Beim Abendbrot hat Mutter Not

oder: Wenn Zweijährige mit der Gesamtsituation unzufrieden und die Geschwister auch nicht zurechnungsfähig sind.

Derzeit haben wir hier besondere Bedingungen bei den Mahlzeiten. Vor allem beim Abendbrot. Und vielleicht hat eine von den Mehrfachmamis einen Tipp für mich.

Das Knöpfchen steckt in der Autonomiephase Teil1. Mal mehr mal weniger schlimm. Derzeit äußert es sich vermehrt bei den Mahlzeiten. Ich kann anreichen was ich will. Es ist falsch. Da sie sich auch gerne mal selbst ein Brot mit Marmelade schmiert und sich dann darüber ausdauernd ärgert, dass sie versehentlich die Falsche genommen hat, kann man sich denken: Das kann kompliziert sein. Und so ist es. Die Marmelade ist nicht flächendeckend genug geschmiert….Geschrei. Oder ich frage noch, wie sie das Brot haben will und dann ist es trotzdem falsch geschnitten. Sie mag keine Tomate auf dem Brot, man nimmt sie runter, dann will sie wieder Tomate. Das Kind ist out oft order. Den Beweis lieferte die folgende Situation:
Sie schrie und kreischte. Allerdings schon auf meinen Schoß gekuschelt. Sie heulte ohrenbetäubend, hielt plötzlich inne und sprach ganz ruhig: „Wenn man im (Sch)nee aus-hutscht, hat man keine (S)tiefel an!“ Und dann fing sie wieder an zu schreien wie am Spieß. Noch Fragen?


Das Sirenchen war schon immer ein besonderes Kaliber auch und vor allem beim Essen. Ihre Experimentierfreude kennt keine Grenzen. Die gängigen Speisen können auf abenteuerlichste Weisen verköstigt werden. Als knapp 2 Jährige pflegte sie z.B. ihren Joghurt großflächig über ihr Gesicht, ihre Kleidung, ihre Hände und den Tisch zu verteilen. Sehr beliebt war die Joghurtpfützen auf dem Tisch mit den Patschhändchen in alle Himmelsrichtungen zu spritzen. Alles mit den Worten: Kölle Alaaf. Wenn ich diesen Ausruf hörte, wusste ich was mir blühte. Mittlerweile isst sie meistens ganz gesittet, aber manchmal geht es mit ihr durch. Dann wird das Brot in seine einzelnen Bestandteile zerlegt und nur das gegessen was genehm ist. Z.B. nur die Butter. Die prockelt sie dann vom Brot. Dinge, die sie nicht mag, wandern unter den Tisch. Dazu guckt sie, ob ich gucke und wenn sie glaubt ich sehe es nicht, wandert es unter den Tisch. Sie ist jedes Mal erstaunt, dass ich sie dann auffordere, die „verschwundenen“ Lebensmittel wieder unter dem Tisch einzusammeln. Auch beliebt: 3 Scheiben Wurst für ein Brot. Übrigens pflegt sie beim Essen stets zu singen.

Und der Sohn befindet sich, wie ich kürzlich lernte, in der Wackelzahn-Pubertät. Man kann es auch Autonomiephase Teil 2 nennen. Er hat tatsächlich neuerdings zwei Wackelzähne. Die bemerkte er mit den Worten: „Ich glaube meine Zähne sind schon ganz stumpf. Ich kann garnicht mehr richtig abbeißen.“ Ich fand dann gleich zwei lose Schneidezähnchen. 😀
Aber seit einiger Zeit ist er auch sehr auf Eigenständigkeit bedacht und gleichzeitig sehr anhänglich. Manchmal aber auch flegelhaft. Und er kann einfach nicht still sitzen. Das wäre ok, wenn er einfach flott sein Essen essen würde. Dann könnte er wieder aufstehen. Hungrig ist er immer. Aber er sitzt dann an einer Scheibe Toast geschlagene 30 Minuten! Und in der Zeit hampelt er und macht gymnastische Übungen.

