Mama Furiosa

oder: Gut, dass ich nicht Klaus Kinski bin.

Nach dem Mittagessen wollten wir heute gemeinsam einen Ausflug in den sonnigen und goldleuchtenden Herbstwald machen. Ich war schon latent brummelig. Leichte Kopfschmerzen und ein verspannter Nacken nervten mich. Ich war gestern 1,5 Stunden beim Zahnarzt gewesen der einen Zahn für eine Krone (meine erste und wahrscheinlich einzige und eine extra GEschichte) vorbereitet hatte. Da soll man mal nicht verspannt sein. Muskelkater im Kiefer hab ich auch.
Die Kinder wollten alle mit dem Rad fahren.
Nun muss man dazu sagen, dass das Sirenchen das kleine Fahrrad vom Sohn übernommen hatte. Und dieses Fahrrad führt seit dem Kauf in diesem Haus für Stimmung.
Das Rad war in einem namenhaften Fachgeschäft für Familienfahrräder erworben worden. Beim Kauf wurde Probe gefahren. Es passte. Der Sohn wollte es haben und es wurde mitgenommen. Am nächsten Tag bei der ersten kleinen Runde auf dem Bürgersteig verdrehte sich der Lenker. Die Schraube war nicht richtig fest. Der Mann überprüfte darauf hin alle Schrauben und musste festtsellen, dass keine einzige davon richtig angezogen war. Also sogar nur grob drauf geschraubt! Zwei Kurven weiter währe das Hinterrad wahrscheinlich am Sohn vorbei gerollt.
Da waren wir schon etwas irritiert und verstimmt, denn mit dem Rad war ja auch im Laden Probe gefahren worden. Da kann ja genauso gut was passieren, wenn die Schrauben locker sind. Wir sagten aber nichts, weil wir dachten, dass es vielleicht ein blöder Zufall war. Sowas gibt´s ja, dass man das einzige nicht richtig zusammengeschraubte Rad am Platz erwischt.
Dann sprang allerdings nach dem ersten halben Jahr unregelmäßigem Gebrauch ständig die Kette ab. Und da diese in einen richtigen Fahradkettenschutz eingepackt war, kam man auch schlecht dran um sie wieder auf die Ritzel zu setzen. Es war etwas nervig.
Allerdings passierte das immer häufiger und auf einem Geburtstag schraubte gleich ein ganzer Pulk Männer daran herum, um es wieder vernünftig gangbar zu machen. Aber diese Herrenrunde fluchte auch über das kompliziert konzipierte Fabrikat.
Eine ganze Weile ging es dann wieder gut
Schließlich fuhr das Sirenchen auch meistens Roller.
Heute wollte sie aber mit dem Rad fahren. Die Reifen waren luftleer und man kann sie zu allem Überfluss nur an einer Tankstelle aufpumpen, weil die Räder so komisch eng sind, dass das Autoventil von unserer Handpunpe nicht gut aufgesetzt werden kann.
Wir tingelten also alle zur Tanke und von da zum Wald.
Die großen Kinder und der Mann etwas vorneweg. Das Knöpfchen trödelte und ich blieb mit ihr zurück. Sie geriet aber stets in Aufregung und hielt mit dem Laufrad an, um dann verzweifelt nach dem Papa und den Geschwistern zu rufen. Ich erklärte, dass sie einfach weiter fahren solle, vor allem auch etwas flotter. Die anderen würden auf uns warten.
Sie nölte, sie wolle lamsahn faaahn! blieb wieder stehen und rief nach den Geschwistern. Ich kam nicht so recht vom Fleck.
Als wir gerade wieder aufgeschlossen hatten, sprang die Kette vom Sirenchen ab. Der Mann brach einfach das alles umschließende und nicht ablösbare Schutzblech ab, damit er schneller an die Kette kam. Ich zeterte dazu beipflichtend. Wieder repariert, gings weiter. Keine 5 Meter weiter sprang wieder die Kette ab.
Das Sirenchen nahm es erstaunlich gelassen hin, als wir entschieden, sie nebst Rad in mein Lastenrad zu setzen, damit wir vorwärts kamen. Aber ICH bekam WUT. So richtig! Ich mag es nämlich nicht, wenn Gegenstände nicht funktionieren. Wenn etwas alt ist, ok. Aber dieses blöde Kinderrad ist eigentlich neu! Es ist zwei Jahre alt, hat zu 80% seiner Zeit im trockenen Treppenhaus oder Schuppen gestanden und ist kaum gefahren worden. Es gebärdet sich aber schon als sei es 300Jahre lang im Dauergebrauch gewesen.  Da das Rad  auch als Laufrad nutzbar ist,  kann man das Tretlager extra anschrauben. Allerdings lösen sich die Schrauben im Gebrauch, das Tretlager hat etwas Spiel und deshalb springt die Kette dann immer wieder ab. Man muss also ständig Schrauben nachziehen. UND die Sattelstütze ist so kurz, dass man ein halbes Jahr Spaß damit hat. Danach ist es schon zu klein. Man kann auch keine längere Sattelstütze nachkaufen. Was ne Schrott-Produktion!

