Die Schulanmeldung und meine Auswahlkriterien

Das letzte Kindergartenjahr vom Sohn ist angebrochen. Das wurde mir allerdings erst so richtig bewusst, als die Post von der Stadt eintraf, in der die Anmeldeunterlagen und Termine beilagen.
Ich hab erstmal geschluckt und ein bisschen geweint. So ging es mir damals mit dem Kindergartenbescheid auch. Das Glucken-Herz in Aufruhr.

Mein kleiner Junge wird größer und eine neuer Abschnitt steht bevor. Ich kann nicht sagen: Ach, ist ja noch ein Jahr Zeit, weil in diesem Herbst muss die Entscheidung fallen und eine Schule ausgewählt werden.

Über die passende Schule habe ich mir schon länger Gedanken gemacht. Obwohl oder gerade weil ich aus Lehrersicht weiß, wie Schule läuft.

Für mich sind ein paar Kriterien ausschlaggebend:

Das Kind muss sich in der Schule, in der Lerngruppe und mit der Klassenleitung wohlfühlen. Ein Punkt, den ich vorab nicht wirklich klären kann.

Eine kluge und super tolle Lehrerin sagte einst: Die beste Schule bringt nichts, wenn die Kinder mit dem Klassenlehrer/der Klassenlehrerin nicht gut zurecht kommen. Oder umgekehrt, ein blöde Lehrerin, die die Kinder nicht versteht nützt nichts, auch wenn die Schule einen super Ruf hat.
Ich selbst kann meine Fühler ausstrecken und versuchen heraus zu finden, wer die neue erste Klasse bekommt und selbst dann: Ich kann eine Lehrerin super finden und mein Kind findet diese Person doof.

Das Konzept muss zu meinem Kind passen.

(Das kann ich im Vorfeld erahnen, aber ich weiß von den Erzählungen einiger Eltern, dass man sich da auch täuschen kann. Auch auf einer Montessori-Schule gab es schon herbe Enttäuschungen. Kind und Konzept passten doch nicht zusammen.)

Wie tickt mein Kind? Braucht es eine klare Linie oder mehr Freiraum? Orientiert es sich ausschließlich an Gleichaltrigen oder stark an älteren Kindern? Ist es seiner Altersgruppe in ein paar Dingen voraus? Oder sogar weit voraus? Oder habe ich den Eindruck, dass es mit seinen Fertigkeiten in allen Dingen sehr homogen unterwegs ist.

Der Schulweg sollte alleine zu meistern sein, auch wenn die Schule etwas weiter weg liegt.

Wenn man sich für eine Schule im Nachbarort oder der nahegelegen Stadt entscheidet, so ist es günstig, wenn die Kinder diese Schule auch alleine mit einem Bus oder gar mit dem Fahrrad erreichen können. Finde ich wichtig für die gesamte Organisation des Familienalltags und die Selbstständigkeit der Kinder.

Ideal finde ich eine Schule in Wohnortnähe.

Wenn die Schule im vertrauten Umfeld liegt, können auch Freundschaften in unmittelbarer Nähe geschlossen und gepflegt werden. Die Kinder können ihre Wege alleine gehen. Die Selbstständigkeit…, sagte ich ja schon.
Nachteilig finde ich nämlich, wenn Kinder verinseln und ihre Wege nicht ohne Hilfe, wie zum Beispiel den elterlichen Fahrservice bestreiten können.
Oder gar das Gefühl haben: Ich bin jetzt hier in der Schule und wenn mich niemand abholt, weiß ich nicht mal, wie ich nach Hause finde. Kein schönes Gefühl!

 

Diese Punkte habe ich für meine Entscheidung alle berücksichtigt.

Wir sind uns als Eltern zwar einig, dass der Sohn wunderbar auf eine Waldorfschule passen würde. Aber beide Waldorfschulen sind für ein Kind alleine, von uns aus gesehen, umständlich zu erreichen. Es sei denn wir würden den Chauffeur spielen. Wenigstens ein Stück weit bis zu einer Busverbindung.

Fußläufig erreichbar haben wir tatsächlich gleich zwei Grundschulen zur Auswahl. Die eine arbeitet in Jahrgangsklassen und die andere in Jahrgangsübergreifenden Klassen. Also Klasse 1 und 2 und Klasse 3 und 4 werden gemeinsam unterrichtet. In einer Jahrgangsgemischten Schulklasse sehe ich für den Sohn gute Chancen sich nicht zu langweilen. Gerade in Sachkundthemen ist er seiner Zeit weit voraus und die Uhr lesen (volle und halbe Stunden) hat er sich auch schon selbst beigebracht. Keine Ahnung wie er das gemacht hat.
Hingegen interessiert er sich seit je her für Bücher, aber ein gesteigertes Interesse an Buchstaben, Lesen und Schreiben hat er bisher nicht. „Mama, was steht da? Mama, lies mal vor!“ -„Lern selbst lesen!“ sag ich manchmal. Wir lachen dann beide.

Meine Entscheidung ist daher nach dem Infoabend der schon angedachten Schule gefallen. Denn sie erfüllt 2 von vier Kriterien. Alles andere wird sich eh erst zeigen, wenn die Schule begonnen hat.

