Aquarium für Kinder

Auf Instagram berichtete ich neulich in den Storys von unserem Aquarium und fragte, ob Erfahrungen mit einem Aquarium für Kinder interessieren würde. Es gab sehr viel Resonanz, also berichte ich mal.

Bevor ich aber jetzt völlig begeistert ein Aquarium für Kinder anpreise, will ich ehrlich sein und sagen, dass das ganze Vorhaben nur funktioniert, wenn man als Eltern Lust hat, sich engagiert mit darum zu kümmern. Ob im Hintergrund anleitend oder mitarbeitend. Und immer erinnernd.

Aber das gilt ja generell für Haustiere.

 

Was kommt auf einen zu?

Es gibt natürlich Anschaffungskosten. 

Ganz klar.

man braucht:

das Aquarium

Filter nebst Zubehör

Heizstab

Pflanzen

Bodengrund

Steine und/oder Wurzeln

Wasserteststreifen

Fische und ggf andere Wasserbewohner

Mulmaglocke

Scheibenreiniger

Eimer

Kescher

Schlauch

Futter

Starterbakterien (optional)

(eventuell eine Zeitschaltuhr und einen Futterautomaten für die Zeit, wenn man in den Urlaub fährt)

eventuelle Dünger für Wasserpflanzen

Ich kann nur empfehlen zu schauen, ob man irgendwo ein gebrauchtes Aquarium nebst Filter bekommt. Das hat nicht nur Kostenvorteile, sondern auch für die Wasserqualität beim Start ist das gut. (Dazu weiter unten mehr). 

60l reichen für den Anfang, um zu schauen, ob einem das Ganze überhaupt liegt.

Die Bewohner gibt es auch bei privaten Aquarianern oft günstig und deutlich robuster als aus dem Zoohandel!

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der geeignete Platz fürs Aquarium. 

Der Platz muss stabil sein, mit Kindern möglichst da, wo das Aquarium nicht angerempelt, aber gut besichtigt werden kann. Es darf möglichst keine direkte Sonne hinein scheinen, wegen möglicher Algenbildung. Außerdem sollte das Aquarium auch nicht mitten im größten Trubel stehen und möglichst eine konstante Temperatur halten. Sprich auf einem Dachboden wird es im Sommer schnell sehr heiß, was den Fischen nicht so gut tut. 

Wir haben das Aquarium im Wohnzimmer in einer Ecke stehen, in der im Sommer morgens kurz eine kleine Ecke Sonnenlicht ins Aquarium scheint. Wir hatten kein Algenproblem deswegen.

Und für Kinder, aber auch für die Erwachsenen, ist es angenehmer wenn das Aquarium nicht so hoch steht. Die Kinder sehen dann besser und man kann besser im Aquarium arbeiten, ohne auf Hocker klettern zu müssen z.B. beim Wasserwechsel

 

laufende Kosten

Wasserverbrauch

Da wir einige Pflanzen in und rund ums Haus gießen müssen, nehme ich das entnommene Aquariumwasser beim Wasserwechsel immer zum Blumengießen. Dann sind die Blumen in einem gedüngt und wir haben kaum Wasserverschwendung.

Strom

Denn es läuft Tag und nach der Filter und der Heizstab und tagsüber läuft zusätzlich die Beleuchtung für das Aquarium.

 

 

Wie viel Arbeit macht das Aquarium?

Fische mögen einen geregelten Tagesablauf und brauchen einen  Nacht- und Tagrhythmus. Jemand in der Familie muss also an das Ein- und Ausschalten der Beleuchtung denken. Oder man installiert sofort eine Zeitschaltuhr.

täglich:

Sichtkontrolle, ob alles im Aquarium ok ist und sich die Bewohner wohl fühlen. Wenn man ein Aquarium mag, macht man das ohnehin freiwillig. 

 

Füttern

Wobei man lieber sparsam füttert und auch mal einen Diättag einlegt. 

Beim Füttern kann man auch gut beobachten, ob alle schwimmenden Bewohner da und wohl auf sind.

Die Schnecken muss man tatsächlich manchmal suchen.

(Füttert man zu viel, sorgt das für problematische Wasserwerte)

Kinder sollten immer nur unter Aufsicht füttern. Zu schnell ist zu viel Futter im Wasser und die Wasserwerte verschlechtern sich.

 

Wasserwerte kontrollieren

 Am Anfang kontrolliert man recht oft bzw auch täglich, um ein Gespür für das kleine Ökosystem zu bekommen. Das geht fix mit einem Teststäbchen.

