Manchmal schlägt im Leben der Blitz ein

Die letzte Woche ab Ostermontag wurde turbulent und emotional nicht unanstrengend. Um es milde auszudrücken.

Es begann damit, dass wir eine der Omas an Ostermontag ins Krankenhaus einliefern lassen mussten. Noch in dem Glauben, es sei eine eher harmlose Sache, gestaltete sich das Eintreffen des Rettungsdienstes für unser Sirenchen trotzdem zu einem ziemlich aufwühlenden Moment. Sie weinte bitterlich und hatte furchtbare Angst um die Oma. Zum Glück waren es sehr nette Sanitäter und einer bat das Sirenchen ihm doch mal zu helfen. Er müsse die Trage aus dem Rettungswagen holen und jemand müsse die Tür aufhalten. Das Sirenchen folgte ihm an meiner Hand, ganz stolz eine Aufgabe zu haben und beruhigte sich etwas. Sie plapperte dann drauf los und erzählte vom Erste Hilfe Kurs in der Schule neulich. Sie blieb aber nervös und hatte dann viele Fragen an uns Eltern. Warum der Oma so ein Dings an die Finger geklemmt worden sei. Warum die Oma gezittert hätte. Was der „Fernseher“ da für Zahlen und Kurven angezeigt hätte, etc pp. Wir erklärten ihr alles so gut es geht, ohne Dinge zu beschönigen, aber doch so, dass sie keine Angst mehr um die Oma hatte. Naja. Sagen wir, fast keine Angst mehr. Es blieb ein schwelendes Thema.

Die beiden anderen Kinder gingen weniger offenkundig gestresst mit allem um. Sie hatten auch Fragen, der Sohn verstand alles etwas besser und das Knöpfchen überblickt solche Situationen noch nicht in Gänze. Immer wieder aufflammende Gespräche über Kliniken und warum Menschen krank werden, gingen meist vom Sirenchen aus. Der Sohn wollte auch oft einfach gar nichts weiter darüber hören. Es war ihm zu „unbehaglich“.

Es vergingen ein paar Tage in denen wir auf eine Diagnose warten mussten und ich das Sirenchen immer wieder beruhigen musste.

 

2 Flaschen Blut

Mittwochs war ich dann nachmittags mit dem Sohn bei meiner Hebamme. Er wollte gerne mitkommen und half tatkräftig beim Vermessen meines Bauches und beim Blutdruckmessen. Außerdem dufte er auch mal seinen eigenen Herzschlag mit dem Dopton abhören. 

Als mir Blut abgenommen wurde, sah er genau zu und kommentierte das Gesehene sehr ausführlich, was mich etwas „anstrengte“. Denn ich hasse Blutabnehmen und kann es am besten ertragen, wenn ich an etwas ganz anderes denke und natürlich überhaupt nicht hinsehe. Wenn dann jemand kommentiert, wie lang die Nadel ist, dass sie aber ganz schön tief eingestochen würde und wie das Blut so dunkelrot in die Ampulle fließt….

:-D…. da musste ich mich zusammen nehmen. Keines meiner Kinder hat bisher Blut abgenommen bekommen und damit sich niemand, wenn es denn mal soweit ist, weigert, bin ich natürlich super cool geblieben. Tatsächlich hätte ich am liebsten ausgerufen: „Kein weiteres Wort! Mir wird blümerant!“

Später lachten wir, weil der Sohn steif und fest behauptete, mir seien 2 Flaschen Blut abgenommen worden. 😀

 

Das Gewitter

Wieder zu Hause zogen langsam dunkle Wolken auf und kündigten ein Gewitter an. Als ich den Kindern und mir gerade vor dem Fernseher ein Abendbrot servierte, regnete es los und blitzte und donnerte ein bisschen. Während ich noch überlegte, den Fernseher auszuschalten, gab es einen ohrenbetäubenden Knall, der selbst mich gründlich zusammenzucken und mir ein: „Ach du Scheiße, was war das?“ entfleuchen ließ.

Der Sohn deutete aus dem Fenster und sprach: „Ich glaube da drüber brennt´s!“ Und das Sirenchen hatte schon Tränen in den Augen.

