Vom Mond und schwierigen Ferien

Ein Leben mit Kindern ist abwechslungsreich, sehr schön, voller Liebe, aber auch sehr sehr anstrengend und manchmal ist man als Eltern auch sehr wütend. 

All das wusste ich, denn ich wuchs mit Geschwistern auf und ich arbeitete viele Jahre mit Kindern in unterschiedlichen Altersstufen. Was mich dennoch überraschte war, wie unfassbar groß die Liebe zu den eigenen Kindern sein würde und noch viel mehr, wie groß die Wut manchmal sein kann.

Ich bin weit davon entfernt meine Mutterschaft zu bereuen. Tatschlich wollte ich ab einem gewissen Altern gerne Mutter mehrerer Kinder werden und würde das jeder Zeit wieder so machen. Sie sind mein ganzer Stolz. Und das nicht, weil sie überragende Leistungen in irgendeinem Bereich erbringen, sondern weil sie einfach 4 besondere Persönlichkeiten mit spannenden Ecken, interessanten Kannten und tollen Stärken sind. Sie dürfen sein, wer sie sind. Und ich staune. Und lerne. Und liebe. Aber manchmal möchte ich weglaufen. Denn manchmal, da habe ich Wut. OAAAARRRRRR, da könnte ich.… Manchmal bin ich einfach nur meeeega genervt. 

So zum Beispiel in den letzten Tagen. 

Es sind Ferien. Der Mann hat ein paar Tage Urlaub einrichten können. Wir wollten mit den Kindern Zeit verbringen, etwas unternehmen.

Wir planten und machten Ausflüge. In Absprache mit den Kindern. 

Ein Ausflug zu einem interessanten Spielplatz, endete mit einem wilden Kreischen, weil ein Missgeschick mit einem Sandbauwerk passiert war und wir keine weitere Stunden bleiben konnten, um das Bauwerk neu anzulegen. Das Geschrei war Ohren betäubend. Gleichzeitig waren alle hungrig, aber genau deswegen mussten wir aufbrechen. Aber irgendwie war dann alles falsch. Beim Abendessen, (es gab Braten mit Klößen!), war dann auch was nicht richtig und das köstliche Essen mussten wir unter Getöse und Gemotze verspeisen. Wie ich das hasse. Zum krönenden Abschluss maulten 3 von 4, sie wollten gefälligst noch was gucken. Dem konnten wir unter den gegebenen Umständen nicht mehr zustimmen und verbrachten die Kinder angestrengt in die Betten.

Ein Kind hatte für einen anderen Tag inständig nach einem Zoobesuch gebeten, was dann alle gerne wollten. Stand ohnehin auf unseren Ferienvorschlägeliste, auch damit die Hummel mal in das Vergnügen käme. Wir buchten Tickets für den nächsten Tag. 

Im Zoo selbst motzte ein Kind, es sei langweilig und doof. Ein anderes bekundete pausenlos Appetit und Durst. Wieder ein anderes wollte ausschließlich zum Zoo-Spielplatz. Da blöderweise trotz Corona-Einlassbeschränkung der vollste Tag im Zoo war, den ich je erlebt habe, landeten wir früher am ebenso überfüllten Spielplatz. (Wir kürzten einen Weg ab, damit wir uns nicht durch ein furchtbares Nadelöhr schieben mussten. Während wir am Spielplatz ungemütlich Zeit verbrachten, wohnten wir mindestens 8 verschiedenen Durchsagen bei, in denen jeweils verlorengegangene und bitterlich weinenden Kinder ihre Eltern suchten. Ich war schon sehr oft im Kölner Zoo. Aber noch nie habe ich solche Durchsagen miterlebt. Will heißen: So voll habe ich den Zoo noch nie gesehen. Das aber nur als Randnotiz.)

Die Kinder wollten am Spielplatz auch Eis essen und danach Pommes und überhaupt nicht vom Spielplatz weg. Nach dem Eis hielt ich einen erbosten Vortrag, dass ich nicht 66 Euro zahlen würde, damit wir auf einem überfüllten Spielplatz rumhängen und dann noch teure Pommes essen. Ich war dezent erbost.

Die Kinder sahen es ein und ließen sich auf Pommes zu Hause vertrösten. (Keine Sorge, verhungern musste niemand, wir hatten Proviant mit, hatten diesen aber schon gegessen. Keine 10 Minuten, nachdem wir den Zoo betreten hatten.)