 

wöchentlich oder alle paar Wochen

Teilwasserwechsel macht man wöchentlich bis alle 3 Wochen. Das hängt ein bisschen von dem kleinen Ökosystem und dem Besatz ab. Da muss man ein Gespür entwickeln und eben auch die Wasserwerte im Blick haben. Man wechselt immer nur einen Teil des Wassers. Ein drittel etwa. Manchmal auch mehr. Vor allem wenn Fische krank sind und/oder die Wasserwerte nicht in Ordnung muss man öfter und größere Wasserwechsel machen. 

(Ich finde die Wasserwechsel sind fix erledigt, wenn man da einmal ein bisschen Übung hat. Wirklich. Und ich empfehle auf YouTube zu schauen, wie man das Wasser tauschen kann, ohne das Wasser mit dem Mund ansaugen zu müssen. Ich musste eine bisschen üben, aber nun klappt es.)

Und nachdem wir am Anfang mit unserem sehr harten Leitungswasser zu kämpfen hatten, hat sich das System gut eingespielt. Ein paar Mal haben wir das Leitungswasser mit Destilliertem Wasser gemischt und nun ist das seit einigen Wochen gar nicht mehr nötig. Aktuell wechseln wir nur mit Leitungswasser und die Wasserhärte bleibt stabil. (Warum das so ist, weiß ich allerdings auch nicht).

Hin und wieder sauge ich etwas Mulm mit der Mulmglocke vom Bodengrund ab. Nicht super gründlich, nur grob. Denn auch der Mulm am Grund ist voller nützlicher Bakterien. Auch da schaue ich einfach, wie die Wasserwerte aussehen und entschiede ob ich es mache oder nicht.

 

Einmal im Jahr eine größere Reinigung

 

Der Start

Bevor man Lebewesen einsetzt, muss das Aquarium eingefahren werden. Das dauert 2 bis 6 Wochen. Es muss sich eine passende Bakterienkultur etablieren, damit die Wasserwerte ohne Gefahr für die Fische sind.  Man braucht also Geduld.

Besondere Beachtung bedarf der Nitritwert. Nitrit ist für Fische hochgiftig! Üblicherweise gibt es bei frisch eingerichteten Aquarien irgendwann einen sogenannten Nitritpeak, den man abwarten muss. Danach stabilisiert sich die Lage. 

Gebrauchte Aquarien und Filter haben schon eine Bakterienkultur im Gepäck und das ist günstig für schnelleres Einfahren.

(Bei uns gab es keinen Nitritpeak. Da tat sich nichts. Auch nicht nach 4 Monaten und dem Einsetzen der Tiere. Es war immer optimal. Ich nehme an, dass das bereits gebrauchte Aquarium nebst Filter und das Animpfen mit Starterbakterien eine gute Kombination waren.)

Wir warteten 3 Wochen bevor zuerst einmal die Schnecken einzogen.

Schnecken weiden Algenbeläge an Scheiben, Pflanzen und Steinen ab.

Nach und nach folgten Fische.

 

Aufgaben für Kinder

Im Vorfeld

Meine Bedingung für das Inbetriebnehmen der Unterwasserwelt an den Sohn war, sich gut zu informieren. 

Was braucht es, damit sich die Fische wohl fühlen? 

Welche Fische sind überhaupt geeignet?

Welche Fische und andere Tiere kann man miteinander kombinieren? etc pp

Er las sich tatsächlich ein. Ich suchte ein paar geeignete Kinderseiten im Netz heraus und der Mann besorgte noch ein kleines Büchlein zum Thema. Außerdem informierte er sich im Zoofachhandel.

Ich las mich natürlich auch ein. 😉

Wenn es nach dem Sohn gegangen wäre, dann hätten wir Garnelen, Frösche, Schnecken und ganz unterschiedliche Fische im Wasser. Aber das geht eben nicht alles in einem Aquarium, weil die Lebewesen und  Bedürfnisse zu unterschiedlich sind.

Alle Wasserlebewesen haben unterschiedliche Ansprüche an Platz, Wasserqualität und eben auch die Mitbewohner.

Der Sohn schrieb so dann eine Einkaufsliste für geeignete Pflanzen und Fische. (Schreibanlass für faule Grundschüler 😉 )

Er begann sogar ein Aquariumtagebuch mit Zeichnungen, aber leider ließ dieses Engagement nach.

Natürlich ist der Sohn auch für die Beleuchtung, das Füttern und die Wasserwechsel zuständig. Letztere machen wir aber immer zusammen. 

Es empfiehlt sich mit Kindern dabei auch immer ein paar Handtücher bereit liegen zu haben. 😉

 

 

Einfahrphase

Wir haben das Aquarium mit allem Nötigen bestückt und befüllt und regelmäßig die Wasserwerte kontrolliert und beobachtet, ob die Pflanzen wachsen.

