Kack-Scheiß-Mama

(Ein Ausdruck, der hier bei den Kindern mal kurz Mode war, den ich aber ausgemerzt habe. Das darf ich nur selbst zu mir sagen.😁)

Es folgt das EingestÀndnis als Mutter in einer Situation komplett versagt zu haben. Aber es zeigt auch, dass man sich die Fehler eingestehen und dann etwas Àndern muss.

Vor wenigen Wochen…

Ich knurrte und grummelte irgendwie aus diversen kleinen GrĂŒnden vor mich hin. Lauter kleine Baustellen und Problemchen hatten sich aufgetan. HauptsĂ€chlich beschĂ€ftigte mich die plötzliche Kindergartenabneigung des Sohnes.

Ich „sah“ nicht bei allen Kindern genau genug hin und war abgelenkt. Kinder merken das ja SOFORT! Das Sirenchen quittiert so etwas dann auch direkt mit extra Forderungen. Da kann man machen was man will. Sie ist dann wirklich ziemlich kompliziert zu hĂ€ndeln. FĂŒr mich jedenfalls. Nenne man es wie es wolle. Autonomes Kind, Wildfang, eine Phase, Trotzkopf, Eigensinn oder was auch immer.

Das Mama und drei-kleine-Kinder-GefĂŒge wurde jedenfalls gefordert.

Abends hatten wir dann plötzlich tagelang beim Zubettbringen ein riiiiesen Theater. HauptsĂ€chlich durch das Sirenchen ausgelöst. Sie stand immer wieder auf, weckte das Knöpfchen, klettert zum Sohn ins Hochbett und krakelte laut rum. Die Kinder fanden manchmal ganz schön spĂ€t in den Schlaf. In Kombination mit dem ein oder anderen Alptraum vom Sohn, dadurch nĂ€chtlichen Unterbrechungen, wurden die Kinder immer mĂŒder und am Tag somit unleidlicher. Ich allerdings auch.
Schließlich gipfelte es darin, dass das Sirenchen abends nach ausgiebigem Kuscheln und Gute Nacht WĂŒnschen mir immer weiter hinterher krakelte.
„Mama, Gute Nacht! Jaaa?“
„Jahaaa, Gute Nahacht!“ flötete ich dann.
„Mamaaa? Gute Nacht! Und bis spĂ€ter? Ja?“
„Jahaaa! Gute Nacht und bis spĂ€ter!“ sagte ich dann laut aber freundlich.
„MAMAHAA! GUUTE NACHT! JAAAA?“, brĂŒllte das Sirenchen.
Dann ging ich zurĂŒck zum Kinderzimmer, lĂ€chelte ihr nochmal (ich gebÂŽs zu etwas gequĂ€lt zu) und wĂŒnschte nochmals laut und deutlich eine „Gute Nacht!“
Das Spiel wiederholte sich dann aber wieder von vorn. Der Ton (vorallem meiner, wurde gereizter.)

Wenn die Geschwister noch etwas sagen wollten, krakelte das Sirenchen einfach dazwischen.
Das Spiel wurde immer lauter auf beiden Seiten. Ich hatte schließlich das Bild vor Augen, wie ich ihr das Gute Nacht mit einem Megaphon entgegen brĂŒlle.
Alles doof.
Einige Tage machte ich die Sache so mit. Ich Ă€rgerte mich. Obwohl ich schon ahnte, was ich Ă€ndern mĂŒsste
ich war irgendwie noch nicht soweit bzw in meinem GefĂŒhlsleben nicht so gut sortiert, dass ich klar und entschlossen reagieren konnte. Blöd, denn an einem Abend mit diesem Theater eskalierte die Situation.
Das Spiel mit dem Gute Nacht-GebrĂŒlle wurde noch ergĂ€nzt durch das Ärgern der kleinen Schwester, die dann auch noch heulte.
Ich war schon ziemlich angesĂ€uert. Ich ging dennoch zum Sirenchen hin, kuschelte nochmal und sagte, dass jetzt Schluss sei, sonst mĂŒsse ich sie ins Schlafzimmer aufÂŽs Bett setzen. Dann mĂŒsse sie sich dort mal ein Weilchen langweilen. Die Geschwister wollten nĂ€mlich schlafen.

Das Sirenchen nickte brav, aber kaum war ich aus der TĂŒr, brĂŒllte sie mir wieder hinterher. „GUTE NACHT MAMIIII! JAAAA????“

Ich stĂŒrmte in das Kinderzimmer zurĂŒck und packte das Sirenchen, trug es im Stechschritt ins Schlafzimmer, platzierte sie dort grob auf dem Bett und BRÜÜÜÜLLLLLTE. Nur ein Löwe ist lauter. Ganz schlimm! Ich war sooo sauer. So drĂŒber. Seit Tagen dieses Theater und massive Gefordert von Aufmerksamkeit. Ich gab, was ich konnte und es reichte einfach nicht. Und das brĂŒllte ich ihr alles entgegen. Ich brĂŒllte so richtig schlimm. Ich war heiser danach. Das Sirenchen machte ein Schmollgesicht und verschrĂ€nkte die Arme.
Ich verließ dann den Raum, sie schrie mir ein blöde Mama hinterher. Ich packte meine Sporttasche und stĂŒrmte hinaus zum Sport. Der Herr Papa war nun zu Hause und sollte sich doch damit befassen. Ich hatte den Kaffe auf. Aber grĂŒndlich!
Ich rannte zum Sport. Die kalte Luft und der Regen taten richtig gut. So in Rage war ich lange Zeit nicht gewesen.
Beim Sport musste ich noch kurz warten bis der Kurs begann und grollend saß ich da und starrte in den wolkigen Himmel.