Wir haben schon die Abendbrotsituation verändert. Früher aßen die Kinder immer allein. Wir Erwachsenen später. Seit einer Weile essen wir zusammen, damit da eine gemeinsame Sache mit Ruhe draus wird. Oft nur die Kinder und ich. Aber wenn der Mann da ist, gesellt er sich auch dazu. Die Kinder  helfen den Tisch zu decken. Ich mache Kerzen an. Wir machen das Ritual aus dem Kindergarten, mit Augenschließen und sich die Hand geben, um nochmal runter zu fahren.
Doch dann bricht das Chaos wieder aus. Das Knöpfchen schreit und heult los, sobald ein belegtes Brot vor ihr liegt. Nach einer Weile lässt sie sich dann auf den Schoß nehmen, wird ruhiger und isst dann meistens doch, was sie zuvor verschmähte.
Das Sirenchen klaut sich einfach Dinge von andere Tellern oder packt sich drei Scheiben Wurst auf´s Brot. Und der Sohn hampelt. Auch wenn er davor schon eine Stunde wie angestochen durchs Haus getollt ist.

Oder: das Sirenchen und der Sohn zanken und schubsen sich. Dann muss man die Platzverteilung wieder umkramen.

Wenn ich ehrlich bin schmeckt mir mein Abendbrot so nicht. Ich möchte sogar sagen, meine Geschmackssinne sind von dem ganzen Geschrei und Hantier betäubt. Der Schlund zugeschnürt. Es nervt gewaltig.

Also esse ich nichts mehr und sitze mit knurrendem Magen da und bewache die Situation. Ich versuche mich mit den Kindern zu unterhalten. Ich führe Selbstgespräche.  Den Sohn muss ich antreiben zu essen oder mit dem Hampeln aufzuhören. Ich bremse das Sirenchen bei ihren maßlosen Portionierideen und versuche dem Knöpfchen alles recht zu machen.

Es ist mit Sicherheit nur eine Phase, die wie immer dann, wenn ich denke es geht nicht mehr, urplötzlich vorbei ist. Aber ich wünschte, ich hätte ein Patentrezept.

Kennt das jemand? Und wie bricht man das auf?

 

(Da schreib ich das mal nieder und erlebte heute Abend prompt ein friedliches Abendbrot, wie ich mir das so vorstelle. Mit Plaudern und ohne Probleme. Ob´s so bleibt?)

  10Comments

  1. Bepunkt Lampenhügel   •  

    Oh. Dieses lustige Bäumchen wechsel Dich Spiel kennen wir zur Genüge. Bei uns hilft am besten: Eine große Familienrunde! Sobald mehr Personen als ich (und Herr Lampenhügel) am Tisch sitzen, also am besten das Ömchen und der Onkel, gerne auch die Cousine oder ein Freund, dann sind die Muckligen ruhig, staunen, hören zu, erzählen und… essen! Leider ist das selten der Fall, wir haben auch noch kein Lösungsrezept gefunden – es ist alles normal, denke ich. Egal, ob wir zusammen essen oder hungrig daneben sitzen; Essen ist meistens halbwegs katastrophal und total nebensächlich. Wir gucken gierig den Nudeln hinterher, die der Muck durch die Gegend schmeißt, beobachten, wie Abbi wegen Hampelei ihr 3.Glas umschubst oder die Füße auf den Tisch legt.

    Da hilft nur: Ruhe bewahren und durch. Ich bin auf weitere Entwicklungen gespannt! Liebe Grüße!

