Ein voller Tag. Ich hatte alles durchgetaktet. Es war eisig kalt und ich würde viel Fahrrad hin und her fahren müssen. Ich zog mich warm an. Denn Frieren hasse ich. Und deshalb hasse ich den Winter, wenngleich er landschaftlich oft seinen Reiz hat.
Ich betrat das graue, nasskalte Draußen, stellte fest, dass mein „Körbchenfahrrad“, das ganz normale mit zwei Rädern, welches ich immer öfter statt meinem mittlerweile doch sehr ramponierten Lastenfahrrad nutze, einen etwas schlappen Hinterreifen hatte. Ich kramte die Standluftpumpe aus dem Lastenfahrrad, nicht ohne Umstand, denn das Regenverdeck hat an der Seite mittlerweile ein Loch und ein Klebstreifen zum Fixieren des Seitenverdecks ist abgerissen, so dass sich die Luftpumpe, am nun immer im Weg flatternden Seitenverdeck verheddert. „Wenn ich später wieder zu Hause bin, schneide ich die Fetzen einfach ab!“ fauchte ich genervt und nicht zum ersten Mal in den letzten Wochen.
Ich steckte die Pumpe auf das Ventil meines Körbchenrades, begann zu pumpen, war aber genervt vom Rucksack auf meinem Rücken und dem Schal, der vor meinem Sichtfeld baumelte. Ich stellte den Rucksack ärgerlich knurrend ab, stopfte den Schal in die Jacke und pumpte weiter. Da fiel das Rad um. In Zeitlupe.
Ich versuchte ganz ruhig zum bleiben, atmete und verharrte erstmal kurz. Ich wollte das Rad wieder aufrichten, mein Schal hatte sich jedoch wieder freigekämpft und hing wieder im Sichtfeld. Meine Mütze rutschte mir auch halb über die Augen und mir wurde heiß! Ich zog mir erst die Mütze vom Kopf und schließlich schleuderte ich auch noch den Schal von mir weg. Dann richtet ich mein Körbchenrad auf und sah, dass sich beim Sturz das Ventil verbogen hatte. Mir wurde schlagartig noch heißer. Was bedeutete das nun für den Tag, wenn das Ventil kaputt wäre? Ich müsste mit dem Lastenrad fahren, aber das Akku war nicht geladen. Ich stampfte unwirsch mit den Füßen auf und äußerte unflätigen Unmut. Alles geriete durcheinander. Erst nochmal tief atmen und schauen, ob das Ventil dennoch funktionierte und zur Sicherheit das Akku vom Lastenrad an den Strom hängen.
Ich warf nun auch fluchend meine Jacke ab, weil die Hitze in mir drin unerträglich wurde und pumpte nochmal. Dabei schimpfte ich weiter auf den Winter und die vielen Klamotten, die man dann anziehen muss. Das Ventil schien die Luft zu halten. Das war gut. Als ich die Pumpe zurück ins Lastenrad legen wollte, verhedderte sie sich wieder im Seitenverdeck und laut zeternd riss ich so daran, dass die Seitenklappe halb ab riss. Es sieht jetzt noch schlimmer aus. Am liebsten hätte ich mich nun schreiend auf den Boden geworfen. Aber ich musste los. Ich zog Jacke, Schal, Mütze und Rucksack wieder an und fuhr schwitzend Richtung Termin 1. Nicht ohne weiter zu knurren und zu fauchen.

Eine Antwort auf „Impulskontrollschwäche“
Ich kann das sooo gut nachfühlen ♥️