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Macht einen Bogen um diese Kinderfahrräder! Absoluter Schrott.

Ich schimpfte also schon vor mich hin. Dann fuhr der Sohn mit Vorder-und Hinterrad durch einen mega Hundehaufen. Also so richtig richtig. Ich hätte im Strahl kotzen können. Ich ärgerte mich, weil ich den Sohn schon gebeten hatte das erste Stück der Strecke auf dem Weg zu bleiben, WEIL überall Hundehaufen liegen und er hat es mehrfach ignoriert. Und wieso kacken die Hunde eigentlich auch immer alle DIREKT an den Wegesrand?

Gut, das Malheur fuhr sich dann im weiteren Verlauf noch ab. Fast jedenfalls.

Aber das Knöpfchen moserte immer lauter, dass sie lamsahm faaahn möchte, beklagte aber gleichzeitig, dass anderen Familienmitglieder vor fuhren. Es war ein Dauergeheule an meiner Seite. grrrrr Mir tat außerdem das Sirenchen leid, die eigentlich so gerne Rad fährt und sich gerne bewegt. Und ich will auch, dass sie sich bewegt, damit sie ausgepowert ist. Ich ärgerte mich über den Schrott-Hersteller und überhaupt war alles doof. Das heulende Knöpfchen steckte ich schließlich auch und gegen ihren Willen ins Lastenrad, damit wir weiter vorwärts kämen. Am liebten hätte ich gebrüllt: JETZT GUCKT EUCH DOCH VERDAMMT NOCHHMAL DEN SCHÖNEN HERBST HIER AN! GEFÄLLIGST! Und SEID RUHIG! Optimal wär ich auch gern nach Hause zurück geradelt und hätte mich unter einer Decke vor diesem Tag versteckt.
Stattdessen moserte ich vor mich hin und folgte den Männern. Wir steuerten noch einen Spielplatz an.

Wieder zu Hause stoben die Mädchen in den Garten und setzten sich in den Sandkasten. Der Mann fuhr mit dem Sohn noch einkaufen. Da dachte ich mir: Prima, da kann ich ja noch ein paar Blumenzwiebeln in die Erde bringen. Da hatten wir nämlich ein paar geschenkt bekommen.
Gerade als ich so richtig angefangen hatte, gingen die Mädchen nach drinnen und wurden auch nicht mehr gesehen. Typisch. Das Sandspiel war vorbei, just als ich mich mit in den Garten gesellte und sinnvolle Beschäftigung aufgriff. Ich lugte mal hinein, aber sie spielten im Wohnzimmer. Allerdings mit lautem Gekreische. Als dann meine Hände so richtig schmutzig voller Erde waren, hörte ich sie auf ein mal mit Besteck klappern. Als ich nachsah, hatten sie bereits ein halbes Honigglas leer gelöffelt und alle kleinen Kindergesellschaftsspiele lagen ausgekippt kreuz und quer im Esszimmer verstreut.

Atmen. Tief ein und aus atmen und: KOPFWEH GEH WEG!
Die Kinder blieben dann den restlichen Abend ein wahnsinniger Haufen Hyperaktiver. Vor allem das Sirenchen war unausgelastet. Ich wollte  am liebsten einfach nur BRÜLLEN und mit dem blöden Kinderfahrrad zum Wasser laufen, um es dort zu versenken! AAAAAAAAAARH! Und mich abreagieren.

Mann, hab ich ne Laune!

 

Ich guck jetzt zu meiner Erheiterung n paar Kinski Ausraster auf you Tube zum Essen.

Gute Nacht!

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