Dieses Jahr 2025…
Das erste Mal in meinen 48 Jahren sagte ich mehrfach schon ab der Jahresmitte: Was n Scheiß- Jahr! 2025 kann weg! Ich traute mich die letzten Wochen noch nicht einen Rückblick zu verfassen aus Angst davor noch einen Kübel Mist vor die Füße gekippt zu bekommen. Aber heute, einen Tag vor Silvester, traue ich mich. Und das hat einen Grund.
Ich kam in den letzten Wochen mehr und mehr zur Ruhe und die letzten Tage fuhr ich auch ganz bewusst sämtliche Anforderungen (ob selbst oder von außen gestellt) zurück. Und das war sehr heilsam. Ein bisschen vorsichtig beäuge ich zwar immer noch die letzten Stunden des Jahres 2025, aber ich habe insgesamt meinen Frieden mit diesem furchtbar turbulenten Jahr gemacht. Ich habe viel reflektiert.
Beginnen wir aber mit den ganzen unerfreulichen, anstrengenden und herausfordernden Momenten.
Dieses Jahr begann mit einem Stromausfall an Silvester und startete mit einem Neujahrstag komplett ohne Strom und Heizung, da die Leitung aufwendig repariert werden musste. Wir machten das Beste daraus. Weil ich da noch überzeugt war, dass dieses vermurkste Silvester kein Omen für das folgende Jahr war, kam als bald der Hinweis von der Kaffeemaschine, gefolgt von der Spülmaschine. Beide quittierten ihren Dienst, just, als wir mit ein paar üppigen Nachzahlungen „beschenkt“ wurden. Strom, Gas, Wasser (Der „Dauerbaustelle zu Hause sei Dank“) und eine Nachberechnung der KiTagebüren flatterten ins Haus und rissen ein Loch in die ohnehin schrumpfende Haushaltskasse. Weder eine neue Kaffeemaschine noch eine Reparatur der Spülmaschine, geschweige denn eine neue waren möglich. Da unser Budget unerwartet schnell knapper wurde, stornierten wir unsere Osterreise in die Jugendherberge. Da wir unseren Campingurlaub für den Sommer schon im Vorjahr gebucht und angezahlt hatten, wagten wir diesen Reiseplan aufrecht zu halten. Nach dem Motto „wird schon klappen“.
Anstatt dann die ersten warmen Tage in den Osterferien auf der Bank vorm Haus genießen zu können, stellte uns die Firma für die Fernwärme ihren Materialcontainer vors Haus und baggerte, staubte und lärmte monatelang. Hinten im Garten hatte ich eigentlich vor gehabt mal alles wieder mehr zum Blühen zu bringen und ein bisschen neu zu arrangieren. Jedoch wurde klar, dass auch unsere Dachterrasse nochmal komplett erneuert werden müsste. Leider hatten wir rund herum Wasser in den Wänden. Das bedeutete weiter Materiallagerung im Garten und auch, dass neue Pflanzungen vorerst keinen Sinn ergaben. Baustellen vorm Haus. Baustellen hinterm Haus. Überall trampeln Handwerker hin und her. Termine absprechen mit dem Bauunternehmer und das dringende Bedürfnis, dass endlich mal alles fertig ist. Eine unschöne Nachricht aus der Familie trudelte zudem auch noch ins Haus. Dann war die Arbeit in der Schule nicht immer einfach. Es war hier und da herausfordernd und ich stolperte so erschöpft wie nie den Sommerferien entgegen. Parallel dazu starb unsere Katzenomi, die Klütte. Sie war sehr alt und es war schon abzusehen, dass dies ihr letzter Sommer sein würde. Dennoch war es sehr sehr traurig. Ich trauerte richtig.
Die sehnsüchtig erwarteten Ferien begannen und ich nahm all meine Energie und Vorfreude zusammen und bereitete unsere Campingreise vor, nichtsahnend, dass diese ausfallen würde. Unser Auto machte uns nach der Hälfte der Strecke einen Strich durch die Rechnung. 5 Wochen Ferien ohne Auto und enorme Kosten. Die Gesamtsituation ließ auch keinerlei Ersatzreise zu. Tja. Kein Sommerurlaub also. Auch aus dieser Situation machten wird das Beste. Aber enttäuscht und traurig waren wir schon und neben meiner eigenen Enttäuschung musste ich die Emotionen der Kinder auffangen.
