Liebe tut weh

oder: Einfach nicht mein Tag

Ich werde von den forschen Worten: Steh auf Mama, wir ziehen uns jetzt an und gehen runter! aus einem komatösen Schlaf geweckt. grrrrrr Ich knurre und brumme und sage, ich wolle noch schlafen. Ich schlafe auch wieder ein, werde aber immer wieder geweckt. Auch von anderen Kinderstimmen. Wieso fühle ich mich, als hätte ich eine übermütige Party gefeiert und wäre erst um 5 ins Bett gegangen? (Ich war gemütlich zu Hause hab zwei Flaschen Fassbrause getrunken und bin zu einer gesitteten Zeit ins Bett gegangen.) Und wieso wecken die Kinder nicht einfach ihren Vater? grrrrr
Morgenmuffel war ich schon immer, wenn ich nicht ausgeschlafen war. Ich habe es mir in den Jahren mit den Kindern weitestgehend abgewöhnt. Aber heute BIN ich muffelig. Lasst mich doch alle. Ein Blick auf die Uhr: 6.30. Es ist Sonntag! Das geht so nicht. Ich versuche weiter zu schlafen, aber die Kinder kuscheln mich wach (das ist sehr schön) und hüpfen auf mich drauf (das ist gar nicht schön). Kinder ich hab euch auch lieb, aber lasst mich doch noch ein bisschen….
In dieser Unruhe um mich herum bleibe ich bleischwer liegen, döse immer wieder weg und wenn ich gerade mitten in seltsamen Träumen stecken, reißen mich wieder Kinderfragen in die Realität. Mama, kannst du den Knoten hier aufmachen? Die Kinder spielen Angeln vom Hochbett aus. Um wahnsinnige 9 Uhr dann pelle ich mich aus dem Bett. Ohne Kaffee geht mal gar nix heute. Den muss ich mir ganz schnell machen. Was ist denn los? Ich kleide mich an und muss dann auf die Kinder warten, die nicht wollen, dass ich vor ihnen nach unten gehen. Sie müssen sich noch anziehen. Ich merke, ich stehe heute hoch im Kurs. Da ich das Geschrei nicht ertragen möchte, wenn ich mich ihrem Wunsch widersetze, warte ich wirklich und fiebere meinem Kaffee entgegen.… Kaffeeeeee.
Unten trete ich erstmal auf einen Playmobil-Ritterhelm. Aaaaaaaah….Sch…..
Schmerz lass nach.
Auf dem Weg zur Kaffeemaschine, stoße ich mich am Knie an einem kleinen Kinderstühlchen, welches im Weg steht. pfffffff
Die Kinder springen so furchtbar fröhlich um mich herum. Ich freue mich einerseits, bin aber so bleiernd und gelähmt. Ich will wieder ins Bett. Dabei habe ich mir für heute einiges vor genommen.
Das Sirenchen hat bald Geburstag. Da muss ich mal die Einladungen fertig machen. Wäsche weg sortieren und waschen. Aufräumen, ein paar Telefonate führen, mails beantworten…..und so. Ich habe keinen Schwung. Während ich den Tisch decke, trete ich mit dem anderen Fuß auf eine Murmel. Aaaaaaah! HIER WIRD HEUTE AUFGERÄÄÄÄÄUMT!

Ich bekomme einen Schluckauf.
Ich nehme einen hektischen Schluck vom Kaffee….aauauauauau, ich habe vergessen die Milch reinzugießen. Ich habe mir die Zunge verbrannt.
Nach dem Frühstück kommt das Knöpfchen kuscheln und knallt im Übermut mit ihrem Kopf gegen meinen Wangenknochen. Uäääääääääh! Auauauauau
Tuldi-gung. Ach, süß iss se ja, wenn sie sich so entschuldigt und das Aua weg pustet.

Nach dem Frühstück setzen wir uns kurz raus auf die Stufe der Terrasse und beobachten ein paar Vögelchen im Garten. Das Knöpfchen hat ein paar Holzreste zusammen getragen und balanciert darauf herum. Ein kleineres Stück wirft sie plötzlich und es knallt voll gegen meinen Knöchel. Volltreffer. Mir schießen Tränen in die Augen. Das Knöpfchen guckt bestürzt, lässt wieder mit hellem Stimmchen ein zerknirschtes Tuldi-gung verlauten und pustet aus Leibeskräften das Aua weg. Es ist rührend. Aber es tut weh.
Sie wirft sich mir um den Hals, rammt mir dabei ein Knie in den Bauch und flüstert mir ins Ohr: Meina libba Mammaaaa!

Das Sirenchen tut es ihr nach, aber reißt mir dabei ein paar einzelne Haare aus. Die hatten sich irgendwie in ihren vom Frühstück noch klebrigen Fingern verfangen.

Liebe tut weh.

Ich brauche mehr Kaffee.

  2Comments

  1. Tanja   •  

    Toller Blog, sehr sympathisch und mitten aus dem Leben geschrieben!!lg tanja

    • Beatrice   •  

      Vielen Dank! Ja, mitten aus dem Leben ist es definitiv. Mehr Mitte geht nicht. 😀 LG

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