Der ganze Zorn verpuffte urplötzlich und ich fĂŒhlte mich ganz schlecht. Die laute fröhliche Musik ĂŒberdeckte mein Unwohlsein. Aber nach dem Kurs liefen mir die TrĂ€nen ĂŒbers Gesicht. Ganz ganz schlimm fĂŒhlte ich mich und bevor ich mich schlafen legte, kuschelte ich mit dem schlafenden Sirenchen und entschuldigte mich leise. Es tat mir so unfassbar leid.
Am nĂ€chsten Morgen kam das Sirenchen zu mir ins Bett zum Kuscheln. Ich sagte, es tĂ€te mir schrecklich leid, dass wir uns so gestritten hĂ€tten und ich so doof gewesen sei. Da nahm mich dieses kleine MĂ€dchen fest in den Arm und sagte mit ihrem typischen leichten Lispeln: „Mama, du brauchst dich nicht zu entschuldigen!“
Da möchte man doch weinen! Ich tat es jedenfalls schon wieder.

Immerhin habe ich es ab dem nÀchsten Tag geschafft, der weiterhin unruhigen Situation adÀquat zu begegnen. Ich schenke dem Sirenchen wieder bewusst mehr Aufmerksamkeit, sage aber auch klar, was ich mir vorstelle.
So sage ich ihr derzeit jeden Abend nach ausgiebigem Kuscheln, dass ich ihr, wenn ich aus dem Zimmer gehe noch EINMAL Gute Nacht sage und ich dann nicht mehr antworte, aber spÀter nochmal gucken komme.
Es klappt wunderbar! Es ist Ruhe eingekehrt.
Es zeigt auch wieder, dass die meisten Probleme im Kern ein „Bedienungsfehler“ sind. Der Fehler liegt also bei mir als Mutter. Ich trete nicht klar genug auf.
Und obwohl ich es weiß, schleicht sich manchmal der Schlendrian und zu viel Gelassenheit ein. Und manchmal auch ein bisschen TrĂ€gheit. Und schon bin ich nicht mehr klar genug. Jedenfalls nicht fĂŒrÂŽs Sirenchen.

 

 

  6Comments

  1. Avatar NĂ€tty   â€ą  

    Ach, das hast du so toll beschrieben! Genau die GefĂŒhlslagen, die bei mir auch so hintereinander weg gefolgt sind! Gereiztheit, das Üben in Geduld, Wut, dann schlechtes Gewissen und traurig sein, aber dann die Erleichterung, dass einem die lieben Kleinen verzeihen und die Einsicht, dass man ja doch keine Niete als Mama ist. Einfach nur ein Mensch. Mit menschlichen GefĂŒhlen. Ich kann jede deiner Handlungsweisen sooo gut nachvollziehen. Ich bin echt beeindruckt, wie du das mit deinen drei Kids hinbekommst.

    Und auch dein RĂ©sumĂ© ist so wahr!!! Man muss klarer auftreten. Bei uns klappt es auch viel besser, seitdem ich nun einfach immer nur noch eine Geschichte vorlese, nur noch ein Lied singe, dann einmal Gute-Nacht-sage und rausgehe. Dadurch, dass ich mir sicher bin, dass wir das jetzt so machen und egal wieviel gequengelt wird, sich dieser Ablauf nicht groß Ă€ndern wird, weiß die Kleine jetzt scheinbar wo sie dran ist. Und schlĂ€ft innerhalb von zehn Minuten ganz alleine ein … VerrĂŒckt … Und ich hab mir davor immer den Stress gemacht ewig bei ihr zu sitzen 😉

    • Avatar Beatrice   â€ą  

      Vielen Dank fĂŒr deine Worte! 😊 ❀

  2. Avatar Marita   â€ą  

    Oh man, da kommen Erinnerungen hoch. Als meine Kinder in dem Alter waren, bekam ich sie auch noch – frĂŒher oder spĂ€ter – wieder in die Spur, und es ging Ă€hnlich niedlich zu, mit ganz viel Liebe und Kuscheln. Heute, in der PubertĂ€t, wĂŒnsche ich mir oft diese Zeit zurĂŒck. Ich nehme mir immer wider vor, mich zusammen zu reißen, also nicht zu BrĂŒllen, doch heute ist es noch viel schwerer, als damals. Das Traurige ist, heute wollen sie meine Entschuldigung nicht mal hören. Ich wĂŒnsche Dir, von herzen, dass Du es ganz lange „im Griff hast“!

    • Avatar Beatrice   â€ą  

      Danke 🙂 Das wĂŒnsche ich mir auch. Auf die PubertĂ€t „freue“ ich mich schon. Ich war nĂ€mlich selbst auch eine ziemliche Zicke in der Zeit. Da weiß ich, was mir blĂŒht. 😀

  3. Avatar Schnuppismama   â€ą  

    Oh, ist das Ă€hnlich – SEHR Ă€hnlich! Danke fĂŒr den Link hierher… ich weine mal ne Runde mit!

  4. Avatar Amelie   â€ą  

    Ich habe einen Jungen und eine Tochter im Teenie-Alter. ich sage nur Horror.
    Manchmal frage ich mich ob ich nicht zu streng mit ihr bin, andererseits muss man als Mutter auch mal die Grenzen setzen.

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