Startschuss war für mich der Karnevalsprojekttag in der Schule an einem Samstagmorgen knapp zwei Wochen vor Weiberfastnacht. Da ich es nicht sonderlich erbaulich fand Samstag morgens um 7:35 in der Schule aufzulaufen, entschied ich mich im Schlafanzug mit Bademantel, ungeschminkt und mit Messibun hin zu schlurfen. Ankleiden und Haus verlassen ging nie schneller. Ich fühlte mich ein bisschen wie früher als Kind nach dem Baden. Und als ich los fuhr, schreckte ich kurz auf, weil ich „vergessen hatte“ eine Knirschschiene anzuziehen. Unter dem Arm trug ich noch meinen Stoffaffen aus meinen Kindertagen. Er trägt eine, mit einer aus Omas Nadeln gestrickte, Latzhose mit dem aufgestickten Namen „Volker“. Affe und Beinkleid gehören ursprünglich nicht zusammen, passen aber erstaunlich gut zueinander und die ganze Geschichte dahinter würde den Rahmen sprengen. Es sei aber so viel gesagt: Das Kostüm hatte schnell einen für Erwachsene lustigen Namen. „Sonntag mit Volker“ Leider habe ich kein Foto, aber noch eine Anekdote dazu. Einige Kinder meiner Projektgruppe fragten: „Als was bist du denn verkleidet?“ „Naja, als ICH im Schlafanzug natürlich!“ „Mmmmmh“, sagte dann ein Kind: „Alten Leuten ist auch nichts peinlich!“ 😀
K4 und ich besuchten am Tag darauf eine Kindersitzung, welche wir mit einigen lieben Menschen aus der KiTa besuchten. Für mich war es sehr schön zu sehen, wie K4 sich mittlerweile frei bewegt und mich nicht mehr an der Hand hinter sich her zerrt. Sie stand diesmal sogar mit ihrer besten Freundin bei jeder Gelegenheit auf der Bühne und hat fröhlich alle Spiele mitgespielt. Ich konnte entspannt hinten in der Mehrzweckhalle sitzen und vor mich hin schunkeln und plaudern. Mein Kostüm war Prinzessin Susi, (die aus dem Lied vom Bummelkasten) jedoch noch nicht in Vollendung.
Keine zwei Wochen später startete dann schon der Straßenkarneval. Weiberfastnacht gab es obligatorisch jeckes Programm in den Bildungseinrichtungen des Rheinlandes. Ich hatte mir ein Kostüm überlegt, an dessen Frisur ich ein bisschen basteln musste, somit klingelte der Wecker um 5.30. Ich verwandelte mich von einem Zombie in „Galadriel auf Zeitreise in die 80er“ und fand sogar in Ruhe Zeit K4 für die KiTa zu präparieren. Die großen Kinder schaffen das zum Glück mittlerweile alleine.
In der Schule ist man dann schon immer auch ein bisschen Zeremonienmeisterin und Animateurin und versucht allen Kindern einen lustigen Vormittag zu bescheren. Das Wetter war grantig. Kalt und nass und die Hofpause musste sehr kurz ausfallen. Definitiv kein gutes Straßenkarnevalswetter. Die Sitzung in der Schule war bis auf kleine technische Maleurchen gelungen und nach Schulschluss verbrachte das Kollegium noch ein lustiges Weilchen im Teamzimmer zusammen. Spontan hätte sich für mich noch die Gelegenheit ergeben mit in eine Kneipe zu gehen. Es war eine Karte übrig. Für viele Kneipen muss man seit einigen Jahren Eintrittskarten kaufen, damit man Einlass findet. Ich finde das nach wie vor befremdlich und mir ist das, um ehrlich zu sein, auch zu teuer. Gar nicht unglücklich, war ich nach 6 Stunden Karneval in der Schule sehr zufrieden zu Hause, habe Karnevalslieder gehört und mich in den Jogginganzug gepackt. Ich war ohnehin so unfassbar müde. Ich hätte in der Kneipe nicht lange ausgehalten.
