Wenn Mama alles falsch macht

Unser Sirenchen und ich haben ja schon immer anstrengende Strecken miteinander gehabt. Und es zeigt sich immer wieder, dass sie jede Schwingung ob positiv oder negativ sofort erfasst. 

Nun ging es eine ganze Zeit lang wieder richtig gut mit uns beiden, bis sich schließlich rund um die Osterferien wieder größere und kleinere Temperamentsausbrüche einschlichen. 

Es passte alles zusammen. „Wackelzahnpubertät („Wackeln die Zähne, wackelt die Seele“), aufregende und teilweise herausfordernde Schulvormittage, da die Routine durch Ausflüge, Sportfest und Co durcheinander geriet ( ungewohnte Abläufe hinterließen beim Sirenchen immer schon Spuren), ein Lehrerwechsel zum neuen Schuljahr stand auch bevor und dann noch die nahende Umstellung im Familiengefüge (wobei ich da mehr Freude, als Verunsicherung beobachten konnte.) Hinzu kam dann noch eine Art Gestaltwandel. Sie wächst nicht nur in die Länge, sondern auch ihr Erscheinungsbild änderte sich. Sie spürt auch sehr in ihrer Körper hinein. Ständig zwackt etwas und fühlt sich komisch an. Sie äußerte auch mehrfach, sie sei so furchtbar durcheinander.

Als besonderes Topping kamen Unruhen im größeren familiären Kontext dazu, was gewisse Spannungen bei uns Eltern mit sich brachte. Jeder für sich war angespannt und dadurch auch immer mal untereinander im Konflikt.  Ohnehin schwangerschaftshormongebeutelt, führte das alles bei mir nicht unbedingt in jeder Situation zu einem souveränen auftreten.

Es wunderte mich also nicht, dass unser Sirenchen mit ausgeprägten Wutanfällen aus heiterem Himmel reagierte. Ich konnte es sogar nachvollziehen.

Ich wusste also um ihre verzweifelte „Not“ der allgemeinen Verunsicherung, aber fühlte mich auch zunehmend überfordert mit dem randalierenden Kind und den Geschwistern allein in diesen Situationen. Denn, wenn sie eskalliert, dann immer extrem laut und nie unter 45 Minuten. Sehr oft deutlich länger.

Die Auslöser der kompletten Ausflipper waren auf den ersten und zweiten Blick nicht zu erkennen. Ich war ziemlich froh, dass beim einem dieser wahnsinnigen Eskalationsmomente meine Mama mit dabei war und mit eigenen Augen und Ohren erlebte, wie krass und unerwartete dieses Szenario tatsächlich abläuft. Externe können sich überhaupt nicht vorstellen, wie das Sirenchen dermaßen an die Decke gehen kann.

Neben diesen heftigen Aussetzern (außschließlich hier zu Hause) ist sie ein wundervolles und sehr sensibles Kind mit einem tollen Sozialverhalten und einem feinfühligen Sinn für andere.

Die letzte große Eskalation im Juni war für mich eindeutig ein Signal etwas zu unternehmen. Nicht nur für meine Nerven, das Wohlbefinden der gesamten Familie, sondern vor allem auch FÜR das Sirenchen. Ich hatte sogar schon einen Flyer für eine Erziehungsberatungsstelle in der Hand.

Mit meiner Mama tauschte ich mich dann aus und wir trugen unsere Beobachtungen zusammen. Bei dieser sehr gründlichen Analyse der gesamten Situation und auch von meinem Verhalten in der Sache, musste ich mir  eingestehen, dass ich in einigen Situationen viel zu schwammig auftrat. 

Durch die Schwangerschaft und die Umstände drum herum war ich sehr weichgespült. Und weil der extern produzierte Stress mir zusätzlich Energie raubte, war ich oft etwas unentschlossen in meiner „Führungposition“.

Bei all meinen Versuchen es den Kindern und mir in der gegebenen Situation so angenehm wie möglich zu machen, war ich oft einfach nicht klar genug für das Sirenchen erkennbar und auch zu nachsichtig. Ich hatte, wie es hin und wieder einfach aus unterschiedlichen Gründen passiert, meine Linie verloren.

Ich war keine sichere Position für das Sirenchen. Dabei brauchte sie diese in der Zeit dringender denn je.

Und es klingt so unglaublich, aber ist wirklich so einfach: Ich gab von dem Moment des Erkennens wieder ganz klare Signale. Meistens jedenfalls. 🙂

Mit dieser Erkenntnis und meinem sofortig korrigierten Kurs lief es wieder besser. Die emotionalen Ausbrüche verschwanden nicht einfach, konnten aber schneller abgefangen werden. 

Und wir arbeiten auch stark daran, die Wut gar nicht so aufkommen zu lassen. 

Das Sirenchen ist selbst daran interessiert und reflektiert jetzt mehr.

Nun finden wir immer öfter zu konstruktiven Gesprächen. Das Sirenchen findet immer besser Worte für ihr Innenleben und so denke ich, sind wir auf einem guten Weg.

Nachtrag:

In den Sommerfreien verschwanden die Anfälle komplett. Alle Familienmitglieder beruhigten sich. Mit dem Schulstart tauchten wieder kleine Anflüge von aufkeimender Aufregung auf, die wir aber nun rechtzeitig erkennen und gut und schnell puffern können bevor es eskaliert.

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