Mutter und Kind haben was gelernt

Das Knöpfchen ist Meisterin im Erfinden von Geschichten und kann dabei extrem glaubhaft sein. Echt. Unterschreibt die komplette Familie sofort. Von Oma, Opa, Tante, Onkel etc pp.

Man muss allerdings dazu sagen, dass sich ihre Erfindungen im Laufe des Erzählens selbst enttarnen durch immer wildere Ideen. Als wartet sie nur darauf, dass man ausruft: „Du veräppelst mich doch!“ und dann lacht das Knöpfchen und freut sich.

Nun eröffnete mir das Knöpfchen heute morgen, sie wolle das Spielzeugpferd vom Sirenchen mit zum Spielzeugtag in die KiTa bringen.

Zufälligerweise hatte das Sirenchen eben jenes Pferd am Abend davor noch neu frisiert und tolle Zöpfe geflochten und mir das Ergebnis stolz präsentiert. Außerdem zanken sich die Mädchen derzeit öfter um diverse Spielzeuge und keiner gönnt dem anderen die Butter auf dem Brot.

Ich ging auf Grund dieser Erfahrungen davon aus, dass mit recht großer Wahrscheinlichkeit keine Erlaubnis seitens des Sirenchens vorlag und äußerte dies. Das Knöpfchen wurde sofort wütend und meinte ihre Schwester hätte es ausdrücklich erlaubt.

Nun waren die Mädchen zwar kurz alleine im Kinderzimmer gewesen, während ich schon in der Küche hantierte. Und möglicherweise hatten sie sich über das Pferd unterhalten.

Da das Sirenchen bereits in der Schule war, konnte ich keine Rücksprache halten und bat das Knöpfchen, sich lieber ein andere Spielzeug auszusuchen und das Pferd zum nächsten Spielzeugtag mitzunehmen, wenn ich auch Rücksprache mit dem Sirenchen gehalten hätte.

Das Knöpfchen weigerte sich. „Nein!“ fauchte sie mich an. „Du Betrügarin!“ und dann folgte ein Satz in dem sich sämtliche Wörter überschlugen und endete mit: „Was bildest du dir ein?“ und  wieder „Du Betrügarin!“

Spannend daran finde ich, dass diese Formulierungen nicht aus diesem Hause kommen. Ich bin mir bewusst, dass Kinder zu gerne elterliche Floskeln wieder geben. Ich erkenne meine Floskeln auch immer mit ertapptem Unbehagen wieder. Allerdings benutze ich „Was bildest du dir ein?“ und „Betrüger“ nicht. Hatte ich bisher keine Verwendung für. Interessant wäre woher das kommt. (Wir konnten das erörtern. Es kommt in einem Hörspiel vor.) 😀

Sie pfefferte mir dann auch noch entgegen, ich würde mich ja gar nicht richtig um sie kümmern. Alles klar. Sie packte alles aus, was sie in ihrem niedlichen Köpfen als gefühlte Obergemeinheit zur Verfügung hatte. Ihre Aussage stand gegen meine und da muss man starke Argumente ausgraben, um sich durchzusetzen.

So kam ich mit dem wütenden Mädchen aber nicht wirklich weiter und überlegte, wie ich dieses „Pferde-Problem“ lösen könnte. Denn ich war sehr sicher, dass das noch ein nervenaufreibende Nachspiel am Nachmittag hätte. Und Hauptleidtragende wäre auf jeden Fall ich.

Ich setze mich mit meinem Kaffee neben das mittlerweile Müsli-Frühstückende Knöpfchen und sah sie einen Moment an. „Sag mal, was wünschst du dir denn von mir? Was kann ich besser machen?“

„Mama, ich kann beim Essen nicht so gut sprechen. Warte!“

😀 

Ich wartete also und schwieg. Das Kind aß in aller Ruhe ihr Müsli auf.  

„Mama, abba ich darf das Pferd mitnehmen!“

„Ok, aber du musst dann den Streit mit deiner Schwester aushalten, wenn die Absprache nicht ganz gelungen war. Das ist dann ganz alleine DEIN Ding. Ich bin raus aus der Nummer!“

„Mama, abba ich nehme das Pferd mit! Ich habe ja sonst keine Spielsachen!“

Alles klar. Ja, genau. 

„Ok, und was ist, wenn das Sirenchen wirklich wütend wird, weil du ihr liebstes Pferd mitgenommen hast“

„Dann sag ich einfach, DU hättest es erlaubt, Mama!“

„Wie bitte?“  😀 

Clever! 

Was soll man dazu sagen? Da uns die Zeit im Nacken saß, wollte ich darüber nicht weiter diskutieren und überlegte ernsthaft, wie ich diese Pferdesache möglichst stressfrei über die Bühne bekäme.

Auf der Fahrt zum Kindergarten überlegte ich, dass ich später beim Abholen (das Sirenchen würde dabei sein, weil wir im Anschluss zum Turnen müssten) das Pferd unauffällig in meinem Rucksack verschwinden lassen würde, um ja kein Drama herauf zu beschwören. Denn eines war klar, wenn es vom Sirenchen keine Erlaubnis gäbe, würde sie, weil ich es nicht verhindert hatte, einen ziemlich wütenden Aufstand machen. Aktuell ist sie ja wegen des neuen Lebensabschnitts emotional etwas unausgeglichen.

Mittags holte ich das Sirenchen an der Schule ab und schon bald erzählte sie mir von sich aus: „Ich hab dem Knöpfchen heute erlaubt mein Pferd mit in den Kindergarten zu nehmen! Aber sie darf nicht die Zöpfe aufmachen!“

Oh. Da war ich erstaunt. Das Sirenchen hatte tatsächlich aus freien Stücken diese Erlaubnis ausgesprochen??? Ich mache mal ne Notiz im Kalender. Es geschehen Zeichen und Wunder.

Da war wohl eine Entschuldigung meinerseits beim Knöpfchen fällig.

Und so entschuldigte ich mich sofort beim Abholen im Kindergarten.

Das Knöpfchen grinste mich an. „Siehst du, hab ich dir ja gesagt!“

Als wir noch einen Moment alleine vor der Turnhalle warteten, unterhielt ich mich mit dem Knöpfchen darüber. Ich bin sehr stolz auf sie, weil sie so auf ihr Recht beharrt hat und sich von mir nicht unterkriegen ließ. Ich  habe gelernt, auch wenn man seine Kinder gut kennt, ist das Wahrscheinlichste nicht immer das Richtige. Und ich bin froh, dass ich dem Knöpfchgen trotz begründeter Zweifel das Pferd gelassen habe.

Mamas können sich auch mal irren.

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