Unter Beschlag

Aktuell fühle ich mich von den Kindern sehr in Beschlag genommen. Ach, ich fühle mich nicht nur so. Ich werde in Beschlag genommen. Zum Glück befinde ich mich noch in der Phase: Ich breche unerwartet in schallendes Gelächter aus, weil ich alles so wahnsinnig finde. Das ist soweit gut, aber ein Zeichen für: Ich muss mal meinen Energiehaushalt auftanken. 

Das kleine Hummelchen ist ein überwiegend freundliches Baby, aber wie alles Babys ändern sich in den ersten Monaten noch häufig die Bedürfnisse. Und dieses Baby schläft manchmal ganz viel am Tag und manchmal sehr wenig. Da ist kein Verlass auf feste Zeiten. Abends möchte sie in den letzten Wochen auch immer ab 19 Uhr ins Bett, aber bitte mit mir zusammen. Ich hab alles versucht. Ich muss mich mit hinlegen. Das klappt dann allerdings immer erst um 20 Uhr. Denn die drei anderen Kinder muss ich ja auch versorgen. Solange krächzt und mosert das Baby ungeduldig.

Es ist an sich nicht schlecht so früh schlafen zu gehen, dann bekomme ich meistens meinen nötigen Schlaf zusammen. Manchmal kann ich auch noch ein bisschen lesen neben der kleinen Hummel. Das finde ich dann zum Beispiel super.

Blöd ist, dass ich dann schon im Bett liege, wenn der Mann nach Hause kommt und wir abends gar nicht in Ruhe miteinander sprechen können. Dabei gibt es gerade ein paar Dinge um uns herum, die spannend sind und auch ein paar kleine „Sorgen“ meinerseits hinsichtlich der Kinder.

Oder mir fehlt auch die Zeit abends, um Dinge zu erledigen (gerade in der Vorweihnachtszeit), um das ein oder ander heimlich vorzubereiten.

Ich habe aktuell keine Erwachsenenzeit. Weder mit mir alleine, noch mit anderen Erwachsenen. Das ist etwas anstrengend für mich.

Vor allem würde ich gerne mal über meine Erlebnisse und Beobachtungen mit den Kindern mit jemandem sprechen ohne kleine Lauscher zu haben oder alles in einem seltenen kantonesischen Dialekt verklausulieren zu müssen.

So freue ich mich tatsächlich auf den Elternsprechtag in der Schule!  

Nicht weil ich erwartete Lob in allen Belangen zu hören, sondern mit jemandem Erwachsenen über die Kinder und ihre Besonderheiten zu sprechen.

Da ich die Lehrerin meines Sohnes über alle Maßen schätze für ihre wunderbare und tatsächlich schon außergewöhnlich gute Arbeit, freute ich mich einmal mehr auf diesen Termin. Die kleine Hummel war leider nicht so geduldig und quakte ein wenig dazwischen und natürlich ist das Zeitfenster bei Elternsprechtagen eher knapp, aber ich kam sehr glücklich aus dem Gespräch heraus. Denn ich habe zwar nicht ausufernd, aber doch alle Gedanken mal besprechen können. Mit einer Erwachsenen! 

Der Sohn hat nämlich ein paar „Baustellen“, die mich beschäftigen.

 

Das Sirenen hat auch „Baustellen“. In der Schule und zu Hause.

Die wilden Momente vor den Sommerferien waren nun eine ganze Weile wieder verschwunden, aber die Vorweihnachtszeit hat wieder genug Ausnahmen, Stunden ausfälle, Verschiebungen, Feste und Feiern, Ausflüge, Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier etc….das macht sich beim Sirenchen wieder bemerkbar und ich bin wieder besonders gefordert dies aufzufangen.

 

Das Knöpfchen kommt dann auch in sowas wie die Wackelzahnpubertät und vor allem in den letzten Wochen ist sie schier wahnsinnig. Die Phantasie geht mit ihr durch, ihr Temperament auch. Sie kreischt und schreit und plappert in einer Tour. Und am späten Nachmittag wird sie so umkoordiniert wild, dass ich stets erwarten muss, dass sie sich noch weh tut. Auch das versuche ich zu verhindern und die Energie umzulenken. Nicht einfach, wenn dazwischen auch noch ein Baby krächzt und die Katzen miauen und die beiden Schulkinder natürlich auch noch Aufmerksamkeit brauchen.