 Mit diversen Wassertestmöglichkeiten kann man die Chemie gründlich studieren. (Für interessierte größere Kinder bestimmt spannend!)

In unserem Fall arbeiten wir mit einfachen Teststreifen, die die wichtigsten Parameter auf einen schnellen Blick anzeigen.

Die ersten zwei Wochen passierte nicht wirklich etwas. Außer, dass sich auf der Wasseroberfläche eine sogenannte Kamhaut bildete. Das ist ein Bakterienteppich und ein gutes Zeichen. 

 Plötzlich tauchten dann auch erste Lebewesen von ganze allein im Wasser auf. Winzig kleine Scheibenwürmer und Hüpferlige. Letztere sahen für mich aus wie Staubpartikel, aber der Sohn sagte, die hätten Beine. Mit einer Lupe konnte ich es dann auch erkennen. Zudem hüpften die „Staubpartikel“ auch ruckartig durchs Wasser.

Da der Nitritwert bei uns unverändert gut war, zogen nach drei Wochen Zebrarennschnecken ein. Die können sich im Süßwasser nicht vermehren, aber mögen hartes Wasser und weiden Algen ab. Sie halten also das Aquarium mit sauber. (Leider verstarben nach und nach 3 von 6 Zebrarennschnecken. Wie ich mittlerweile weiß, haben sie lange Transportwege hinter sich und sind zumeist einfach zu geschwächt. Würde ich nicht nochmal kaufen. Drei andere haben aber überlebt und sind fidel und fröhlich unterwegs und putzen was das Zeug hält.

Während wir immer wieder die Schnecken beobachteten, tauchte plötzlich noch eine kleine Blasenschnecke auf. Die war wohl mit den Pflanzen unbemerkt eingeschleppt worden. Sie heißt Ronny und kann tolle Sachen. Die Lieblingsschnecke vom Sohn. Ronny hat mittlerweile mit sich (Zwitter) selbst ein paar Nachkommen gezeugt, die als zuverlässiger Putztrupp im Aquarium Algen und abgestorbene Pflanzenteile verputzt. (Wir mussten bisher in 4 Monaten noch kein einziges Mal die Scheiben reinigen.

Eine Woche nach den Schnecken, haben wir dann 3 Goldmollys eingesetzt. Die sehen aus wie Mini-Goldfische, gehören zu den Lebengebärenden (Zahnkarpfen) und sind tatsächlich sehr neugierig und zutraulich. Meine persönlichen Favoriten. Die Mollys sind schier ausgeflippt vor Freude über die Hüpferlige im Aquarium und haben alle aufgefressen. Auch die Scheibenwürmer hatten keine Chance.

Ihre eigenen Babys allerdings auch nicht. 3 Babymollys kamen aber durch. Lebengebärende fressen ihre Jungen nämlich gerne mal auf. Was wiederum praktisch ist, dann ist das Aquarium nicht im Nullkomma nix überbevölkert.

Noch eine Woche später kamen 6 Guppys dazu. Optisch die Punks unter den kleinen Fischen. Bunt, quirlig und ebenso neugierig wie die Mollys. 

Mit den Guppys hatten wir allerdings kein Glück. Einer nach dem anderen erkrankte offenbar an Flossenfäule. Jedenfalls sah es bei Zweien so aus. Ich barg alle paar Tage einen toten Fisch. Einer verschwand gar auf mysteriöse Weise und war offenbar von den anderen gefressen worden. Ein letzter Guppy ist übrig und der fühlt sich augenscheinlich sehr wohl als einziger Guppymann im Aquarium.

(Wie selbst der Zoohandel einräumte, sind Guppys oft sehr hochgezüchtet und in Antibiotika versetztem Wasser aufgewachsen, so dass sie nicht besonders robust sind und schnell erkranken.)

Die Mollys hingegen sind weiter robust und haben nochmal zwei Babys nachgelegt. 

Die Blasenschnecken sind lustig und zudem ein guter Indikater, ob man zu viele Nährstoffe im Wasser hat. Viele Blasenschnecken = viele Nährstoffe. Wenig Blasenschnecken= passende Nährstoffdichte und ein prima Putztrupp.

Viele Aquarianer mögen sie wohl nicht, weil sie leicht zur optischen Plage werden können. 

Die Kinder finden die Blasenschnecke allerdings super cool! Die können im Wasser schweben und an der Wasseroberfläche entlang „laufen“ und solche Sachen.

 

  Blasenschnecke weidet Bakterien von Wasseroberfläche ab.

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