Ein Spaziergang ist ein Spaziergang

….ist ein Spaziergang

Wir waren neulich spazieren. Mit Hund und 4 Kindern, kurz mal 3 Erwachsenen und 5 Fahrzeugen. Ein Kinderwagen für den Fall, dass die Jüngste doch nicht die ganze Runde mit dem Laufrad …schiebt, einem Roller und 2 Fahrrädern. Es war sehr kalt und windig.
Wir liefen los und keine 15 Meter vom Haus entfernt, sprang die Fahrradkette vom Sirenchen ab. Der Mann fummelte sie wieder ran, hatte dann aber ziemlich ölige Finger und drehte wieder um.
Wir gingen weiter. Das Knöpfchen fiel dann aber keine Minute später mit dem Laufrad um, weil sie immer den Bordstein hoch und runter schob, und heulte. Die „großen“ Jungs waren schon zur nächsten Straßenkreuzung gefahren. Besorgten Lesern sei gesagt, wir waren sehr dörflich unterwegs. Sehr dörflich. Verkehrstechnisch also kein großes Risiko.
Kaum um die erste Ecke gebogen, fiel das Sirenchen mit ihrem Fahrrad um und heulte auch und wollte nicht weiter fahren. Sie hatte aber im Vorfeld dringend auf die Mitnahme des Fahrrädchens gedrängt. Also wurde sie überzeugt weiter zu fahren. Das Knöpfchen plumpste dann wieder hin, was bei der Kälte an den Händen auf dem rauen Asphalt auch echt unangenehm gewesen sein wird. Sie wollte daraufhin nicht weiter schieben und heulte wieder. Also packte ich sie in den mitgeführten Kinderwagen und wickelte sie in eine Wolldecke ein. Das Laufrädchen stopfte ich in das Einkaufsnetz unten im Kinderwagen.
Dann ging es frohen Mutes weiter, wir bogen um die nächste Ecke. Der Sohn stürzte mit dem Roller und heulte. Dann stürzte das Sirenchen nochmal und heulte auch. Es ging nach kurzen Trösten weiter. Die Kinder radelten und rollerten voraus bis zur nächsten Straßenecke. Die Mamas riefen noch: „Sirenchen bremmmmsennnn!!“ Das Sirenchen bremste, allerdings mit den Füßen, wie früher beim Laufrad, und schlingerte bis auf die „T-Kreuzung“ und fiel um. Und blieb liegen. Wir hatten keine Eile, weil kein Verkehr und offenbar auch keine Verletzten. Als wir an die Unfallstelle gelangten, stand da aber sehr wohl ein bemanntes Auto, welches aus der Ferne, wie ein parkendes Auto ausgesehen hatte. puuuuh…..Dorf und so.
Wir räumten die Straße frei und belehrten nochmals über Verkehrsregeln, Mütterbefehle und das richtige Bremsverhalten. Es konnte wieder weiter gehen.
Wir machten einen Schlenker über den Friedhof als Abkürzung. Dort musste das Sirenchen mal. Ich entfernte mich mit ihr in ein Gebüsch….tut mir leid, lieber Friedhof…es wäre nur Kinderpipi gewesen. (Der Hund ging übrigens akkurat beifuß und machte keine Pipi!!) Das Kind allerdings dann auch nicht. Es war anscheinend zu kalt. Wäre es mir auch gewesen. Das Knöpfchen schrie dafür aber im Kinderwagen, weil die „Mamooo“ weg gegangen war. Die Jungens hatten derweil die Wasserstation zum Gießwasser zapfen entdeckt und machten sich dort zu schaffen. Wir unterbanden das. Das Sirenchen war nun verstimmt, weil sie ihr Rad noch holen musste und wir schon 8 Meter weiter gegangen waren. Sie wollte dann nicht mehr Rad fahren. Wir „diskutierten“ kurz und knapp, dass sie fahren müsse, sonst bliebe das Rad halt stehen. Es ging weiter. Ein Schlenker an meiner alten Schule vorbei. Da durften die Kinder einen kleinen Schleichweg über den Schulhof fahren und wir Mütter gingen auf der Straße weiter. Am Treffpunkt boxte der Sohn das Sirenchen, weil er meinte, voraus rollern zu müssen. Das Sirenchen schmiss die Sirene an. Ich forderte den Sohn auf, sich zu entschuldigen. Er trotzte. Ich entwendete ihm den Roller und meinte, er müsse dann einfach mal ein paar Schritte zu Fuß gehen. Das Sirenchen und der Sohn heulten im Chor. Ich befahl dem Sirenchen: „Stell die Sirene ab!“ Funktionierte zum Glück. Als der Sohn sich dann auch wieder beruhigt hatte, bekam er den Roller zurück. Es ging 2 weitere Minuten friedlich und forsch voran. Sodann ereignete sich ein Auffahrunfall der Extraklasse. Das Sirenchen und ihr Cousin rauschten in Zeitlupe ineinander. Ein Knäuel Fahrräder, verloren Schuhe und zwei Kinder übereinander unter den Fahrrädern begraben, lagen danieder. Der Cousin wartete irritiert ab, das Sirenchen warf erneut die Sirene an.
Ich entwirrte erstmal das Knäuel. Erst das Rad vom Sirenchen, dann das Sirenchen, dann das andere Rad, dann den Cousin. Alle unverletzt. Die Schuhe wieder angeschnallt….der Cousin fuhr nach kurzem Schniefen wieder weiter. Das Sirenchen wollte nicht mehr. Zwei nette, unbekannte Spaziergänger boten an, das Rad stattdessen mitzunehmen. Da saß das Sirenchen aber lieber wieder auf und fuhr…zum Glück…auch weiter.
Das Knöpfchen war im Kinderwagen netterweise eingeschlafen, die Jungs fuhren ohne Murren weiter und das Sirenchen musste das letzte Stück Weg abwechselnd mit Kommandos, Anschieben und gutem Zureden zum Weiterfahren bewegt werden. Nicht ohne dabei ständig wieder zu heulen. Nä, wat schön!

Mit Kindern ist ein Spaziergang ein Spaziergang.

  2Comments

  1. Anita   •  

    Herrlich, so ein Spaziergang macht doch echt Spaß…sitze auf der Couch und hab Kopfkino, vor allem,weil ich den Cousin kenne… ???? ????

    LG und mehr solcher tollen Geschichten

    • Beatrice   •  

      Danke!
      Nun, der Cousin ist ja kein Phantom. Den kann man durchaus auch kennen. 😀
      Die Geschichten gehen mir jedenfalls so schnell nicht aus.

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