Auch Mütter sind mal übellaunig und bockig.

Am Mittwoch war der erste Tag, an dem (für einen Tag jedenfalls, der Sohn ist schon wieder krank zu Hause) ein normaler Alltag stattfinden konnte. Eigentlich hätte ich mich freuen können. Stattdessen bekam ich recht schnell schlechte Laune. Der Mann hatte frei und hatte was zu motzen. Wegen unserer immer währenden Kinderzimmer-Baustelle gab es ein paar Dinge…..Und ich sah nur einen Berg Haushalt vor mir, der in den letzten 1,5 Wochen wegen der kranken Kinder zu einigen Teilen liegen geblieben war.

Dann ließ ich mich überreden eine Besorgung erst am Nachmittag und mit allen zusammen zu machen. Im Endeffekt zerschoss es mir meinen eigentlich gedachten Tagesablauf. 

Außerdem hatte ich dezente Kreislaufprobleme. Der Wechsel kühle frische Luft und warme geheizte Räume bekommt mir schwanger noch weniger, als sonst schon.

Alle zusammen fuhren wir schließlich vor der KiTa vor. Ich ging schnell rein, um das Knöpfchen einzusammeln. Dieses sprang mir zuerst fröhlich entgegen und plapperte sofort etwas von Rodeln gehen. Sie war so entusiastisch. Davon hatte sie schon am Morgen gesprochen, während sie singend zur Kita durch den Schnee gesprungen war.

Jetzt wusste ich wieder, warum ich meine Erledigung vormittags machen wollte.

Der Sohn hatte nämlich keine winterfesten Schuhe mehr. Seine gefütterten Stiefel hatten ein richtiges Loch in der Sohle, so dass Wasser nach wenigen Schritten eintrat. Wir brauchten zuerst Winterschuhe für den Sohn, ehe wir überhaupt irgendetwas im Schnee zusammen machen könnten. 

Ich versuchte ihr das zu erklären, aber sie hörte nicht zu und rannte in den Flur.

Ich sammelte ihre nassen Handschuhe, Mütze und Strumpfhosen zusammen (Die KiTa geht immer raus und das Knöpfchen ist grundsätzlich mit vollem Körpereinsatz in den Jahreszeiten unterwegs) und ging schon Richtung Tür, wo auch die Hausschuhe gegen Straßenschuhe getauscht werden. 

Das Knöpfchen kam gesprungen, zog ihre Stiefel an und dann stellten wir fest, dass ihre Jacke noch am Haken vor dem Gruppenraum hing. Ich bat sie ihre Stiefel nochmal schnell abzustreifen (das geht wirklich schnell und einfach) und ihre Jacke zu holen. Meine Winterstiefel hatte ich schon wieder an und ich kämpfte etwas mit meinem Kreislauf. 

Da bekam das Knöpfchen Wut. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie genau es lief. Ich weiß nur, es fielen ihrerseits Worte wie: Scheiß-Kuh-Mama und DU sollst das machen! und Alle gehen immer rodeln nur wir nicht! sowas.

Obwohl ich verstand woher ihr Zorn grundsätzlich rührte (Kein Rodeln, blöde Jacke selbst holen) war ich nicht mehr in der Lage Geduld zu waren. Ich sagte: ICH könne nichts dafür, dass wir nicht rodeln waren. Es waren nunmal immer alle krank in den letzten Wochen. Und ich konnte nicht mal einkaufen gehen. Weil wir für die kranken Kinder immer eine Toilette in unmittelbarere Nähe gebraucht hätten.

„Du hast mir ja auch keine Medizin gegeben!“ motzte sie schrill zurück.

So. Da hatte ich den Kaffee aber auf. Das kann sie gut. Tatsachen verdrehen. Kein Scherz.

