Vom Sammeln und einem Saree

„Kein Wunder, dass hier alle Schränke voll sind.“ sagte der Mann schicksalsergeben, als ich eine Tüte Allerlei von meiner Freundin entgegen nahm und sagte: „Ja, können wir alles brauchen.“

Da hat der Mann nicht ganz Unrecht. Ich sammle durchaus einige Dinge zusammen. Schon immer. So sehr ich Minimalismus bei anderen schätze, so sehr werde ich diesen selbst nie leben können. Es würde mir etwas fehlen.

Stoffreste, Nähgarne in allen Farben, Papiere in bunt und uni in verschiedenen Stärken und Formaten, Stifte aller Art, Farbkästen, Farben in Tuben, Schnüre und Bänder, Wolle, Klebebänder, Knöpfe und Perlen und besondere Gegenstände mit ideellem Wert.

Erweitert könnte ich für meine Sammelei noch Kleidung nennen.

Ach, und Bücher.

Brauche ich das alles? Jain. Streng genommen ist manches nur sentimentaler Tant und vieles nutze ich nicht regelmäßig. Unter minimalistischen Gesichtspunkten, könnte man den Krempel stark reduzieren. Allerdings würde ich mir einiges an kreativem Spielraum und Zufriedenheit nehmen. Ich mag es nämlich jederzeit einer Idee folgen und kreative Projekte sofort umsetzen zu können (mitten in der Nacht, Sonntag morgens…), ohne extra einkaufen zu gehen. Und zum anderen deckt es sich auch mit meinem Nachhaltigkeitsgedanken. Warum nicht nutzen, was da ist, anstatt  immer etwas Neues zu kaufen?

Einiges von den gesammelten Dingen kaufe ich aber durchaus auch. Farbkästen und Pinsel z.B.. Da hab ich einfach eine kleine Macke. Aber Vieles kommt einfach so zusammen. Ich schleppe u.a. eine Dose Knöpfe schon seit über 20 Jahren mit mir herum. Wie auch ein altes abgegriffenes Maßband und zwei verbeulte Fingerhüte, einer davon mit mittlerweile blindgewordenem Amethysteinsatz. Diese Dinge stammen aus der Nähkiste meiner verstorbenen Großtante und sind mir besondere Schätze. Erinnerungsstücke, die sogar noch in ihrer eigentlichen Funktion funktionieren.

Vielleicht habe ich einen gewissen Hang zum Sammeln von meiner Großtante geerbt. Kennt jemand den Begriff Altkrämer? Ich bin so eine.

Bei meiner Großtante verbrachte ich viel Zeit und ich liebte es in ihren Schränken und Schubladen zu stöbern. Sie ließ es geduldig gewähren und wusste zu allen Dingen eine Geschichte zu erzählen. Die Nachmittage bei ihr hatten einen besonderen Zauber. Es gab neben einem gut sortierten Nähkasten mit wunderlichen Scheren für Knopflöcher oder Zickzackklinge, alte Haushaltsgegenstände in alten Küchenbuffets und Schubladen voller wunderbarere Seidenschals, die nach einer feinen Seife dufteten. (Meine Großtante hatte zwischen ihrer Kleidung überall Seifenstücke liegen.) Sie hob die alte Brille ihrer verstorbenen Mutter in einem alten Etui auf und in einer kleinen papierenen Schmuckschachtel mit blauer Verzierung lag ein selbstgesammeltes Edelweiß. Es liegt heute noch auf gelblicher Watte in dieser Schachtel gebettet. 

Bei meiner Großtante gab es eine selbstgemachte Tischlampe von einem Verehrer, einen Blumenstrauß aus Federn und eine wunderschöne Spieluhr in Form eines kleinen Vogelkäfigs. Der kleine bunte Vogel im Inneren öffnete sogar den Schnabel beim Singen.

Also diese Großtante hob auch viele Dinge auf. Ich würde behaupten überwiegend aus ideellen Werten. Und so geht es mir auch. 

Sämtliche ihrer Seidenschals habe ich übrigens nach ihrem Tod an mich genommen. Zum Teil meine ich immer noch die feine Seife riechen zu können. Und ich trage diese Schals überaus gerne.

