Ich meckere auch mit fremden Kindern.

Es geht ums „Fremd“-Schimpfen. Damit meine ich, mit „fremden“ Kindern zu schimpfen.

Ich schrecke tatsächlich nicht davor zurück, fremd zu schimpfen. Es gelten da für fremde Kinder die gleichen Regeln, wie für meine eigenen. Es gibt nur einen Unterschied: Ich warte einen Ticken länger bis ich was sage, weil ich die Situation erst genau beobachte. Ich kenne meine Kinder einfach besser und weiß schneller was Sache ist. Bei fremden Kinder, weiß ich nicht so direkt, was sie „reitet“. Und wenn deren Eltern dabei sind, denke ich natürlich auch, dass es deren Sache ist ihr Kind zu sehen und warte noch länger ab.

Jetzt bin ich grundsätzlich von der Sorte: Konflikte, die nicht aus dem Ruder laufen, müssen Kinder selbst regeln. Die sollen mal machen. Sich ausprobieren. Kennenlernen. Und nicht für jeden Pups einen Erwachsenen suchen, der ihnen hilft. Sonst hat man da am Ende so Schnatterinchen stehen, die ständig gelaufen kommen: „Der Sowieso/ die XY hat das und das gemacht/ zu mir gesagt!“ Heul, jaul. Nerv!

Ja nerv! Weil einer Pupskanone gesagt hat, muss ich keinen Nervenzusammenbruch bekommen und einen Staatsakt daraus machen.

Aber es begegnen einem ja immer mal Kinder, die sich wie Kotzbrocken benehmen. (Meine eigenen Kinder können das übrigens auch. Alle drei. :-D)
Man darf nun nicht aus einzelnen Situationen auf das Große und Ganze schließen. Es gibt gute Gründe, warum Kinder partiell mal unangenehm auffallen. Das ist alles ok.

Aber wie geht man damit um, wenn man echte Dauer-Kotzbrocken im direkten Umfeld hat? Da schreit das Kind nämlich förmlich nach Aufmerksamkeit. Nach richtiger Aufmerksamkeit, nach Feedback wohlgemerkt. Es sagt seinen Bezugspersonen mit seinem Handeln: „Sieh mich an, ich bin da. Siehst du was ich mache? Siehst du wer ich bin und was ich brauche?“ Manchmal braucht das Kind mehr von irgendwas und manchmal auch einfach weniger dafür aber möglichst an der richtigen Stelle.

Ich möchte diesen Eltern überhaupt keine „Erziehungs“-Kompetenz absprechen. Vielleicht befinden sie sich selbst gerade in einer schwierigen Phase und sind einfach nur müde. Und zwar schon länger. Oder man wird auch als Eltern gerne mal betriebsblind. Passiert mir auch.

Wenn aber diese „Kotzbröckchen“ nun andere Kinder so stören, dass ein steter Unfrieden und Streit herrscht oder Dinge von anderen mutwillig zerstört oder verschmutzt werden. Dann versehen ich nicht, wie die Eltern das übersehen können. Das macht mich wütend. Und zwar vornehmlich auf die Eltern. Vor allem, wenn das nicht nur einmal, an einem „schlechtenTag“, sondern oft vorkommt.
Was ich wirklich nie tolerierbar finde ist, wenn andere Kinder verletzt oder fremde Gegenstände mutwillig zerstört werden. Egal was der Auslöser war, egal welchen Frust das Kind mit sich trägt: Wenn mein Kind viel zu heftig reagiert, dann bekommt es von mir ein Feedback darüber. Und wenn es in der Situation selbst nicht aufnahmefähig ist, später in Ruhe nochmal.
Das erwarte ich auch von anderen Eltern.

Wenn meine Kinder oder auch andere Kinder, da unterscheide ich nicht, in Mitleidenschaft gezogen sind und es nicht selbst geregelt bekommen, dann schimpfe ich (auch in Anwesenheit der Eltern, wenn sie nicht reagieren) mit den Kindern, um das Symptom zu „behandlen“. Allerdings angenehm ist mir das nicht.
Mein persönliches Problem ist dann noch, dass ich gerne mal zu lange abwarte und etwas hitziger reagiere, als es passend wäre. Es ist mein Temperament.
Es hat mir zum Glück bisher kein Kind übel genommen. Man könnte mich hart aber herzlich nennen. Oder um es mit den Worten eines Neuköllner Brennpunktschülers zu sagen: „Krass, sie spricht laut aber lacht!“ (man stelle sich das rollende R dabei vor.) Treffender kann man mich nicht beschreiben.
Man kann Kindern durchaus auch beibringen ihre Wut zu kanalisieren.
(Z.B.: Bin ich schlecht drauf und spüre furchtbare Wut in mir aufsteigen, dann trete oder boxe ich gegen einen Gegenstand (der nicht kaputt gehen kann z.B. den Fußboden) und nicht gegen eine Person.)
Ich habe einem Wutzwerg als erste Hilfe Reaktion mal angeboten sich dann einfach auf den Boden zu werfen und mit allen 4ren auf den Boden zu trommeln und laut zu schreien. Meinetwegen auch Schimpfwörter. Da musste man natürlich auch raus finden, was diese Explosionen immer verursacht. Aber auf diese Weise verletzte dieses Kind erstmal weder andere, noch Gegenstände noch sich selbst. Denn das geht einfach nicht.
Ich habe auch schon beobachtet, dass Kinder sich daneben benehmen, Ärger von jemand anderem (mir) bekommen und dann Trost bei den Eltern suchen. Die dann ENDLICH reagieren. Für das Kind ist das dann eine „Ersatz“-Reaktion. Nicht die, die es eigentlich schon länger sucht.

Ich erlebte sogar schon „erleichterte“ Eltern, weil ich das Meckern an ihrer Stelle übernommen habe.

Oder Unverständnis.

Und da finde ich den Beitrag von der Grummelmama super. http://grummelmama.de/wordpress/kinder-sollten-grenzen-kennen-die-anderer-menschen-2085/

Es sollte doch unser gemeinsames Ziel sein (egal mit welcher Erziehungsmethode) sozialverträgliche Kinder groß zuziehen. Das beutetet ja nicht, dass sie angepasste Ja-Sager werden. Sondern einfach die Grenzen anderer Menschen respektieren und möglichst auch schon erkennen bzw erkennen lernen, bevor man sie überschreitet.

Und solange das nicht gegeben ist, werde ich auch fremd schimpfen. Es signalisiert dann nämlich allen Beteiligten, dass eine Grenze überschritten wurde.

 

Ein weitere Beitrag zu dem Thema ist auch hier zu finden: http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2017/02/eine-spielplatzbegebenheit-und-die.html

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