Von dunklen Wolken umnachtet

(Fast hätte ich diesen Beitrag nicht veröffentlicht. Denn so heftig und kurz der Zustand da war, so schnell war er verflogen. Und dann denke ich: Ach, ist doch nicht der Rede wert. Aber vielleicht doch :-))

 

Es gibt diese Tage, da zieht eine dunkle Wolke auf. Eine richtig dunkle Wolke. Sie ist zusätzlich schwer und zäh und umnebelt mein komplettes Sein. Sie lähmt mich.

Wer mich nicht näher kennt, glaubt ich sei immer gut drauf. Aber das ist nicht so. Ich habe auch Launen und oft versinke ich in Melancholie. Melancholie mag ich, wenn gleich ich sie mit Kindern nicht mehr so auskosten kann, wie früher.

Hin und wieder flammt sogar etwas wie eine depressive Verstimmung auf.

Ich kann nicht umhin einen eindeutigen Zusammenhang zu meinem Zyklus zu erkennen. PMS in Kombination mit innerem Stress, zu wenig Selbstfürsorge und ungünstigen Lebensmitteln führen wenige Tage vor den Tagen zu einem Kollaps meines ganzen positiven Lebensgefühls. Ich bin nicht mehr „nur“ gereizt, sondern jeder Lebensfreude beraubt.

Diesen Monat war es extrem. Ich wusste schon, dass es unklug war derart viel Schokolade und Kaffee in der zweiten Zyklushälfte zu mir zu nehmen. Aber gleichzeitig schrie alles nach mir nach Nervennahrung und Wachmacher. 6 Tafeln Nussschokolade an 4 Tagen.

Auf mich prasselten zu viele Dinge ein. Die Kinder mit ihren aktuellen Launen, Bedürfnissen und auch kleinen Sorgen waren das eine und auf der anderen Seite war ich in einem beinahe permanenten Verteidigungsmodus. Vielleicht kennt ihr das. Ihr seid von etwas überzeugt und euer Bauch sagt euch, das ist richtig, aber das wird extern ständig angezweifelt. 

Die Quittung kam.

Vor zwei Tagen überrollte mich im Laufe des Nachmittages eine übergroße Hoffnungslosigkeit. Als saugte mir etwas jeden Funken Freude ab.

Zu diesem ohnehin aufkeimenden schweren Unglücks-Traurigkeits-Hoffnungslosigkeits-Gefühl kamen dann wieder meckernde Kinder und der Mann motze mich auch an. Ich hörte um mich herum nur noch Du bist doof, Du bist doof, Du bist doof! Und falsch machst du auch alles! Bäh!

Es ist naheliegen, wenn Mama irgendwie gerade nicht richtig funktioniert und sei es einfach durch das Ausstrahlen einer anderen Grundstimmung, dann reagieren die engsten Familienmitglieder darauf und spiegeln die diffuse negative Zerstreutheit wieder.

Ungünstig. Und ich reagierte trotzig. Ich möchte manchmal einfach, dass alles funktioniert ohne Diskussionen und man mir mal ein bisschen Zeit gibt und mich in Ruhe lässt. Oder mich kuschelt.  Kinder die in dieser Situation alle gleichzeitig sagen, was für eine „blöde Mama“ ich bin, sind schwer auszuhalten. Manchmal da kann und will ich, obwohl ich weiß wie alles zusammen hängt, nicht adäquat darauf reagieren. Manchmal möchte ich einfach nur mal die Verantwortung für das innenfamiliäre Zusammenspiel abgeben.

Am Ende des Tages war ich am Boden zerstört. Komplett durch.

Erledigt.

ALLES schien völlig hoffnungslos für mich. Mein Dasein überflüssig, alles was ich mache überflüssig und das ganze Leben an sich: überflüssig. 

Ja, so schwarz waren meine Gedanken und ich weinte auch und stritt mich mit dem Mann, bzw er sich mit mir obwohl ich eigentlich auch dazu keine Lust mehr hatte. Ich versuchte mein Inneres zu erklären.  Obwohl meine Ratio sagte, dass diese eine eindeutig schwärzeste Wolke seit langem wieder verfliegen würde, obwohl meine Ratio sagte, dass PMS die Ursache ist, war meine Niedergeschlageheit gefühlt für immer besiegelt.  Und so ging ich irgendwann einfach schlafen und hoffte auf schnelle Besserung.