Wir wollten sodann die Runde fortsetzen, da maulten zwei Kinder, sie wollten lieber ins Aquarium. Trotz traumhaftem Herbstswetter, ließ ich mich zu diesem Indoorprogrammpunkt überreden. Allerdings mussten wir dann erstmal aus dem Zoo raus. Wir kamen aber wegen der Hummel nur langsam vorwärts, weil für sie ja alles super interessant war. Ein Kind kaute mir sehr unhöflich derweil ein Ohr ab, wir sollten schneller zu den Fischen gehen.

Endlich aus dem Zoo raus, blickten wir auf eine lange Warteschlange am Aquariumeingang. Das motzende Kind meinte sodann, es wollte eigentlich zu den anderen Fischen und meinte damit scheinbar das Tropenhaus im Zoo. Wir hätten natürlich nochmal rein gehen können, aber die anderen Kinder wollten nun sehr dringend in das Aquarium selbst. Das motzende Kind wollte sich aber nicht in einer Schlange anstellen (was ich verstehen konnte, ich hatte auch einen Fluchtreflex). Am Ende standen wir dann doch in der Schlange und versuchten eine völlig überdrehte und super müde Hummel in den Kinderwagen zu buxieren. 

Endlich im Aquarium angekommen, schlief die Hummel prompt ein und es setzte insgesamt eine entspanntere Stimmung ein, denn es war im Aquarium angenehm leer. Da funktionierte die Einlassbeschränkung. Wir entspannten und staunten.

Auf dem Rückweg dann aber, mussten wir mit einem Kind sehr hartnäckig diskutieren, warum wir zu den Fischen, Schnecken, Katzen, neuerdings einem Pflegepferd und dem Garten und den diversen sportlichen Hobbys aller Familienmitglieder nicht noch eine Schildkröte als Haustier aufnehmen. Ein anderes Kind hatte keine andere Sorge, als zu Hause dringend noch „ was gucken“ zu dürfen. Und wieder ein anderes Kind motzte auch irgendetwas vor sich hin. Ich schaltete angestrengt auf Durchzug. 

Zu Hause beeilte sich der Mann die versprochenen Pommes für die Kinder auf den Tisch zu bringen, während ich eine etwas schwierig gelaunte Hummel versorgte. Es gab auch bei dieser Mahlzeit wieder Gemotze und Gezanke und der Mann und ich fragten uns ernsthaft warum wir das alles eigentlich tun? Wir planen gemeinsame Auflüge, befolgen die Wünsche, es gibt Eis und Pommes und wir haben Zeit und diese undankbare Brut motzt und motzt und motzt. Dabei erwarten wir gar kein Dankeschön. Wir hatten lediglich gehofft, die Kinder glücklich zu machen und die sind stattdessen völlig neben der Spur.

Der nächste Tag war nicht besser. Schon morgens Gezanke und Gerangel. Lärm. Forderungen für dies und jenes. „Was gucken“ wieder ganz oben auf der Liste und auf keinen Fall wollte einer der Kinder das Haus verlassen oder gar den Schlafanzug gegen andere Kleidung tauschen. Man kann sich ausdenken, dass wir Eltern auch nicht mehr gerade in der geduldigsten Verfassung waren. Wir waren sogar richtig genervt und taten das auch kund. Nachmittags bestanden wir dann auf eine Runde Frischluft. Für alle Beteiligten war das dringend nötig.

Nach einer Runde Radfahren wollten wir heißen Kakao servieren und ein Gesellschaftsspiel mit den Kindern spielen. Während ich draußen noch mein Lastenfahrrad wieder wetterfest verpackte und ankettete und meinen Rucksack ins Haus lud, riefen die Kinder schon mindestens 5mal „Mama“. Sehr wohl sehend und wissend, dass ich noch mit dem Fahrrad zu tun hatte. Und außerdem gab es ja auch noch einen Vater im Haus. Es gab schließlich noch ein elterliches Fail (vor Erschöpfung) und damit lief das Vorhaben Kakao auch erstmal nicht wie gedacht. 

Schließlich riefen wir Eltern die Kinder streng an den Tisch und legten mal sehr bestimmt unser Sicht der Dinge dar. 

Ich dachte wirklich, es kann doch nicht sein! Ich musste an meine Uroma denken, die damals vor dem zweiten Weltkrieg aus dem heimischen Dorf regelmäßig einfach zu einer Freundin nach Berlin entschwand. Meine Uroma hatte auch vier Kinder. Sie war für die damalige Zeit eine sehr „ungehorsame“ Frau. Und vielleicht sollte ich es ihr mal nachtun. Einfach abdampfen für ein paar Tage. Nach Berlin.

Das Fass zum Überlaufen brachte dann später noch, dass mein Bett völlig zerwühlt war und alles in dem Zimmer durcheinander. Obwohl ich seit je her den Kindern immer wieder sage, dass ich abends unbedingt ein aufgeräumtes Bett bevorzuge und darüber hinaus, dass MEIN Bett nur ein Bett ist und kein Spielplatz. 