Ich werde dann genau beobachten wie es läuft, denn was sich in jedem Fall vermeiden möchte, ist dass die Grundschulzeit jedes weitere Interesse am Lernen zerstört. In den meisten Fällen läuft das aber auch ganz gut. Man muss also nicht panisch werden.
Aber ich kenne ein paar Fälle, bei denen sich Eltern hartnäckig für einen Klassenwechsel oder Schulwechsel stark gemacht haben und damit Recht hatten. Den Kindern ging es nach dem Wechsel besser und sie blühten auf.

Damit will ich definitiv nicht sagen, dass man alle Lehrer per se von Anfang an kritisch belauern sollte. Man sollte jedem unvoreingenommen entgegen treten und, falls es was zu hinterfragen gibt, auch erst einmal fragen und nicht sofort urteilen. Der Austausch und das Gespräch mit Kind und Lehrern ist wichtig.

Insgesamt stehen wir auf dem Standpunkt, dass wir keinen Leistungsdruck aufbauen wollen. Schon jetzt ist klar, der Sohn ist nicht blöd. Was er lernen will, wird er lernen. Lieber möchten wir ihn auf das Leben vorbereiten. Und dazu gehört viel mehr, als in der Schule top Noten zu kassieren.

 

  6Comments

  1. Avatar Rina   •  

    Bei uns gibts leider nur eine Schule, die die Hälfte des Unterrichts in Deutsch anbietet. Und damit sind alle anderen Kriterien, die mir mal wichtig waren, hinfällig.Seufz.

    • Avatar Beatrice   •  

      Ja, da kann man nichts machen. Hat auch seine Vorteile, weil man dann garnicht groß ins Abwägen kommt. 😀 Es gibt ja meistens nur eine Grundschule vor Ort. Ich finde es auch eher luxuriös, dass es hier gleich zwei Grundschulen gibt. Ansonsten haben wir halt wirklich überlegt, ob wir eine Waldorfschule oder Montessori Schule wählen sollen. Aber die nächste Montessori schule ist einfach viel zu weit weg. Und die Waldorfschulen, wie im Beitrag erwähnt, wären auch etwas umständlich zu erreichen. In den meisten Fällen wird´s schon gut laufen in der Schule. Egal welche es ist. Wichtig ist, was das Elternhaus draus macht.

      • Avatar Rina   •  

        Ach, Montessori gäbe es sogar auch hier (und die normale staatliche ecole primaire um die Ecke und noch weitere Privatschulen) aber eben ohne Deutsch.Und dann schlägt Muttersprache eben Entfernung, konfessionell oder eben nicht etc. Und eine echte Alternative zu haben ist viel wert, falls Kind sich nicht wohlfühlt oder es mit dem Lehrer so gar nicht passt (bei Nr. 1 bis jetzt alles kein Problem, aber es kommen ja noch mehr Kinder)

        • Avatar Beatrice   •  

          Ja, das mit der Muttersprache kann ich voll verstehen. Dann gehen wir einfach mal davon aus, dass alles gut passt.In den meisten Fällen ist man ja doch ganz zufrieden. 🙂 Wahrscheinlich macht man sich beim ersten Kind ohnehin viel zu sehr einen Kopf und ist bei den weiteren etwas gelassener. Liebe Grüße

  2. Avatar Yvonne Mohaupt   •  

    Ja, die Schuulleeee… seit vier Jahren bin ich nun Schulkind-Mama, hatte keine Wahlmöglichkeit (nur eine Grundschule im Dorf) bzw. wollte nicht wählen (Montessori und Co. natürlich irgendwo vertreten). Mit dem Schulsystem konnte ich mich als Kind schon nicht anfreunden, schon garnicht mit Lehreren oder irgendwelchen Autoritätspersonen. Als Erwachsene hat sich das nicht sonderlich verändert. Aber ganz ehrlich, Montessori und Walldorf wäre für mich auch nicht der richtige Weg gewesen. Auch als kreativer Freigeist sollte man sehen wie es so läuft im Leben und das ist nicht Friede-Freude-Eierkuchen sonder es wird gemobt, gebuhlt, gewonnen und verloren. Der Background ist wichtig. Die Eltern, was vermittel ich als Mama, als Papa?! Wie erkläre ich Schule und das Schuldasein, wie gehen wir mit Hausaufgaben um. Spaß am Lernen vermitteln, auch wenn es mal ein Thema ist, was man nicht so doll mag. Wie geht man mit Menschen um (Lehrer oder Schüler) die man sowas von garnicht leiden kann. Wie, wenn der andere MICH nicht mag? Das soziale Umfeld ist wichtig. Gehen meine Freunde mit mir in die erste Klasse? Bekannte Gesichter. Das gibt Halt. Das macht Stark.

    Meinte Tochter ist in der 4. mein Sohn in der 3.. Das Buben und Mädchen in dieser Hinsicht total unterschiedlich sind, kann ICH zumindest unterschreiben. Aber es läuft, und es läuft gut!

    • Avatar Beatrice   •  

      Du hast in allen Punkten Recht. Und hier ist es der Papa, der die Schule in grausiger Erinnerung hat. Ich mochte Schule immer gerne. Jedoch habe ich, als ich selbst im Bildungssythem arbeitete, zu viel gesehen, was definitiv gründlich verbessert gehört. Aber die Strukturen sind so verkrustet….noch gestern mit einer Bekannten drüber gesprochen….um so wichtiger, dass mehr Eltern wie du denken und ihre Kinder ohne Druck und Leistungserwartungen mit so viel Freude wie möglich durch die Schule begleiten.:-)

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