Der Hai im Lehrschwimmbecken

Nach holprigen ersten Schwimmbadbesuchen im kompletten Familienverbund noch im letzten Jahr, bekommen wir in der Sache langsam Routine.

Die beiden Großen machten in in der Kur ihr Seepferdchen im Therapiebecken der Kurklinik. Nun habe ich zwei Schwimmanfänger, die ihre Fähigkeiten im Wasser endlich gut einschätzen können und ein Kind mit Schwimmflügeln, die solide Dienste leisten. Aufpassen muss man natürlich trotzdem noch.

Unsere Schwimmausflüge starten grundsätzlich so:

Am liebsten gehen wir schwimmen, wenn es so warm ist, dass man möglichst wenig anhaben muss. Die Mädchen und ich tragen dann einfach nur ein Kleid und Schlappen. Fertig. Das verhindert ungelenkes Gekrame mit zu vielen Klamotten.

Wir eiern immer auf der Suche nach einer großen Familienkabine durch die Gänge und immer sind sie alle besetzt. Der Murphy. 😀 (Wenn wir AUS dem Wasser kommen, ist es übrigens auch so. .-D) . Da wir die Schwimmsachen ja schon drunter tragen, können wir ja aber auch direkt zu den Schließfächern gehen. Fällt uns dann ein. Dort treten wir uns grundsätzlich auf die Füße und der Sohn kontrolliert die Zahlen und Schlüssel und erklärt wie es mit der Schließanlage funktioniert.

Schließlich bedrängen mich alle Familienmitglieder mit irgendwelchen kleinen Anliegen und wollen alle zeitgleich in der Schwimmtasche kramen, die grundsätzlich nicht richtig in das Schließfach passt. Ich krame dann etwas um und reiche dem Mann ein paar Sachen für ein zweites Schließfach.

Der Sohn kontrolliert, ob die Fächer WIRKLICH auch abgeschlossen sind.

Und ich bin in der Regel die letzte, die selbst ausgezogen ist.

Am wohlsten fühlen wir uns in unserem Haus-und-Hof-Schwimmbad. Da kennen wir und jetzt aus.

Gestern versuchten wir dann einfach nochmal ein anderes Schwimmbad. Es ist mir selbst tatsächlich aus Teenagertagen gut bekannt. Zwar ist es zwischenzeitlich nochmal renoviert und erweiterte, aber ich erkannte es wieder.

Die Schließfächer funktionierten etwas anders, was den Sohn in helle Aufregung versetzte. Wir haben es aber geschafft. 😉

Der Spaßbadbereich überraschte uns jedoch mit erstaunlich kaltem Wasser. Wenn man mit kleineren Kindern schwimmen geht, ist man meistens nicht so sehr in Bewegung, um sich warm zu schwimmen. brrrrrr. Das Knöpfchen wollte dort auch nicht so gerne sein, weil diverse Wasserstrudel und sprudelnde Wasserstrahle eine enorme Wasserverquirlung und auch lautes Rauschen erzeugten. Sie hasst das. Sie kauerte sich an den Beckenrand und wollte nach Hause.

Wir entdeckten dann ein Lehrschwimmbecken, welches angenehm temperiert und bei einem Meter Tiefe ein adäquates Betätigungsfeld bot. Man konnte Wasserball spielen, es stand auch eine kleine Rutsche bereit. Der Sohn schwamm direkt mit mir um die Wette. Ein bisschen Schwimmtraining schadet den Novizen nicht.

Das Sirenchen allerdings wollte das Becken nicht betreten. Da war nix zu machen.

„Da sind Haischwänze im Wasser!“ weinte sie fast.

????

Ich dachte, vielleicht trügen ein paar Kinder die aktuell angesagten Meerjungfrauenflossen. Aber nein.

Das Sirenchen blieb beharrlich und deutete ins Becken.

Der Sohn kam dazu und sagte: „Mama, die Markierungen auf dem Boden sehen aus wie Haiflossen.“

Und dann erkannte ich es. Die schwarzen Markierungen, welche die Bahnen unter Wasser kennzeichnen, haben ja alle am Ende einen kurzen Querbalken. Mit etwas Fantasie kann man eine kantige Haischwanzflosse erkennen.

Das Sirenchen kam nur kurz mit mir ins Wasser und rutschte ein paar Mal von der mini Rutsche, aber nur, wenn ich mich auf die Haiflosse direkt vor der Rutsche drauf stellte, damit sie nicht „gefressen“ wurde.