Und weil auch das scheinbar noch nicht Genug war für das „Universum des Unheils“, wurden zwar die Arbeiten an unserer undichten Dachterasse aufgenommen und fanden einen Höhepunkt im Sommer, als es auf die frisch abgetragene und noch völlig unisolierte Betonfläche ein starker Regenguss niederging. Zum einen tropfte es dann in der Küche an zwei Stellen aus der Decke und im Kinderzimmer hatte sich durch ein etwas durchlässiges Mauerwerk Bitumengeruch eingenistet. Die Handwerker hatten mit flüssig Bitumen ein paar Stellen noch versucht abzudichten, aber der Regen hatte dies so verflüssigt und etwas war scheinbar ins Kinderzimmer gesickert. Der Geruch war so stark, dass K4 und ich vorerst auf keinen Fall dort schlafen konnten. Ich baute uns ein improvisiertes Schlaflager in einem kleinen Durchgangszimmer bei den Geschwistern auf der Etage. Wieder hatte ich mit einem Plan B eine Situation entschärft, so ärgerlich sie auch war, aber meine Taktiken blöden Situationen irgendwie zu retten wurden weiter torpediert. Die Handwerker schafften es einen weiteren Bock zu schießen und wollten einen Arbeitsschritt ausführen, der selbst für absolute Laien ganz klar als absoluter Fehler erkennbar waren. Das war der Moment, an dem ich derart krass ausgeflippt bin. Ich habe geschrien und gezetert und den Boxsack bearbeitet und den offenbar fachlich schlecht ausgebildeten und selbsternannten „Bauleiter“ am Telefon angeschrien. Mir war ein Tag danach noch schwindelig und als bald machte sich meine ohnehin seit längerem unzufriedene Galle nachdrücklich bemerkbar. Da entschied ich mich dann auch einer schon seit ein paar Jahren mal angeratenen Entfernung derselben in Angriff zu nehmen.
Das Schuljahr begann mit Vollkaracho. Auch in der Schule hatten wir Baustellen, die lärmend den Schulstart begleiteten und die Abläufe störten. Dazu Elternabende, Elternsprechtage, Termine, Pipapo…Nicht zu vergessen, dass es auch parallel diverse Angelegenheiten zu Hause gab, die aus Privatsphäregründen hier nicht erwähnt werden. Und weil es ja für das Jahr 2025 zu einfach gewesen wäre, wenn dann einfach mal alles einfach liefe, flatterte eine Mahnung ins Haus, deren Herkunft uns ein absolutes Rätsel war. Denn die Rechnung zur Mahnung hatten wir bereits beglichen und konnten das auch belegen. Telefonieren und Mailen mit den entsprechenden Sachbearbeiterinnen, die sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschoben. Niemand wollte so richtig zuständig sein. Zusätzliche überflüssige Aufgabe. Und als wir mittlerweile dreimal mit Kontoauszügen belegt hatten, dass wir die Forderungen vollständig beglichen hatten, lag plötzlich ein Schreiben mit der Ankündigung der Pfändung im Briefkasten. Wegen eben dieser Rechnung, die wir schon gezahlt hatten. Ich habe mich erneut ziemlich aufgeregt. Und nach weiteren unbefriedigend Mails und Telefonaten, sprach ich schließlich persönlich vor, um diese nervige Angelegenheit final vom Tisch zu räumen. Wir haben dann sogar eine Schufaauskunft angefordert, um sicher zu gehen, dass uns dieses Debakel nicht unverschuldet noch einen Schufaeintrag gebracht hätte. Reicht dann jetzt auch, dachte ich und ließ mir vor den Herbstferien die Galle entfernen.
Als ich soweit wieder fit war, überlegte ich endlich wieder in K4s Zimmer zum Schlafen zu ziehen. Der Bitumengeruch war endlich komplett rausgelüftet. Doch da hatte ich die Rechnung ohne die Handwerker auf unserer Dachterasse gemacht. Diese verlegten die letzte Schicht des neuen Bodenbelages und dann kam wieder ein Regenguss. Und weil es im Sommer schon so schön war, tropfte es nun ein weiteres mal aus der Decke in der Küche. Diesmal noch schlimmer als im Sommer. Ich hatte keine Energie mehr mich aufzuregen. Als ich am nächsten Morgen in K4s Zimmer zur Terrassentür ging, um zu lüften, stand ich auf einem patschnassen Teppichboden. Kissen, Kuscheltiere und Co, alles was auf dem Boden gelegen hatte, war auch triefnass. Ich fuhr zur Schule und hatte einen von mir organisierten Vorlesetag vor mir. Einige Fragen kamen noch auf, bevor es los ging und ich brach in Tränen aus. Over and out. Der Mann hatte sodann dafür gesorgt, dass die Handwerker noch am selben Tag antanzten, um diese Undichtigkeit sofort zu beheben, was fürs Erstes als gelungen betrachtet werden kann. Aber fertig ist da halt immer noch nichts. Mittlerweile friert es und man muss wieder bis zum Frühling warten. Und wir mussten K4s Zimmer umräumen. Zunächst musste der Kleiderschrank ausgeräumt und verschoben werden, damit es darunter und dahinter trocknen konnte. Ein paar Wochen stand alles kreuz und quer.
