Ausflugsziel Drachenfels. Eine Kritik.

Da qualmt der Drache.

Wir machten jüngst einen Familienausflug zum Drachenfels in Königswinter. Man kann getrost behaupten, dass jedes Kind im Rheinland schon mal auf dem Drachenfels gewesen ist oder die Eltern früher oder später einen Ausflug dorthin versuchen.
Es gibt eine Burgruine und ein Schloss, eine Drachenhöhle und die Sage vom Drachen und Siegfried. Letzteres in Bildtafeln in der Nibelungenhalle zu bewundern. Ferner gibt es eine Zahnradbahn und einen wirklich tollen Aussichtspunkt mit Blick über das Rheintal. Dort kann man auch einkehren und speisen. Auf den Drachenfels kann man neben der Zahnradbahn auch zu Fuß gelangen, oder mit einem Esel hinauf reiten.
Alles in Allem ein Ausflugsziel für Groß und Klein. Denkt man.

Nicht jeder ist vollumfänglich informiert unterwegs. Wir jedenfalls hatten nicht schon im Vorfeld Website und Co ausgiebig studiert. Wir waren eher so spontan mal eben so hingefahren.

Abgesehen davon, dass ich unseren gemeinsamen Ausflug insgesamt als schön empfunden habe und wir tatsächlich auch ein paar sehr nette Begegnungen hatten, gibt es doch herbe Kritikpunkte am touristischen Management.

Fakt ist, die ganze Unternehmung kostet richtig Geld, wenn man nicht informiert ist, nicht zu Fuß zum Drachenfels aufsteigt (was mit kleinen Kindern durchaus eine stramme Aktion sein kann) und auch nur wenig bis keinen eigenen Proviant dabei hat. Dann nämlich sollte man wenigstens ein „volles Portmonee“ haben.
Die Zahnradbahnfahrt hoch sowie runter kostet für Erwachsene jeweils 10 Euro und für Kinder 5,50. ABER: Hat man einen Kinderwagen dabei, kostet das einen Euro extra!
Kommt man mit einem Rollstuhl gefahren, oder hat einen Rollator dabei, kostet das nix extra. Menschen mit behinderten Ausweis zahlen den Kinderpreis.
Ich will mal nicht kleinlich sein. Es ist für mich vollkommen ok, dass ein Rollstuhlfahrer begünstigt wird. Es ist alles schon umständlich genug. Allerdings frage ich mich, warum die Rentner, die wohlgemerkt in Scharen diesen Ausflugspunkt überfallen (mit Rollatoren) bevorzugt werden. Warum muss die Familie mit einem Kinderwagen einen Euro extra zahlen? Und die Rentner mit Rollator zahlen nichts extra. Das verstehe ich nicht. Denn ein Kleinkind oder ein Säugling hat zwar per se keine Behinderung in dem Sinne, aber kann auch nicht einfach diesen Berg erklimmen und braucht einen fahrbaren Untersatz.

Hinzu kommt, dass man als uninformierter Besucher an der Talstation auch nicht über Preise, Kombiticketmöglichkeiten und Co informiert wird. (Das mag natürlich auch an der Person liegen, die gerade Dienst an der Kasse hat. Die Dame, die uns bediente, informierte uns null.)