So habe ich Seidenschals und Tücher meiner Großtante, Krawatten meines Opas (die ich ebenfalls trage) und auch eine alte Handtaschen aus den 60er Jahren. Accessoirs kann man immer aufheben.  Einst trug ich als Teenagerin Anzughosen aus den späten 70ern von meinem Vater. Er war heraus gewachsen und eine Schneiderin hatte sie für mich gekürzt und enger gemacht. Es waren wunderbare Hosen aus einem tollen Wollstoff. Ich trug sie oft und gern. Leider war ich selbst irgendwann heraus gewachsen.

Aber auf diese Weise haben sich in meinem Schrank schon einige Schätze angesammelt, die mir immer noch passen.

Ein besonderes Stück ist ein Abendjäckchen von meiner Großtante aus schwarzer Spitze mit Giltzerbesatz. 

Kurz gesagt: Kleidung kaufe ich durchaus sehr gern, aber überlegt und immer nur, wenn sie sich mit den vorhandenen Dingen kombinieren lässt oder ich nicht dran vorbei gehen kann. Egal ob neu oder gebraucht. Der Schrank ist voller unterschiedlicher Kleiderstücke und Stile. Ganze zwei Fehlkäufe beheimate ich und  denke, ihr Auftritt wird schon noch kommen. Vielleicht. Oder vielleicht auch nicht?

Um aber nun den Bogen zum Anfang zu spannen:

Unter den mitgebrachten Dingen meiner Freundin war ein Saree. Was macht man mit einem so großen farbenfrohen Stück Stoff? Als Gardine, Wandbehang oder Tischdecke nutzen? Meine Freundin hatte lange darüber nachgesonnen und sich entschieden, sich davon zu trennen. 

Ich nahm den Saree und sinnierte auch ein Weilchen. Die Farbe war für mich so schön, dass das Stück Stoff auf jeden Fall zum Einsatz kommen musste. Spontan nähte ich einen Rock für mich. Garn in den passenden Farben hatte ich ja da. 😉 Und weil es so viel Stoff war, brauchte ich die Bahn nur doppelt nehmen und konnte dann einen Wickelrock daraus machen. Einen normalen Rock mit Reißverschluss und so, kann ich nämlich nicht nähen. 

Tja, was ich sonst so aus meinem Gesammelten mache kann man u.a. auch HIER noch sehen.

 

Wie ist das bei euch? Sammelt ihr? Oder seid ihr tapfere Aussortierer? (Was ich im Übrigen beneide.)

 

 

  5Comments

  1. Ariane   •  

    Die Farbe und der Rock stehen dir gut!

    • Beatrice   •  

      Vielen Dank. 🙂

  2. Frl. Null.Zwo   •  

    Ha! Auch ich trug die Schlaghose meines Vaters auf! Allerdings unverändert und bis sie am Po durchscheinend war! Die war so cool und sass so wunderbar – ebenfalls aus einem Wollstoff. Ebenfalls von meinem Vater und auch von meinem Opa geerbt: 2 Original Adidasjacken aus den 70ern und 80ern. Eine klassisch blaue Trainingsjacke, eine knallrot als Steppjacke.
    Und so ein wenig Nippes aus der Verwandschaft habe ich auch zusammengesammelt: Die alten Pfeifen meines Vaters, eine Kamera von meinem Onkel, eine kleine Vase meiner Tante etc pp. Ich mag diese Erinnerungsstäcke sehr und einige sind immer noch in Gebrauch.

  3. Andrea Heinig   •  

    Ich bin eindeutig auch eine Sammlerin! Von Erinnerungen an verschiedene Familienmitglieder oder Freunde und vor allem von Bastelmaterial (dazu gehören auch Kieselsteine, Konservendosen usw usw…)und Dingen, aus denen ich „irgendwann, wenn ich mal Zeit hab“ ,haha, was tolles machen will.
    Wie heißt es so schön: hier liegen überall Ideen rum.

    • Beatrice   •  

      „Hier liegen überall Ideen rum“. Ja, das trifft die Sache auf den Kopf! 🙂 Vielen Dank für deine Worte. Schön, wenn es noch andere gibt, denen es so geht. Statt Kieselsteine sammele ich übrigens Korken. 😀

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