Geschwisterstreit-Kräftemessen und Gerangel in der Rangordnung

Die Kinder…schon ein Weilchen zeichnet sich die neue „Phase“ im Alltag ab und erlebt derzeit einen Höhepunkt.

Vor allem der Sohn (1. Klasse) und das Sirenchen (Vorschulkind) haben sich nun richtig oft und heftig in der Wolle.

Dass Geschwister mal mehr mal weniger streiten ist ganz normal und gehört zum sozialen Lernen dazu.

Jedoch mehren sich in den letzten Wochen ungewohnt heftige Gewitter zwischen den beiden Wackelzahnkandidaten. Ich kenne das bisher in der Form nicht.

Die Streitereien haben eine neue Qualität und auch Quantität. Sie werden vermehrt körperlich ausgetragen. Sie raufen richtig miteinander. Da sie gleich stark sind, mache ich mir keine Sorgen, dass einer von beiden körperlich unterliegt. Aber sie gehen ganz schön rau miteinander um. Es wird an Haaren gezogen, sich geboxt, gekniffen, geschubst, als Knäuel über den Boden gekullert und auch getreten. (das alles ohne Verletzungen, es scheint also noch eine unsichtbare Schwelle zu geben, die nicht überschritten wird). Sie kämpfen mit allen Mitteln, die ihre Körper zur Verfügung haben.

Ich habe den Eindruck, als rauften da zwei Junge Wölfe miteinander. Ein Kräftemessen, wie in der Natur unter jungen Tieren.

Es ist aber auch ein Ausleben von Gefühlen, für die sie keine Worte haben. Jedenfalls nicht um sich gegenseitig konkret mitzuteilen. Das wäre auch verwunderlich, wenn sie das in ihrem Alter schon könnten.

Wenn ich mit den Kindern in einem ruhigen Augenblick einzeln über diese Streitereien spreche und dazu genau beobachte, filtere ich Folgendes heraus (vereinfacht runter gebrochen):

Der Sohn möchte seine „Chef-Position“ als Erstgeborener und schon Schulkind behalten. ER ist der Große. 

Sein schon immer übergroßes Pflichtgefühl nebst Verantwortungsbewusstsein lassen ihn zudem die Dinge zwischen seinen Geschwistern alle „streng“ beobachten und regulieren, wenn ihm etwas ungerecht erscheint. Er ergreift oft Partei für die das Knöpfchen und mischt sich bei Kabbeleien zwischen den Schwestern ein. Ungefragt und oft unerwünscht.

Auch da ist ER der Große, der es  „besser weiß“. 

Zudem darf er einige Wege nun alleine gehen (zu Freunden, zur Schule etc).

Das wiederum stößt beim Sirenchen generell und aktuell einmal mehr auf Unmut. Sie möchte diese selbstständigen Wege nun ENDLICH auch gehen dürfen! Und sie trumpft in ihren sicheren Kreisen (zu Hause, enge Freunde) durch ein großes Selbstbewusstsein auf und ist sich plötzlich ihrer Stärke bewusst. Sie spielt diese gerne aus und möchte auch bestimmen. Sie fühlt ganz bewusst, dass auch sie nun groß ist und tritt aus dem Schatten ihres Bruders heraus. Sie vergleicht sich mit ihm, allerdings misst sie mit Maßeinheiten, die sich nicht vergleichen lassen. Die unterschiedlichen Stärken der Kinder werden ihr selbst nur langsam klar.

Das alles führt unweigerlich zu Konflikten. Und die werden ausgetragen. Neben mir, vor mir, jeden Tag einmal oder mehrmals. 

Ich verstehe beide Kinder und doch kann ich ihnen nur schwer helfen. Reden können wir. Ja. Beide können mir auch Alternativen als Handlung benennen, die sie statt körperlicher Angriffe nutzen könnten. Aber sie schaffen es gerade nicht anders.

Aktuell sind die Auseinandersetzungen so heftig und auch ziemlich geräuschvoll, dass ich manchmal bange, sie könnten sich danach gar nicht mehr leiden. Ich werde zwar grundsätzlich (bis jetzt) eines Besseren belehrt, denn kurz nach so einem Streit sind sie wieder ein Herz und eine Seele. Wirklich rührend. Herzallerliebst. Zauberhaft….hachz

Aber trotzdem wühlt es mich auf.

Wenn sie so heftig streiten schwanke ich zwischen: 

„Lass sie mal in Ruhe selbst den Streit lösen, die schaffen das.“ (Zuversicht und Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder), 

oder –„Oh nein, ist das heftig, ich muss eingreifen.“ (Sorge und Angst und Pflichtgefühl)- und

 „Ich halte das Getöse nicht mehr aus. Hoffentlich ist bald Ruhe!“ (Ungeduld, Gereiztheit und Hilflosigkeit).

Einmal mehr eine Herausforderung im Mama-Alltag mit dieser Situation umzugehen. Einmal mehr muss ich in einer neuen Sache die Ruhe bewahren (was nicht leicht ist und oft genug misslingt) und den Kindern beharrlich zur Seite zu stehen mit der möglichst passenden Mischung aus Gewähren-lassen, Regulieren und Alternativen-an-die-Hand geben.

 

Ich bin gespannt, wie das nach den Sommerferien und dann zwei Schulkindern wird.

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