Karnevalsfreitag hatte ich lose Pläne. Morgens war ich auf Grund des Wetters zunächst nicht motiviert, aber meine liebe Freundin M war zu allen Schandtaten bereit, also raffte ich mich auf, um sie um 25 Uhr zu treffen. (25 Uhr wurde zum Running Gag an dem Abend, denn ich hatte mich vertippt und bekam darüber einen Lachanfall. M war zum Glück auch mit 25 Uhr einverstanden. ) Wir hatten zwei Ziele, die eigentlich prädestiniert waren, um mit der Bahn anzureisen. Aber Bus, Bahn und Taxi an Karneval sind eine heikle Angelegenheit. Da der Regen nachmittags nachgelassen hatte, trauten wir uns mit den Rädern los zu fahren. Wir umfuhren aber die, erfahrungsgemäß, mit Scherben und Besoffenen gespickte Innenstadt. Im Belgischen Viertel kehrten wir zunächst auf eine Party in einer Wohnung ein. Als Warm-Up quasi und am frühen Abend ging es weiter nach Ehrenfeld. Wir schoben unsere Räder, denn der Weg war erfrischend und schön. Überall standen die Jecken Schlange vor den Kneipen und Büdchen. Überall hallte Karnevalsmusik durch die Straßen. Ausgelassene Fröhlichkeit und Gesang. Die frische Luft tat gut und wir genossen die Stimmung, die an den Karnevalstagen immer durch die Stadt wabert. Vorbei am Colonius. In Ehrenfeld kamen wir wieder an diversen Kneipen vorbei und an einer riesen langen Warteschlange für ein größeres Event. Kaum an der fiebrigen Stimmung vorbei, bogen wir in eine stille Seitengasse ein und erreichten unser nächstes Ziel. Eine Party in einem Innenhof. Von außen nicht hör- und erkennbar. Kaum betraten wir den verwunschenen Innenhof, gingen wir auf eine alte Werkstatt mit verglaster Front zu. Darin war ein schön geschmückter großer Raum mit vielen alten Sammlerstücken bestückt. Man erkannte auch das Spezialinteresse des Hausherren. Auf jeden Fall ein sehr besonderer Ort, der bisher nur von einem Ganzjahresweihnachtszimmer in einem kleinen Speicher am Eigelstein getoppt wird. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls eines dieser Wunder, die man in Städten hinter den großen Toren zu den Innenhöfen finden kann. Das Gastgeberpaar war bekannt mit einem Kollegen einer Freundin meiner Freundin. Um es mit einer einschlägig bekannten Liedzeile von Queerbeat zu sagen ich kenn ene, der ene kennt, der sät, da jejt noch jet. Es war eine sehr angenehme Gesellschaft mit richtig guter Karnevalsmusik und ausgefallenen Kostümen. Wenn Krokodil und Champagnerflasche Ringelrein tanzen mit Räuber Hotzenplotz und einer Stehlampe aus den 70ern…Wir hatten einen richtig tollen Abend und haben gesungen und geschunkelt. Auch boten M und ich eine „ausgefeilte Choreografie“ auf einem alten gut gefederten Sofa dar. Da konnte man „Sitzhüpfen“ im Takt der Musik. Der Abend wurde noch gekrönt von einer spontan eingelassenen kleinen Karnevalskapelle. Wer diese auf der Straße aufgelesen hatte, weiß ich nicht. Lustig war außerdem noch, dass eine Frau neben mir verwundert sagte: „Hä? Das sind unsere Nachbarn aus Zollstock (ein Stadtteil von Köln quasi am anderen Ende der Stadt)“. Wir sangen dann alle im Chor noch diverse Karnevalslieder zum Spiel der Kapelle. Die Abmachung, dass wir spätestens um 25 Uhr wieder zu Hause sein wollten, ließ uns aufbrechen. Unsere 30 minütige Radtour führte uns ein bisschen Slalom um Angetrunkene und größere Mengen Glasscherben parallel zu einer Straßenbahnlinie. Wir sahen weder eine Straßenbahn an uns vorbei ziehen, noch ein Taxi. Das Fahrrad war definitiv die beste Wahl gewesen. Dem Wetter und dem Rad geschuldet hatte ich mich für ein Kostüm entschieden, dass funktional für die Unternehmung war. Ich war Piratin und nannte das Kostüm: „Jacky Arrow“. Checkt ihr?