Ich habe in der letzten Woche alle ihrer Launen ertragen und diplomatisch mit ihr verhandelt, damit sie ihre Medizin gegen den Durchfall überhaupt nahm. Auch das Trinken musste ich ihr aufschwatzen und schmackhaft machen. Ich habe sie beschwichtigt, wenn sie übellaunig  nur Zwieback, Reis und geriebene Apfel essen konnte, ich habe sie bespaßt und abgelenkt. Ihre wechselhaften Entscheidungen hinsichtlich gemeinsamer Absprachen habe ich abgefedert und ich habe vertröstet, wenn sie wieder in die KiTa wollte, weil sie ihre Freundinnen vermisste, obwohl es noch nicht ging.  Ich habe alles gegeben.

Aber jetzt wollte ich nicht mehr. Als sie mich dann ankreischte, ich solle ihr gefälligst die Stiefel anziehen, weigerte ich mich und schrumpfte auf mein eigenes Kinder-ICH. Ich war jetzt so bockig, wie sie selbst. War mir völlig egal. Dann hatten wir halt jetzt nen Machtkampf. MEINE Grenze war erreicht und mein Kreislauf verlangte nach Frischluft. Ich sagte, ich würde draußen auf sie warten. Die Tür ist eine große Glastür und ich hielt sie auf, so dass auch frische Luft in den Flur strömen konnte.

Das Knöpfchen machte einen riesen Zirkus und bestand in „entzückender“ Art und Weise darauf, dass ich ihr helfe. Sie biss mir sogar wie ein Terrier in den Jackenärmel. 

Klar, hätte ich ihr einfach in die Schuhe helfen können. Das wäre sicherlich am Ende scheller gegangen. Aber ich wollte es einfach nicht. Und ich hatte nicht mal ein schlechtes Gewissen.  Ich will nicht Scheiß-Kuh genannt werden. Und überhaupt….

Ich sagte ihr nicht, dass ich außerdem wegen des Babys in meinem Bauch gerade Schwierigkeiten mit dem Kreislauf hätte und mich deshalb auch nicht so viel bücken wollte. Sprich meine Stiefel wieder ausziehen und wieder anziehen und ihre anziehen. Ich kann mich zwar natürlich noch sehr gut bewegen, aber das Bücken in der Heizungsluft….da gehen mir die Lampen aus.  Ich wollte ihr das später erklären. In der Situation hätte sie nur Wut auf das Baby bekommen. Und das gilt es zu verhindern.

Und so sagte ich schließlich ziemlich sauer, sie möge ihre Stiefel gefälligst nehmen und mitkommen. Egal ob auf Socken oder mit Stiefeln an den Füßen. So war sie wenigstens einfach nur auf mich sauer.

Sie kam dann tatsächlich auf Socken durch den Schnee zum Auto und heulte theatralisch. Ihre Stiefel trug sie allerdings und zog sie, als wir aus dem Auto wieder ausstiegen völlig unkompliziert alleine an. Sie war danach, als sei nichts gewesen.

Als wir abends wieder zu Hause waren und alle entspannt, sprachen wir über die Situation in der Kita.

Wir sprachen darüber, dass ich es zum einen gar nicht schön fände Scheiß-Kuh-Mama genannt zu werden. Und zum anderen sei sie bald ein Vorschulkind und können nunmal super gut auf ihre Sachen selbst acht geben. Ich müsse sie nicht von vorne bis hinten bedienen. Erst recht nicht, bei so einfachen Schuhen wie diesen.

Und dass wir die letzten Wochen so viel drinnen und gar nicht unterwegs waren, fand ich auch super doof!

Dann sagte ich auch noch, dass ich es doof finde, wenn sie beim Abholen so lange rumtrödelt und dann auch noch so ein Theater macht. Ich bin immer  eine der ersten Mütter, die in der Kita ist und eine der letzten, die geht.

Und dann sagte ich, dass ich auch einfach mal schlechte Laune haben könne. Hätte sie schließlich auch manchmal. Dann streitet man sich nicht noch extra.

Als letztes führte ich an, dass ich mich auch nicht ganz wohl gefühlt hätte. Wenn man ein Baby im Bauch hat, hat man schonmal Probleme mit Schwindel und braucht frische Luft. Dann kann man so ein Hickhack nicht gut aushalten.

„Ach soooo!“ rief das Knöpfchen verwundert aus. „Das wusste ich nicht! Arme Mama!“

Jawohl, arme Mama!

😜

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