde immer schwüler. Von einem Abend mit Buch oder gar Zweisamkeit mit dem Herrn Papa träumte ich gar nicht mehr. Ich fiel wieder gemeinsam mit den Kindern ins Bett. Seeluft macht müde. Oder machte mich das Campen einfach nur fertig?
Später in der Nacht zog ein heftiges Gewitter auf. Der Wind rüttelte am Wohnwagen. Das Sonnensegel blähte sich wild auf. Wir warteten nur darauf, dass die Heringe des Segels sich aus dem Boden lösen würden und alles wegflöge. Die Strandhandtücher, die draußen zum Trocknen hingen, wurden klitsch nass geregnet. Der Wind blies aber nicht lange. Dafür zuckten unentwegt Blitze über den Himmel. Wie ein Stroboskop mit Wackelkontakt. Das schnelle aber unregelmäßige Aufblitzen war richtig anstrengend für die Augen. Das Knöpfchen erwachte kurz, sah sich um und zog sich dann das Kopfkissen über den Kopf und schlief weiter. 😀

 

Der zweite Urlaubstag- Ausflug nach Hamburg

Am nächsten Morgen hörte ich beim Öffnen der Fenster ein Schnattern. Neben unserem Wohnwagen war eine riiiiesen Pfütze in der ein Entenpaar schnäbelte. Die Kinder waren begeistert.
Fast war ich erleichtert, dass die Sonne nicht schien, denn mit dem Sonnenbrand hätten wir unmöglich an den Strand gehen können. Wir entschieden einen Ausflug nach Hamburg zu machen. Den Vormittag verbrachte ich damit Wäscheleinen im Wohnwagen zu spannen, damit die Strandhandtücher und Badesachen trocknen konnten. Was sie natürlich nicht wirklich taten. Außerdem entschieden wir noch eine Nacht länger auf dem Campingplatz zu bleiben, anstatt schon den Bauernhof im Binnenland anzusteuern. Wir wollten wenigstens abends nochmal an den Strand.
In Hamburg steuerten wir die Speicherstadt an. Ich konnte mich sofort begeistern. Da haben wir´s wieder. Historische Gebäude. Ich mag sie. Und Hamburg mag ich auch. Großstädte liegen mir einfach. Ich kann mir nicht helfen.
Die Kinder fanden es aber auch toll und liefen ohne zu Murren mit uns mit. Der Sohn wünschte sich eine Bootstour und so buchten wir eine kleine Hafenrundfahrt.
Das war wirklich toll und informativ und machte dringend Lust auf mehr. Mein Ziel wäre in Hamburg definitiv kein Musical, sondern die alten Schiffe, die Museen und viele andere Sehenswürdigkeiten.
Nach der Hafenrundfahrt, die wir übrigens in sehr netter und lustiger Gesellschaft machten, suchten wir uns ein schattiges Plätzchen. Wir machten eine ziemlich späte Mittagspause und steuerten dann wieder Scharbeutz an. Am frühen Abend waren wir zurück, kauften noch flott etwas ein und konnten nochmal an den Strand gehen. Die restliche Sonne konnte dem Sonnenbrand nun nichts mehr anhaben. Ein langes Vergnügen wurde es dann aber nicht. Es zogen wieder Gewitter auf.
Wir legten uns alle recht früh zur Ruhe. Also so um 22 Uhr. Die Kinder beklagten, dass überall Sachen rumhingen. Ich war auch angestrengt. Ein Trockner wäre super gewesen.

 

Der Abreisetag

In der Nacht regnete es. Und am Morgen auch. Der eigentliche Plan war gewesen, zeitig aufzustehen, alles einzupacken, die Klamotten für die Hochzeitsfeier schon anzuziehen und ins klimatisierte Auto zu steigen. Da es aber in einer Tour regnete und die Kinder bockig den Wohnwagen nicht verlassen wollten, dauerte das Verstauen der Sachen ewig. Außerdem gingen mir die nassen Klamotten überall auf die Nerven. ÜBERALL hing oder lag etwas Klammes oder gar Nasses und muffte vor sich hin. So kann man keine Ordnung halten! Erstrecht war der Wohnwagen mittlerweile sandig und dreckig. Die Betten sahen auch nicht mehr besonders gut aus. Ich bekam echt schlechte Laune. Aber so richtig. Ich blökte schließlich die Kinder an, dass sie gefälligst den Wohnwagen verlassen sollten und sich meinetwegen in den Pfützen wälzen sollten oder sonst was, ABER HAUPTSACHE ICH HÄTTE MAL PLATZ ZUM RÄUMEN!!!!
Endlich verließen sie den Wagen. Zum Glück noch nicht fein gemacht. Bevor wir das Auto besteigen konnten, musste ich alle drei nochmal umziehen. Und noch eine weitere Ladung nasser Klamotten auf die Leinen hängen. Ich musste sogar noch eine neue Leine spannen. Man konnte sich im Grunde gar nicht mehr bewegen, ohne sich ständig zu ducken oder selbst zu strangulieren.

Die eigentlich einstündige Fahrt zog sich dann auch noch hin. Es gab kleinere Staus. Wir waren allerdings guter Dinge, die kirchliche Trauung pünktlich und sogar etwas festlich gekleidet erreichen zu können. Ich bereitete die Kinder mental schon mal vor, dass ich ihnen am Zielort ihre Kleider rauslegen würde und sie sich dann ohne Diskussionen umziehen sollten.

Was dann geschah gibt´s im nächsten Teil zu lesen.

  3Comments

  1. Anke   •  

    Hast Du Mäuschen bei uns gespielt? Wir sind auch gerade dabei, unserer Dreijährigen das „Du sollst…“ ab- und höfliche Bitten anzugewöhnen. Und auch hier ist das oft mit Geschrei verbunden… ich kann mich auch noch vage erinnern, das bei der Großen auch gemacht zu haben. Die gute Nachricht ist also: es geht vorbei. 😉

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Wie schnell genau geht das vorbei? 😀 Ich übe mich derweil in Atmen und Gelassenheit.

  2. Anke   •  

    Ich erinnere mich, wie gesagt, nur vage (Verdrängung? 😉 ) Ich würde sagen, ein paar Wochen. Aber nagel mich nicht drauf fest; Du weißt ja selbst, daß jedes Kind anders ist. Kann auch sein, daß sie es jetzt noch ab und zu sagt, aber erstens ist „ab und zu“ nicht so ein Problem und zweitens ist die Reaktion anders, wenn ich antworte, daß ich nicht auf „du sollst“ höre. Einer meiner häufigsten Sätze derzeit, wie bei Dir anscheinend auch. Ich finde es ja immer beruhigend, zu wissen, daß ich nicht die Einzige mit solchen Problemchen bin. 🙂

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