Am nächsten Tag ging es mir tatsächlich (und zum Glück) wieder besser, aber ich blieb wie benebelt. Als stünde ich neben mir. Als hätte ich einen Anfall überwunden. Dieser Nebel löste sich nach und nach am Nachmittag auf und am Abend bekam ich meine Periode und meine Lebensfreude zurück. 

Ich weiß nicht welchen Zweck die Natur darin sieht, solche Launen zu erzeugen. Aber eines weiß ich: Meinen Zyklus kann ich nicht ignorieren und muss ihn ernst nehmen. Sonst schenkt er mir Ausfälle, die niemand braucht.

Übrigens waren die anderen Familienmitglieder sofort auch alle wieder ausgeglichener und ich selbst sehr froh über meine zurückgewonnene Freude.

Kennt ihr solche emotionalen Totalausfälle? Wie geht die Familie damit um? Wie geht ihr selbst damit um?

  5Comments

  1. Leserin   •  

    Hallo Beatrice, ehrlich gesagt ist es bei mir eher totale Antriebslosigkeit… keine Motivation, irgendwas zu tun. Am Tag davor und am ersten Zyklustag… danach spüre ich sofort, wie es bergauf geht.. aber vorher… ja.. als hätte nichts einen Sinn, es ist wie „Kranksein“, wo man nur auf der Couch liegen möchte, oder im Bett, nur schlafen, nur Sinnloses tun…

  2. Kalinka   •  

    Volles Verständnis! Ich bin ein paar Tage älter, habe „nur ein“ Kind (gerade die schlimmste Phase mit Nachtwache/ Keuchhusten hinter mir) und beneide manchmal jüngere Mütter mit noch höherem Östrogenspiegel.
    Was hilft / Familie: …drüber reden, …dass wir keine Übermenschen sind.. auch wenn es erst nach dem Ausbruch geschieht.
    Nach außen: Wir leben nach wie vor in einem pratiarchisch geprägten Gesellschaft und Frauen insbesondere Mütter, die nicht „funktionieren“, werden in unserer eher famileinfeindlichen Individualgesellschaft genauso schnell verurteilt, wie tagtäglich mit vielen unzureichend recherchierten Themen in unseren oberflächen Medien geschieht.
    Das soll kein Aufruf sein, jetzt Hormone zu schlucken (oder ins Solarium zu gehen .. Serontoninspiegel anheben), sondern für sich (leider immer wieder neu) den Freiraum zu erkämpfen, den jeder Mensch braucht.
    Rückzugsmöglichkeit ..wenn die mir beizeiten gewährt wird, würde das ein oder andere Gewitter vorbeiziehen!
    Mir hat damals, als es mit dem „PMS“ (finde auch wieder absolut kennzeichnend dies als Syndrom zu bereichnen, als wäre es etwas, dass zu bekämpfen gilt, als es als natürliche Veränderung zu aktzeptieren) bei mir deutlicher wurde, das Buch von Northrup „Frauenkörper – Frauenweisheiten“ geholfen.. im Sinne (er)kenne dich selbst.
    Meine Absolution hast du 😉

  3. Sara   •  

    Mich nervt in diesen Situationen regelmäßig, dass sofort die ganze Familie auch schlecht drauf ist. Wie schön wäre es, mal einmal nicht für die Gesamtstimmung verantwortlich zu sein – vielleicht sogar aufgemuntert zu werden… *träum*

    • Lieschen Butterweck   •  

      Oh, mein Gott, ja! Ich fühle mich gerade so verstanden 😂 ich dachte immer ich hab nen Hau weg, weil ich das Gefühl nicht loswerde, dass, wenn ich schlecht drauf bin, mein Umfeld chamäleonartig drauf reagiert…aber es geht anderen Müttern auch so. Halleluja! ☺️

      @BeatriceConfuss DANKE. Dein Artikel kommt zur exakt richtigen Zeit. Vorgestern hatte ich genau so einen Tag. Ich wollte einfach nur in RUHE und v.a. allein meinem Weltschmerz nachhängen. Aber ich soll ja immer funktionieren, und Mann und Kinder dulden da keine Ausfälligkeiten…

  4. Tina   •  

    Diesen Nebelzustand kenne ich zu gut. Man wartet sehnsüchtig auf die „hellen“ Tage und sie erscheinen einem unendlich weit weg. Was natürlich irrsinnig ist. Was ich bei mir festgestellt habe, je besser ich auf mich achte, desto weniger stark fällt der Nebel aus.

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