Ab Dezember wurde es dann insgesamt etwas ruhiger. Aber auch da nicht ohne nervige kleine Probleme. Mein Lastenfahrrad hat nach 11 Jahren zum ersten Mal nen Platten. Und davon direkt zwei. Meine Visakarte verschwand, so dass ich sie sperren und eine neue bestellen musste und ich zog mir eine Verbrennung am Finger zu.
Danke, reicht, 2025!
Warum ich am Ende dann doch meinen Frieden mit 2025 machte lag an den guten Dingen, die leise zwischen all dem Gepolter passierten.
Wir haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten nochmal politischer engagiert, als in den Vorjahren. K4s Kiefergelenkbruch ist verheilt und sie konnte sich im Frühling nach einem Jahr von der Zahnspange verabschieden. Die Rückstellung ihrer Einschulung wurde genehmigt. Und K3 hat an unserer Wunschschule den Schulplatz bekommen. Wir hatten ein lustiges Karneval mit Freunden und in der Nachbarschaft. Unerwartet gab es eine Lösung für unseren finanziellen Engpass und wir schafften es unsere Kaffeemaschine und unsere Spülmaschine selbst zu reparieren. Wir hatten ein sehr schönes Sommerwochenende mit Freunden im Waldjugendheim und haben eine Glühwürmchenwanderung gemacht. Den Großteil des Geldes unserer angezahlten, aber ausgefallenen Campingreise bekamen wir zurück. Die großen Kinder haben alle eine Sportart gefunden, die sie glücklich macht. K2 ist nun sogar Teil einer sehr erfolgreichen DanceCrew und tritt nun regelmäßig auf. Alle aufkommenden Probleme konnten wir komplett oder zumindest in Teilen lösen. Nach meiner Gallen-OP kann ich wieder alles essen und habe keine Beschwerden mehr. Der Mann fand eine neue passende Arbeit, die sich mit unserem Großfamilienalltag gut vereinbaren lässt und unsere finanzielle Situation stabilisiert. In dem Zusammenhang bekamen wir einen Firmenwagen zur privaten Nutzung und können unseren nun umfassend reparierten Bus verkaufen und davon die noch in Teilen offenen Reparaturkosten begleichen.Wir sind gesund und haben ein Dach über dem Kopf. Das Wasserproblem in unseren Wänden ist lästig, aber zum Glück nach fachmännischer Prüfung nicht so dramatisch, wie befürchtet. Wir müssen nach aktuellem Stand keine Sorge vor schlimmen Folgeschäden haben. Ich habe Lust im Haus nach und nach Dinge zu renovieren und zu verschönern und habe damit in K4s Zimmer angefangen und zum ersten Mal in meinem Leben erfolgreich eine Tapete an eine Wand geklebt. Wir haben in diesem Jahr auf unterschiedliche Weise Hilfe von Freunden, Bekannten und Familie erhalten. Wir fühlen uns nicht allein. Ich hatte in diesem Jahr immer wieder sehr schöne Momente mit lieben Menschen, die ich sehr genossen habe. Und bei all der Anstrengung, die meine Arbeit in der Schule mit sich bringt, ich hatte in diesem Jahr immer wieder Momente großer Dankbarkeit, dass ich an dieser Schule sein darf. Ich fühle mich dort sehr wohl.
Nachdem wir schließlich die Weihnachtstage und alle Tage rund herum bewusst sehr entschleunigt verlebten und ganz stark nach den Bedürfnissen aller Familienmitgliedern verbracht haben, kehrt eine wohltuende Entspannung ein. Vor allem habe ich sehr gezielt auf meine Bedürfnisse geachtet. Das war wichtig.
Und so sage ich am Ende auch Danke 2025 im positiven Sinn. 2025 hat uns auf mühsame Art und Weise auch viele Impulse und Anschubser in neue Richtungen gegeben. Es fühlt sich ein bisschen an, wie eine sehr mühsam vollzogene Metamorphose.

Eine Antwort auf „“
Oh wow, und ich dachte, unser Jahr war hart… da haben wir ja im Gegensatz zu euch quasi im Paradies gelebt.
OPs und eine tote Katze gab es bei uns zwar auch, aber immerhin keine (wiederholten) Wasserschäden.
Ich drücke die Daumen, dass 2026 besser wird!