Sie blieb die komplette Zeit dabei. Da waren Haiflossen im Wasser und basta.

Zum Glück bot das Schwimmbad direkt neben dem Lehrschwimmbecken nochmal einen Kleindkindbereich, der schön warm war und zudem für unsere Mädels so attraktiv, dass der Mann, der Sohn und ich im Lehrschwimmbecken Ball spielen und Unsinn machen konnten. Die Mädels waren am Ende so glücklich in ihrem Kleinkindbereich, dass sie gar nicht nach Hause wollten.

Die Folge war, wie so oft, eine unentspannte Umkleidesituation.

Wegen ständigem Geheule beim Duschen im Schwimmbad, kürze ich das Szenario nun meisten ab und wir legen uns nur trocken und duschen dann zu Hause. Das ist entspannter.

Allerdings wollten die Mädels gestern im Schwimmbad duschen. Zum Glück hatte ich alles dabei. Das Sirenchen kreischte zwar motzig auf, weil sie ja eigentlich noch nicht nach Hause wollte, duschte sich dann aber bereitwillig. Das Knöpfchen allerdings, wollte dann plötzlich doch nicht mehr duschen. Das fiel ihr leider ein, als ihr Kopf schon komplett einschamponiert war. 

Da das laute Rauschen der Duschen und die gekachelte Duschlandschaft eine furchtbare Akustik hatte, sprach ich recht laut auf sie ein, dass ich ihr zumindest ordentlich das Schampoo ausspülen müsse, sonst müsste sie zu Hause wieder unter die Dusche. Alles war nein, nein und nochmals nein.

Was machst te denn dann? Also nochmal fragen: „Hier duschen oder zu hause?“

„Gar nicht!“

Ich erklärte und erklärte und immerhin war sie so lange abgelenkt, dass ich ihr notdürftig wenigstens die Seife vom Kopf spülen konnte. Aber entspannt ist anders. Und der Mann nebst Sohn hörten uns sogar in der Männerdusche. Ist der Ruf erst ruiniert, dachte ich bei mir.

Natürlich war die Familienumkleidekabine wieder belegt. Ich glaube es waren  zwei Backfische drin.

Aber bereits in Übung mit der Enge, nahmen wir zwei kleine Kabinen. Der Mann und der Sohn und die Mädchen und ich. 

Ratet mal, wer immer als Letzte noch mit nassem Badekleid und am Kopf klebenden Haaren im Gang steht und schon bibbert?

Die Mädchen beklagen meist, sie frören, schälen sich aber einfach nie schnell aus ihren Badeanzügen und aufs Klo muss auch grundsätzlich noch einer.

Ich reiche also Handtücher, rubel Haare trocken und verteile Kleidungsstücke. 

Und zum Schluss bin ich dran, während die Herrschaften freundlicherweise schon alle Türen aufreißen und los stürmen, während ich dann unbekleidet und tropfend da stehe. Herzlichen Dank. 😀

Also, Schwimmen ist eine tolle Sache, die ich auch wichtig finde. (Obwohl ich allein auch darauf verzichten kann, wenn es nicht gerade 30 Grad im Schatten ist.)

Ich finde es mit kleinen Kindern vor allem ganz schön aufwendig.

Und nennt mich neurotisch: Bei mir fliegen sämtliche Handtücher nach dem Schwimmen in die Waschmaschine.

Schwimmen heißt für mich zusätzliche Wäsche.

Was die „Haie“ im Wasser angeht. Darüber sprachen wir abends nochmal ganz ausführlich.

Wenn Kinder wegen irgendetwas Angst haben, bin ich ein Freund von möglichst vielen positiven Querverbindungen und einem persönlichen Bezug. 

Eine liebe Freundin ist Triathletin und muss natürlich auch Schwimmen trainieren. Also machte ich vor, wie unsere Freundin schwimmt und dass sie dann den Blick nicht nach vorn gerichtet hat, sondern sich aufs schnelle Schwimmen konzentriert. Der kleine schwarze Querbalken (die Haifischflosse) im Wasser MUSS da sein, dann weiß nämlich die liebe Freundin, dass sie gleich am Rand angekommen ist. Sonst würde sie noch gegen den Beckenrand donnern.

Ich bin gespannt, ob das Sirenchen beim nächsten Schwimmbadbesuch die Haie vergessen hat.

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