Eine Diskussion über einen Buchtitel und Buchempfehlungen

Oder: Was machen die eigentlich abends so?

Was machen der Mann und ich eigentlich so am Abend, wenn die Kinder im Bett liegen und wir „frei“ haben?
Ich sag es gleich, 80% der Zeit sehen wir NICHT fern! Noch nie. Von Anfang an haben wir geredet, viel geredet, geredet und noch mehr geredet UND diskutiert. So viel, dass Freunde schon sagen, dass das doch wohl nicht sein kann und ihnen zu anstrengend wäre. Aber so ist es. Wir diskutieren viel. Manchmal sogar ein wenig mehr, als mir lieb ist. Vor allem, seit wir Kinder haben, bin ich abends einfach nicht mehr aufnahmefähig. Und weil ich eigentlich neben Reden auch sehr gerne Filme sehe oder Bücher lese, ist das vor lauter Gesprächen etwas zu kurz gekommen. Man glaubt kaum, wie viele Filme ich NICHT zu ende gesehen habe, seit ich den Mann kenne. Zum Glück habe ich viel Fantasie. Und zum Glück gibt es mittlerweile Mediatheken, da kann man einfach wann anders genau an der unterbrochenen Stelle weiter schauen.

Der Mann und ich, wir sind unterschiedlich. Das ist auch gut und das macht es für uns gegenseitig sehr spannend. Manchmal auch ein wenig anstrengend. Aber vornehmlich spannend. Und deshalb müssen wir oft reden. Auch über irgend einen Quatsch. Ein Beispiel:


Der Mann hatte mal einen Buchtitel im Kopf. Einen Buchtitel ohne Buch. Nur den Titel. Den verrate ich auch nicht, weil er meint, der Titel sei der Wahnsinn und alle könnten damit was anfangen. Und wenn er mal ein Buch schriebe, dann trüge es diesen Titel. Der Inhalt ist übrigens noch äußerst flexibel. (An dieser Stelle hört ihr mich unterdrückt lachen, nicht weil ich gemein bin, sondern weil ich einfach glaube, dass NIE ALLE mit etwas gleich gut etwas anfangen können. Vor allem nicht mit einem „einfachen“ Titel.)
Und so spricht der gedachte Buchtitel des Mannes leider nicht zu mir.
Wie viele andere Buchtitel übrigens auch nicht.
Das bedeutet nicht, dass das Buch, sofern es denn geschrieben wäre, mich nicht fesseln könnte. Aber ob es soweit kommt, dass mich ein Buch fesselt, das hängt dann noch von der Covergestaltung ( voll oberflächlich. :-D) ab, die mich irgendwie lockt und vor allem von dem Buchrücken mit der Inhaltsangabe.
Wenn ich einen Autor sehr schätze, kaufe ich auch blind Bücher. So zum Beispiel von Julie Zeh, Jan Weiler, Stephen Fry, Harry Mulisch UND John Irving! Die können da als Titel drauf schreiben was sie wollen. Die haben sich als Schreiberlinge bewährt. Nehm ich.

Andere Bücher hingegen, die haben einen super Titel, der mich persönlich ansprach, sogar die Inhaltsangabe lockt mich und dann kommt die Geschichte beim Lesen nicht in den Fluss. Egal wie sehr ich mich quäle. Manchmal entwickelt sich ja nach einem mühsamen Start noch was. Aber manchmal eben auch nicht. Die lese ich dann nicht zu ende.

Aber zurück zu dem waaaaahnsinns Buchtitel vom Mann. Er behauptete, dass jeder sofort eine Assoziation hätte. Zumindest zeitgeschichtlich.
Ich denke so. Nö.
Er so: „An WAS denkst du denn dabei?“
Ich: „An NICHTS!“
Ersnthaft. An nichts.

Ich dachte einen Moment gründlicher nach.

Der Buchtitel vom Mann entlockt mir sodann ein ziemlich schmuckloses und müdes Bild. Am ehesten würde ich eine komödiantische Geschichte daraus machen wollen. Der Mann führte Nico Semsrott ins Spiel. Das wiederum ergab dann eine Assoziation bei mir. Aber das liegt an Nico Semsrott und nicht am Buchtitel.

(An dieser Stelle möchte ich Frau S.W. ehemals W. aus B. grüßen mit ihrem ungeschriebene Buchtitel (ich kürze ab in Bloggermanier) „EMDKN“. Du weißt schon, was ich meine, das mit der Katze im Titel, und ich lache immer noch. 😉 DAS ist ein Titel, den ich blind kaufen würde. Es tut mir leid, wenn ich diesen brillanten Titel nicht nenne. Vielleicht schreibt Frau S.W. aus B. dieses Buch noch. Ich kaufe es! 😀

Wie dem auch sei. Der Mann brutzelt nun schweigsam, ob meines Minderinteresses, an seinem Gargut und ich freue mich über den wirren Kram, den ich da mal zu „Papier“ bringe.

Mit sowas beschäftigt sich das Elternpaar in diesem Hause. Gern auch bei einem Erwachsenengetränk.

 

Buchempfehlungen

In diesem Rahmen möchte ich aber auch mal ein paar Bücher empfehlen, die ich ehrlich lesenswert finde, die ausdrücklich NICHTS mit Familie und Kindern zu tun haben und deren Buchtitel allein mich teilweise schon neugierig machten.

Zwei philosophische Werke, die religiöse Fragen stellen:

Harry Mulisch: „Die Entdeckung des Himmels.“

Yann Martel: „Schiffbruch mit Tiger.“

Skurile Gedankenspiele:

Stephen Fry: „Der Sterne Tennisbälle“ und „Geschichte machen“ (grandios)

Gesellschaftskritisch:

Jan Weiler: „Drachensaat“

und

Julie Zeh „Corpus Delicti“ (passt mehr denn je in die Zeit der Fitnesstracker.)

und auch von Juli Zeh einfach ein knackiger Krimi „Schilf“.

und noch das jüngste Werk: „Unterleuten“

Jaja, ich weiß, viele sind schon alt. Aber trotzdem gut.

 

Hat jemand von euch eines der Bücher oder gar alle gelesen?

 

Und was mir noch einfällt….
Auf langwierigen Amtsbesuchen pflege ich gerne Kafkas „Das Schloss“ mit zu nehmen. Ich bin allerdings nicht sicher, ob jemals einer der Beamten diesen „Hinweis“ je registrierte.

Und was ich noch anführen möchte: Der landläufig verbreitete Glaube, wer viel liest, der hat auch eine tadellose Rechtschreibung, dem muss ich leider widersprechen. Ich habe schon früh viel gelesen. Mit 9 Jahren las ich bereits Wälzer! Ich lese sehr schnell, tauche in die Geschichte ein. IN den Inhalt, in die Erzähl-Geschwindigkeit und die Stimmung und nehme den ganzen Rest nicht mehr wirklich wahr. Mir könnte man auch ein Buch mit Buchstabendrehern und so vorlegen. Das überlese ich, ohne mit der Wimper zu zucken.

Der Inhalt, DER ist wichtig! Den sieht man scheinbar auch meinem Gesicht an. Das teilte mir mal ein Kollege lachend mit, der mich beim Lesen beobachtet hatte.

 


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