Mama Error – Mama hatte nen Trotzanfall

Ich hatte einen „Trotzanfall“. Der fühlte sich ziemlich genauso an, wie er sich als Kind auch angefühlt hat. Komplett irrational und voller widersprüchlicher Gefühle. Ich habe geheult und geschrien!

Was war der Auslöser?

Am Vortag hatten mich die Kinder morgens gebeten, sie wollten mit ihren eigenen Fahrrädern zum Kindergarten radeln. Damit war ich grundsätzlich einverstanden, aber die Herrschaften hatten beim Anziehen und Frühstücken so getrödelt, dass an diesem Morgen keine Zeit war. Wir sind dann schneller mit dem Lastenrad. Ich versprach aber, sie könnten am nächsten Tag mit dem Fahrrad fahren.

Der nächste Morgen kam.
Ich hatte einen knurrigen, schlappen und latent melancholischen Tag. (Hat man ja schon mal in gewissen Abständen, so als Frau 😑.) Und schon recht früh hatte ich an diesem Tag einen Termin zu einer Impfauffrischung für mich. (Ausnahmsweise mal nicht für ein Kind 😀)
Die Kinder fragten sofort nach dem Erwachen, ob sie mit ihren Rädern fahren könnten.
Ich merkte an, dass das gut ginge, wenn sie sich sofort und ohne Theater ankleiden würden und auch ohne Getrödel frühstückten. Das klappte prima.
Das Knöpfchen hielt allein etwas den Verkehr auf und moserte am Frühstück rum. Als ich jedoch einen Blick aus dem Fenster warf, sah ich dass unser Gartentor ausgerechnet heute zugeparkt war. Und die Kinderräder standen im Fahrradschuppen im Garten. Ich müsste also die Räder umständlich durchs Haus tragen. Da es aber im Garten auch ziemlich nass und matschig und der Fußboden im Haus noch jungfräulich gewischt war, hatte ich da wenig Lust zu. Ich hätte nämlich Schuhe anziehen müssen um die Räder aus dem Schuppen zuholen. Ich hätte die Schuhe wieder ausziehen, die Räder durch das Haus vor das Haus tragen und die Schuhe wieder anziehen müssen. Ermattet ratterte dieser Gedanke durch meinen Kopf.
Ein Blick auf die Uhr sagte mir, ewig rumtrödeln ginge nicht. Brötchen und Brot musste ich auch noch holen (die Reste hatte ich den Kindern verfüttert), damit ich auch noch etwas frühstücken könnte. Das Knöpfchen machte Anstalten ähnlich maulig wie die Mama zu sein, da beschloss ich zu sagen: „Hört mal Kinder, das ist ein bisschen verhext. Ein paar Dinge sind ungünstig. Ich mache folgenden Vorschlag: Heute Morgen bringe ich euch nochmal mit dem Lastenrad und heute Nachmittag bringe ich eure Fahrräder mit zum Kindergarten. Zu Hause krame ich die Räder dann anders und das blöde Auto steht morgen auch nicht vor dem Gartentor. Dann haben wir am nächsten Tag nicht so ein Theater.“
Leider kam der Vorschlag nicht gut an und wurde mit Heulen quittiert. Ich wiederholte meinen Vorschlag mit der Ergänzung, dass ich nun mal auch pünktlich beim Arzt sein müsse und dass ab dem nächsten Tag jeden Morgen alle mit ihren Rädern fahren könnten.
Es wurde weiter geheult. Anstatt einfach doch die Räder zu holen, ging ich nochmal das Prozedere im Kopf durch und es fiel mir auch noch ein, dass ich garnicht genau wusste wo die Fahrradschlösser für die Kinderräder waren.
Kennt das jemand? Wenn morgens was anders läuft als sonst, gerät man aus dem Konzept.
Ich sah dann vor meinem inneren Auge die Großen voran radeln und das Knöpfchen trödeln mit ihrem Laufrad, so dass wir auf jeden Fall in Zeitnot geraten würden. Die andere Option wäre das Knöpfchen ins Lastend zu stopfen. Aber das würde sie gewiss mit Schreien und Randalieren quittieren. Weil, wenn die Großen Rad fahren, möchte sie das natürlich auch. Ich hatte keine Lust das auszuprobieren und gleichzeitig taten mir die Kinder leid, weil sie hatten sich doch so gefreut und extra beeilt. Dem Sohn sagte ich, er könne ja seine Schuhe anziehen, die Räder aus dem Schuppen holen, die Schuhe wieder ausziehen, die Räder durch Haus tragen und seine Schuhe wieder anziehn. Ich könne in der Zeit vorne das Lastenrad startklar machen und das Knöpfchen anziehen. Ich dachte, das macht der nie. Doch dann tat er das doch. Und am schlimmsten ist, er bekam die Schuppentür nicht auf! Super gemein. Er kam heulend wieder angerannt. Da machte sich das Sirenchen daran ins Lastenfahrad zu klettern. Juhuu! Aber: der Sohn heulte und maulte und nölte, das Knöpfchen weigerte sich ihre Schuhe anzuziehen, das Sirenchen krakelte dann schließlich wann es los ginge.
Da brannte mir die morgendliche Sicherung durch. Ich schrie rum und stampfte mit den Füßen auf. Ich war gefangen in dem Gefühl ICH-MÖCHTE-ES-EUCH-GERNE-RECHT-MACHEN -ABER -ES -SIND -UNERWARTETE -WIDRIGKEITEN-DAZWISCHEN-GEKOMMEN – NICHTS -FUNKTIONIERT -ICH-FÜHLE-MICH-AUßERDEM -AUCH-SO MATT- ES-WÄRE-EINFACHER -ES -NOCH -EINMAL -WIE -IMMER -ZU -MACHEN -ICH -HABE -EUCH-SCHRECKLICH-LIEB-ICH-VERSTEHE-EUREN-UNMUT-ICH-FINDE-ES-AUCH-GEMEIN-WIESO-KOMMT-EIGENTLICH-SOWAS-IMMER-ZU-UNGÜNSTIGEN-ZEITEN-ALLES-ZUSAMMEN-KINDER -ES -TUT -MIR -LEID -GUCKT -MAL -AUF -DIE -UHR -WUÄÄÄÄÄÄÄÄÄHÄHÄHÄHÄÄÄÄÄ😭