Sobald man dann mit einem Kinderwagen vor der Zahnradbahn steht, wird man sofort recht energisch angewiesen, den barrierefreien Eingang neben dem Drehkreuzeingang zu nutzen. Ein Mitarbeiter macht dann extra auf. Aber noch bevor man seinen Kinderwagen, oder andere ihr Gehhilfen und Rollstühle dadurch schieben können, drängen die Rentner vom Drehkreuzeingang (wohlbemerkt die OHNE Gehhilfe) einen zur Seite und quetschen sich zu viert nebeneinander durch den barrierefreien Eingang an dem Fuhrpark vorbei, um dann strauchelnd in der Zahnradbahn in der ersten Reihe Platz zu nehmen. 😀 Übrigens beschweren sich diese dann, wenn zwei kleine Kinder aufgeregt ihre Nasen an der Scheibe vorn in der Bahn plattdrücken.
Den Kinderwagen soll man in der Bahn auch schön am Rand parken. Das wird einem mehrfach sehr höflich mitgeteilt vom Personal. Ach, wie fühlt man sich willkommen.
Für Rollstuhlfahrer bringen die Bahnschaffner/Fahrer eine Rampe, um in den Wagon zu rollen. Ich habe beobachtet, dass jeder der 3 Haltepunkte am Berg eine solche Rampe bereit liegen hat in einer abschließbaren wetterfesten Kiste. (Rollstuhlfahrer sollen sich aber, laut Internetseite des Drachenfels) vor einem Drachenfelsbesuch vorher telefonisch anmelden. Warum? Liegt doch alles so oder so bereit. Wieso wird es Rollstuhlfahrern zusätzlich umständlich gemacht?)
Egal. In unserer Bahn saß eine Rollstuhlfahrerin. Eine nette Dame. Wir scherzten noch zusammen über den Aufwand, wenn man auf rollbare Fortbewegungsmittel angewiesen ist. An der Endstation wurde für sie wieder die Rampe angelegt. Der Herr Papa wollte die Gelegenheit nutzen und schob schnell den Kinderwagen hinterher. Denn somit wäre auch schneller mehr Platz für alle anderen Fahrgäste zum Auszusteigen gewesen. Er war mit dem Kinderwagen-Vorderrad schon auf der Rampe, da nahm der Bahnschaffner die Rampe weg. Der Herr Papa merkte an, dass man ja für die paar Sekunden die Rampe auch noch flott hätte liegen lassen können. Denn erstens ist die Zahnradbahn sehr hoch und man muss den Kinderwagen richtig rein und raus heben. Zweitens wäre es bequem gewesen ihn wenigstens einmal rausrollen zu können. Was aber sprach der Bahnschaffner O-Ton? „Leider nein!“ Und nahm die Rampe weg!
Ein paar umstehende Leute, die Rollstuhlfahrerin und wir rissen verdutzt die Augen auf und schüttelten etwas irritiert die Köpfe. Und jetzt muss ich nochmal daran erinnern, dass man für den Kinderwagen einen Euro extra bezahlt aber keinerlei Service, geschweige denn Freundlichkeit erfährt.

Erfreulich und schön war, dass einige Mitreisenden sehr hilfsbereit waren und mit anfassen wollten. Es waren in der Regel die, die selbst in irgendeiner Form einen fahrbaren Untersatz dabei hatten. Der Herr Papa half einige Gehhilfen hinaus zu heben.
Das war das eine.

Im Nachhinein fand ich bei Recherchen heraus, dass es möglich ist ein Kombiticket zum das-geht-ja-noch-Preis für 3 „Attraktionen“ zu kaufen. Wir aber mussten uns für den Besuch des Schlosses Drachenburg auch nochmal für 12 Euro (6 Euro pro Erwachsene, Kinder frei (immerhin)) kaufen. Das Schoss Drachenburg hat zudem (wie ich auch bei späteren Recherchen feststellte) eine ziemlich wilde Geschichte, die aber auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Da müsste man sich auch im Vorfeld informieren oder eine Führung buchen. Das finde ich dramatisch. Denn das Schloss wie es da steht, hat ohne die Hintergrundinformationen für mich keinen historischen Wert. Ein Gründerzeit-Profilierungsobjekt eines erfolgreichen Bankiers. Von ihm selbst nie bewohnt und bald durch viele Hände gereicht. Das Innenleben des Schlosses heute, ist eine Rekonstruktion des adligen Geschmackes im 19. Jahrhundert und zeigt nicht die wahre Vergangenheit.
Das Schloss war lange Internat und Schule für Nazis. Flüchtlinge haben auch einst darin gehaust und allerlei zerstört. Deutsche Flüchtlinge wohlgemerkt! Es erlebte sehr viele Umbauten im Laufe der letzten 150 Jahre. Ich finde es dramatisch, dass man genau diese Geschichte nicht plakativ macht.