Ich wurde so wütend und fragte mich, warum mich das so wütend macht. Ob ich irgendwas aus meiner Kindheit da mit mir rumtrage und mich das deshalb triggert. Gibt es tatsächlich, so Kindheitstrigger, die einen unangemessen reagieren lassen. Ich fand allerdings nichts. Sorry.

Ich fand es einfach nur scheiße, um es mal im Gossenjargon auszudrücken. Ich fand es scheiße im hier und jetzt.

Am Abend leuchtete dann der Mond hell und kugelrund durchs Fenster und ich dachte, vielleicht waren einfach wir Eltern und die Kinder beiderseits etwas mondfühlig und deshalb alle zusammen schräg drauf. 

Dafür staunte ich gerade eben, als ich die Kinder ins Bett brachte, wie klug und reflektiert ihre Sicht auf die letzten Tage ist. Und was für tolle Kinder das doch sind. 

Trotzdem schön, dass sie nun schlafen. Ich hoffe auf ein entspannteres Morgen und wiege mich in dem Auf und Ab der Widersprüche des Familienlebens.

  5Comments

  1. Nina   •  

    Danke für Lage-Bericht. Hier heute auch einer der ätzendsten (Ferien-)Tage seit langem: Kleinstes Kind mit Fieber aufgewacht, mittleres im allseits bekannten ‚was gucken‘ Modus und der älteste hatte einen Übernachtungsgast (‚biiitte, wir sind auch ganz lieb und gehen alleine ins Bett‘ – bin ich Anfängerin doch tatsächlich drauf reingefallen), der ewig nicht nach Hause ging, da seine Mutter im Verkehrs-Chaos fest hing. Ein Chaos nach dem anderen wurde angezettelt, gefühlt gab ich den ganzen Tag irgendwas weggeräumt, aufgewischt etc. Und als ich nach Abgang des Gastes dem Sohn rückmeldete, dass mir das alles etwas viel des Guten war in den letzten 24 Stunden geht der doch beleidigt schmollend weg und jammert ‚Mama mag mich nicht mehr’… Packe glaub ich auch gleich meinen Koffer für Berlin 😉

  2. Nadine   •  

    Ist ja glatt wie bei uns ;o) Gerade im Urlaub stellen wir das auch immer wieder fest, dass wir einen Großteil der Ausflüge etc. auf die Kinder abstimmen und dann trotzdem immer einer (oder alle) was dran zu meckern haben. Was ja aber eigentlich auch völlig normal ist, bei Kids zwischen 5 und 10 Jahren, dass man dann schwer was findet, was alle mögen…
    Hier helfen ganz oft „unpädagogische“ Tage dazwischen: Jeder macht das, was er mag, auch wenn das heißt, dass ein Kind fast ausschließlich am Tablett hängt ;o) Aber meistens finden die Kids dann doch noch in einen Spielflow oder wir können uns alle zum späteren Nachmittag noch zum Rausgehen aufraffen. Wir Eltern können zwischendurch auch mal bisschen durchschnaufen, was lesen oder auch nur stumpf in unser Handy gucken.

    • Beatrice   •     Author

      😀 Die „unpädagogischen Tage“ hatten wir in der ersten Ferienwoche. Aber wenn wir hier die Medien frei geben, dann hängen 3 Kinder und die Hummel dann auch mehr oder weniger non stopp an den Geräten und sind danach völlig unausstehlich. Ganz schlimm. So schlimm, dass wir die Medien oft komplett weg lassen. Außer Hörspiele. Die dürfen sie immer nutzen. Die letzten Tage waren einfach Murks. Mit und ohne Aktivität. Es war keine Ruhe hinein zu bringen. Richtige Urlaube sind bei uns bisher immer entspannt gelaufen. Es war der Mond. Ganz sicher. 😜

  3. Andrea Rohde   •  

    Ich reihe mich Mal ein…bei uns lief es in den Ferien vergleichbar unrund und nervig. Für alle Beteiligten.Bei Medienfreigabe gibt es bei uns auch immer Recht schnell von “ alle beschäftigen sich mit ihren Themen“ zu “ ich bin total unausgelastet und ärger Mal den Nächsten,der mir entgegen kommt“
    Ich schiebs mal auf den Mond und hoffe auch mehr Energie und bessere Laune in der nächsten Mondphase. Für alle!

  4. Sonja   •  

    Es war der Mond!!
    Furchtbar, Anstrengend und zum davonlaufen!
    Liebe Grüße!!

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