Von Verantwortung und zartem Frühlingserwachen

Das lange Wochenende über die Karnevalstage hat gut getan. 

Die Kinder rufen immer öfter nach Ferien. Mir ist das auch angenehm. Ich fühle mich latent gestresst. 

Obwohl wir jetzt einigermaßen in einen guten Ablauf, der auch für die Hummel passt, gefunden haben, beklagen die Kinder (vornehmlich die Erstklässlerin) sie müssten viel zu viel Zeug bearbeiten. 

Ich finde die Menge an Aufgaben auch nicht wenig. Ich weiß, die Schulen haben Vorgaben und es gibt einfach auch Kinder, die schnell und unkompliziert ihre Aufgaben weg arbeiten und dann sogar nach mehr rufen. So nicht meine Kinder. 

Deshalb ist es für mich ein Spagat. Ich persönlich bin eher gelassen und weiß, dass meine Kinder hier zu Hause auch eine Menge lernen. Sachkunde findet hier sozusagen immer im Alltag statt. Für mich, für uns, würde es passen, wenn uns die Schule freie Hand ließe und wir Mathe und Deutsch in unseren persönlichen Tagesrhythmus einbauen könnten. Aber so wie das Distanzlernen abläuft, müssen wir uns eben mehr oder weniger stark an die abgefragten Aufgaben und Zeiten halten.

Meine Kinder sind nun keine Kandidaten, die unkompliziert einfach ihre Aufgaben bearbeiten. Einer diskutiert und verhandelt über jede, in seinen Augen, „überflüssige“ Aufgabe und die Menge. Wenn ich da nicht ohne ende hinter her bin, passiert da nix! Gleichzeitig ist aber zu viel Dampf meinerseits auch kontraproduktiv. Es ist ein ständiges Hin und her. Manchmal gibt das Kind annähernd fertige Aufgaben in der Schule ab. Manchmal nur ein -Das reicht leider nicht-. Ein Kind mag die Onlinestunden nicht und muss immer wieder überredet werden. Und eines lässt sich von mir (auch nicht von den Geschwistern) ungern erklären, wie eine Aufgabe geht und fängt dann an rumzukreischen, wenn man es auf etwaige Fehler hinweist. Hinzu kommt auch da eine dezente: Ich hab da jetzt keinen Bock drauf Laune. 

Dazu kommt, dass zwei Kinder einen super übersichtlichen Plan jede Woche haben und bei einem Kind komme ich irgendwie ständig durcheinander. Vielleicht matched einfach die Kommunikation nicht gut zwischen der Lehrerin und mir. (Ich will sie gar nicht kritisieren, sie macht das alles super. Es sind komplizierte Zeiten und Umstände). Aber ich komme durcheinander. Da fällt mir also immer mal wieder was vom Tisch, was mir dann aber auch ein blödes Gefühl macht. Ich denke dann, ich würde meiner Verantwortung nicht gerecht.

Dieses Verantwortungsgefühl fühlt sich sowieso so übermächtig an. Unter normalen Bedingungen regelt der Alltag vieles nebenbei. Klar habe ich auch die Hauptverantwortung, aber es verteilt sich besser und um manches muss ich mich dann gar nicht groß kümmern. Könnt ihr mir folgen?

Neben den Schulaufgaben, die sonst zu einem großen Teil in der Schule erledigt werden, ist da einfach auch die körperliche Fitness und ausgeglichene Psyche. Im Winter kann man einfach nicht so viel raus, wie in den anderen Jahreszeiten. In Kombination mit eingeschränkten Kontakten, fehlenden Sportkursen (Tanzen, Schwimmen..etc) sind die Kinder einfach noch mehr drinnen als normal im Winter und zugegebener Maßen hat sich hier die Bildschirmzeit bei allen Bewohnern auch deutlich erhöht in den letzten Wochen.

Wir können nicht schwimmen gehen, nicht klettern, nicht ganze Nachmittage über Spielplätze toben. Auch wird öfter mal genascht. Das macht sich bemerkbar. Im ersten Lockdown und über den Sommer war das kein Problem. Aber in diesem Winter…..hier und da hat der ein oder andere etwas Speck angesetzt in dieser Familie. Es wird Zeit für mehr Aktivität. Und meine Mädchen sind genervt vom Onlinesportangebot. Sie wollen in der großen Turnhalle rennen. Nicht im Wohnzimmer turnen. 

Ich verstehe das gut. Aber es ist mehr als mühsam einen Ausgleich zu finden. Spazierengehen ist nicht so ihr Ding. Fahrradtouren das geht. Aber für beides müssen wir Eltern mit. Alleine um die Häuser ziehen sie nicht. Und dann muss ich noch möglichst vorsichtig auf die Ernährung achten und ungünstigen Appetit regulieren, der im Vor-Pandemie-Alltag einfach kein Problem war, weil sich alle genug bewegten. (Was das angeht bin ich froh, dass kein Karnevalszug gehen durfte. Die Süßigkeitenflut jedes Jahr ist mir tatsächlich immer viel zu viel.)

Somit bin ich gerade mehr als dankbar, dass die Tage wieder heller und wärmer werden und der Garten wieder an Attraktivität für die Kinder gewinnt. In den letzten Tagen haben sie ihn ziemlich ramponiert. An einigen Stellen wächst buchstäblich kein Gras mehr. Aber egal. Es tut uns allen gut, draußen zu sein. Ich habe unter dem fröhlichen Kommando vom Hummelchen auch mal die Bahn frei für die Frühblüher gemacht und vertrocknete Blütenstände zurück geschnitten. Ich freue mich auf das frische Grün. Noch ist es ziemlich trist, aber mit dem nahenden warmen und sonnigen Wochenende wird sich das schlagartig verwandeln. 

Mit dem Frühling kommt wieder mehr Leichtigkeit, selbst wenn diese ganze Pandemie-Kacke noch anhält. Sonne, Luft und die Möglichkeit draußen zu sein, macht alles leichter.

Ich tanke nun draußen so viel Energie, wie möglich. Wer weiß, was uns noch alles erwartet in den nächsten Wochen. (Die Schulöffnung mag einerseits Erleichterung bringen, vielleicht, aber möglicherweise wieder alles komplizierter machen.)

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