Windbeutel-Erinnerungen

Gestern lachten mich unerwartet in der Theke einer Backstube Windbeutel an. Windebeutel! Oh, wie liebe ich Windbeutel! Den letzten aß ich wohl in Teenagertagen. Meine Großtante vermochte diese Backwerke meisterhaft zu machen.

Ich habe mich vor ein paar Jahren mal selbst an Brandteig gewagt, muss mir aber ein mangelhaftes Talent eingestehen.

So gab es gestern Windbeutel aus professioneller Hand und das erste Mal käuflich erworben. Sie waren sehr gut, wenn gleich mir auch die Kirschfüllung daran fehlte. Aber man kann nicht alles haben.

Da fiel mir jedoch schmerzlich wieder eine Anekdote aus dem letzen Winter ein. Aus der Mutter-Kind-Kur auf Borkum. 

Dort, so hatte ich diversen Reisblogs entnommen, gibt es eine Art Oma Café, in dem wunderbare Windbeutel gereicht werden. Auf altmodischen Salonmöbeln nimmt man Platz und kann eine köstliche Trinkschokolade dazu bestellen. Da meine Kinder meine Leidenschaft für solche Köstlichkeiten teilen, wollten wir dem Café auf JEDEN FALL einen Besuch abstatten. Was gibt es auch gemütlicheres als im Winter, nach einem stürmischen Spaziergang an der See, so vollendet einzukehren.

Leider hatte die ersten Tage das Café geschlossen. Beim zweiten Anlauf war es voll. Beim dritten Anlauf, da hatten wir eine andere Windbeutelhungrige Mama mit ihren beiden Kindern dabei, fand sich für uns natürlich auch kein Platz. Ich bin auch nicht sicher, ob ich einen Platz gewollt hätte. Das Café saß voller Rentner, die uns alle samt seehehr kritisch beäugten. Kein wohlwollendes Lächeln ob der Kinderschar. Eher ein entnervtes Augenrollen. 

Vielen Dank! Auf Wiedersehen!

Schade!

Dieser unser letzter Sonntag auf der Insel war trüb und kalt. Nach einem großzügigen Fußmarsch durch die kalte Winterluft wollten wir aber doch einen schönen Kaffee trinken und uns eine kulinarische Schweinerei gönnen. Den Kindern auch. Wir steuerten ein Pfannkuchencafe in prominetre Lage an. Dort gab es neben Pfannkuchen auch Waffeln und Dampfnudeln. Das Ambiente war weniger schön. Aber das Innere bot dafür mehr Platz.

Das Café war auch recht gut besucht. Wir waren nicht die einzigen mit Kindern, wurden aber auch hier schräg angeschaut. Entschuldigung, wir wollen Kaffee trinken und etwas essen und haben Kinder dabei. 

Die Kinder waren dann leider mittlerweile auch etwas ungeduldig und aufgekratzt. Es gibt ja so Konstellationen, die sich so aufpeistchen. Weiß der Kuckuck warum. Nun war es wie es war.

Wir Mamas hofften auf eine schnelle Darreichung der gewählten Speisen und Getränke. Das verspricht ja erst mal Ruhe. Aber es dauerte. Es dauerte selbst für uns Erwachsenen schon uuuunerträglich lange. Ich kann mir ausmalen, wie es für die Kinder gewesen sein muss. Wir versuchten sie so ruhig wie möglich zu halten, aber es war schwer. Es war einfach so ein Tag, der nicht ganz rund lief. Als das Essen gebracht wurde, teilte die Dame vom Service ziemlich unfreundlich mit, dass es auch leiser gehen müsse, es wären schließlich noch andere Gäste da. 

In meinem Kopf ratterte es.

Ich teile grundsätzlich die Meinung, dass Kinder sich in einem Lokal nicht wie wildgewordene Wahnsinnige in unmöglicher Lautstärke aufführen müssen. Meine Schmerzgrenze, wenn auch scharf angekratzt, war noch nicht erreicht. Und ich gehöre da eher zu der strengen Sorte. Ich hätte den Laden schon verlassen, wenn es zu arg geworden wäre.

Andererseits, an einem Ort, in dem es nur so von Mutter-Kind-Kur-Häusern wimmelt und in dem man ein Café in exponierter Lage hat und dazu noch bei Kindern beliebte Speisen anbietet…..wieso hat man nicht was zum Malen oder Puzzeln oder andere kleine Spiele parat? Nur falls mal ein paar der jährlich drölfigtausend Kur-Kinder mit ihren Müttern einkehren? So ganz zufällig?

Kann man denn ÜBERHAUPT irgendwo mit Kindern hin ohne unerwünscht zu sein????? Auf dieser Insel jedenfalls war es schwierig. Denn an diesem Tag hatte ich nicht die erste unfreundliche Begegnung. Es gibt halt so Orte, an denen sich Kinderhasser irgendwie sammeln. Ich nehme das sonst schulterzuckend zur Kenntnis. Aber langsam nervte es mich doch.

Ich sagte etwas kühl, es sei nunmal für Kinder schwierig, so lange auf das Essen zu warten.

Mein eigentlicher Impuls war einfach unsere Sachen zu nehmen und zu gehen. Aber ICH WOLLTE den Latte Macchiato und die Dampfnudel! ICH wollte so gern zum Ende hin einmal einkehren in netter Gesellschaft und uns allen etwas gönnen.

Ich war echt sauer. Und das hat mir auch ein wenig meine Dampfnudel und den Kaffee verhagelt!

Die Kinder und ich holten einige Tage später einen schönen Cafebesuch in Emden nach. Dort hatten wir auf dem Rückweg zwangsmäßig 2 Stunden Aufenthalt. Ich hatte in der Nähe des Bahnhofes ein Museum mit Café ausgemacht und kehrt dort für einen kleine Mittagssnack mit den Kindern ein. 

Wir saßen in einem  sonnigen Gastraum mit vielen Fenstern. Alle sahen uns freundlich an. Wir wurden nett und zügig bedient und verlebten unsere Zwangspause sehr angenehm. 

Vor allem rückte es mein eigentliches Menschbild wieder zurecht. Insgesamt empfinde ich nämlich die meisten Menschen als kinderfreundlich.

Auf Borkum hatten sich allerdings ein paar sehr unfreundliche ältere Herrschaften zusammen gerottet. Ich weiß nicht, ob das immer so ist. Oder ob das einfach im letzten Winter so war.

Es fing bereits mit der Fahrt mit der Fähre hin an und endete auch auf der Rückfahrt mit unerfreulichen Begegnungen auf der Fähre. 

Hat da jemand andere Erfahrungen auf Borkum gemacht? Es würde mich beruhigen.

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