Für Kinder ist dieses Gebäude auch nichts. Man darf nämlich garnichts anfassen. Nix. Nix. Nix. Ich war froh, dass wir das Treppengeländer nutzen durften.

Man bestaunt also (dann auch noch möglichst stumm, damit man die Führungen der schwerhörigen Senioren nicht stört) nichts weiter als den Reichtum und den rekonstruierten Geschmack von anno dazumal.

Was mir noch auffiel waren die vielen Wandgemälde, die teilweise grottenschlecht restauriert waren. Ich fragte mich ernsthaft welcher Restaurator dafür beauftragt worden war. Ganz ganz schlimm. Eine Information gab es dazu nicht. Meine Recherchen zu Hause ergaben, dass der letzte Schlossherr mit dem sensationellen Namen Paul Spinat (ehrlich, kein Witz) die Wandgemälde von jungen Künstlern hat wieder herstellen lassen. Das erklärt Einiges und entschuldigt die schlechte Qualität. Hätte man aber mal dran schreiben können.

Die Nibelungenhalle nebst Drachenhöhle hätte ohne das uns nicht vorgeschlagene Kombiticket nochmal extra gekostet. Da der Kanal der Kinder ohnehin voll war und ferner mein Magen leer, steuerten wir dann lieber direkt die Aussichtsplattform nebst Lokal an. Da kann man mal sagen, dort kann man eine kostenfreie wunderbare Aussicht über das Rheintal genießen. Wirklich toll!

Das ansässige Lokal ist ein moderner Kubus, der sich elegant an den Felsen schmiegt und auch einen Biergarten hat.
Das Lokal hat allerdings nur Pommesbudengerichte zu Preisen, die ich für die Qualität gerade so tolleriere. Für Kinder gibt es Chicken Nuggets mit Pommes Frites für 7,50 . Ketschup, als auch Majo kosten jeweils 0,50 cent extra.
Das Lokal saß überwiegend voller Rentner, die ungeduldig die Kellner herbei zitierten. Die wiederum kamen ob des ungehaltenen Ansturms kaum hinterher. Und jetzt werde ich gemein: Ich fragte mich ernsthaft, ob die älteren Herrschaften glaubten, ihr Ableben stünde unmittelbar bevor und der letzte Kaffe müsse noch schnell eingossen werden. Das würde auch die Eile, die Unhöflichkeiten und das Gedränge an der Zahnradbahnstation erklären. Dass die Kinder nicht umgeschubst wurden, war alles.

Ich würde sagen: Wirklich familienfreundlich ist es nicht rund um den Drachenfels. Aber schade, denn es könnte ein großer Spaß für Kinder UND Erwachsene jeden Alters sein. Auch für alle mit Gehhilfen und fahrbarem Untersatz!

Und hier mein Appell:

Liebes touristisches Management des Drachenfels: Optimiert doch mal eure Struktur für ALLE Besucher!

Und liebe Senioren: Freut euch doch über Kinder und buntes Treiben, anstatt schlecht gelaunt zu drängeln, zu nörgeln und unhöfliches Verhalten vorzumachen. Ihr wollt doch immer, dass Kinder wohl erzogen sind. Dann lebt es doch bitte vor!

 

  1 Comment

  1. Avatar Gerd matschiegefsky   •  

    Liebe Frau Beatrice, diesen text sollten sehr viele Menschen lesen um sich mal gedanken über die servicewüste deutschland zu machen
    Drachenfels hin oder her ,ich im rolli sitzend werde den drachen nicht besuchen. Mein grund ist programm.
    Danke ihnen

    Liebe grüße
    Gerd aus bielefeld

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