Das Vorschulkind ist komplett durch den Wind

Das Sirenchen ist ganz durch den Wind. Uiuiuiui.

Alle ohnehin ausgeprägten Eigenheiten verschärfen sich in den letzten Wochen nochmal zunehmend.

Beim Turnen bricht sie bitterlich in Tränen aus, wenn ich mich nicht explizit mit Küsschen von ihr verabschiede (dabei sitze ich die ganze Stunde in Sichtweite) und gekuschelt wird auch ausgiebig und gerne.

Gleichzeitig ist sie ständig mit mir auf Kriegsfuß. 

Als ich sie vor zwei Wochen fragte, was sie sich zum Geburtstag wünscht, antwortete sie motzig: „Sag ich dir nicht!“

Das beschreibt ziemlich gut den derzeitigen Zustand.

Der Geburtstag ist ohnehin so ein Ding. 

Meine Frage nach den geladenen Gästen war nämlich überraschend schnell beantwortet. 3 Kinder. 3. Ich fragte, ob sie nicht noch X, Y und Z einladen wolle. „Nein! Nur die 3!“

Da mir die Wankelmütigkeit von Kindern geläufig ist, fragte ich zur Sicherheit mehrmals an anderen Tagen nochmal nach. Es bleibt dabei. Nun, das nenne ich konsequent und da werde ich ihr auch nicht noch mehr Gäste aufschwatzen. Das nähme sie mir übel. Da kenne ich sie gut genug. Also 3 Geburtstagsgästinnen.

Sehr konkrete aber keineswegs übertrieben Vorstellungen von den Geschenken und dem Kuchen UND den Spielen hat sie auch. Hach, mein Mädchen….

In innigen Momenten haben wir dann Gespräche über die Schule und den Schulweg und wie wir das alles üben. Sie sagt dann: „Ich kann den Weg schon alleine!“ Was ich ihr unbenommen glaube. Ich glaube jedoch nicht, dass sie sich tatsächlich von Tag 1 an alleine trauen würde. Mal davon abgesehen, dass ICH es nicht übers Herz brächte, sie alleine sofort los zu schicken. Sie ist doch mein kleines Mädchen, auch wenn sie gerade ein ziemlich grantiges ist.

Gestern war dann im Kindergarten das große Schultütenbasteln mit den Mamas angesetzt. Ich freute mich schon darauf. Basteln finde ich gut und ich dachte mir, dass dem Sirenchen basteln mit Mama auch gefallen würde. Dachte ich. 

Ich erschien, sie ließ sich gerne von mir herzen, aber als ich ihr zurückhaltend assistierte beim Bemalen des Schultütenrohlings, war sie schon unzufrieden. Ich hielt die Tüte falsch. Ich drehte zu schnell und überhaupt….Dabei bin ich sozusagen Bastelprofi (auch mit Kindern, echt jetzt, ich habe einige Jahre in einer Musik-und Malschule Kinder ab 4 Jahren unterrichtet und schließlich Kunst als Schwerpunktfach studiert und mit großer Freude UND erfolgreich an Grundschulen unterrichtet /mehr Profi geht also nicht) UND nehme mich bewusst bei Bastelarbeiten mit Kindern zurück. Vor allem beim Sirenchen. Das Sirenchen sollte ruhig mal machen. Aber auch zurückhaltende Tipps waren nicht gefragt.

Naja.

Das Design der Schultüte war für das Sirenchen Wochen im Voraus schon klar. Sterne sollten mit drauf. Und so fragte ich nicht lange und bereitete einen Sternschablone vor.  Das war schon ziemlich wagemutig von mir und wurde nur zähneknirschend hingenommen. Das Sirenchen zeichnete die erste Charge Sterne dann alleine auf weißen dünnen Karton mit Hilfe der Schablone vor und während sie schließlich schnitt, zeichnete ich noch mehr Sterne vor.  Sie pfefferte mir ein wütendes „Blöde Mama“ deswegen entgegen. (Die anderen Mamas durften übrigens alle helfen und die Kinder freuten sich darüber.)

Da wir einen gründlichen Disput ähnlicher Manier (Weil die Sachen, die sie sich selbst! aus dem Schrank genommen hatte, farblich im Partnerlook mit mir, nicht so wollten wie sie) am Morgen gehabt hatten, teilte ich ihr mit, dass ich bei weiteren Gemeinheiten gehen würde und sie ihre Tüte dann alleine weiter basteln könnte.  Das Sirenchen riss sich dann tatsächlich am Riemen.  Gnädigerweise durfte ich dann die fertigen und von ihr mit Kleber bestrichenen Sterne auf der Schultüte andrücken, nachdem sie sie selbst platziert hatte. Offenbar war das meine erste annehmbare Kompetenz.

Huiiii, sag ich euch.

 

Ansonsten hat sie aktuell hier zu Hause ziemlich oft das Gefühl benachteiligt zu sein. Grundlos. Das kann ich ganz klar sagen. Ich achte penibel darauf, dass sie das NICHT ist und gebe ihr aktuell sogar einen besonderen Status, weil sie nun mal auch einen ganz besonderen Sommer erlebt.

Sie verliert die ersten Milchzähne. Sie beendet ihr Kindergartenkinderleben, sie beginnt mit der Schule und hat mittendrin auch noch Geburtstag. Wenn das kein besonderer Sommer ist.

Weniger schön ist weiterhin der Nachtschreck.

Uiuiuiuiuiui.

 

Und dann war heute noch die Schnupperstunde in der Schule in ihrer zukünftigen Klasse bei ihrer zukünftigen Klassenlehrerein. Munter sprach das Kind am Morgen: „Mama, ich bin gar nicht aufgeregt! Ich geh da alleine hin!“

„Is klar.“ dachte ich und durfte dann auf dem Schulgelände ein klammerndes und weinendes Mädchen in den Klassenraum begleiten. Es war herzzerreißend. Ich tat zwar ziemlich cool und unbeeindruckt, aber eigentlich tut mir das furchtbar leid. Aber es bringt ja nichts dem Kind dann noch zu zeigen, dass man ebenso aufgewühlt ist von der Situtation. Das bringt ja niemanden weiter.

Das Sirenchen fand dann Platz neben einem Mädchen, welches wir flüchtig vom Turnen kannten. Still und aufmerksam saß sie dann daneben und beobachtete alles ganz genau. Zwar sprach sie mit niemandem. Auch nicht, als die Lehrerin sie ansprach. Da kam es wieder ihr typisches „Nicht-hören-und-nicht-reagieren.“  Ich beobachtete sie gespannt und sehr gerührt.

Später fragte ich sie zu Hause, wie es denn für sie gewesen sei. Da sagte sie, sie wolle nicht mehr in die Schule. Ach, du liebe Zeit.

Allerdings hatte sie ihrem Bruder erzählt, dass sie die Lehrerin nett fand und das Mädchen vom Turnen ihre Freundin sei. Das wiederum erzählte mir der Sohn. Gut, dass die beiden so eng miteinander sind.

Also, ich bin sehr gespannt, glaube aber an einen guten Fortgang der Geschichte.

Und zu ihrem Geburtstag, da habe ich ein Geschenk, womit sie nicht rechnet, was sie aber sehr glücklich machen wird. Das weiß ich jetzt schon.

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