    • Beatrice   •  

      😀 Wie beruhigend, dass es woanders auch so ist. Man kann ja auch nicht jeden Abend die halbe Verwandtschaft oder Freunde einladen. 😀 Also Augen zu und durch. 😉

  2. Steffy   •  

    Kölle Alaaf find ich gut 😂 bei uns hatte der Mittlere lange eine Putzphase. Er hat alles gewischt und geputzt, mit Feuchttüchern und Waschlappen und dabei ständig „Wisch Wisch Wisch“ gesagt. Auch fertige Brote wurden „abgewischt“ damit keine Butter i.ä. mehr schmieren kann😊 das hatte eine Weile schon etwas eigenwillige Züge fand ich.
    Aber solch verrückte Phasen haben wir auch mehrere Male im wahrsten Sinne ausgesessen. Manchmal war es erleichternd eine zeitlang die Kinder nicht alle zugleich zu beköstigen, sondern einzeln oder nur zwei auf einmal. Das ergab sich eher unfreiwillig wegen Trainingszeiten des Großen. Aber es hat gut geklappt und lief dann auch wesentlich normaler, als wir wieder mal alle gleichzeitig zum Essen kamen.
    Und die Zappelei die nervt. Da kann ich nir zustimmen und wünsche mir immer Drahtseilnerven. Und Mäkelei ignorier ich sofern sie nicht an Wutausbrüche gekoppelt sind. Dann essen sie eben weniger. Wenn dann umso hungriger & ordentlicher) die nächste Mahlzeit verputzt wird…
    Halt durch. Auch das geht wieder vorbei.
    Und dann kommt wie der was neues 😉

    • Beatrice   •  

      Also ne Phase. 😀 Ja, wenn denn das Knöpfchen NUR mäkeln würde, wäre es ja gut. Aber sie kreischt und schreit dazu. Das macht es etwas anstrengend. 🙁

  3. Rosalie   •  

    ‚Mama, ich will das alles nicht!‘
    ‚Was willst du dann?‘
    ‚So ein Obstgläschen mit Strohhalm zu aussaugen!‘

    Kind bekommt Obstbrei zum Aussaugen.

    Ich hole mir ein Glas Wasser. Dauer ca. 30 Sekunden.

    Obstbrei tropft von der Decke. Die Kinder stechen mit Gabeln aufeinander ein.

    Ich schließe daraus, das Thema Essen mit der ganzen Familie am Tisch und mit Tischmanieren wird überbewertet.

    Aber danke für deine Liebe Nachricht. Ich sag mal so: Es wird besser. Mit den Jahren…

    Vielleicht…

    • Beatrice   •  

      😀 Tut mir leid, wenn ich lache. Aber das kommt mir auch bekannt vor. Und aus der Entfernung betrachtet ist es immer lustig. Wenn man als Mama mittendrin steckt, könnte man jedoch verzweifeln.

  4. Rina   •  

    Atmen. Ignorieren und wenn alle Kindrr im Bett sind und schlafen heimlich Eis essen. (Hier genau dasselbe mit vieren)

  5. Tati   •  

    Oh mein Gott, ich dachte gerade ich lese unsere eigene Geschichte. Meine Tochter ist zwei, mein Sohn acht, und ich fühle mich als hättest du uns daheim beobachtet. Manchmal denke ich, der Große ist hyperaktiv und die Kleine hat eine Meise 😉
    Ich hoffe irgendwann können wir auch einmal ruhig und gesittet am Tisch sitzen und einfach ganz gemütlich das essen, was auf ebendiesem steht.
    Ich drück dich!

    • Beatrice   •  

      Es ist doch überall das Gleiche. 😀 Und ich erinnere mich, dass meine Mama mit uns (wir waren drei Geschwister) auch oft verzweifelte.

      Irgendwie ja auch lustig. Und schön, dass alle das kennen.

      • Nadine   •  

        Ich kenn das Problem auch 😂🙈 nur hab ich nur ein Kind der das oben genannte alles in eine Person vereint 🤔😳 manchmal frag ich mich was ich falsch mache 😱 Wenn man den die ganze Zeit sagt setzt dich richtig hin hör auf zu zappeln 😳 Dann schmeckt es mir auch nicht mehr…. ich hoffe auf das Alter (2jahre) das es mit den Jahren besser wird 😱😱😅

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