Es wäre gelogen, wenn ich allen Anforderungen mit Bravour gerecht würde. Aber ich gebe mir Mühe.

 

Ich bin gerade dankbar um jedes Gespräch mit Erwachsenen ohne unterbrochen zu werden. Da kann ich meine Gedanken sortieren.

Und ich muss einmal anmerken, dass mir nicht zuletzt dieses Internet, das Bloggen, die Sozialmediakanäle und der darin gegebene Austausch wertvolle Energiequellen sind. 

Aber sie ersetzen nur einen kleinen Teil der Energie, die mir Begegnungen im Real Life geben. Und auch das kommt beides derzeit sehr kurz.

  3Comments

  1. Avatar Lucia Schneider   •  

    Ich kam durch Zufall auf deine Geschichte „Vollmond/Türen knallen“ und hab sehr lachen müssen. Als hättest du Mäuschen bei uns gespielt. Wir haben auch vier Kind zwischen 8 und 0 Jahren. Unser Jüngster ist fast 4 Monate alt und beeindruckt auch mit seinem Gewicht und mit Kack-kämpfen. Unser mittägliches Unwort ist Hausaufgaben dicht gefolgt von „Schmeckt mir nicht“. Uns wird auch Entspanntheit nachgesagt obwohl ich täglich in den Wahnsinn getrieben werde. Manchmal komme ich mir vor wie der Bär von „Mascha und der Bär“. Was die Natur sich dabei nur gedacht hat (werde ich erstmal nicht erfahren, ich komme nicht dazu den Herrn Renz-Polster weiterzulesen….geschweige denn diesen XL-Kommentar ohne mehrfache Unterbrechungen zu schreiben) . Ich sehe mein Essen manchmal nur hinter einem süßen dicken Kopf der im Tragetuch schläft. Dafür kann ich mich den restlichen Tag von den Krümeln ernähren die auf seinen Kopf gefallen sind. Aber ich liebe dieses Leben, ich liebe unser Familienbett, ich liebe die Tragezeit, ich liebe das Gewusel und unsere Kinder als Geschwister zu erleben…meistens. Jetzt darf ich etwas kochen…vorrausgesetzt ich werde nicht dabei unterbrochen zu überlegen was es überhaupt geben soll. Liebe Grüße aus einem münchner Vorort.
    Lucia

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Liebe Lucia,

      da leben wir ja gerade unter gleichen Bedingungen. 😀 Ich freue mich sehr über deinen Kommentar! Vielen Dank!

      Leider nur kurze, aber herzliche Grüße!

      Beatrice

  2. Avatar Carolin   •  

    Kantonesischer Dialekt… hahaha!!! Ich bin so froh, dass unser Schulkind noch kein Englisch kann, aber dann werd ich wohl bald auch Mandarin, Kisuaheli oder Schottisch lernen müssen.
    Ansonsten kann ich Dich so gut verstehen… mir geht es GENAU SO. Und das mit Baby Nr. 3 noch im Bauch… puh, ich habe keine Ahnung, wie das dann werden soll, wenn ich jetzt schon unter Dauerbeschlag von meinen beiden Jungs festgenagelt bin. Und Gespräche mit einem Erwachsenen, traumhafte Vorstellung! Oder gar mit dem Mann! Es verhält sich dabei wie mit dem Duschen: Wenn ich nicht mehr weiß, wann ich zuletzt geduscht habe (oder mit dem Mann gesprochen habe), wird es dafür höchste Zeit!
    Ich wünsche Dir gutes nervliches Durchhalten und kreative Ideen zum Energie auftanken. Dann wird das schon werden. Aber ich bin immer wieder beeindruckt, wie humorvoll und gelassen Du Dich durch den Alltag bewegst. Eine Inspiration, besonders in Sachen Humor 🙂

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