Karnevalssamstag fuhr ich mit 3 von 4 Kindern zu meinen Eltern, um dort meine Schwester und deren Kinder zu sehen und dem Zug beizuwohnen. Es war wieder furchtbar kalt und ich wollte mich nicht aufwendig verkleiden. Also zog ich nochmal mein Schlafanzug/Bademantel Kostüm an, aber mit Bommelmütze und Ohrenschützern. Mit den Ohrenschützern musste ich an Kopfhörer denken und tat so, als sei ich ein DJ am Mischpult und nannte das Kostüm dann „DIE Jane“. (Ich habe Spaß an doppelten Bedeutungen.) Ich habe auch Spaß daran im Auto zu Lieblingskarnevalslliedern zu eskalieren und Teenager ein bisschen „zu ärgern“. Ich machte mit meiner Schwester noch ne kleine Choreo mit lautem Gesang im Wohnzimmer und konnte es mir nicht verkneifen noch ein bisschen „Breakdance“ auf dem Wohnzimmerboden zu machen. Ich hatte jedenfalls Spaß und war dann auch ordentlich heiser.
Karnevallssonntag hatten wir unfassbares Glück mit dem Wetter. Der Zoch unseres Ortsteils ging an unserem Haus vorbei und dazu laden wir immer Freunde ein. Manchmal sind es richtig viele. Diesmal waren es „nur“ 18 Leute. Plus ein paar Teens, die mal da waren und mal nicht. In den letzten Jahren hat es sich dann etabliert, dass es eine Art „Outdoorkneipe“ in der Nachbarschaft gibt, die vor allem auch davon lebt, dass wir quasi auf der Straße stehen und alle Passanten anquatschen und mit denen auch noch ein Bierchen am Feuer trinken. Das sind meist richtig witzige Abende. Dieses Jahr verschneite es uns aber das Event mit unerfreulich nassem Schnee. Kurzerhand trugen wir alle notwenigen Zutaten zu uns rüber ins Haus und informierten noch fehlende Gäste, damit sie wüssten, wo sie klingeln müssten. Bis zum nächsten Anstrich ist dann auch unser Hauseingang mit Haselnusschnapps getauft. Der war mir im Überschwang ein bisschen übergeschwappt und ziert jetzt die Wand.

Nach diesem langen bunten Tag brauchten wir alle ein bisschen Ruhe. Das erste Mal seit ich denken kann, lief nicht der Rosenmontagszug bei uns im Fernsehen. Stattdessen kramte und faulenzte jeder vor sich hin. Ich hab’s genossen.
Karnevalsdienstag begann nochmal zeitig. Ein Kind hatte ein Bracket von der Zahnspange verloren und musste früh zum Kieferorthopäden zur Reparatur. Für ein anderen Kind hatte ich einen Kinderarzttermin, den der Mann dann übernehmen sollte. Noch bevor ich mit K4 in voller Löwenmontur das Haus zum Kinderzug verlassen konnte, standen Mann und Kind wieder in der Tür. Der Termin ist erst morgen. Da hatte ich wohl irgendwie was durcheinander gebracht. 😬
K4 und ich zogen dann zum letzten Mal mit der KiTa durch unseren Ortsteil. Schade, dass dieser historische Moment von fiesestem Wetter begleitet wurde, denn wir blicken dank der 4 Kinder auf 10 Jahre (immer die selbe) KiTa zurück. Das nun alles im Rahmen der KiTa zum letzten Mal stattfindet ist erleichternd, schön und traurig zugleich. 
Bevor uns nun der Aschermittwoch heimsucht und der 19jährige Jahrestag vom Mann und mir zu Ende geht: Ein letztes Kölle Alaaf! (bis zum 11.11.)