Ich sah aus dem Fenster und blickte auf den rauchenden Rest eines Kamins auf dem Nachbarhaus. Auf der Straße lagen die explodierten Trümmer. Der Wind frischte auf, der Regen legte zu, die Nachbarschaft war in Aufruhr. Das Sirenchen war erschüttert bis aufs Mark. Sie weinte und hielt sich den Bauch. „Ich habe mich so erschreckt! Ich habe Angst! Was ist, wenn der Blitz auch unser Haus trifft?“

Während ich sondierte, ob es wirklich brannte und überlegte, ob ich jetzt die Feuerwehr rufen solle und gleichzeitig versuchte das aufgeregte Sirenchen zu beruhigen, sah ich schon Nachbarn auf der Straße telefonieren. Ok. Ich konnte mich um die Kinder kümmern und beruhigte sie. Neben der Sorge um die Oma, hatte ich jetzt eine weitere emotionale Baustelle. Ich bin mal auf das nächste Gewitter gespannt.

Die Feuerwehr kam mit zwei Löschzügen, die Polizei war auch zugegen und der Blitzeinschlag wurde auf Herz und Nieren geprüft und die Trümmerteile weg geräumt. Es war kein Mensch zu Schaden gekommen. Es hatte kein Feuer gegeben. Lediglich der Kamin ist sichtbar dahin, ein paar Dachziegel mussten erneuert werden und wie ich hörte, waren im Haus einige technische Geräte nicht mehr funktionstüchtig. Und ein Auto war ziemlich verbeult worden von den herabfallenden Kamintrümmern. 

 

Dankbarkeit trotz sorgenvoller Umstände

Donnerstag Nachmittag hatten wir dann Besuch und alle waren gut abgelenkt und beschäftigt. Abends war endlich klar, was mit der Oma los war. Es besteht leider richtig Grund zur Sorge.

Der Freitag verging mit Warten. Der Mann verbrachte den ganzen Tag in der Klinik, ohne die Oma zu sehen. Sie war in den Katakomben der Chirurgie „verschollen“. Am Samstag saß er von morgens bis abends auf der Intensivstation bei ihr und kam mehr als fertig abends nach Hause. Die Nerven lagen buchstäblich blank und ich versuchte ihn irgendwie aufzufangen. Ich bin ja in Übung mit den Kindern.

Ich versuche nun hier zu Hause die Stellung zu halten und die Emotionen zu begleiten, nicht ohne selbst den ein oder anderen kleinen Tränenausbruch zu haben. Wenn einfach alle „durchdrehen“, kann ich auch nur schwer ein Fels sein.

ABER

Ich freue mich derzeit noch mehr über kleine Momente des Glücks und des Durchatmens. Vielleicht auch wegen der Umstände noch bewusster als sonst.

Manchmal werden Unruhe und Sorgen kurz unterbrochen.  Dann kuscheln alle wild am Morgen oder der Mann rennt mit dem quietschenden Sirenchen um die Kücheninsel und spielt Fangen, das Knöpfchen sitzt staubend vor ihrem trockenen Müsli und isst es mit den Fingern (was immer sehr witzig aussieht), der Sohn erfindet neue Legobauwerke und draußen im Garten hoppeln die Kaninchen der Nachbarn im Sonnenschein herum.  (Die haben sich nämlich einen Tunnel zu uns rüber gegraben, die niedlichen Schlingel.) 

Und dann gibt es Momente der absoluten Stille. Da spielen die Kinder versunken, der Mann sitzt am Rechner und irgendwo unterm Bett schnarcht eine unserer Katzen hörbar und sehr beruhigend. 

Und dann weiß ich ganz genau: Was auch immer kommt, wir schaffen das zusammen.

Und dann atme ich einmal tief ein und aus.

  2Comments

  1. Avatar YUTTAH   •  

    Alles Gute für die Oma von einer Oma.Mein großer Enkel von vier Jahren hat gerade seine erste Nacht in Omas Abenteuerbett ohne Mama und Papa hinter sich. Mein kleiner Enkel von 11 Monaten quietscht immer vor Vergnügen, wenn ich mir ihm „Spökes“ mache lauscht andächtig, wenn ich mir ihm singe.
    Beide wären auf ihre Weise sicher sehr beunruhigt, wenn ich ins Krankenhaus käme. Ich drücke die Daumen für eure Oma und das Sirenchen.

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Vielen Dank! ❤️

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