Damit war keinem Geholfen. Ich hätte alles hinbekommen, wenn ich mir nicht selbst so im Weg gestanden hätte. Aber ich war nicht rational. Ging nicht. Sorry, Kinder! Der Sohn stieg dann doch ins Lastenrad. Das Knöpfchen setzte ich ohne Schuhe rein. UND ICH WEINTE VOR MICH HIN. Ehrlich! Am liebsten hätte ich sogar lauthals geschluchzt. Mann, so einen Ausbruch hatte ich lange nicht. Die kühle Luft und der Wind trockneten die meisten Tränen. Die restlichen sahen so aus, als tränten meine Augen vom Fahrtwind. Kurz vorm Kindergarten hielt ich nochmal an und entschuldigte mich bei den Kindern und sagte, dass ich auf jeden Fall die Fahrräder später mitbringen würde und so weiter und sofort. Die Kinder hatten es aber scheinbar schon längst vergessen (Kinder können sowas ja erstaunlich schnell) und wir knuddelten uns alle 4. Da heulte ich schon wieder, weil ich so gerührt war. Am Kindergarten kamen wir dann doch recht früh an. Somit konnten wir uns dort entspannt verabschieden und alle gingen fröhlich in den restlichen Tag.
Ich schaffte es noch zum Bäcker, ich schaffte sogar ein kleines Frühstück und pünktlich zum Arzt.

Was ein überflüssiges Theater.

  3Comments

  1. Nätty   •  

    Man, das kann ich sehr gut verstehen. Besonders wenn man eh grad etwas lädiert ist. Aber ehrlich, du schaffst es aus jeder Situation einen locker, flockigen Bericht zu zaubern, in dem alles irgendwie doch ganz leicht wirkt. Das ist echt toll!

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Danke schön! Ja es liegt mir mehr eine Sache lustig zu betrachten. Ich habe so manches mal Kopfkino, wie bestimmten Situationen als Film oder Comic aussähen. Das ist leider zu zeitaufwendig das alles zu zeichnen. Da muss der Text reichen.
      😀 Frei nach dem Motto: Wenn´s zum Weinen nicht reicht, dann lach doch. 😀

  2. Sabrina Boos   •  

    Oh ja, dieses Gefühl kann ich gut nachvollziehen… An solchen Tagen könnte ich alles und jeden verfluchen 😉
    Schön geschrieben!

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